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Die interalliierten
Das Problem aller Probleme, der internationale Finanz- und Wirtschaftsausgleich, dessen Lösung bisher immer wieder durch politische und stimmungsmäßige Hemmungen gescheitert ist .wird zur 3eit in Paris, zum Leidwesen einiger der Beteiligten nur im Ausschnitt, behandelt. Amerika hat gefordert und bei der ihm zur Verfügung stehenden Menge der Druckmittel auch erreicht, daß die Zinanzkonferenz sich wenigstens in ihrem äußeren Programm auf die mit Deutschland zusammenhängenden Fragen beschränkt. Amerika hat neben den Besatzungsansprüchen auch seine Reparationsforderungen angemel- L det. Lin Gewirr von Fragen, offenen und geheimen Abmachungen, Abrechnungen und finanziellen Meinungsverschiedenheiten breitet sich in Paris vor den Augen der Beteiligten Ltaatenvertreter aus. England ist nun von vorneherein mit I der Absicht nach Paris gegangen, selbst in dem Falle, daß eine offizielle Aufrollung des LchulLenproblems unmöglich ist, doch von Amerika finanzielle Konzessionen zu erreichen. Frankreich hat sich bereits mit den amerikanischen Ansprüchen auf den großen Reparationstopf einverstanden erklärt. England steht auf dem Standpunkte, daß Amerika infolge seiner gesonderten Friedensabmachungen mit Deutschland keinen Anspruch auf die deutschen Reparationen hat. Dieser Standpunkt wird natürlich nur in den Vordergrund geschoben, um ip» durch entsprechende Gegenleistung weghanDeln zu lassen. England denkt dabei an eine Art Meijtgebünstigung in der Regelung der Schuldenfrage und, wie sich neuerdings herausstellt, auch an ein Kreditabkommen, durch welch-'s das Verhältnis vom Dollar zum Sterling auf Vorkriegsparität gebracht wird.
Die, wie bereits erwähnt, in Paris nicht unmittelbar zur Besprechung oder gar Regelung gelangenden Schuldenfrage m bildet also trotzdem den bedeutsamsten Hintergrund der augenblicklichen finanziellen Abmachungen, ebenso wie bereits in London das Schuldenproblem unsichtbar hinter den Verhandlungen stand. Die gegenseitige Verschuldung der ehemaligen Kriegsverbündeten hat sich in drei Hauptstufen entwickelt. Die erste Spanne reicht bis zum 7. April 1917, also bis zum Eintritt der Vereinigten Staaten in den Weltkrieg. ön dieser Kriegsperiods hat England vorwiegend den Krieg finanziert und zwar zuna^^ feine Domini-ens, dann Frankreich, ön der Finanzierung Rußlands und später Stallen taten sich England und Frankreich zusammen. Insgesamt wurden an Anleihen über 8 Milliarden Dollar aufgebracht. Die Versorgung der Entente mit Waffen und Kriegskonterbands erfolgte damals im wesentlichen nur gegen Bezahlung bezw. Aktien und An- leihestUcken neutraler Staaten. Vom Kriegseintritt der Vereinigten Staaten bis zum Kriegsende übernahmen in der Hauptsache die Vereinigten Staaten die Kriegsfinanzierung. Die interalliierten Anleihen wuchsen auf 21,599 Milliarden Dollar. Englands Schuldbetrag belief sich auf 3,696 Milliarden Dollar, der Frankreichs auf 1,970 Milliarden Dollar, der Staliens auf 1,031 Milliarden Dollar. Hinzu kamen die -verschiedenen kleineren Verbündeten. Bei Kriegs
VersKlMimg der Krise.
Man konnte sagen, -daß seit dem Eintreten Dr. Luthers in der Kabinettsbildung ein erheblicher Fortschritt zu verzeichnen gewesen ist. Sämtliche Parteien rechts vom Zentrum haben sich mit erfreulicher Schnelligkeit einverstanden erklärt und man durfte hoffen, daß die Verhandlungen der Zen- trumspartei am Sonntag das Ergebnis hatten, daß die Kabinettsbildung nicht abermals sabotiert wurde und daß auch der Arbeitsminister Braun als Fachminister auf seinem Posten ©erWeibn konnte. Leider aber hatte man bei dieser Rech- nung den ausschlaggebenden Faktor, d. h. die Stellungnahme der Oentrumspartei als einzige Unbekannte außer Acht gelassen, und nun ist das eckgetroffen, was viele fürchteten. Die Zen- rumsfraktion des Reichstages hat am Sonntag abend 9 Uhr lolgenben einstimmigen Beschluß gefaßt: „Die den Vertretern 5 Oentrumsfraktion am 11. Sanuar in den Verhandlungen , " ^eichsfinanzminlster Dr. Luther übermittelten Erklär» ngen ermöglichen es der Zentrumsfraktion nicht sich an dem vorgesehenen Kabinett zu beteiligen.“
durch diese Stellungnahme ist roteber einmal durch die Hal- ng einer einzigen Partei die Krise verschärft und verschleppt worden, und man fragt sich wie lange die Geduld des deutschen Volkes und auch eines großen Teiles der Zsntrumswähler
auf die Probe gestellt werden soll. Hatte schon die Hal- ung dieser Fraktion das Vertrauen einer großen Anzahl ih- Wähler auf das Schärfste erschüttert, so dürfte nach bie* , jüngsten Ereignissen eine ziemlich scharfe Kritik vieler Zen- rumswähler an ihrer Partei geradezu herausgefordert sein.
Öätte das Zentrum bei der jetzigen Bildung die Bedingung gemacht, daß die bisherige Außenpolitik beibehalten würde, so wäre diese Versicherung von der Deutschen Volkspartei ohne weiteres gegeben worden und auch von Seiten der Demo-
1 “ """ ku mmdD mit einer gemäßigten Opositioq W
ende war die vom Kongreß genehmigte Kreditsumme von 10 Milliarden Dollar noch nicht erreicht. An Waren wurden den Alliierten bis zum Waffenstillstand 187 730 000 Dollar kre- didiert.
ön der dritten Zeitspanne wurde mit Rücksicht auf amerikanische Industrie und Landwirtschaft die Kreditgewährung fortgesetzt, um Absatzstockungen zu vermeiden. Es erhielten u. a. Anleihen England, Frankreich, ötalien, Belgien und die Tschechoslowakei. Der Zinssatz ging von 3 v. H. über 3 ein- viertel bis 3 einhalb Prozent, für bestimmte Obligationen auf 4 einviertel Prozent. Außer England dachte keiner der Schuldner an Zinsenbegleichung, sodaß das Schuldkapital beträchtlich anwuchs. Auch weiterhin hat sich das amerikanische Kapital an Anleihen, beispielsweise für Sapan, für die Schweiz, für Armenien beteiigt. Die Hauptschuldnerstsaten verteilten ihr Geld weiter an die kleineren Staaten. Ein wichtiger Abschnitt in der Entwicklung des Schuldenproblems ist das Abkommen zwischen England und Amerika vom 23. Suli 1923 das sogenannte Baldwin-Abkommen, nach 'welchem die britische Regierung, Bonds für eine Hauptsumme von 4,6 Milliarden Dollar ausgab. Diese Bonds laufen am 15. Dezemb. 1984 ab. Zinsen sind halbjährlich zahlbar mit wachsender Tendenz in den Raten. Gegenwärtig spielt die Frage der Schuldenregelung mit Frankreich eine wichtige Rolle. England sträubt sich dagegen, daß Frankreich günstigere Bedingungen erhält, ehe es zu gleichen Bedingungen seine Verpflichtungen an England abdeckt. Die in Amerika bestehenden Bestrebungen auf Herabsetzung oder Streichung der Schulden haben wenig Aussicht auf Verwirklichung, zumal Frankreich für ausgesprochene RUstungszwecke an eine Reihe neugegründeter Staaten beträchtliche Summen weitervergeben hat.
ön der „Deutschen Rundschau" fast Sorg Schaller das Schuldenproblem auf dem Stande vom November 1923 folgendermaßen zusammen: Die Summe der interalliierten Anleihen belief sich an diesem Zeitpunkt auf 28 261 000 000 Dollar. Die Vereinigten Staaten und England hatten zu annähernd gleichen Teilen Anleihen an andere Staaten gewährt, erstere 11 861 000 000 Dollar, letzteres 11 17T 000 000 Dollar. Als bedeutender Kreditgeber kommt außer den beiden Staaten englischer Zunge nur Frankreich mit 3 464 000 000 Dollar in Betracht. Zieht man den Saldo zwischen Soll und Haben der einzelnen Länder, so überragen die Ver. Staaten als Netto- Kreditor mit 11 959 000 000 Dollar (hinzu kommen die bedeutenden Kredite 1924) alle anderen Alliierten. Erst in weitem Abstand folgt England mit 4 682 000 000 Dollar, wobei die russische Milliarden Dsllarschuld ein Problem für sich bildet. Die übrigen Staaten sind Netto-Schuldner: Ötalien mit 4 357 500 000 Dollar, Frankreich mit 3 557 000 009 Doll., Betrachtet man den von Frankreich an Rußland gewährten Kredit als verloren, so erhöht sich diese Summe noch um 1 165 700 000 Dollar. Rußland mit 4 471 600 000 Dollar und Belgien mit 1 215 600 000 Dollar.
rechnen gewesen, die aber schon deshalb keine schroffen Formen annchmen konnte weil auch in der demokratischen Fraktion die Meinungen sehr weit auseinander gingen.
Wenn auch schließlich die Sozialdemokraten die schärfste Opofition ankllndigten, so hätte das nicht allzuviel auf sich, da ?um mindesten die großen innepolitischen Erscheinungen der nächsten Zeit ihrer Natur nach doch gegen die Sozialdemokratie hätten getroffen werden müssen.
Die Erwägungen lassen den Beschluß der Zentrumsfrak- tion, die sich in der letzten Zeit so wirksam hinter den Begriff der Volksgemeinschaft deckte, noch unverständlicher erscheinen.
Brotestversammlongen in Köln.
dB. Köln, 12. öan. (Eig.-AUdg.) Am Sonnntag, dem ersten Tag der Verlängerung der Besetzung der ersten Zone fanden in der Stadt zahlreiche Protestversammlungen der verschiedenen Parteien statt, die überall ruhig verlaufen sind. Die Rheinlandkommission hatte nur geschlossene Parteiversammlungen gestattet. Auch die Preffe darf die Versammlungen nicht kommentieren, sondern nur referierend berichten, ön allen Versammlungen wurde von den Rednern darauf hingewiesen, -daß der Glaube, mit den Gegnern zu einer Verständigung zu gelangen, durch den neuen Rechtsbruch aufs schwerste erschüttert sei. Die in den letzten jähren gehegten Hoffnungen seien aufs bitterste enttäuscht worden. Der Beschluß der Bol- schafterkonferen) müsse als Rückfall in die Methode der Sanktionen und Diktate bezeichnet werden. ön allen Versammlungen wurden entsprechende Entschließungen gefaßt. Erneut wurde unerschütterlich« Treue zu Reich und Preußen, gelobt
Das München.
Von Dr. Käthe Schirmacher.
Weshalb wurde Deutschland der Danziger Hafen geraubt, wenn er nicht deutsch-feindlichen Plänen dienen soll?
Seit 1920 bemüht man sich, Danzig zum Baumwollhafen zu machen. Bisher ging die amerikanische Baumwolleinfuhr für Polen über Bremen, den großen deutschen Baumwollhafen, und die Verfrachtung nach Lodz, dem Mittelpunkt der polnischen Spinnerei, besorgten deutsche Bahnen, zu Ausnah- metarifen. — Warum Deutschland dies Geschäft lassen und gönnen? Die Baumwolle ist, wie Eisen, Kohle, Oel, eins der großen, weltwirtschaftlichen Kampfgebiete. Deutschland aber wiegt heute leicht in der Wage der Weltwirtschaft. Die Rollen in dem Enteignungsspiel waren also bald wirksam verteilt. Solche Raubzüge gegen den wirtschaftlich Schwächeren, von der Hauptstelle des betreffenden Wirtschaftsgebiets aus gelenkt, sind heute der Kern aellr Politik, die achtbare „Poli- iiA ist verhüllendes Beiwerk, das von der Hauptsache ablenkt, diese Politik ist tatsächlich Wirtschaftspolitik und tötet das Gefühl für nationale Ehre bei den Vergewaltigten, was auch die Absicht ist.
Das Danziger Vaumwollspiel trug sich folgendermaßen zu: Eine Gruppe skandinavischer Reeder unter Führung der Ver- genska Baltic Transports Ltd. in Danzig besuchte in diesem öabre Warschau und stellte fest, daß der polnische Handels- und Eisenbahnminister „ihren Plänen großes Interesse entge- genbringe". Diese Pläne bezweckten die Entthronung Bremens als Einfuhrhafen der Baumwolle für Polen, Einfuhr der Ware über Danzig, Verfrachtung von dort nach Lod; über die Deutschland geraubten westpreußisch-posenschen Bahnen. Schwächung deutscher Wirtschaft, Stärkung polnischer. Ma« bediente sich dabei der polnischen Kaufleute in Danzig unb „neutraler“, nordischer Reeder unter norwegischer Führung, mit englischen Namen. Das Geschäft war natürlich nur zu machen, wenn die Einfuhr über Danzig nach Lodz nicht teurer, P womöglich billiger war, als oie Einfuhr über Bremen ^ Deutschland, Lodz. Das ließ sich machen: die Baumwolle, die in den südlichen Vereinigten Staaten wächst, die in der Hand eines großmächtigen Baumwollrings liegt, brauchte nur im Einverständnis mit oder auf Anregung von den Baumwollgs- waltigen Jo billig nach Danzig verfrachtet zu werden, daß bie Bremer Konkurrenz geschlagen ward. Das ließ sich auch machen. Die drei nachstehenden skandinavischen Reedereien, mit englischen Ramen und amerikanischen Baumwollverbindungen: Norwag Mexico Gulf Line (Kristiania) Swedish American Gulf Linie (Sotenburg), Transatlantic Steamship Linie (So- tenburg) beschlossen, „die Seefracht Solf—Danzig nicht teurer }u notieren als Golf— Bremen". Das war der erste Schlag gegen „die deutsche Konkurrenz". Der polnische Eisenbahn- minister ahmte darauf das Beispiel seines deutschen Kollegn nach (der aber keine Konkurrenz abgemürgt, sondern die näßliche Lage Deutschlands zum allgemeinen Vorteil benutzt hatte) und bewilligte unter Voraussetzung größerer Transporte über Danzig", eine Verbilligung der Bahnfrachten, so erheb- M), daß die Gesamttransportkosten Solfhäfen (Neuorleans, Salveston, Houston) Danzig—Lodz um etwa 20 v. H. billiger find, als die Kosten über Bremen. — Bremen kann also nicht mehr mit. Seit Anfang 1924 haben die drei Reedereien, die über 700 000 Tonnen Schiffsraum besitzen, den Monats- verkshr Solf—Danzig organisiert, Bremen hat das polnische Baumwollgeschaft verloren. Den Weitertransport nach Lodz besorgt bie führende Bergenska Baltic Transport.
Nun setzt die Behandlung von Baumwolle gewisse Kenntnisse und Erfahrungen voraus. Die besorgte man fich durch Berufung „erstklassiger Bremer Fachleute" nach Danzig.
Der deutsche Kaufmann in Danzig aber steht vor der Frage, ob er beiseite stehen oder mittun soll.
Jedenfalls wird Danzig durch solche Bindungen entdeutscht und verpolt, was auch die Absicht ist. Deutschlands Handel unb Volksoermogen wird geschädigt und der Polens gefördert. — ^61 Raub des DanzigerHafens dient ganz weitreichenden Planen, die niemals Deutschland nützen, sondern es tödlich treffen sollen. — Rein erdkundlich scheint unser Land, bei Europa- wie Weltwirtschaft nicht zu umgehen. Zweck des Weltkriegs war es, das Unmögliches checkende möglich zu machen.
Deutschland ihrer natürlichen Wirtschaftsmacht als oftmeftlid), norbfubhdje Vermittler zu berauben. Der Plan .st, die westeuropäische Wirtschaft über den internationalisier ten ^bem Fu leiten, dessen Mündung wir ja schon 1648 end-- gu tig Mdoren, und die osteuropäische Wirtschaft über die» polnische Weichsel, deren Mündung, Danzig, uns 1920 entrissen ward. Dann läuft der Weltverkehr an uns vorbei, bet Sermittleroerkehr auf deutschen Bahnen sinkt (find es überhaupt noch „deutsche Bahnen"?) sämtliche deutsche Ströme außer der Weser, sind internationalisiert, die deutsch« önbuftri< arbeitet mit amerikanischem Geld, die deutschen Kommune« borgen bei Amerika — —- eine selbständige und starke deutsche Wirtschaft scheint unmöglich. Wenn man die „Schuldftage" einmal von diesem aufrollte?