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Nimmer io.

Mittwoch, den 14. Januar 1925.

L Jahrgang.

Die Verhan-lungen um die KabineMbildung.

D.B. Berlin, 12. öan. 1925. (Lig. Mdg.) Die Be­mühungen auf Bildung eines Reichskabinetts haben auch am Montag bis in die Abendstunden hinein sichtbare Fortschritte nicht gezeitigt. Die vorhandenen Gegensätze sind noch unaus­geglichen. Dr. Luther hat nach dem gestrigen Zentrumrbe- schluß seine Verhandlungen auf der Basis der Schaffung eines überparteilichen Kabinetts eingeleitet und in diesem Sinne am Vormittag zunächst mit den Zentrumsabgeordneten Zehren- bach, Stegerwald und Soß verhandelt. Das Zentrum hatte in­zwischen an Dr. Luther vier Fragen gerichtet, die sich auf folgende Punkte bezogen: 1. die Stellungnahme der Deutsch- nationalen zum Reichspräsidenten (veranlaßt durch das Fern- bleiben des dutschnationalen Vizepräsidenten des Reichstags Graef-Thüringen beim Empfang des Präsidiums durch den Präsidenten): 2. die Flaggenfrage, 3. die Stellung gegenüber der Verfassung und 4. ob Dr. Luther bereit sei, den bisherigen außenpolitischen Kurs des Kabinetts Marx fortzuführen. Eine endgültige Antwort auf diese Fragen hat sich Dr. Luther zu­nächst vorbehalten. Sn den ersten Nachmittagsstunden hat er sich mit den Deutschnationalen besprochen. Diese Verhand­lungen dauerten ziemlich lange und man zeigte in den Kreisen der Rechtsparteien daraufhin einen gewissen Optismismus. ön diesen Kreisen rechnet man auch weiterhin damit, daß es Dr. Luther heute oder morgen gelingen wird, ein Kabinett zustande zu bringen, für das neben einigen Parlamentariern vor allem politisch neutrale Persönlichkeiten in Frage kämen. Die Demo- kraten würden an einem solchen Kabinett nicht Mitwirken, das Zentrum sich vermutlich nicht binden. Sn deutschnationalen Kreisen wellst man allerdings darauf hin, daß das Zentrum sich mit den Zugeständnissen der Deutschnationalen weitgehend ein- verstanden erklärte, die sich im wesentlichen auf folgende Punkte bezogen. Festhalten an der Verfassung, Respektierung der verfassungsmäßigen Stellung des Reichspräsidenten, Fest­halten an der bisherigen Linie der Außenpolitik, Einschränkung der polnischen Presseangriffe, Zusicherung von 23 Minister­posten. Meinungsverschiedenheiten hätten noch bestanden über die Flaggenfrage, die Kandidatur Dr. Hergts für den Finanz- mimstorposten und einige andere Punkte zweiter Ordnung.

Es besteht kaum ein Zweifel, daß der in der Auffassung der Rechtsparteien zum Ausdruck kommende Optimismus, be­trachtet man die Lage im ganzen, erheblich übertrieben ist. Die Schwierigkeiten haben sich durch den Zentrumsbeschluß für Dr. Luther sicherlich verstärkt und ein wesentliches RLHerkommen ist am Montag noch nicht eingetreten. Von einer Zwangs­lösung durch den Reichspräsidenten, von denen bereits Gerüch­te sprachen, ist natürlich noch gar keine Rede, aber auf der anderen Seite sind die Schwierigkeiten an allen Ecken noch turmhoch wobei die Frage dr Stabilität eines solchen überparteilichen Kabinetts zunächst ganz außer Betracht blei­ben kann.

Sm die PreußenstMt.

D.B.Berlin, 12. öan. (Sig. Meldg.) Die preußische Re­gierung wird am Dienstag in einer Kabinettssitzung die For­mulierung der am Mittwoch vor dem Landtag abzugebenden Erklärung vornehmen. Diese Erklärung dürfte inhaltlich und teilweise auch im Wortlaut kaum abweichen von dem Pro­gramm, das der Ministerpräsident Braun anläßlich der Bil­dung der Großen Koalition in Preußen vor dem Parlament entwickelte. Einen Mißtrauensantrag haben nur die Kom­munisten eingebracht, während Deutschnationale, Völkische und Wirtschaftspartei für den volksparteilichen Antrag stimmen Durften, her nur feststellt, daß die Regierung die verfassungs­mäßige Grundlage nicht besitze. Mit einem Sturz der Regier­ung ist kaum zu rechnen.

Die Haltung der Deutschnationalen gegenüber dem Relchsprüsldenten.

D.B. Berlin, 12. öan. (Sig. Meldg.) Ueber die Haltung der Deutschnalionalen gegenüber dem Reichspräsidenten, die neuerdings auch in den Regierungsverhandlungen eine Rolle hielt, wird eine Fraktionssitzung im Laufe dieser Woche die endgültige Entscheidung treffen. Das Zentrum hatte im Ver- laufe der letzten Zeit keinen Zweifel darüber gelassen, daß es mibedingte Respektierung der verfassungsmäßigen Stellung des Reichspräsidenten von jeder evtl. in der Regierung vertretenen Partei verlangt und die Deutsche Volkspartei hat sich da- rau hm veranlaßt gesehen, bei der deutschnationalen Fraktion ernste Vorstellungen zu erheben. Es ist von dieser Seite be- tont worden, daß es nicht anginge, daß Mitglieder des Roichs-

tagspräsi. demonstrativ von allen Höflichkeitsbezeug. des Reichs genüber dem Reichspräsidenten Ebert sich fernhielten. Die Vertreter der Deutschnationalen Reichstagsfraktiion hätten überdies bis in die letzte Zeit hinein offiziell mit Ebert ver­handelt, sodaß für den Vizepräsident Graef und die deutsch- nationalen Schriftführer umsoweniger Grund bestände, sich ih­rerseits von der Teilnahme an Höflichkeitsakten anznschließen. Es würde dadurch nur ein gefährlicher Präzedenzfall geschaf­fen, auf den sich die Sozialdemokraten evtl, später gegenüber einem rechtsstehenden Reichspräsidenten berufen könnten. Au­ßerdem liege es aber auch im Interesse der Rechtsparteien, durch solche unüberlegten Vorstöße die Bildung einer Rechts- regierung nicht zu erschweren.

Keine Gefährdung des Sawesplanes durch die Deutfchnaiinnaien.

D.B. Washington, 12. öan. (Sig. Meldg.) Die Nèwgork World veröffentlicht ein Sntsvvisw, das ihr Berliner Vertre­ter mit dem Führer der Deutschnationalen Graf Westarp hat­te. Dieser betonte, durch den Eintritt der Deutschnationalen in das neue Kabinett werde die Ausführung des Dawesplanes nicht gefährdet werden. Die neue Regierung werde die Po­litik der alten fortsetzen. Zunächst werde sich die doutschnatio- nale Politik mehr mit inneren als mit äußeren Fragn be­schäftigen.

Rem schwere Kämpfe um Schanghai.

D.B.London, 12. öan. (Sig. Meldg.) Nach den hier aus Schanghai vorliegend-".) Meldungen fanbeu am 10. und 11. öanuar äußerst heftige Kämpfe an der Grenze des Gebiets statt, das als Konzession den Franzosen überladen ist. Der Angriff gegen Schanghai gilt zwar zunächst als abgeschlagen, doch ist die Lage außerordentlich verwirrt. Die Verbindungs­wege mit Schanghai sind gesprengt. Zwei amerikanische Häu­ser und eine Schule wurden geplündert und zerschossen. " neuen Kämpfe werden als die schwersten seit Beginn der gan­zen Unruhen bezichent.

Koiiüfche Wirtschaft.

Der Danziger Briefkastenkrieg. Das andauernde Ringen zwischen polnischer Anmaßung und deutscher Zähigkeit hat in der nicht reichsdeutschen, aber gut deutschen Stadt Danzig zu einem halb ernsten, halb komischen Intermezzo geführt. Ent­gegen dem Recht und dem unzweideutigen Spruch des frühe­ren Oberkommissars brachten die Polen eines Nachts heimlich und für die Danziger Regierung überraschend an zahlreichen Häusern schmutzig-gelbe Briefkästen für den Verkehr nach Polen an und schädigten damit die Danziger Postverwaltung. ÖH einer der nächsten Nächte würd diese Briefkästen von un­bekannter Seite schwarz-weiß-rot angestrichen, doch leider nicht ganz waschecht, so daß es den Bemühungen der pol­nischen Scheuerfrauen und -männer allmählich gelang, die ur­sprüngliche Schmutzfarbe wieder hervorzuzaubern. Die Dan­ziger Regierung protestierte bei der polnischen, diese hinwieder­um unter Drohungen bei den Danziger wegen nicht genügenden Schutzes von Polens Frechheitszeichen. Der Obrkommiffar riet dem Senat, sein Recht auf dem Wege größter Korrexi- Heit zu erkämpfen, und so ging eine recht gewundene Ent- schuldigungsnote nach Warschau, die mit den Worten be­gann:Auf Anraten des Herrn Oberkommissars . . . ön Danzig amüsiert man sich darüber, daß diese Note bereits die Herren Polen befriedigt hat, die wohl einen Wink be­kommen haben, mit ihren Annexionsgelüsten nicht zu weit zu gehen. Und lächelnd sieht man jetzt Tag und Nacht bei jedem Orange-Briefkasten einen Danziger Schutzmann stehen. Laut lachen aber muß jeder, der einmal die Prozedur der Brief­kastenleerung ansieht. Da kommt ein Riesenwagen, exekutiert von sechs schwerbewaffneten Polen, angefahren; zwei Männer begeben sich zu dem Kasten, halten eine große Tasche darunter und öffnen die Klappe und kein einziger Brief fällt hernie­der . . . DasBedürfnis" nach dieser polnischen Post ist nämlich minimal und dürfte jetzt vollends auf den Nullpunkt sinken, nachdem die Danziger Post die Portosätze nach Polen herabgesetzt hat, und zwar unter die Sätze der polnischenKon­kurrenz". So zieht immerhin die Geschäftswelt einen Vorteil aus dem deutsch-polnischen Briefkastenkrieg. Allein man soll aber den spassigen Einzelheiten nicht den Ernst der Situation vergessen. Könnten doch jeden Monat Tausende von Deut­schen aus allen Teilen des Reichs eine Reise nach der herr­lichen deutschen Stabt Danzig unternehmen! Die Paßsche­rereien und die Existenz des polnischen Korridors würden dann die Ueberzeugung, daß hier dem Deutschtum die größte Schmach zugefügt ist, zum Gemeingut des Volkes machen.

Das Neueste.

Luther bildet das Kabinett. Adenauer Annenminister.

wtb. Berlin, 13. San. telef. Den Blättern zufolge hat man in parlamentarischen Kreisen den Eindruck, daß es Luther heute noch gelingen werde, sein halb aus Parlamentariern, halb aus Zachministern bestehendes Aeichskabiuett zu bilden. Ge­wisse Differenzen sollen noch in der Frage der Besetzung des Sunenminiestriums bestehen, während die Deutschnationalen den Posten mit ihren Fraktionsvorsitzeuden Walraff besetzen wollen soll Luther eine andere Persönlichkeit, man spricht von dem Kölner Oberbürgermeiestr Dr. Adenauer, der dem Zentrum angehört, für die Besetzung des Postens in Aussicht genommen haben.

Fraktionsfitzungen.

wtb. Berlin, 13. Sau. telef. Die heutige« Aachmittags- sitzuug der Deutschnationalen und Zeutrumsfraktiou des Reichstages mußten nach kurzer Dauer unterbrochen werde«, da sowohl der Zentrumsführer Fehrenbach, als auch der deutschnationale Fraktionsführer S ch ie le mit Dr. Luther verhandeln mußte. Der Aeltefienrat des Reichstages ist er­neut ans Mittwoch Aachmittag 3 Uhr, also eine Stunde vor der Plenarsitzung einberufen worden. Der Vorstand des Reichs­tages tritt am Mittwoch bereits um 11 Uhr zu einer Sitzung zusammen. Außerdem halten sämtliche Fraktionen vor der Plenarsitzung am Mittwoch Sitzungen ab. Nach der Plenar­sitzung treten Ausschüsse für das besetzte Gebiet, für die Kriegs- beschädigteufrage und für die Auswertung zu einer konstituie­renden Sitzung zusammen.

Eine vereinigte Rechtspartei im

Etadtvarl

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wtb. Berlin, 13. San. telef. Wie derVorwärts" aus Beuchen meldet, teilte zu Beginn der gestrigen Stadtverordue- tenversammlung der Stadtverordnetenvorsteher mit, daß sich die Deutschnationale Volkspartei mit der deut­sche« Volkspartei zu einer Fraktion unter dem Namen Vereinigte Rechtspartei zusammen geschlossen habe.

Grubenunglück

wtb. Aachen, 13. San. telef. Heute morgen verunglück­ten auf der GrubeMarie" bei Alsdorf zwei vor Ort arbei­tende Bergleute durch schlagende Wetter tötlich. Der Steiger Simon fand bei den Bergungsarbeiten ebenfalls den Tod.

Der neue amerikanische Botschafter in London.

wtb. Washington, 13. San. telef. Zuukspruch. Präsident Toolidge hat dem amerikanischen Botschafter in Berlin, Loughton, den Votschafterposteu in London angeboten. Lough- tou erklärte sich telegrafisch zur Annahme des Postens bereit.

wtb. Paris, 13. Sau. telef. Havas meldet aus Washing­ton, Präsident Toolidge hat den amerikanischen Botschafter in Berlin, Loughton, zum Nachfolger Kellogs als amerikanischen Botschafter in London ernannt.

Ueberfall auf englische Offiziere.

wtb. Bombag, 13. San. telef. Ein Automobil, in dem der angesehene begüterte Suder Abdul Kadir mit einer Dame und einem Engländer saßen, wurde in dem vornehmen Stadt­teil Malabar Hill von den Snsassen einer anderen Automobils beschosien. Liner der Angreifer wurde von britischen Offiziere« festgenommen. Sämtliche Insassen und ein Offizier wurden verwundet. Abdul Kadir erlag seinen Verletzungen. Die Be­weggründe der Angreifer sind unbekannt.