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Ful-aer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön un- Bogelsbers, Ful-a un- Haunetal
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Für die Volksgemeinschaft — Für den Ständefrieden
Nummer 12.
Freitao, den 16. Ammar 1925.
2. Aahrgang.
Rechts
Wie das Kabinett Oucher jetzt geplant ist, bedeutet es wirklich die mildeste Form eines innerpolitischen Kurswechsels, die nur denkbar ist. Einen gewissem Einfluß werden natürlich die dem Kabinett angehörenden Deutschnationalen ausüben, aber der wäre ja unter allen Umftänben jur Geltung gekommen, sobald auch ein anderes Kabinett die Stimmen der Deutschnationalen jur Annahme der wirtschafts- und finanz- politischen Gesetze gebraucht hätte. Machen nun die Sozialisten und Demokraten, wie sie ankündigen, grundsätzliche und scharfe Opposition, dann treiben sie allerdings die Mitte und die Rechte immer fester zusammen und stärken dadurch den Einfluß der Deutschnationalen. Und das ist der Humor davon. Der außen- politische Kurs wird, da die bisherigen Minister Dr. Stresemann und Dr. Luther die entscheidenden Posten innehaben, zweifellos der alte bleiben. Wenn die Linke das Gegenteil behauptet und, nach den von ihr verbreiteten ausländischen Pressestimmen, auch im Auslande die Besorgnis vor einem außenpolitischen Kurswechsel in Deutschland wachruft, dann treibt sie damit ein bedenkliches Spiel, das man als national gewiß nicht bezeichnen kann.
Die Verhandlungen über die Personalfragen haben am Dienstag und Mittwoch noch viel Zeit in Anspruch genommen. Es galt im besonderen, die widerstreitenden Ansichten des Zentrums und der Deutschnationalen miteinander in Einklang zu bringen, da zumal die Besetzung des Innenministeriums mit einem rechtsstehenden Politiker zu Bedenken Anlaß gab. Wie das Verschleppen der Regierungskrise durch solche Verhandlungen auf die breiten Massen des Volkes wirkt, kann n^an unter anderem aus einer Kundgebung ersehen, die das Präsidium des Deutschen ReichSkriegerbundes „Kgffhäuser" an dessen Mitglieder versendet. Es wird da gegen den Bruch des Versailler-Vertrages durch den Zeindbuud scharf protestiert und sodann hinzugefügt: „Unser Aufschrei gegen diese erneute Vergewaltigung durch unsere waffenstarrenden Feinde darf nicht verhallen. Wir müssen endlich die alte Erbsünde der Deutschen, die Uneinigkeit im Innern, zurückdämmen, in der jetzigen Not das Trennende zurückstellen, das Einigende in die vordere Linie setzen. Wir müssen tatsächlich ein gegen außen geschlossenes Volk wieder sein, das sein Vaterland wirklich über alles setzt. Daran laßt uns alte Soldaten mit voller Kraft arbeitenI“ Wer (unter den Parteiführern) Ohren hat zu hören, der höre.
EM im Reichstag.
Da noch immer keine Regierung vorhanden, herrscht wenig öntereffe im hohen Hause. Man verzichtet auf eine Begründung der vorliegenden Anträge. Wem gegenüber sollte man sie auch begründen, wenn es keine vsrhandlungsfähige Regierung gibt, die sie beantwortet oder dazu Stellung nehmen kann! So versenkt man sie in den Schoß des Geschäftsord- nungsausschusses, damit sie dort geduldig Hres Schicksals warten. So vergeht die Zeit. Auch der Eifer des Kommunisten Schlecht wirkt nur schlecht. Auch der Eifer des Kommuninolog, Thema: Erwerbslosenfünsorge. Man läßt ihn eben in aller Ruhe reden. Das Haus wird noch leerer. Nach ihm ein Sozialdemokrat, der für Ueberweisung an den sozialpolitischen Ausschuß sich einsetzt. Durch Sitzenbleiben stimmt man ihm zu. Man hat keine Lust sich zu rühren. Voll sind nur die Tribünen. Eine Menge Menschen sitzt da und glaubte etwas zu hören. Was sieht sie weiter: das hohe Haus in einer schwachen Stunde. Auch morgen wird es nicht mehr werden. Man möchte die vorliegenden Anträge in die Ausschüsse versenken. So hoffe, arme Seele auf Freitag, vorausgesetzt daß Lucher Glück hat und sich vorstellt.
Sougthvns Abschied von Berlin.
Am 1. April werden es drei Sahre, seit Hougthons als erster amerikanischer Botschafter nach dem Kriegsschluß nach -Berlin kam. Er hat es in dieser Zeit verstanden, die Beziehungen zwischen beiden Ländern wieder so gut zu gestalten, daß sie, abgesehen von gewissen Hemmungen als Solgen des Kriegs, in jeder Hinsicht als durchaus herzlich bezeichnet werden können. Hougthon, der als junger Student bessere Verhältnisse kennen lernte, hat die ungeheure Wiederaufbauarboit in den schweren Nachkriegsjahren stets zu würdigen gewußt und wird diese seine Erfahrungen auch in seinem neuen Wirkungskreis in einem für Deutschland nutzbringenden Sinne verwenden können.
Der Reichspressechef?
Durch die Zeitungen geht die Meldung, daß der bisherige Reichspressechef Dr. Spiecker durch den wirklichen Legalionsrat Salier, ebenfalls einen früheren Journalisten, er-
herum!
Auf den Abschluß der Verhandlungen im Reich dürfte günstig die Tatsache eingewirkt haben, daß es nach mehrtägigen Verhandlungen, die in aller Stille zwischen Abgeordneten des preußischen Landtags geführt wurden, gelungen war, eine grundsätzliche Einigung zwischen der Rechten und dem Zentrum herbeizuführen. Die Einzelheiten stehen noch nicht fest, aber man darf bereits als ziemlich sicher annehmen, daß auch in Preußen demnächst eine sozialistenfreie Regierung am Ruder sitzen wird. Die Linke, die sich bisher so fest auf die preußische Landtagsfraktion des Zentrums verlassen hatte, wird nun wohl recht lange Gesichter machen. Aber das Zentrum beherrscht mehr als dis meisten anderen Parteien die Kunst, mit dem Volksempfinden in Fühlung zu bleiben, und dürfte sich auch jetzt in dem Gefühl nicht täuschen, daß eine weitere enge Verbindung mit den Barmat-Sozialdemokraten alles andere als populär ist. Vielleicht wirkt auch das Beispiel der aoberen deutschen Länder einmal auf Preußen herüber. <3n Bagern zeigte sich die Regierung Mitte rechts durchaus stabst und ist gerade dabei, auch den schweren Konflikt wegen des bagrischen Konkordats ju überwinden, Sn Württemberg hat das Zentrum sich zwar auf sozialpolitischem Gebiet der Linken genähert, aber eine Beseitigung der Regierung Mitte- rechts abgelehnt, ön Thüringen legt die Ordnungsregierung dieser Tage den Landtag den ersten Etat vor, wozu es die S o z i al istenregierungon nie gebracht hatten. Selbst das rote Braunschweig sieht eine bürgerliche Regierung vor den Landtag treten und kann feststellen, daß ihr Programm durchaus sachlich und keineswegs reaktionär ist. Warum soll also in Preußen und im Reich nicht möglich sein, was in den anderen Ländern möglich ist? Wahrlich, es wird höchste Zeit, daß dem Popanz des Rechtskurses sein Schrecken genommen wird und daß die Deutschna- tionalen in die Reihe der positiv mitarbeitenden Parteien eingegliedert werden. Man warte doch ruhig die Taten der aus den Mittelparteien und der Rechten zusammengesetzten Regierungen ab. Es ist gewiß nicht anzunehmen, daß sich das Zentrum irgendwie von seinem sozialpolitischen Programm und und damit von einer der Quellen seiner Macht abdrängen lassen wird; und auch die Deutsche Volkspartei, die durch die Kabinettskrisen etwas zu stark in den Verdacht gekommen ist, von den Deutschnationalen ins Schlepptau genommen zu sein, dürfte jetzt wieder mehr Wert auf die Bekundung ihrer Selbständigkeit legen.
setzt werden soll. Wir wissen nicht, ob Herr Dr. Luther schon Zeit gehabt hat, sich mit dieser Frage ju beschäftigen; sehr erstaunt sind wir aber, in der „Germania" einen scharfen Protest gegen eine solche Absicht ju lesen. Da Herr Dr. Spiecker, anerkanntermaßen dem linken Flügel des Zentrums augehört und stets seinen Einfluß dahin geltend gemacht hat, ein Zusammengehen des Zentrums mit der Rechten zu verhindern, so müßte er doch selbst der erste sein, der erklärt, den neuen Kurs nicht mitmachen zu können. Er ist ein viel gewandter Mann und würde sich gewiß auch als Vertreter beim Vatikan gut machen, wozu er in Aussicht genommen sein soll. Herr Salier ist durchaus Mittelparteiler und wird sich auch mit der Zen- trumspresse zu stehen wissen .
Blinder Mr.
An der tschechischen Technischen Hochschule zu Brünn in Mähren ist ein Ingenieur List ordentlicher Profestor für konstruktive Elektrotechnik. Diese Leuchte der Wistenschaft hat in einem öffentlichen Vortrage die deutsche und die amerikanische Fachliteratur verglichen und wörtlich gesagt: „Sn uns wur zelt der Glaube an die deutsche fachliche Ausbildung. Mer die deutsche elektrotechnische Fachliteratur wurde von der amerikanischen ganz niedergeschlagen. Die Deutschen schreiben ihre Bücher von 90 v. H. von der amerikanischen ab, nur geben sie Quellen nicht an.“ Wenn die Lehrkräfte der tschechischen Hochschulen alle von der gleichen Art sind wie dieser würdige Vertreter der konstruktiven Elektrotechnik, dann befindet sich die technische Wissenschaft in der Tschechoslowakei gründlich im Niedergänge. Man sieht wieder, wie unrein dieses zusammengewürfelte Volk ist.
Kein reines “ m?
mb. Washington, 15. San. Funkspruch. Das Schatzamt hat die Handelssperre gegen die Einfuhr aller Prodickte der Kaliwerke A.-G. in Kolin (Tschechoslowakei) angeordnet, oiese, Maßnahme wurde aufgrund des Zollgesetzes getroffen, das eine Handessperre gegen Firmen gestattet, die es ablehnen, Sen amerikanischen Zollagenten Einsicht in ihre Geschäftspa- piere ju gewähren.
Brauns Rumpfkabinett.
(Aus dem preußischen Landtag.)
Der sonst so stille Parlamentssaal in der Prinz-Alb recht- straße, auf dessen Tribüne sich nur selten mehr als ein Dutzend Zuhörer verirrt, bot am Mittwoch das Bild eines großen Tages. Die Ränge waren überfüllt, die Parkettssitze fast alle belegt; einige Lücken zeigten sich auf der Rechten, was zum Schluß bedeutsame Konsequenzen hatte. Als der neue, etwas schwer verständliche Präsident Bartels begann, eine trok- kene Beileidskundgebung zum Herner Eisenbahnunglück zu verlesen, «da war auf einmal auch das Rumpfkabinett unter Herrn Brauns Führung zur Stelle. Recht dürftig machten sich die sechs Männer auf der Regierungsbank, und Herr Brauns in seiner gebeugten Größe sah auch nicht so aus, als ob er die von ihm schnell hinuntorgeschluckton Ministerien des Kultus und der Finanzen gut verdauen könnte. — Sm Hause herrschte eigentlich weniger eine feindliche als eine gehobene Festtagsstimmung. Der Verzicht der Kommunistin Ruth Fischer auf ihr Landtagsmandat wurde beklatscht, der Antrag des Ge- schäftsordnungsausschusses auf Freilassung von drei Kommunisten aus der Haft fand keinen Widerspruch, und Herr Leinert, der ehemalige Präsident des Hauses, durfte als Berichterstatter des Ausschusses den Antrag empfohlen, ohne daß jemand ihn nach seiner Pension fragte.
Nun erhielt Ministerpräsident Braun das Wort. Sofort erhoben sich die Deutschnationalen und verließen unter dem Geschrei der Linken den Saal — die Volksparteiler aber blieben diesmal sitzen, und auch Herr Wulle wollte sich das Vergnügen nicht entgehen lassen. Die Rede Brauns war ein in der Form nicht ungeschicktes Plaidoger für die bisherige Politik der großen Koalition, womit er offenbar der Volkspartei den Uebergang zur Opposition möglichst erschweren wollte. Die Linke zeigte viel Freude an diesen Bemühungen, und die Kommunisten unterstützten sie durch lärmende und höhnende Unterbrechungen. Nichts Besseres konnte Herrn Braun passieren als diese laute Feindschaft der Linksradikalen, Sn der Frage, ob nach der preußischen Verfassung das Kabinett nach Neuwahlen demissionieren müsse, berief sich der Redner auf ein Gutachten des Justizministeriums, das die Frage verneint. Es ist aber doch ein großer Unterschied, ob eine Verfastung einen solchen Schritt zwingend vorschrsibt ober ob sie ihn zuläßt und sinngemäß fordert. Dies ist eine Auslegungsfrage, in der sich die Meinungen diametral gogenllberstehen. — Nach Schluß der Rede überraschte der kleine Regierungsblock das Haus mit einem Vertagungsontrag. Ein Hammelsprung zeigte, daß die Opposition nicht auf dem Posten war. Die Vertagung bis Freitag wurde beschlossen.
Bressetnebelung in Südtirol.
D.B.Bern, 14. San. (Sig. Meldg.) Die italienische Behörde in Südtirol hat für die dortigen Zeitungen und Zeit- scyriften die Vorzensur verhängt. Alle Zeitungen und oeu- hyriften müssen vor Herausgabe der Polizei vorgelegt werden, die entscheidet, oh die Aushändigung an die Post und die Verkaufsstellen erfolgen soll. Es wird betont, daß diese Verschärfung der italienlzchen Ausnahmeverordnung durch die Haftung der deutschsprachigen Zeitungen nicht- im mindesten gerechtfertigt sei.
Danzig und die polnische Negerhorde.
Daß der Völkerbund zugunsten deutscher oder mit dem Deutschtum in Verbindung stehender Snteressen eingenommen ist, wird niemand behaupten können; trotzdem hat er die im übrigen in Danzig meist scherzhaft behandelten polnischen Brief Kasten beseitigen lassen. Polen hat nun aus diesem Zwischenfall, eine Staatsauktion gemacht. Sn Warschau herrscht große Aufregung über die Haltung des Völkerdundskommis- fariats. Der Ministerpräsident Thugutt hat erklärt, Polen lasse sich nicht „wie eine Negerhorde" behandeln. Polen benimmt sich allerdings häufig schlimmer als eine Negerhorde und ist dann erstaunt, wenn die Objekte polnischer Anmaßung sich nicht alles gefallen lassen und wenn der Völkerbund darüber verstimmt ist, daß seine Absichten und Entscheidungen unbeachtet bleiben.