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FulSaer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön uns B-gelsberg, Fulba- und Haunetal

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$6liti|»e Wochenschau.

Das waffenlose deutsche Volk hat den 10. Januar, den Tag des Rechtsbruchs und der neuen Schmach, vorübergehen lassen müssen, ohne an die Gewalt zu appellieren. Aber es hat in zahllosen Veranstaltungen so einmütig und so deutlich feiner Empörung Ausdruck gegeben, daß den Erfindern des uns an­getanen Unrechts darum bange geworden sein dürfte. Sind doch mit aus diesem Grunde die Bemühungen, die Deutsch- nationalen an der Regierung zu beteiligen, endlich gelungen; ist doch das Deutschbewußtsein durch die neue Demütigung nur gestärkt worden. Das haben die Franzosen zu ihrer Ueber- raschung, die sich zunächst in Wut umsetzt, auch bei den Handelsvertragsverhandlungen erfahren. Jißre Einschüchte- rungsmethoden haben da nichts genützt, und der 10. Januar, der Deutschland die handelspolitische Freiheit wiedergab, ist dahingegangen, ohne daß irgend eine Abmachung zustande ge­kommen wäre. Mit größter Korrektheit, die den zappeligen Franzosen unverständlich und zuwider ist, hat die deutsche De­legation in Paris die Verhandlungen fortgesetzt, aber alle Vorschläge abgelehnt, die einseitig nur den französischen Inte­ressen dienten, zu gleicher Zeit hatten unsere vielbeschäftig­ten Nachbarn die Beratungen der interalliierten Finanzmi­nisterkonferenzen zu Ende zu führen, wobei sie äußerlich mehr Erfolg hatten, ihre großen Finanzsorgen aber noch keineswegs los wurden. Auch das andere bedeutsame politische Ereignis dieser Woche: das große Revirement in der amerikanischen Regierung und Diplomatie wird den Franzosen noch manches Kopfzerbrechen bereiten. Denn Präsident Tootidge, der nun fester die Zügel ergreift, ist ein streng denkender Mann, der sich nicht durch Phrasen und Mätzchen von seinen Zielen ab­lenken läßt. Und das Wettrüsten der Welt, in dem Frank­reich das Tempo angibt, ist den Aemrikanern ein Dorn im Auge.

Neben außenpoltischen Ereignissen, vor allem der Nicht­räumung am 10. Januar, haben zweifellos auch die Finanzskan­dale eine Wirkung auf die Parteigruppierung "in Deutsch­land ausgeübt, obwohl inzwischen die Flut der Enthüllungen etwas abgeebt ist und die Untersuchungen jetzt mehr in der Stille durchgeführt werden. Der Reichstag hat einen ei­genen Untersuchungsausschuß eingesetzt und das Zentrum seinen bisherigen Minister Zoefle'herausgehLngt", wie es in der Studentensprache heißt, während die Sozialdemokra-

ten es auf dieBeweise" ankommen lassen wollen. Ein so verschiedenes Verhalten lodert die Freundschaft auf, und so war es kein Wunder, baß Dr. Luther mit seinen Bersuchen ein bürgerliches Kabinett zu bilden, mehr Erfolg hatte als Herr Marx. «W Zentrum sind unzweifelhaft die rechtsste­henden Kreise gestärkt worden, und wenn auch die Einigung über einen neuen Kurs in Preußen noch vertagt ist, so zeigt doch die Zustimmung des Reichstagszentrums zu dem Kabi­nett Luther schon einen kräftigen Stimmungsumschwung an. Offiziell wird dieser damit begründet, daß sich das Zentrum, um die Republik zu schützen, nicht gänzlich absentieren dürfe, sondern auch einen bedenklichen Weg mitgehen müsse, um Schlimmeres zu verhüten.

Run, es kommt ja nicht auf die Hülle, sondern auf den Kern an; und da ist es ganz gewiß zu begrüßen, daß endlich der Bann gebrochen und zum ersten Mal nach der Revolu­tion wieder ein Kabinett mit Schluß der Rechten gebildet wurde. Das Geschrei der Linken hierüber darf die Auf­merksamkeit nicht von der Tatsache ablenken, daß diese Wendung die größten Schwierigkeiten der deutschnationalen Partei bereitet, die unter den allerungünstigsten Verhältnis­sen den Uebergang von der Opposition zur verantwortlichen Mitarbeit vollzogen hat. Richt mit einer gewissen Schaden­freude nein, mit ehrlicher Anteilnahme soll man das gei­stige Ringen auf der Rechten ansehen. Die Zähigkeit, mit der das Ziel verfolgt und der hundertfache Widerstand über­wunden wurde, verdient Bewunderung. Nichts ist törichter, als das mit Schlagworten wie Machthunger oder gar Krip­pensucht abzutun. Der Eintritt in die Regierung bereitet heutzutage so viel Sorgen und kostet so viel Opfer, daß ihm eine tiefe grundsätzliche Bedeutung beizumessen ist. Diese Hegt in der ^Wiederannäherung der konservativen Volks­und landwirtschaftlichen Berussschichten an den Staat. Es ist der Verzicht auf die illegale Gegenrevolution und sollte von niemandem freudiger begrüßt werden als von den Par­teien, die sich republikanisch nennen. Jn Preußen sind die Dinge noch im Werden. Herr Braun hat zwar am Mitt­woch im Landtag einen Sieg errungen, als feine Minderheit bei der Abstimmung über den Vertagungsantrag eine Mehr heil aufbrachte aber es bürste ein Pyrrhussieg gewesen sein.

Rechlsbruch im Ssten.

Es ist eins fast tragisch zu nennende Verkettung stände, daß Deutschland immer ausgesprochener in le eines Verteidigers jener Diktate gedrängt wird, den Sriebensnamen tragen, mit dem Geiste des

der tlm- die Rol- die Mar Friedens

aber nicht das geringste zu tun haben. Die Entente, mag es sich um Engländer, Franzosen, Belgier oder Polen han­deln, sieht den sogenannten Friedensoertrag nur insofern als bindend an, als er Deutschland unerträgliche Lasten auf­bürdet und die Fortsetzung des Krieges mit den Mitteln der Paragraphenniedertracht bedeutet. Ueberall, wo der Friedensvertrag zugunsten Deutschlands spricht, wird er zer­rissenwie ein Fetzen Papier", um einen von der Entente besonders gern gebrauchten Ausdruck zu wiederholen. Noch hält die Nichträumung der Kölner Zone und ihre wie ein Hohn auf das deutsche Rechtsempfinden wirkende Bemän­telung unser Volk in Erregung, da wird bereits im Osten in gleicher Weise Wort und Sinn der Friedensabmachun-

Der Kampf um Mußen.

Ueber die gegenwärtige Auffassung des Zentrums in der preußischen Frage erfahren wir folgendes: Bei der preu­ßischen Zentrumsfraktion ist es beschlossene Sache, daß auch in Preußen in längerer ober kürzerer Frist eine Umbildung nach rechts vorgenommen werden muß. Unentschieden ist die Frage des Zeitpunktes. Aus unterrichteten Kreisen hören wir, daß die Mehrheit der preußischen Zentrumsfrak­tion eine direkte Stellung gegen das Kabinett unbedingt ver­meiden, dem Ministerpräsidenten aber nahelegen will, ange­sichts der auf die Dauer unhaltbaren Situation einen Be­schluß auf Rücktritt des Kabinetts herbeizuführen. Mini­sterpräsident Braun hat sich die Entscheidung vorbehalten, da er sich zunächst mit seiner Fraktion und der sozialdemo­kratischen Parteileitung ins Einvernehmen setzen will. Die Verhältnisse in Preußen haben durch die Haltung des Zen­trums also eine gewisse Veränderung erfahren, die noch nicht von entscheidender Bedeutung ist, aber eine Linie an­zudeuten scheint, auf der auch in diesem größten deutschen Bundesstaat die Regierungsbildung über kurz oder lang vor genommen werden dürfte.

Die Landtagsfraktion der Demokraten war der Auf- iEung, daß sich bie Lösung der preußischen Frage auf dem der Verfassung ganz einwandfrei vollziehen werde.

Aednern der Fraktion für die große diplomatische Aus- wrache wurden die Abgeordneten Dr. Schreiber und Dr. Preuß bestimmt.

ferenz auf ihrem sinnlosen Beschluß beharren, bann würde eine Verlegung der Werke und des Zeppelinbaues nach dem Auslands ins Auge gefaßt werden.

Der Drang zur Reparattonstrippe.

Ausgerechnet Rumänien, das vertragsbrüchige Land, das sich wie ein Schakal glaubte auf die Leiche des toten Löwen stürzen zu können und dann unter feinen Pranken- Jrblägen feige davonlief, beschwert sich beim Völkerbund darüber, daß es in seinem Anteil am Schalt des Repara­tionstopfes benachteiligt sei. Es schildert seine bedrängte finanzelle Lage, die allerdings nicht von seinen Bemühungen um denWiederaufbau Osteuropas" herrührt, sondern von der Unfähigkeit und Unisauberkeit, mit der dieses so vergrö­ßerte und an Naturschätzen reiche Lach sich verwaltet.

gen vergewaltigt. Jm Artikel 28 und 30 des Versailler Diktats ist bestimmt worden, daß bie Westgrenze Ostpreu­ßens gegen Polen hin in der Mitte der Weichselrinne ver­laufen soll. Selbst für den Fall, daß die an die Weichsel angrenzenden Gebiete sich in der Volksabstimmung überroie- genb für Polen entschieden haben würden, ist ausdrücklich bestimmt worden, daß Ostpreußen ein Zugang zur Weich- sel, gesichert bleiben soll. Mit ungefähr 93 Prozent hat sich

die ostpreußische Bevölkerung für ein Deutschland entschieden. Trotzdem hat Grenzkommission, der französische General Dupont, der jetzt in Warschau Organisator der polnischen Armee ist, die Grenze in einer Weise festgelegt, daß sie auf dem Ostufer ber Weichsel verläuft und aus dem deutschen Gebiete eine ganze Reihe von Weichseldörfern herausschneidet. Jn nicht weniger als acht Teile wird der so wichtige Weichfeldeich zerschnitten und dadurch ein geregelter Deichschutz, der ge­rade in dieser Gegend außerordentlich nötig ist, verhindert. Als daraufhin ein EntrUstungssturm einsetzte und in den be­troffenen Dörfern selbst diejenigen, die für Polen gestimmt hatten, sich für ein Verbleiben ihrer Heimat bei Deutschland aussprachen, da wählte die Botschafterkonferenz den Weg der Verschleppung. Nun ist damit zu rechnen, daß am ersten Februar durch die Vertreter der Entente der Ver­tragsbruch ebenso wie in der Kölner Frage gut geheißen wird. "

Verbleiben

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KriegöschMEestm und

Das Schicksal der Zeppelmwerke

D.B. Berlin, 15. Jan. Korrespondent der Tribuna italienischen Regierung und lungen^ über die Verlegung scheu Flugfeld Einisello bei Verhandlungen hätten den

(Eig. Meldg.) Der Berliner batte berichtet, daß Mischen der den Zeppelinwerken Verhand- der Werke nach dem italieni- Mailand gepflogen würden. Die

Zweck die Zeppelinwerke vor der drohenden Zerstörung zu bewahren. Wie von der Lei-

tung der Friedrichshafener Zeppelinwerke hierzu mitgeteilt wirb, entspricht die Meldung nicht den Tatsachen. Ja Frie- drichshafen ist über solche Verhandlungen nichts bekannt und auch der noch auf einer Vortragsreise befindliche Dr. Eckener hat solche Verhandlungen nicht geführt. Der Fra- He der evtl. Zerstörung der Friedrichshafener Hallen wird naturgemäß die größte Aufmerksamkeit gewidmet, sie wird aber erst akut, wenn endgültige Entscheidungen seitens der Botschafterkonferen; vorliegen. Sollte die Botschaftetkon-

(bt) Die beiden KriegsschiffeNelson" undRodneg", zurzeit auf englischen Werften gebaut werden, um Eng- lachs Flottechärke auf den in dem Washington-Abkommen festgesetzten Standard zu bringen, werden einen Tgp aufmeijen, der eine vollständige Revolution sowohl im englischen Slotten- bau, als auch in der modernen Seekriegsführung überhaupt bedeutet. Nach interessanten Alisschlüssen, die an die Oeffent- lichkeit gelangt sind, werden diese Kriegsschiffe als Festungen und Lufthäfen zugleich ausgestattet werden. Sie bekommen neun Ib-Zoll-Kanonen, in drei Kanonentürmen montiert, die alle in der vorderen Hälfte des Schiffes liegen. Auf dem Achterdeck werden überhaupt keine Kanonen ausgestellt wer­ben; es wird ausschließlich für Aufnahme von Flugzeugen ein­gerichtet. ObwohlNelson" undNodneg" mit Dampf ge­trieben werden, bekommen sie keine sichtbaren Schornsteine, ©le einzige Erhöhung auf dem Deck wird ein verhältnismäßig niedriger, stark gepanzerter Kommandoturm sein. Die Bauart der beiden Kriegsschiffe macht es nötig, daß sie die bisher empg dastehende Breite von 106 Fuß bekommen, so daß nur sehr ^wenige Docks imstande sein werden, sie aufzunehmen vorläufig ist das neue Schwimmdock in Southampton wohl as einzige, dbs in Frage kommt. Später kommt vermutlich noch ein Schwimmdock im Hafen von Singapore hinzu. Das Deck der Schiffe wird gleichfalls stark gepanzert, und irrn bie Sicherung gegen Luftbomben noch wirksamer zu machen, wer­den wahrscheinlich mehrere Panzerdecks in die Schifte einae-

I setzt werden.

die

Die Gründe für die Wegnahme der deutschen Dörfer liegen auf der Hand: Polen will sich mit Unterstützung Frank reubs einen Brückenkopf nach Ostpreußen hin schaffen. Di- gesamte deutsch-polnische Grenze ist in ihren Widersinnig- kelten und in der alle natürlichen Bedingungen verletzen­den Brutalität lediglich aus solchen strategischen Erwägun­gen heraus zu verstehen. Die Reichsregierung hat nun in einer mehr als bescheiden anmutenden Erklärung schüchtern rlraUU>in?ero^cn daß die bisherige Regelungin wesent­lichen Punkten unbefriedigend" sei. Es ist begreiflich, daß die unmittelbar von der nun bald erwarteten Entscheidung betroffene Bevölkerung nicht gerade erbaut von dieser et- roas eigenartigen Vertretung ihrer Interessen ist. Die Kom­mende Reichsregierung wird sich hoffentlich zu entschiede­nerer Stellungnahme aufraffen.

Die entscheidende Kontrvllnvte erst Ende Februar.

... d-B. eoudon, 15. Jan. (Eig. Meldg.) Der diploma- * Arbeiter desDach Telegraph", der über die au­ßenpolitischen Absichten der alliierten Regierungen gut un- s 1 zur Frage der endgültigen Regelung der

Kontrollfrage:Von den verschiedenen Unterabteilungen der ni erallnerten Kontrollkommission laufen dauernd bei den alliierten Regierungen Zwischenberichte ein. Mit der Ue- bergabe des endgültigen Berichtes ist aber erst gegen Ende dieses Monats zu rechnen. Auf jeden Fall wird also die ent­scheidende Besprechung mit den alliierten Regierungen über die nächste Note an Deutschland nicht vor Ende nächsten Monats stattfinden.