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Ml-aee Kreisblatt, Anzeiger für Rhön unö Bogelsberg, FulSa und Haunetal
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Nummer 16.
RiNwv», den 21. gonuflr 1S25
2. Jahrgang.
Pariser Bindungen.
Das in Paris seitens des amerikanischen Botschafters in London, Herrn Kellog, mit den alliierten Staaten abgeschlossene Finanzübereinkommen» nach welchem Amerika an den deutschen Reparationsleistungen beteiligt wird, hat in Washington ein unerwartetes Echo gefunden. Ln letzter Zeit gewann es immer mehr den Anschein, als ob diejenige Gruppe, die bis Vereinigten Staaten vollständig vor irgend welcher Bindung in europäischen Angelegenheiten bewahrt wissen wollten, die Vertreter einer Politik der politischen Quarantäne, in ihrem Einfluß wenn auch nicht der Form, so doch der Sache nach, langsam ausgeschaltet würde. Selbst ein Borah schien sich nicht mehr unbedingt ablehnend gegen eine vorsichtige und elastische Beteiligung an europäischen Angelegenheiten zu verhalten. Nun haben die Gegner jeder Einmischung in Europas übertünchte Unerfreulichkeiten den Pariser Vertragsabschluß zu einem plötzlichen «und leidenschaftlichen Vorstoß benutzt. Diejenigen Kreise im Senat, die aufs schärfste sich vor einigen Jahren gegen die Annahme des Versailler Vertrages einsetz- ten und die erreichten, daß Amerika dem Völkerbünde fern blieb, sowie sich an den europäischen Konferenzen teils garnicht teils nur informatorisch beteiligte, haben die nicht gerade sehr klugen Lriumphfanfaren aus London und Paris zum Anlaß genommen, die Haltung Kellogs aufs schärfste zu kritisieren.
Nach Beendigung der Konferenz konnte man in fast allen führenden Zeitungen Europas lesen, daß Amerika nun wieder Teilhaber des großen politischen Geschäftes in Europa sei. Washington hat immer und immer wieder betont, daß diese Hoffnungen auf ein Mitmarschieren in der europäischen Alliierten front unberechtigt seien. Es konnte angesichts der starken Widerstände daheim keinen anderen Standpunkt vertreten. Daß jich trotzdem eine gewisse Wiederannäherung Amerikas an Europa vollzogen hat, läßt sich natürlich nicht leugnen. Die Vereinigten Staaten haben aber aufs nachdrücklichste betont,
Zentrum und Regierungsbildung.
Eine Erklärung des Reichsarbeitsministers.
Zur Regierungsbildung übersendet der „Germania" Reichs- •arbeitsminijter Dr. Brauns die folgende Klarstellung:
Die Zeutrumspresie brachte am Freitag, den 16. Sanuar 1925, einen Artikel: „Der politische Wog des Zentrums". Dieser Artikel war in der Einleitung gekennzeichnet als eine „Darstellung der politisch-parlamentarischen Entwicklung des letzten Sahres von ermächtigter Seite". Sn dieser Darstellung findet sich folgender Satz: „Dieser loseren Form gegenüber (überparteiliches Kabinett aus bürgerlichen Parteien mit Verbindungsmännern aus den Fraktionen) gestattete die Zen- trnmsfraktiov dem Reichsarbeitsminister Dr. Brauns, als Verbindungsmann im Kabinett zu verbleiben". Diese Wittei- lun ist ungenau. Angesichts der politischen Lage und angesichts des Lharakters des Artikels bin ich genötigt, zur Ergänzung folgendes festzustellen:
Sch habe es vor versammelter Fraktion ausdrücklich abgelehnt, auf ein bloßes „Gestatten" hin, in das neue Kabinett einzntreten. Die Fraktion hat daraufhin in meiner Abwesenheit durch förmlichen Beschluß, einstimmig oder fast einstimmig, den ausdrücklichen Wunsch ausgesprochen, ich möge als ihr Verbindungsmann in das Kabinett eintreten. Dieser Wunsch ist in einer späteren Sitzung, am 14. Sauuar 1925, als sich für mich neue Bedenken gegen den Eintritt ins Kabinett ergaben, nochmals ausdrücklich und in aller Form bestätigt worden. Sch würde es nach wie vor ablehne«, mit bloßer Duldung der Fraktion dem neuen Kabinett anzuge- hören.
B e r l i u, den 17. Sanuar 1925. Dr. Brauns.
Wie das Waß franMiert wird.
Die blau-weiß-roten Pfähle an der jetzigen deutsch-fran- zösischen Grenze trennen bas Elsaß, dieses deutsche Kulturland, wie eine unüberschreitbare chinesische Mauer vom übrigen deutschen Volkstum ab.
Die Franzosen helfen sich über die Verlegenheit, in den Elsässern deutschsprechende Mitbürger ihrem Staate angegliedert zu haben, auf recht seltsame Art hinweg, etwa damit, daß sie sich vormachen, diese Urfranzosen hätten ihre französische Muttersprache (I) während der Sahrzehnte der deutschen Herrschaft . . . verlernt und seien nun überglücklich, ihr geliebtes Französisch wiederzufinden. Oder man hilft sich, wie Dr. Karl Brill in der „Deutschen Welt", der Zeitschrift des Vereins für das Deutschtum im Auslande, sagt, mit anderen Mitteln,^wie etwa jener Colonel und Wanderredner, der vor einiger Seit den Lolmarern „bewies", daß ihr elsässischer Dialekt keineswegs ein alemannischer, d. h. deutscher Dialekt, Jon En unfehlbar. . . .keltischen Ursprungs sei.
Es ist ein Glück für diesen klugen Mann gewesen, daß er «s mit so gutwilligen Zuhörern zu tun, wie sie der Kreis
daß ihr Interesse an den europäischen Dingen rem geschäftlicher Natur sei. Man will sich finanzielle Entwicklungsmöglichkeiten und Gewinnaussichtsn nicht entgehen lassen. Das Lriumphgeschrei der großen europäischen Presse war also, wie sich jetzt zeigt, höchst unklug.
Der Führer der „Isolationisten" hat einen Antrag eingebracht, in welchem er den Staatssekretär Hughes auffordert, dem Senat den Sext des Pariser Abkommens zu unterbreiten. Senator Borah hat sich mit diesem Antrag solidarisch erklärt. Ein Seil der Presse bezeichnet in schreienden Ueber- schriften Amerika als „in die Falle gegangen“. Man behauptet, daß Amerika durch seine an sich so geringfügige Beteiligung an den Reparationseinkünften auch die Verpflichtung als Gläubiger Deutschlands auf sich nehme, nötigenfalls mit Gewalt, Seite an Seite mit den Alliierten die Schuld einzutrsiben. Man wirft die Frage aufs ob es sich lohne, für 100 Prozent der Beute sich einzusetzen und selbst nur 2 einviertel Prozent zu bekommen. Die Gegner der Reparationsbeteiligung behaupten geradezu, daß Kellog versucht habe, eine Unterzeichnung des Abkommens durch Amerika mit dem Vorbehalt durchzusetzen, daß eine Bindung nur 'm soweit für Amerika ein trete, als die unmittelbaren amerikanischen Rechte betroffen würden. Dieser Vorbehalt sei durch die Alliierten abgefeimt worden. Amerika habe trotzdem unterzeichnet. Vom Außendepartement wird diese Leseart geleugnet. Es ist im Interesse einer allgemeinen Gesundung zu wünschen, daß die Vertreter einer vorsichtigen und eingeschränkten Mitarbeit an den europäischen Wirtschaftsverhältnifsen, wie sie auch von Loolidge und Dawes 'beabsichtigt ist, sich gegen diesen temperamentvollen Vorstoß der Opposition durchsetzen werden. Daß Amerika sich tatsächlich soweit gebunden haben fasste, daß'es gezwungen werden könnte, etwaige „Sanktionen“ nach dem Vorbilde Poincares mitzumachen, ist sicherlich nicht anzunehmen.
darstellte in dem er sprach, und daß der Elsässer an sich schon Sinn für Humor hat (auch wenn er im anspruchsvollen Gewände der Wissenschaftlichkeit auftritt!). „Wir haben vor fünfzig Jahren hier deutsch gesprochen und werden es nach fünfzig wahren noch tun“, heißt es unverblümt, wenns auch den Franzosen immer wieder einen Stich ins Herz gibt, daß sie diese dickköpfigen Neufranzosen so hartnäckig an ihrer angestammten Art halten sehen müssen.
Denn diese Art des elsässischen Landes und Volkes ist deutsch, so urdeutsch wie nur möglich! Und die Franzosen empfinden diese Wesensfromdheit ihrer neueroberten östlichen Departements als eine recht, recht üble Beigabe ihres Sieges. „Daß wir wieder am Rhein stehen und damit die deutschen Lande stets unter Bedrohung halten können, das wäre ganz -chön, wenn wir nur nicht diese dreckige Rasse der Elsässer mitübernebmen müßten." Frankreich ist als Staat und als Volk über einen und denselben Leisten geschlagen und an diese Einheitlichkeit, an diese Uniformität — die Frankreichs Stärke ist!! — so sehr gewöhnt, daß es jedes Anders-Sein, jedes An- ders-Lein-Wollen als feindselig und geradezu hochverräterisch empfindet.
_ Die Franzosen gehen daher dem deutschen Wesen dieser „Halbboches" mit aller Zielbewußtheit zuleide, die der französischen Staatskunst durch jahrhundertelange Ausdehnungspolitik ansrzogon ist. Sie erfassen das Uebel an der Wurzel -Md kneten die Heranwachsende elsässische Lugend nach ihren Bedürfnissen zurecht; das Deutsche ist in diesem deutschsprachigen Lande immer und überall zugunsten des Französischen, der „Nationalsprache", zurückgesetzt; vom ersten Sage des Schulbesuchs an hört das Kind nur noch französische Worte, . nd erst in späteren Schuljahren, wenn das angeborene Sprachgefühl in der Wurzel getroffen und vergiftet ist, wird ihm Se- h genheit geboten, das gefürchtete Deutsch als . . . Fremdsprache zu erlernen, soweit die aus Frankreich ins Land gehol- en Lehrer und Lehrerinnen dazu überhaupt in der Lage sind.
Wie die Schule, so ist auch die gesamte Verwaltung auf den Gebrauch der Nationalsprache eingestellt, und selbst im Gerichtswesen, das mit am meisten von allen Betätigungen jedes Staates auf die lebendige Fühlungnahme mit dem breiten Volksleben angewiesen ist, herrscht einzig und allein das Fränkisch der Gebieter, der „Befreier". Und doch ertöten sie das deutscye Leben nicht! Die Landespresse ist, soweit sie als bo- denständig zu betrachten ist, in deutscher Sprache geschrieben, betreiben ihre Arbeit fast ausschließlich in deutscher Sprache. Das Eheaterwesen, bas wie alle übrigen Gebiete kulturelle Betätigung unter der aufgezwungenen „geistig-seelischen Austrocknung" dahinsiecht, hat nur einen blühenden Zweig, das mundartliche Sbeater, wie es in der deutschen Zeit unter Mitarbeit und Förderung der „Altdeutschen" entstanden ist, und durch diese raffinierte Vereitelung finsterer deutscher Pläne der deutschen Eindringlinge geschaffen worden und habe sich sein Anrecht auf die wohlwollende Förderung durch die Franzosen erworben!
Gewehr bei Fuß.
Durch die offiziellen Erklärungen der Fraktionen sind manche wackere Kämpen gezwungen Gewehr bei Fuß zu stehen und der Bildung des Kabinetts zuzusehen. Aber mit besonderem Behagen widmen einige Presseorgane dem Kabinett kritische Betrachtungen und verzapfen ihren Lesern allerlei nette Histörchen, erzählen ihnen z. V. was für Anträge von der Linken gegen prominente Persönlichkeiten schweben. Man betont immer wieder den unterlassenen Höflichkeitsbesuch des Abgeordneten Gräfe, vergißt aber wohlweißlich, daß vor „einigen" Jahren Herr Philipp Scheidemann auch einmal nicht zum Kaiser ging.
Lm deutschen Volke sollte man die Bestrebungen, das Kabinett jetzt schon zu diskreditieren und ihm keine lange Lebensdauer zu versprechen, gebührend würdigen, zumal wenn sie von einer Seite kommen, die man am besten mit einer Gummistrippe vergleicht: je länger man daran zieht, um so dünner wird sie.
6toWm und Stresemann.
Der „Stahlhe!m"-Sonntag-in Magdeburg war ein großer Erfolg für diesen „Bund der Frontsoldaten", der übrigens in seiner Hauptorganisation wirklich nur aus ehemaligen Frontsoldaten besteht und nicht, wie die „Vossische Zeitung" fälschlich behauptet, auch andere Männer dufnimmt. Nur die Neben- und Jugendorganisationen enthalten auch Nichtkomba- ianten. Es scheint dem „Stahlhelm", gelungen zu sein, einen großen Seil der ehemaligen Soldaten an sich zu ziehen, die anfangs in Geheimbünden vereinigt waren. Das ist zu begrüßen, weil der „Stahlhelm" stets darauf Wert gelegt hat, keine Geheimorganisation zu sein und keine Parteipolitik zu treiben, und wenn im ganzen jetzt das Auftreten der Stahl- Helmleute einen mehr politischen Anstrich bekommen hat, so ist das auf die Gründung des „Reichsbanners Schwarz-rot- gold" zurückzuführen. Jedenfalls hat der klug gemäßigte Bun- dssführer Seihte in Magdeburg wiederum erklärt, daß der „Stahlhelm" nicht daran denke, an der Verfassung zu rütteln, daß er sich vielmehr dem Staat und der Regierung zur Verfügung stelle. Es ist jedoch zugleich auch ein Beschluß gefaßt worden, dessen Wortlaut als Stellungnahme gegen den Reichs Präsidenten Ebert in Sachen des Wunitionsarbeiterstreiks erscheinen kann. Das ist auch eine Spitze gegen das bisherige Reichskabinett , das sich ja in seiner bekannten Kundgebung für Herrn Ebert eingesetzt hat. Um so merkwürdiger war der Einfall des Berliner Skandalblattes „Montag Morgen", das zu jedem Wochenbeginn einmal den Außenminister verspeist, den „Stahlhelm"-Beschluß Herrn Stresemann an die Rockschöße zu hängen. Dieser hat daraufhin gegen das Blatt das Verfahren wegen Beleidigung beantragt, da er tatsächlich gar keine Verbindungen zu jenem Bunde unterhält.
Mete für Sltzupo-Sfsiziere und -Beamte.
Ln einer Kleinen Anfrage des Llbgeordneten Ladendorff wurde darauf hingewiesen, daß den Schutzpolizei-Offizieren u. -Beamten für ihre Kasernen-Ouartiere eine übermäßig hohe Miete abgenommen würde. Das Staatsministerium wurde gefragt, wie es diese Mieten angesichts der niedrigen Mieten in allen anderen Häusern rechtfertige, ferner, ob es bereit sei, den Schupo-Beamten psw. Mieten abzufordevn, die den für etwa gleiche Räume in Privathäusern geforderten entsprechen. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst milteilt, führt der Preußische Minister des Jnnern in seiner Antwort u. a. folgendes aus:
«Die von den Schutzpolizsi-Offizieren und -Beamten ein-' behaltenen Abzüge für Wohnräume enthalten nicht nur die Mieten für die Räume, sondern auch die Vergütung für Heizung, Beleuchtung, Bettwäsche einschließlich Reinigung, Handtücher einschließlich Reinigung, Geräte und kleine Wirt- schaftsbedürfnisse. Ein Vergleichen der Wohnraumabzüge mit den dem städtischen Haus- und Grundbesitz gewährten Mieten muß ?u unrichtigen Schlüssen führen, da die Miete für den möblierten Raum nur einen geringen Seil her Gesamtabzüge für die Benutzung von Kasernen-Quartie- ron ausmacht. Erotzdem soll erwogen werden, ob nicht eine Herabsetzung der Wohnraumbezüge möglich ist"