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Hessische Morsenzeitung Fuldaer Keeisblatt, Anzrisee für Rhön unö Boselsbrrs, Ful-a- und Haunetal

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Wanner 27.

Dienstag, den 1 Februar 1925.

2. Jahrgang.

Luthers Antwort und ihr Echo.

Die Rede des Reichskanzlers Dr. Luther vor den Vertre- tem der ausländischen Presse hat die Welt sowohl durch ihre formelle Gewandtheit als auch besonders durch ihre Mätzigung überrascht. Es war nicht leicht für einen national empfinden­den Deutschen, der aufgeregten Herriotrede a la Poincare eine ruhige und sachliche Antwort entgegenzufetzen aber es war klug. Denn eine fcharfe Erwiderung würde den Franzosen neue Vorwände gegeben haben die Räumung der ersten Zone hinauszuschieben und auch die Welt mit dem Gespenst einer nationalistischen Reaktion" in Deutschland zu schrecken. Das ist nun beides nach Dr. Luthers Rede kaum mehr möglich. Al­lerdings hat der Kanzler dem deutschen Standpunkt sachlich durchaus nichts vergeben; er hat die Forderung nach Vorlage des --Aicklagematerials" wiederholt, die französischen Besorg­nisse vor einer deutschen Bedrohung ein klein wenig lächerlich gemacht, die Kriegsschuldlüge erneut zurückgewiesen und das Eingreifen in die innere Politik Deutschlands abgewehrt. Aber er versprach auch, die Anlässe zu berechtigten Beschwerden zu beseitigen, und erklärte sich bereit, sowohl über einen Kompro- mitz in der Räumungsfrage als auch über eine vorläufige Lö­sung der Sicherheitsfrage zu verhandeln, da die Weltkonven­tion doch noch in -weiter Ferne liege. Hierbei hob er mit Ge­schick das Interesse Deutschlands an seiner eigenen Sicherheit hervor und betonte dieVorleistung", die wir bereits in der Abrüstung geleistet hätten und der nun die allgemeine Abrüstung folgen müsse. lieber die Mätzigung und die Verhandlungsbe­reitschaft des Kabinetts Luther sind sowohl die deutschen Links- blätter als auch die französischen Zeitungen sehr erstaunt. Das liegt aber nur an ihnen, weil sie sich eben von der Politik eines Kabinetts mit Einschluß der Deutschnationalen eine ganz fal­sche Vorstellung gemacht hatten. Die Dinge liegen doch so, datz Deutschland zur Zeit mit Gewalt überhaupt nichts ausrichten kann, datz aber die Rechte einer Regierung, an der sie.beteiligt ist, viel lieber eine versöhniiche Politik konzidiert als einem Linkskabinett, weil sie weiß, datz jene niemals in ihrem Entgegen kommen über die Grenze des von der nationalen Ehre Erlaub­ten hinausgeben wird, Jn Paris ist man noch unschlüssig, ob man ja oder nein sagen soll; man tut so, als ob der Rede Lu­thers nicht zu trauen sei. Aber allmählich wird man wohl auch dort zu der Ueberzeugung kommen; datz es richtig ist, was wir immer gesagt haben: eine Reichsregierung, die nicht die Oppo­sition der Deutschnationalen zu fürchten hat, kann mit den Geg­nern leichter zu einer vernünftigen Verständigung, als das rö­teste Linkskabinett.

vierprozentige Erhöhung zusagten, machten freilich den Ein­wand, daß sich neuerdings das gesamte Staatsministerium die Genehmigung der Erhöhung der Mieten vorbehalten habe. Nun must es einem doch wohl so vorkommen, datz das abge­sagte Ministerium hier zum mindesten unsachliche Entscheidungen getroffen hat.

Ls dürfte darin auch noch eine ganz besondere Spitze gegen den Hausbesitz und die Wirtschaftspartei im preußischen Land­tag liegen; denn man höre und staune: daß seitens der Re­gierung bei einflußreichen Mitgliedern der Wirtschaftspartei der Versuch gemacht wurde, diese für ein Vertrauensvotum des Landtages der Regierung gegenüber zu gewinnen, unter Zu- fichecuug, datz dann zum Februar vier Prozent Mietsteigerung und' zum April weitere fünf Prozent Mietsteigerung gewährt würden.

Auf diese schamlose Anzapfung und den verwerflichen Kuh­handel hat sich die Wirtschaftspartei nicht eingelassen. Man wird es begreiflich finden, wenn man nunmehr die gegen die sachliche Zusicherung des Zachministeriums getroffene Entschei­dung auf rein politische Machenschaften zurückführt."

Wir müssen für diese Auslassungen oben angeführtem Blat­te selbstverständlich die Verantwortung überlassen. Es mutet aber doch etwas eigen an und zeugt von einer ungeheuren Ge­schäftstüchtigkeit der Herren da oben, eine ganze Partei kaufen zu wollen, wie man etwa einen Sack Lumpen erschachert. Man braucht nur mal wieder an den Frankfurter Wohnungsschwindel zu denken um festzustellen, datz es wahrlich Blumendüfte eigner Art sind, die bei uns zum Himmel stinken. Hoffentlich nimmt nun der Michel doch bald seinen Krückstock und bringt wieder geordnete Verhältnisse in dieses November-Paradies.

Nächste Plenarsitzung im Reichstag.

findet am Dienstag, den 3. Sebruar nachmittags 2 Uhr statt. Auf der Tagesordnung steht das Grenzerleichterungs-Ueber- einkommen mit der Lfchecho-Slowakei. Nach Erledigung die­ser Vorlage soll die zweite Lesung des Reichshaushaltsplanes ihren Anfang nehmen und zwar mit dem Haushalt des Reichs- arbeirsminijteriums.

An EMhaussefprüch.

Pariser Brief.

(Von unserem Korrespondenten.)

Paris, den 30. Januar 1925.

Das Pariser Safebaus hat den politischen Salon ersetzt. Der Mann, mit dem ich am Marmortischchen bei schwar­zem Saffee und goldblondem Cognac plaudere, ist ein Journa­list, dessen Gedanken täglich von dreihunderttausend Franzo­sen eingezogen werden. Ein gutartiger Mensch mit boshafter Feder ein Sypus, den man unter Journalisten nicht selten antrifft. Er war vor und nach dem Weltkrieg in Deutschland. Er lieft das Deutsche geläufig, aber die Aussprache bereitet ihm große Schwierigkeiten. Er plaudert gern mit deutschen Ve- rufsgenosfen. Jeb mache ihm Vorwürfe.

Weshalb säen Sie täglich Mißtrauen gegen uns? Sie sind in Deutschland gewesen und wissen doch wahrhaftig, datz Deutschland nicht an einen Krieg gegen Frankreich denken kann. Sie wissen auch genau, daß wir nicht die Hauptschuldigen, sicher

nicht die Alleinschuldigen, im tiefsten Grunde die am Weltkriege Schuldigen gewesen sind."

einen Cognac und erwidert.

>2hr Deutsche seid und bleibt Wißt ihr wie ihr mir vorkommt? Spieltisch setzen, ohne die Regeln Glaubt ihr denn im Ernst, daß man wurf machen will, wenn man von

überhaupt nicht Er lacht, trinkt

doch naive

Menschenkinder.

Wie Spieler, die sich an den des Spiels zu Kennen, euch einen moralischen Vor-

eurer Kriegsschuld spricht? Habt ihr noch nicht kapiert, daß die internationale Spielregel gilt: in den Augen der Welt trägt immer der die Schuld am Kriege, der die erste Kriegserklärung losläßt: Anno 1870 waren wir die Dummen, ließen uns von eurem Bismarck reizen und stießen die Welt mit einer dummen Kriegserklärung vor den Kopf. Wir haben schwer daran getragen. Wir wurden isoliert und geschlagen. Anno 1_914 habt ihr uns unsere Dumm- beit von 1870 nachgemacht. Holge: iyr seid eben auch isoliert und geschlagen worden."

Eindruck der Erklärungen Luthers.

D.B. Paris, 31. San. (Sig. Meldg.) Die gestrigen Er­klärungen des Reichskanzlers Luther vor den Vertretern der Auslandspreffe in Berlin werden von der Presse ausführlich wiedergegeben und lebhaft kommentiert. Die Blätter der französischen Opposition unterstreichen die Bereitwilligkeit Deutschlands, über die Frage der Abrüstung und der Rämung der Kölner Zone in Verhandlungen einzutreten, finden aber die Ausführungen über die militärische Nichterfüllung Deutschlands sehr schwach. Sn der Presse des Linkskartells haben die Er­klärungen einen sehr guten Eindruck gemacht und es wird durchweg stank hervorgehoben, datz nunmehr die Zeit für eine umfassende direkte Aussprache zwischen Deutschland und Frankreich gekommen Jei. Daneben haben die Erklärungen aber sich allgemeinpolitisch etwas beruhigt und sicherlich die Wolke des Mißtrauens zu dieser Regierung etwas zertreut. Eine wenig günstige Beurteilung findet die Rede eigentlich nur im Petit Journal. Das Loucheur-Organ zählt eine ganze Reihe von Bedingungen auf, die als das strikte Minimum der Forderungen bezeichnet werden, auf deren Erfüllung Frankreich stehen müsse. Die -Gefahr ist drohend fchlietzt das Blatt etwas pathetisch seine Ausführungen.

Braun - schwelgt.

Der Jubel der Linkspresse über denSieg" der Weimarer Koalition im Preußischen Landtag ist bereits verstummt. Die Hoffnungen, die sich besonders an die sechs weißen Zettel der Welfen anknüpften, .find verflogen. Herr Braun wollte, wenn er sich zur Kabinettsbildung entschlösse, erstens die Garantie für das weitere einmütige Zusammenhalten der Zentrumsfraktion und arüber hinaus noch den Hinzutritt wenigstens einer klei­nen Gruppe haben. Die Wirtschaftspartei aber gab ihm eine glatte Absage. Die Antwort der Deutschen Volkspartei ist selbstverständlich: das Verlangen der Koalitionsparteien, datz mit der D. V. P. verhandelt werden solle, war ja auch gar nicht ernst gemeint. Wird nun ein Zentrumsmann die Kabinettsbil­dung versuchen oder ist die Landtagsauflösung nahe?

Eine neue Bölkerbundönote.

D.B. Berlin, 31. Jan. (Sig. Meldg.) Der Daily Tele­graph hatte berichtet, daß Deutschland zum zweiten Mal beim Völkerbund eine Denkschrift einreichen werde über die Be­dingungen, unter denen es bereit sei, dem Völkerbund beizu­treten. Diese Meldung ist nach den Versicherungen der Ber­liner maßgebenden Stellen falsch. Es -besteht nicht die Absicht der ersten deutschen Note, über die der Völkerbundsrat noch nicht beraten und entschieden hat, etwas zuzufügen

Jfoliert? werfe ich ein.Wir hatten Bundesgenossen."

Die euch mehr belastet als genützt haben. Jedenfalls seid ihr letzt isoliert. Jbr wolltet eine Politik machen, die mit eu- rer geographischen Lage nicht im Einklang ist. Auch darin jeigt sich eure Naivität. Seht euch die Karte von Europa an. . s ^r oeit, da ich in Berlin wohnte, weiß ich was ein Ber­liner Zimmer ist - ein zwischen Vorder- und Hinterzimmern eingeklemmter Durchgangsraum. Nun, denn ihr wohnt im gerillter o-mmer von Europa. Bismarck hat das begriffen. Sr hatte das Gefühl der geographischen Lage bis in die Fin- gerjpiben Nachdem er uns insoliert und geschlagen hatte, war er vorsichtig und ungreifbar. Aber seine Nachfolger den

Eaprioi nehme ich aus verloren allmählich das Ge­fühl für die geograpbiju)e Lage. Sie wurden unvorsichtig, ver- kracyien sich mit allen Nachbarn außer dem schwächsten: Oester- ~11)611 ihr unvorsichtig wurdet, wurdet ihr an-

Also Sie geben zu, datz Sie uns angegriffen haben?" Sie sind. Bei einer Schlägerei frägt der Rich­en anderen gereizt, sondern wer zuerst zuge-

Wie naiv

ter nicht, wer schlagen hat."

Eine WM Me man für vier GroMt taufen wollte.

Dem Grundeigentum schreibt in seiner Nummer vom 1. Ze- oruar ein Parlamentarier aus dem Reichstag folgende interes­santen Sachen:

.S6 preußische Staatsregierung hat von einer Erhöhung der Miete für den Monat Februar abgesehen. Es verbleibt infolgedessen bei dem bisher geltenden Mietssatze".

Dieser Bescheid verdient etwas näher beleuchtet zu werden. Der Wohnungsausschuß beim Wohlfahrtsministerium war nach langem Hin und Her dahin überein gekommen, daß zum min­desten eins vierprozentige Erhöhung der Februar-miete eintreten wenigstens einigermaßen Reparaturen ausgeführt

A n und damit den weitesten Kreisen des Mittel- teren^erf^ ^geführt und dem rapiden wei-

h v Ur, âhnungeu und Häuser gesteuert werde. Be £^ Stäbtetages«langt« b^utaib

v!° K*rrogswttrri«, »ip wenigstes die

Die interalliierten Schulden.

tob. London, 2. Febr. Der parlamentarische Berichterstat- ter desDaily Telegraph" meldet, daß der Entwurf der bri- Esschen Antwort auf den Brief des französischen Zinanzministers Elementel über die interalliierten Schulden fertiggestellt sei und gegenwärtig den Mitgliedern des Kabinetts vorliege. Eine Sondersitzung des Kabinetts solle morgen abgehalten werden, um über die vom Schatzamt im Einvernehmen mit dem Aus­wärtigen Amt vorbereitete Antwort zu beraten.

Der Balkan rüstet.

ivb. Paris, 2. Hobr. DerMatin" gibt ein Telegramm aus 'amerikanischer Quelle wieder: Die griechische Negierung habe oeschlossen, die Hahresklasse 1925 unverzüglich einzuberufen.

Aus Konstantinopel wird demMatin" gemeldet, daß Mu­stafa Kemal Pascha wegen der geschaffenen, drohenden politi­schen Lage beschlossen habe, schnellstens nach Angora zurückzu- kehren.

«X?? 9eb ^*" Kri«g-°ââmg°n Iiroortotta ®i ^ 5'1 dar, man nach d-m Sei urteil«? °

Der Schein ist in der Politik alles. Euer Bi^m^ wußte es wohl. Er verstand es 1870, den Schein gegen uns ^hr8^ ^mm Namen fortwährend im Munde aber

Wie meinen Sie das?"

Lieber Gott, bei Euch muß man ja wirklich zweifeln: seid ^hr so naiv oder stellt ihr Euch so naiv? Glaubt Jbr denn STen^ ^rer Abrüstung auf das Sein ankommt?

S /u an u"d da versteht Jbr wieder mal den bösen Schein gegen Euch zu haben. So mars ^"^besetzung. Sine Lumperei von 200 000 Tele- giapbenjtangen, die an Euren Lieferungen fehlten Abev bor kommen wolltet, war dadurch begründet Und lausige Gewehre, Handgranaten, Zeitfreiwilsige die wa^ftia ' d E agt, «r habe eine breimonallitb« ISoffenüb- iing in der Reichswehr mitgemacht . . ."

Was reden Sie da für Unsinn?"

Sie scheinen die deutsche Provinzialpresse nicht zu kennen.

' mm Stahlhölmmann nur rennommiert hat

( b.°K schein -st doch gegen Euch und wenn Jhr

s v 7 11)11 ibn llicht gegen Euch ausnützen werden, so seid Jbr eben naiv."

2lber das können Sie doch alles nicht ernst nehmen?" Lveshalb sollen wir es nicht ernst nehmen? Es wird ja bei Euch ernsthaft genug genommen. Glauben Sie denn datz man in den Pressebüros des Kriegsministeriums die Vereins-