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Hessische *

Morsenzertlms

Ful-ar« Kreisblatt, Anzeiger für Rhön und Bogelsberg, Fulöa und Haunetal

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Mmmer M.Mtttwo», den 4. Februa^rMZ. 2. zahrgang.

Die akademische Zagend.

Bei der Akademiker-Tagung der Deutschen Volkspartei hat der Reichsaußenminister Dr. Stresemann eine bedeutsame Rede gehalten, die sich besonders an die akademische Zugend richtete. Tr ging aus von der gegenwärtigen Unsicherheit und Ruhelosigkeit, die unsere revolutionäre Zeit in Gegensatz stelle zu der Nachkriegszeit der letzten Sahrzehnte des vorigen Sahr­hunderis; damals hätte die Äugendfeste Schemata" für die Heldenverehrung gehabt, während sie setzt sich den Weg selbst suchen müssen. Auf der einen Seite liege das Extrem des So­zialismus, der als eine -Klassenbewegung die Angehörigen der anderen Volksschichten -von sich abgestoßen habe, auf der ande­ren Seite das Extrem deshohlen und veräußerlichten" Natio­nalismus. Dr. Stresemann ermahnte die Tugend zur Staats­bejahung, zur Selbstüberwindung durch Mitarbeit unter Op­fern; Kampf um die Staatsfor-m wäre jetzt Luxus. Er warn­te eindringlich vor Erstarung in sozialem Denken, in Examen- Jtolj und Zachwissen. Alan müsse auch tüchtige Außenseiter anerkennen und dürfte nicht übersehen, daß der starke geistige Einfluß jüdischer Kreise nur auf dem besonderen Interesse der Suden an allen geistigen Strömungen beruhe.

Sn der Art, wie Dr. Stresemann den Idealismus und die Allgemeinbildung dem regen Zachwissen ent-gegenstellt, gibt er etwas von seinem eigensten -Wesen kund; denn er selbst hat stets seiner Ueberlastung mit Tagesarbeit doch noch die inten­sive Beschäftigung mit der schönen Literatur, insbesondere mit Goethe, abgerungen. Und wie er den äußeren Schein gering einschätzt und die Duldsamkeit gegenüber allen praktisch Tüch­tigen predigt, zeigt er sich als der innerlich liberale Mann, der er immer war. -Wieviel Anrecht hat ihm die Linke getan, wenn sie aus der Parteitaktik des letzten Sahres auf einen Wechsel in der Geistesrichtung Dr. Stresemanns schloß! Auf jener Seite ist der enge Zraktionshorizont auf dieser die freie Denkart zu finden. Nun wird man vielleicht wieder von rechts her den Sichrer der DVP. als zu liberal empfinden. Aber das ist garnicht das eigentliche Problem. Wir zweifeln nicht da­ran, daß alles, was Dr. Stresemann in Haell gesagt hat, durch­aus richtig ist, nur darüber kann man streiten, ob die Sugend für ein verständiges Wandeln in der Mitte zu gewinnen sein wird. Sie hat seit je zum Radikalismus und -zur Opposition gegen die ältere Generation geneigt, der nun anzugehören auch der so frisch empfindende Stresemann sich gewöhnen muß. . . Zreilich soll man die Sugend auch nicht zu ernst deswegen neh­men und ihr nicht immer vorhalten, daß auf ihr die Zukunft des Vaterlandes beruhe. Bis es soweit ist, hat sich der gärende Most geklärt und der Radikalsmus der Gedanken an dem harten Klotz der Tatsachen abgeschliffen. Vollkommen recht muß man Dr. Stresemann geben, wenn er die Sugend von heute die sehr Praktischen und -Technischen neigt, an die hohen ideale Werte der Geisteskultur erinnert. Das ist ein Ziel, des hoch über einen Zack-verbänden steht. Nicht schimpfen und schlagen, sondern geistig übertreffen!

Sir Minm-Lastm.

Am die Aufmerksamkeit -von den Beziehungen der Herren Heilmann, Bauer und Richter zu dem Oberschieber Barmat abzulenken, hat die Linkspresse ein gewaltiges Geschrei wegen des Ausgleichs der Micumlasten erhoben. Der naive Leser müß­te und sollte wohl auch glauben, daß ohne -jeden vernünf­tigen Grund 700 Millionen Goldmark aus der Reichskasse der Ruhrindustrie in den Rachen geworfen seien, und zwar -von dem Kabinett Luther. Diesen letzten und -größten Unsinn hat man dann zuerst preisgeben müssen, da ja die Auszahlung vom Ka­binett Marx veranlaßt und die Verpflichtung dazu schon im herbst 1923 von dem Kabinett dergroßen Koalition" unter Or. Stresemann ausgesprochen worden ist. DerVorwärts" bestreitet, daß Dr. Hilferding, der vom August bis zum Oktober 1923 Reichsfinanzminister war, an dem Beschluß beteiligt ge- roejen sei; aber unzweifelhaft ist doch, daß noch mehrere So- zia isten, darunter Bobbi Schmidt als Vizekanzler, bis zum pejember 1923im Reichskabinett waren. Ebenso fest steht auch d,e allgemeine Ueberzeugung, daß die Ruhrindustrie die Micum- basten nicht a lern tragen konnte und sollte. Strittig bleiben allem die Hohe und der Modus der Vergütung sowie die etatsrechtliche Zrage, ob die Rückerstattung als eine Bezahlung für Sachlieferungen anzusehen sei, in welchem Zalle eine be- Jonbere Bewilligung durch den Reichstag nicht erforderlich ge-

wäre. Das Kabinett Luther hat sich zu der strengeren ^umssung bekannt und will die nachträgliche Zustimmung des

£ments Obolen. Außerdem wird sie bereits in den näch- diele Denkschrift vorlegen. Se näher fehlte deren ~ desto stiller wird die Linkspresse. Es Anfang an l^11 ""d Entrüstungen nämlich von tung der darüber, daß es bei der Wiedererstat- sei. Von einem mit ""rechten Dingen zugegangen bauptuna war keine Rede. Nur die Be- 75 v H der Korde" ' ^, die Entschädigungen die übrigens * Sorberungen betragen haben - zu hoch gewesen

und daß die Großen vor den Kleinen bevorzugt worden seien. Mit dem Urteil darüber kann man, wie uns scheint, sehr gut und ganz ruhig bis zu der Veröffentlichung der Regierungs­denkschrift warten. Die bisherige moralische Entrüstung war höchst künstlich aufgepumpt.

Das SM über -le Rchrentschâ-igtmg.

-D. B. Berlin, 2. Zebr. sEig.-Meldg.) Die Angelegen­heit der 600 -Millionen Goldmark-Auszahlungen an die Schwerindustrie des Ruhrgebietes für Ruhrkampf und Mi- cumschäden wird in der Presse, namentlich in den demokra­tischen und Linksblättern weiter eingehend erörtert. Die Reichsregierung hat sich nunmehr veranlaßt gesehen, dazu eine längere Erklärung zu veröffentlichen, in der als wichtigste Tat­sache mitgeteilt wird, daß die im Haushaltsausschuß des Reichs­tages seitens der -Reichsregierung in Aussicht gestellte Denk­schrift zu der Zrage der Ersatzleistung für die unter dem Mi- cumjyftem von der Industrie ausgeführten Reparationsliefe­rungen dem Ausschuß in wenigen Tagen zugehen wird. Sodann wird, wie wir weiter hören, da^ Gesetz beschleunigt fertigge­stellt und dem Reichstag vorgelegt werden. Bei den Rechts­parteien rechnet man bestimmt mit der Annahme des Gesetzes, da die Zustimmung des Zentrums sicher sein dürfte. Demo­kraten und Sozialdemokraten werden die Vorlage ablehnen und auch eine kleine Gruppe des linken Zentrumsflügels dürfte sich zumindesten der Stimme enthalten. Die bisherigen Bedenken des Zentrums sind durch die Erwägungen zerstreut worden, daß die Zahlungen, die die Nachprüfung ergeben wird, tatsächlich aus dem Reparationsfonds geleistet sind und die Verweigerung der Ermächtigung sowohl das Reich als auch die gesamte Wirtschafts des Ruhrgebietes in eine unabsehbare Katastrophe stürzen würde.

Ergebnislose BemMmsen Brauns. BorbetraunngeinesZenkrumskan-i-aten.

D. B. Berlin, 2. Zebr. (Eig.-Mldg.) Nachdem die Wirtschaftspartei entschieden abgelehnt hat, ein Kabinett Brauns zu unterstützen, nimmt man in parlamentarischen Krei­sen an, daß der preußische Ministerpräsident seinen Auftrag, wenn nicht heute, so doch morgen, wieder zurückgeben wird. Braun hatte heute nachmittag Besprechungen mit Vertretern der preußischen, Landtagsfraktion der Deutschen Volkspartei, denen lediglich ein rein formeller Charakter zukommt. Die Deutsche Volkspartei lehnte in diesen Beratungen die Rück­kehr in die große Koalition entschieden ab. Das Zentrum steht nunmehr auf dem Standpunkt, daß die Bemühungen des Mi­nisterpräsidenten Braun als gescheitert betrachtet werden müs­sen, da ohne die Wirtschaftspartei eine arbeitsfähige Mehr­heit nicht zu erzielen sei. Nach Lage der Dinge wird jetzt ein Zentrumspolitiker mit der Bildung des Kabinetts beauftragt werden und zwar hat man sich bereits an den schon einmal genannten Landeshauptmann der Rheinprovinz Herion ge­wandt, mit der Bitte, feine Bedenken zurückzustellen und sich doch noch zur Uebernahme der Ministerpräsidentschaft zu ent­schließen. Man denkt daran, ein Kabinett Herion lediglich aus ben Reihen der Deutschen Volkspartei, der Wirtschaftlichen Vereinigung, des Zentrums und der Demokraten zu bilden, und hofft, mit den Sozialdemokraten Abmachungen über eine wohl­wollende Neutralität eingehen zu können. Sn Kreisen des Zen­trums betont man, daß die Deutsche Volkspartei selbst wenn sie sich zur aktiven Teilnahme an einem solchen Kabinett nicht entschließen würde, doch kaum die Möglichkeit hätte, ihm gegenüber eine radikale Opposition zu treiben. Voraussetzung für das Zustandekommen dieser Lösung bleibt allerdings für bas Zentrum nach wie vor, daß ihm die Besetzung des Innen­ministeriums überlassen wird. Von der preußischen Zentrums- raktion sollen sich 69 Abgeordnete für das Softhalten an der Weimarer Koalition ausgesprochen haben, 12 dagegen für ein bürgerliches Kabinett der Mitte. ZUr das Zustandekommen der erwähnten Lösung hängt nunmehr alles von der Wirt­schaftspartei ab. Sollte sich die Wirtschaftliche Vereinigung und die Deutsche Volkspartei sich gegen ein Kabinett HerioU auf der erwähnten Grundlage aussprechen, so wäre die Mehr­heit der Zentrumsfraktion entschlossen, die Auflösung des Land­tages in die Wege zu leiten. DieGermania" betont heute abenb nochmals, daß bei einem Scheitern der Bemühungen Brauns für das Zentrum eine Rechtskoalition unter keinen Umständen in Zrage käme.

Amerika-Anleihe der sächsischen Werke.

31 5ebr" (Eig. Meldg.) Die Sächsischen _ elke A.-G. haben mit der Amerikanischen National Situ Compagnie eine 7prozentige Anleihe in Höhe von 15 Millio- nen Dollar abgeschlossen, die die erste große in Amerika gege­bene Anleihe an ein deutsches gemeinwirtschaftliches Unternehm meu c arstellt. Mit dem Gelde soll u. a. eine neue Kraftzentrale 1,1 -Zählen mit 135 000 Pferdekräften errichtet werden.

Der Borsitz -er DeutsKnat. Bolkspartei.

D. B. Berlin, 2. Zebr. iEig.-Mldg.) Die Parteileitung der Deutschnationalen Volkspartei und der Parteivorstand be­schäftigten sich heute mit der Zrage des Vorsitzes der Partei. Die Entscheidung über die Neubesetzung des Postens des Par- teioorsitzenden nach dem Rücktritt von Exzellenz Hergt, wird erst am 21. Zebruar fallen. An diesem Tage findet in Berlin ein Vertretertag der Deutschnationalen Volkspartei statt, auf dem die Neuwahl des Parteivorsitzenden erfolgen soll. Wie wir aus parlamentarischen Kreisen hören, dürfte die Wahl auf den derzeitigen Reichsinnenminister Schiele fallen. Die in letz­ter Zeit wiederholt genannte Kandidatur des Abgeordneten Winkler kommt hierfür nicht in Zrage.

Demokraten und Reichspräsi-eMenwahi.

D. B. Berlin, 2. Zebr. (Eig.-Meldg.) Heute nach­mittag ist der Parteivorstand der demokratischen Partei im -Reichstage zu einer Besprechung der politischen Lage und zur Beschlußfassung über die Taktik bei der Reichspräsidentenwahl zusammengetreten. Wie wir hören, geht die Meinung der Mehrheit der demokratischen Reichstagsfraktion dahin, daß die Demokraten nicht mit einer eigenen Kandidatur hervor­treten, sondern sich vor allem bemühen werden, eine Einigung der Weimarer Koalitionspartsien auf die Kandidatur einer hervorragenden, republikanisch gesinnten Persönlichkeit herbei- zuführen. Der bisherige Reichspräsident Ebert wird aller Wahrscheinlichkeit eine Wiederaufstellung ablehnen.

Deutschlands Kvhlenvrvduktivn.

Die Periode des Tiefstands unseres Wirtschaftslebens ist alle Anzeichen sprechen dafür überwunden. Die Pro­duktion auf wichtigen Wirtschaftsgebieten ist im Steigen be­griffen. Das Bild wachsender Belebung wird deutlich, wenn man die Zörderleistungen im Kohlenbergbau betrachtet. Sm Dezember 1924 erreichte die Steinkohlenproduktion Deutsch­lands nahezu die des gleichen Monats 1913 (ben jetzigen Ge- b'stsumfang ohne Saargebiet gerechnet). Nach der amtlichen Statistik wurden 11,23 Millionen To. gefördert gegen 6,30 Millionen im ^Dezember 1923 und 11,32 Millionen^ To. im Dezember 1913. Die Koksproduktiou betrug im vergangenen Monat 2,39 Millionen To. (gegenüber 1 bezw. 2,44 Millio- «en To). Die Brauukohlengewinnung überstieg die Vergleichs fahre bedeutend; Jie betrug im Dezember 1924 12,34 Millionen So ) gegen 8,26 bezw. 7,45); die Herstellung von Braunkohlen­briketts 3,15 Millionen To. (gegen 1,64 bezw. 1,73).

Ueber die gesamte Kohlenproduktiou Deutschlands in den 2ahrcn 1924, 1923 und J913 gibt die nachstehende Uebersicht Aufschluß: in Millionen To.: Steinkohlen: 1924 118,83; 1923 62,22; 1913 140,75. Braunkohlen: 1924 124,36; 1923 118,25 1913 87,23. Koks: 1924 23,72; 1923 12,70; 1913 31,67 Steinkohlenbriketts: 1924 3,74; 1923 1,27; 6,49. Braunkoh­lenbriketts: 1924 29,67; 1923 26,86; 1913 21,98. Sm alten Scbietsumfang war 1913 Deutschlands Steinkohlenproduktion natürlich wesentlich größer, die Steinkohlenförderung betrug !Y0,11 Millionen To., die Kokserzeugung 34,63 Millionen Tonnen.

Reife Doumergues nach Wien.

D.B. Pans 2. Zebr. (Sig. Meldg.) Trotz eines amtlichen Jementis halt das Echo de Park, feine Information aufrecht, bah der Präsident der französischen Republik Doumergue sich demnächst nach Marschau begeben werde. Der Präsident werde auf dem Panzerkreuzer Lothringen die Reise nach Dan­zig antreten, eskortiert von einem erheblichen Teil der franzö­sischen Flotte. Sn Warschau werde ihm dann ein großer Em­pfang bereitet werden.

Die griechisch-türkische Spannung.

Die Türkei hat den griechischen Patriachen aus Konstan- finopel ausweisen lassen. Des griechischen Vockes hat sich da­raufhin eine sehr starke Erregung bemächtigt, die ihren Nie­derschlag in einer Reihe demonstrativer Maßnahmen findet, too sind beabsichtigte Truppenentlassungen aufgeschoben worden, nach Angora ist eine Protestnote abgegangen, desgleichen eine Beschwerde an den Haager Gerichtshof und den Völkerbund. Jem patriachen selbst hat man überall demonstrativ begrüßt. Rechtlich durfte gegen diese Ausweisung nicht allzuviel einge­wendet werden können. Sm Lausanner Vertrag hat sich die c^ui kei diel es Ausweisungsrecht Vorbehalten und zwar im Zu- fammenbang mit der -Umsiedelung griechischer und türkischer ^evolkerung diesseits und jenseits der neuen Grenzen. So ist icnn eine internationale Intervention wenig wahrscheinlich. Uie Türkei kann sich außerdem darauf berufen, daß die Tren­nung von Staat und Kirche vorgenommen ist, daß das isla­mische Oberhaupt selbst nicht gerade freundlich behandelt wur­de und daß der Patriach für sie nichts anderes ist als ein den Vertragsbestimmungen unterworfener Privatmann. Sn der Lösung aller dieser Stagen ist die Angora-Regierung durch­weg sehr scharf vorgegangen.