Hessische
Morsenzettuns
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Nummer n
Dienstag, den 10. Februar 1925.
2. Mrgang.
Der Sumpf
Die bisherigen Feststellungen in dem Riesenskandal, der sich um die Namen Barmat-Kutisker entwickelt hat, ermöglichen es nun allmählich, einigermaßen statachengefestigte Wege durch den Morast zu gehen, ohne befürchten zu müssen, in dem Moder von Klatsch und Gerüchten zu versinken und sich selbst durch Verbreitung unbewiesener Tatsachen ;ü bemakeln. Weite Kreise unseres Volkes haben in jähem Erschrecken von den Dingen gehört, die zunächst zur Mandatsniederlegung zweier Zentrumsabgeordnete führten und die jetzt — endlich — auch einen selbst für die politische Moral unserer Zeit überbelasteten ehemaligen Reichskanzler zum Ausscheiden aus dem politischen Leben gezwungen haben. Ls ist einigermaßen erstaunlich, daß diese Enthüllungen der letzten Wochen für so viele allerdings parteidicht von der seit Fahren tätigen Kritik abgeschlossene Volksgenossen einen Abgrund der Lnttäuschung aufgerissen haben. An Mahnern und Marnern hat es wahrscheinlich niemals gefehlt.
Bald nach der Revolution erschien eine kleine Broschüre „Der Rattenkönig", in welcher ähnliche Dinge von Revolu- tionsgrößen behauptet wurden, wie sie heute erwiesen sind. Barmat, ein Gattungsname, hieß damals Sklarz. Man zog es vor, die Broschüre zu unterdrücken, ohne ihren Behauptungen gerichtlich nachzugehen. Inzwischen häuften sich im Lande die Verfehlungen kleinerer Größen, der Landräte, Polizeiprupden- ten usw. Man hielt trotzdem am System der neuen Auslese fest, und es ist kein Wunder, daß im Volke allmählig die Em- pfindung entstand, oben müsse es nicht viel anders sein als unten Kein geringerer als Oswald Spengler hat dann in feinem Buche „Neubau des Deutschen Reiches" ein ganzes langes Kapitel mit der Ueberschrift „Der Sumpf" versehen, ein Kapitel, in welchem er eine in jeder Beziehung deutliche Analyse der in gewissen politischen Nevolutionsgewinnlerkreisen üblichen Lebensgewohnheiten und Anschauungen gab. Ein Warnungsfanal war ferner der von Helfferich gegen Erzberger mit so eindeu
Das ReiOskabinett zu den Ruhr- enWadigungeu.
D.B. Berlin, 7. Febr. (Eig.-Meldg.) Das Reichska- binett beschäftigte sich heute mit dem Referentenentwurf der Denkschrift über die «EntschLdigung der Ruhrindustriellen auf Eruiib der Leistungen an die Micum und stellte den Wortlaut der Denkschrift fest, die am Montag dem Reichstag unterbreitet werden sollte. Gegenüber den erhobenen Angriffen gegen die von der Regierung getroffenen Vereinbarungen über den ErJatj der Ruhrschäden an die önbuftrieeUn legt der Verein Zur Wahrung der wirtschajnirheu öntereffen von Rheinland und Westfalen schärfste Verwahrung ein. ön einer entsprechenden Erklärung begründet er in ausführlicher Weise seinen Standpunkt, wobei er feststellt, daß der auf Grund des Toranschlages auf 982 Millionen Soldmark angegeben Betrag, den die Sachverständigen für den Ertrag der Ruhrbesetzung bei der alliierten Finanzkonferenz errechnet hätten bestimmt hinter der wirklichen Summe, die das besetzte Gebiet hat zahlen müssen, zurückbleibe. Die von dem früheren amtlichen französischen Nachrichtendienst veröffentlichten Nachweise, die für die Zeit vom Januar J923 bis September 1924 eine Summe von 1,2 Mil- liarben Soldmark angeben, dürften vielmehr der Wahrheit ent- fprechen. Die der rheinisch-westfälischen Wirtschaft durch die Besetzung entstandenen Schäden lassen sich in mittelbare und in unmittelbare Schäden einstellen. Ohne die aus den Leistungen des Bergbaues, der Schiffahrt und der chemischen Industrie berrubrenben Verluste, stellt sich nach den Angaben der Vereine der durch die Ablehnung des Ersatzes dieser Schäden ent- ftanbene Ausfall auf rund 40% des gesamten auf Grund ein- gebenber Erhebungen festgestellten Schadensbetrages.
Mussolini und die Freimaurer.
Kriegsereignisse auch in Deutsch- land bekannt worden, daß die Ententefreimaurerei, die ja fast
Se9ner ewe große Rolle spielt, im Wnfah ?u den rein humanitären Bestrebungen der ange- lehenâ großen deutschen Logen rein politisch eingestellt ist.
i Herrschaft Über den Staat hinter dem Deck- Tun humanitärer Bestrebungen und demokratischer Vorfas- farm dak n Wesen der Musfolinischen Herrschafts- Freimauern ^^ "' Konflikt mit den bis dahin allmächtigen Orlands ^ ihre Vertrauensmänner, bei es gierung hattet auch Giolitti, ständig in der Re- Mussolini vor 96 her freimaurerischen Umtriebe hat nisterrat belcblwiV einen Gesetzentwurf durch den Mi- W Ä ur-ch welchem alle Vereinigungen
1 werden, den Polizeibehörden ihre Verfassung und
tigem Erfolge durchgeführte Prozeß. Wer vollends die meist wöchentlich erscheinende kleinere Presse verfolgte, die es sich zur Aufgabe und zum Teil auch zum Gewerbe macht, auf allzu menschliche Dinge in der Politik hinzuweisen, der hat sich seit Fahren gewundert, was gedruckt werden konnte, ohne daß gerichtliche Klarstellung erfolgte. Alle warnenden Vorzeichen haben nichts genützt nun ist der Riessnskandal da und fordert täglich neue Opfer.
Man hat sich in Linkskreisen immer gewundert, daß der neue Staat so wenig moralische Eroberungen gemacht hat. Fn Erscheinungen, wie sie heute offen zutage liegen und seit Fah- ren bemunkelt und besprochen worden sind, liegt eine Hauptur- sache des Mißtrauens. Man begnüge sich nun aber nicht damit im Hinblick auf Frankreich, Amerika und andere Länder fest- zustellen, daß die Korruption unablöslich mit parlamentarischer Demokratie verbunden ist. Es gibt auch in den rechtsgerichteten Kreisen nur ganz wenige, die den Gedanken der Demokratie in seiner ursprünglichen Willensrichtung ablehnen. Was im Volksinteresse abgelehnt werden muß, das ist lediglich die Um- fälschung des demokratischen Gedankens, wie sie in den Westfalen und in Anlehnung an diese leider auch in Deutschland System geworden ist. Man gliedere in die demokratischen Grundanschauungen die Forderung nach Autorität, Verantwortlichkeit, in welcher sich nicht der einzelne hinter dem Mehr- Heitsbeschluß verkriechen kann, nach persönlicher Eignung und unbedingter Makellosigkeit ein. Wenn die Sozialdemokratie Herrn Bauer erst nach der Mröffentlichung des bekannten Briefes fallen gelassen hat, wenn sie einen Richter und einen Heilmann heute noch deckt, so zeigt sie damit, daß sie als Partei, als System bis in die angefrefseu ist, daß sie also bei der so bitter notwendigen Reinigung von Staat und Politik ausgeschaltet werden muß. Das ist die Mindestforderung, die im Fnteresse der Säuberung erhoben werden muß.
ihre Mitgliederverzeichnisse bekannt zu geben. Dieser Entwurf richtet sich in erster Linie gegen das italienische Freimaurertum, das hinsichtlich der Geheimhaltung der Führer und Mitglieder hier im Lebensnerv getroffen werden würde. Der Gesetzentwurf dürfte eine Folge des leidenschaftlichen Oppositionsansturmes gegen Mussolini sein, da ja diese Opposition von freimaurerischer Seite besonders heftig geführt wurde. Veröffentlichten doch im Sommer vergangenen Jahres italienische Maurer- blätter Aufrufe, in denen es heißt, daß „der Kampf gegen den Faschismus der schwerste sei den die italienische Freimaurerei bisher, zu führen gehabt habe." Der fanatische Kampf der Freimaurer ist eine Folge des Scheiterns der anfänglich gemachten Versuche, im Faschismus Einfluß zu gewinnen und seine Macht durch Einbringen in den faschistischen Apparat von innen heraus zu benutzen, bezw. zu brechen. Schon im Früyzahr 1925 hat der Fqschistenrat einen Beschluß gefaßt, daß kein Faschist Freimaurer sein dürfe. Bemerkt muß allerdings werden, daß es Mussolini abgelehnt hat, seine Gegnerschaft gegen die Freimaurerei auf das Judentum als solches auszudehnen, das in der italienischen Freimaurerei eine bedeutende Rolle spielt. So sehen wir denn in otalien zwei gewaltige Mächte im Kampfe gegeneinander. Wem der Sieg verbleiben wird, bas ist heute nach der Verteilung der Machtmittel noch ment abzusehen. '
Mark preußischer Muistzrpräsideut?
lLig. Meldg.) Sm preußischen Landtage hielten heute die Fraktionen der Weimarer Koalitionsparteien eine interfraktionelle Besprechung ab, die die Frage der Nominierung eines Kandidaten anstelle des zurück- gUretenen preußischen Ministerpräsidenten Braun zum Segen- tande hatte. Wie wir aus parlamentarischen Kreisen hören, scheint der Landeshauptmann der Rheinprovinz, Horion, für L.ejen Posten nicht mehr in Frage zu kommen. Das Zentrum verhandelt bereits mit dem früheren Reichskanzler Marx, um ly i für das Amt des preußischen Ministerpräsidenten zu gewin- n.n Das Zentrum unternimmt damit gleichzeitig den "letzten ^ersuch die große Koalition wieder herzustellen, d. h. auch die ^olkspar<fei ^ur Mitarbeit zu gewinnen, ön Zentrums
Krusen soll man ^entschlossen sein, der deutschen Volkspartei da- bei größten Zugeständnisse zu machen. -Das Ergebnis dieser Besprechung steht noch dahin.
Gleichzeitig ist das Zentrum auch an die Deutsche Volks- Partei Herangetreten mit dem Vorschlag für die Behandlung her Skandalaffären im Untersuchungsausschuß neue Richtlinien äufzchtcllon, die zum Ziele haben dürften, eine Entlastung der in die Korruptionsaffäre verwickelten Zentrumspolitiker herbei- zufuhren. Von der Deutschen Volkspartei wurde dieser Vor- srylag rundweg abgelehnt.
Großen Widerstand findet das neue Projekt des Zentrums naturgemäß bei den Sozialdemokraten, wo die Meinungen über d 0 weitere Eaktik sehr geteilt sind. Innerhalb des Zentrums wird im Hinblick auf die Kompromittierung des sozialdemokratischen Abgeordneten Bauer geltend gemacht, daß der Augen- 'bl.ck für den Uebergang zur Opposition ein außerordentlich ungünstiger sei, da Braun und Seoering sich für die Führung der Opposition nicht eigneten, und Heilmann vorläufig als Führer nicht in Betracht komme. Nach Lage der Dinge wird man also bei der Lösung der Preußenkrise noch mit langwierigen Verhandlungen zu rechnen haben.
Bauers Provisionen.
Von feiten der Rechtsanwälte der Gebrüder Barmat wird eine längere Erklärung veröffentlicht, die sich mit den Beziehungen sozialdemokratischer Politiker zu den Barmats beschäftigt. Was die geschäftlichen Beziehungen des früheren Reichskanzlers Bauer zu Barmat anlangen, so seien diese ersts ff 2ahre 1922, als Bauer nicht mehr Minister war, zustande gekommen. Bauer habe auf Ansuchen der Amexima bei der Rcichsbank um Erhöhung der Kredite für die Amexima sich vermittelnd eingesetzt und für die erhöhte Summe eine Provision erhalten, die später auf ein Minimum von 300 holl. Gulden auf einige Monate festgelegt wurde, da Bauer auch sonst bei geschäftlichen Besprechungen als Berater hinzugezogen wurde. Provisionen habe er ferner erhalten für die Vermittelung einer Stahldrahtlieferung aus Lettland. Mit diesen Geschäften hätte jedoch kein Ministerium irgend etwas zu tun gehabt, noch ständen sie in einem Zusammenhang mit Bauers früherer amtlicher Stellung. Seit Mai-Funi habe Barmat Herrn Bauer überhaupt nicht mehr gesprochen.
Peitz ßerrivts nach London?
Dem Petit Parisienne zufolge wird sich Ministerpräsident Herriot in Begleitung des Finanzminister Element el in den näch- sten Lagen nach London begeben, Um mit der englischen Re- gierung die Schuldenfrage zu lösen. Bei dieser Zusammenkunft sollen auch andere schwebende politische Fragen, so das Sich- erungsprobiem erörtert werden.
Die englische Schuldennote an Frankreich ist gestern dem französischen Botschafter in London überreicht worden. Darin fol! eie englische Liegierung die Rückerstattung von nur etwa 6 Milliarden Goldmark von Frankreich, Italien und Serbien verlangen.
England rules. . .
wb.Loildou, 9. Febr. Kolonialsekretär Amern erklärte in Liverpool: Der gesamte Bestand des britischen Reiches ruhe auf seiner ■Seemacht, und seiner Handelsschiffahrt. Nur die 5‘°tte,. die der Eckstein des Reiches sei, könne die 80 000 Mei- Köbern. Wenn irgend eine Nation ve.suchen sollte, zu wiederholen, was Deutschland 1914 versüße P wurde dies zu derselben Erwiderung führen, die England damals gegeben habe. Es ist wesentlich für unsere Existenz als große Seemacht selbst, daß Aeggpten, das am Suezkanal liegt, wieber von innen noch außen unter die Kontrolle eines Glnfl ussss kommt, der dem Reich feindlich ist. Der Kolonial-
'"eiter: ön Singapore stehen wir an der Wasser- l flamte Schiffahrt des fernen Ostens trägt Es ti -rhe X unmittelbarem Einfluß auf die friedliche Si° ch^rheit des Reiches, daß wir in der Lage sind, diese Schiffahrt ^snn wir dies tun, so ist unsere Aktion nicht ge- e irgenb eine andere Macht gerichtet, am wenigsten gegen u.jere alten und treuen Alliierten, gegenüber denen unsere es ck7 ',varrm^ ^ ^^wollen heute so stark sind, wie sie
^' ,^enn ÖH? Vereinigten Staaten wollten, m< ri0l'9e Ozeanschiffahrt bauen. Da diese unter dem Schutz ihrer Schiffahrtsgesetze groß würde, so wllr- 'wmer mehr in der Lage sein, mit der britischen Schiff- ^ârneren, außer wenn sich die britische Schiffahrt 1' ähnlicher Weise entwickelte. Amerg sagte, er schlage keines- amerikanischen SchiffahrtL-setze m7brstL ?Cn ?U ^antworten, obgleich, wenn sich das bri- zche ^eich gezwungen sehe, eine neue Politik der Schiffabrts- gejetjc zu beginnen, es sie für den Aufbau einer Schiffahrts- konnte, als jede andere Macht der Welt.
Der Flottenkorrespondent der „Dailg Lxpreß" schreibt- Die Ä S "^ "'"^ halben Dutzend britischer Kreu- oLrhpf kVk” E^- 21 bilde ein ominöses Zeichen. Drei Oberbefehlshaber wurden sich dort treffen. Öhre Beratungen finV^ '^gsamen Aufbaues einer neuen bri- -j ben Reichsflotte in den östlichen Gewässern. Fhre Besprech- u.igen wurden rem strategischen Lharakter tragen. Seitdem k' ^ aufgehört habe, zu existieren, fand eine all- mayliche Neuverteilung der britischen Seestreitkräfte statt. Das Pence., das zuerst nach Süd-Ost geschwungen habe, werde seht noch weiter nach Osten schwingen und man werde bald ein Schlachtgeschwader in den Gewässern der fernen Oestns haben. Dw Ostseeflotte sei zweifellos eine Notwendigkeit für die Sicherheit des britischen Reiches.