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«ul-aee Kreisblatt, Anzeiger für Rhön und Bovelsber-, Fulda- und Haunetal

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Nummer N.

Freitag, den 11 Februar 1925.

2. Zahrgang.

Das große Grubenunglück in Dortmund

3m Südostfeld der Zeche Miulsterstein Schacht 3 ist gestern abend 8,10 Uhr eine Schlagwetter-Explosion erfolgt. Das Schlagwetter hat einen außerordentlich heftigen Lharakter an­genommen. Die Strecken sowohl auf der dritten wie auf der Meilen und ersten Sohle find durch Brüche gesperrt. Die gleich nach der Explosion einsetzenden Aettungstruppen versuchen die Brüche durchzuarbeiten, um an die hinter den Brüchen in zwei Revieren befindlichen Leute heranzukommen. Nur 'einzelne Leute sind gleich nach der Explosion noch lebend zu Sage ge­kommen. Es ist mit dem Verlust von über 100 Bergleuten zu rechnen. Vis morgens 5 Uhr waren 30 Tote geborgen. Line groß Anzahl von Bergleuten wurden ohne irgend eine äußere Verletzung tot geborgen.

Dortmund, 12. Sehr. Auf der ZecheMinister Stein" sind bis 11 Uhr 50 Min. 70 Lote geborgen worden.

Dortmund, 12. Sehr. Arbeitsfreie Bergleute und die An­gehörigen derjenigen Bergleute, die eingefahren sind, hatten sich in den ersten Frühstunden in großer Anzahl vor dem Hauptein­gängen zu dem UnglUcksschacht versammelt. ün der Mittags­stunde verlief sich allmählich die Menge. Oberbürgermeister Dr. Eichhoff weilt ebenfalls an der Unglücksstätte und hat der Ze­chenverwaltung das Beileid der Stadt ausgesprochen.

Die Bergungsarbeiten werden erschwert durch die teil­weise noch vorhandenen Rachschwaden. Seit Mitternacht wei­len Generaldirektor Bergrat Funke von derRhein-Elben Union, Bergwerksdirektor Knopper, Berghauptmann Overthum Bergrat Müller und die Bergassessoren Wülke und Beiling von der Untersuchungsstation für Sprengstoffwesen auf der Ze- che. Berohauotmann Overthum und Bergrat Müller haben die Strecke, soweit es möglich ist, bereits befahren. 3n der nächsten Stunde ist mit der Bergung weiterer Verunglückter nicht zu rechnen.

Dr. Luther führt nach Dortmuub.

Karlsruhe. Reichskanzler Dr. Luther hat an den Ober­bürgermeister Eichhoff folgendes Lelegramm gesandt:

Die Schreckensnachrichten von der Katastrophe auf der ZecheMinister Stein haben mich auf das tiefste erschüttert. Sprechen Sie bitte den Angehörigen der Opfer meine herzlichste Leilnahme aus, die ich 3 (men sobald als möglich auch persönlich zum Ausdruck bringen werde.

Reichskanzler Dr. Luther in Dortmund.

wtb. Dortmund, stetes.) Reichskanzler Dr. Luther wird heute abend gegen 11 Uhr hier eintreffen und sich sofort mit Oberbürgermeister Dr. Eichhoff und anderen Persönlichkeiten zur Zeche Minister Stein begeben, um dort mit der Verwaltung der Zeche und dem Oberbergamt die zu ergreifenden Maßnahm­en zu besprechen. Der Kanzler wird gegen 2 Uhr nachts Dort­mund wieder verlassen. Es gehen fortwährend Beileidstele­gramme von Behörden, Organisationen und Zechen ein.

Zu dem Grubenunglück in Dortmund.

wtb. Berlin, 12. Zebr. (telef.) Wie die Blätter zu dem Unglück auf der Zeche Minister Stein melden ist die Aufregung unter der Bergbevölkernng ungeheuer. Dio Angehörigen der eingeschlossenen Bergleute sammelten sich noch während der Rächt vor dem Eingang der Zeche. Als die ersten Loten ge­borgen werden konnte», wuchs die Verzweiflung der Bevölke­rung immer mehr. Die Menge verschaffte sich gewaltsam Ein­

Das Neueste.

Krönungsfeier des Papstes Pius xi

ivtb. Berlin, 12. Zebr. (telef.) Anläßliches des Krönungs- tages des Papstes Pius XL wurde in der St. Petrikirche von dem hiesigen päpstlichen Nuntius Monsig. Pacelli ein Pon­tifikalamt zelebriert. Von den Mitgliedern des Reichskabinetts waren der Reichsminister des Auswärtigen Dr. Stresemann, der zugleich den Reichspräsidenten vertrat, sowie die Reichs- miiuster Schiele und Ltingel erschienen. Desgleichen für die preußische Regierung Ministerpräsident Dr. Marx. Auch von den Reichs- und preußischen Ministerien dem Reichsrat, dem

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Entlassungsmatertal für Söfle.

le ?? 5cbr (telef.) Aach der V. Z. M. wand- dakliouÄc « Unbekannter unter der Angabe, er sei Re- fthb^ Berliner Zeitung, an die Frau des kuiiasnHfot^1"^ Hofle, der er erklärte, er besitze wir- aeaen ^""^nngsmaterial für ihren Mann und wolle es 9 Jen Erstattung der Auslagen von 180 Mk. in seiner Zeitung

gang zur Zeche; immer, wenn ein Loter von der Unglücksftelle nach dem Betriebsgebäude geschafft wurde, spielten sich herz­zerreißende Szenen, besonders unter den Frauen ab. Nach einer Meldung des Berliner Lageblattes sind auch zwei Mitglieder der Rettungsmannschaft tätlich verunglückt.

wtb. Dortmund, (telef.) Die Zahl der geborgenen Loten beläuft sich bis jetzt auf 110. Die genaue Ursache der Explo­sion konnte auch bis jetzt noch nicht feftgesteltt werden. Gene­raldirektor Vergrat Funke und Direktor Knepper sind heute nachmittag nochmals eingefahren. 3u Dortmund haben die öff­entlichen Gebäude halbmast geflaggt. An die übrigen Verun- glückten, die zweifellos tot sind, ist nicht mehr heranzukommen. Die Explosion ist entstanden im So-Feld der Schachanlage 3 u. hat zwei Bauabteilungen in Mitleidenschaft gezogen. Es wer­den hier 4 Flöze der mittleren Zettkohlenpartie gebaut, (brei weitere Flöze stehen in Borrichtung. Lxplosionsherd und Lx- plosionsursache konnten noch nicht festgestellt werden, da die Baue werden der vorhandenen schweren Brüche noch nicht be­fahren werden können.

Die Gerüchte, die über die Explosionsnrsache in Umlauf sind, entbehren jeder Begründung. Zur Zeit kann nur gesagt werden, daß Kohlenstaub bei der Explosion mitgewirkt hat. Die Räumungsarbeiten sind im Gange. Es darf damit gerechnet werden, daß auch die letzten Opfer im Laufe dieses Lages ge­borgen werden. Eine weitere Gefahr für Menschenleben besteht nicht. Die Sicherung der durch die Explosion betroffenen Baue war beabsichtigt, aber noch nicht vollkommen durchgeführt. Die vorgeschriebene Berieselungseinrichtung war vorhanden. Die einzelnen Abteilungen waren außerdem teilweise durch Sesteiu- staubsperren gesichert.

Wieder einmal griff das Schicksal mit brutaler Faust in die Schar derjenigen, die tief unter der Erde ihr Dasein fristen, und der Lod langte sich ein Häuflein heraus ohne zu wählen.

So war es immer gewesen, und so wird es auch immer sein, so­lange noch der alte BergmannsgrußGlückauf" lebt. Kein Beruf ist so schwer und so gefahrvoll wie der des Bergmannes, dessen schwäre Gewandung er sein Lterbekleid nennt im steten Kampf mit Wasser, Feuer und Gebirge, das urplötzlich über die Knappen hereinbricht, getrieben von der Gewalt zusammen­gepreßter Gasmassen. Schon seit Jahrhunderten war die Knappschaft eine Gilde für sich, eine Kaste, in der sich ehrwür­dige Sitten und Gebräuche vererbten, geachtet vom Landesherrn wie vom Volke. Und der Bergmann war stolz auf seine Son­derstellung, die erst jene gleichmachenden Bestrebungen einnivel­lierte. Aber trotzdem hat sich in einigen Revieren Deutschlands noch der alte Schlag, der alte national gesinnte Bergmannsgeist erhalten, wenn auch fremde Elemente die biedere Gefinnnngs- art durchsetzten. Dieser Gedanke stimmt die national füh­lenden Kreise in Deutschland noch traurige und sie werden es immer wieder als ihre vornehmste Pflicht betrachten, das schwere Los des Bergmanns zu erleichtern, von dessen Arbeits­willen der größte Leil unserer deutschen Wirtschaft abhängig ist. Die Arbeit unter Lage ist eine fortwährende Schlacht, in der es Lote gibt, und die Wissenschaft wird emsig weiterar­beiten, und die vielen Gefahrquellen wenn auch nicht beseitigen, so doch wenigstens vermindern können. Den toten Kameraden werden die Ueberlebenden den Gruß auf die letzte, lange Fahrt mitgeben, den sie oft getauscht! über dann wird wieder das hohe Lied der arbeit durch die Stollen dröhnen, jener Arbeit die einen Hauptteil dargestellt am Wiederaufbau unseres Vaterlan­des und seiner Wirtschaft.

veröffentlichen. Frau Höfle lehnte dies ab, händigte aber im Laufe des Nachmittags nach einigen Lelefongefprächeu, die der Unbekannte unter falschem Namen mit ihr geführt hatte, den geforderten Betrag aus. Die Staatsanwaltschaft ist von dem Vorfall in Kenntnis gefetzt worden.

Dr. Luther in Karlsruhe.

wtb. Karlsruhe, (telef.) Bei der Ansprache, die heute mittag 11.30 im Staatsministerium in Anwesenheit einer grö­ßeren Anzahl geladener Gäste mit dem Reichskanzler über wirtschaftliche und politische Fragen stattfand, hieß Staatsprä­sident Dr. Helpacher den Reichskanzler herzlich willkommen in der Süd- und Westmark des Reiches. Er erinnerte an die Schwierigkeiten der Kabinettsbildung und an die Erklärung des Reichskanzlers im Reichstage, die Auch der Oppositionelle als unzweideutig habe anerkennen müssen. Die badische Regierung und das badische Land in seiner überwältigenden Mehrheit, wünschte, daß das den Schutz der republikanischen Staats form und die Fortführung der seitherigen Außenpolitik in sich schlösse. Der Staatspräsident fuhr fort: Herr Reichskanzler! Ein Seil der politischen Parteien, die die badische Regierung bilden, steht zu öbnen in Opposition. Auch die Partei, zu der ich selber mich bekenne, gehört dazu. Aber auch eine gute Opposition muß wünschen, daß das' Wirken der von ihr bekämpften Regierung

dem Vaterlande zum Segen und nicht zuM Unsegen gedeihe. 3n der Aussprache trugen Vertreter der heimischen Wirtschaft die wMujuie des Landes und ihrer Organisationen vor.

Schwerer Sturm in England.

wtb. London, 12. Zebr. (telef.) 3n ganz England wütete gestern ein sehr starker Sturm, der in einzelnen Seilen des Lan­des 55 bis 63 Stuudenmeilen betrug. L eilweife wurden die Telegraphenleitungen zerstört. Auf der Strecke der Groß- Westeifenbahn ereignete sich nachts zwischen Newport und Aber tillerg ein Erdrutsch, unmittelbar nachdem ein Zug von New­port durchgelaufen war. Der Zug von Abertillerg konnte recht­zeitig gewarnt werden.

Langè-Segermann ebenfallsgriffreich".

Obwohl dieGermania" heute abend erklärt, daß es sich bei der Person Hoefle um den tragischen Fall eines einzelnen handele, der die Gesamtheit der Parte! nicht berühren könne, verlautet doch, daß der Staatsanwalt an den Reichstag das Er­suchen um Aufhebung der Immunität des Zentrumsabgeordneten Lange-Hegermann stellen werde, da auch er in Untersuchungs­haft genommen" werden soll.

Triumvf deutscher Technik.

Dübendorf (Schweiz). Am Dienstag Nachmittag erfolg­ten im Beisein von Ingenieur Gesell vom eidgenössischen Luft­amt die ersten vier Fluge der Junkers Großverkehrsflugzeuges, das ganz aus Metall besteht. Es leistet 700 PS. hat eine Lragflächespannweite von 28,5 Meter und faßt neben den bei­den Führern noch zehn Personen. Es wurde von dem deut­schen Flieger Witte gesteuert. Das Flugzeug soll in den Hieltst des West-östlichen Luftverkehrs gestellt werden.

Die Beschuldigungen gegen Dr. Soeffe.

D.B. Berlin, 11. Zebr. (Eig. Meldg.f Der inzwischen verhaftete und in das Untersuchungsgefängnis Moabit einge­lieferte frühere Reichspostminister Dr. Höfle, ist heute vom Untersuchungsrichter neuerlich vernommen worden. Zur Last gelegt wird ihm nicht nur passive Bestechung, sondern auch Un­treue. 3m Zusammenhang damit steht das Verfahren gegen die Depositen- und Handelsbank A.-G., in deren Räumen die Geschäftsbücher und anderes Material beschlagnahmt worden sind, soweit es nicht durch die flüchtigen, früheren Direktoren der Bank Kolpe und Kalikottka vernichtet worden ist. Zur Verhaftung von Dr. Hoefle führte die Rachprüfung folgender Vorwürfe: Dr. Hoefle wird der Borwurf gemacht, sich von der Amexima einen Kredit von 120 000 Soldmark habe geben las­sen, dieser Kredit wurde 1924 wieder abgetragen. Während Hoefle diese. Angelegenheit als ein reines Privatgeschäft be­trachtet, sieht die Staatsanwaltschaft hierin eine Bestechung für den nachweisbar vom Reichspostministerium der Amexima gewährten Kredit von 5 Millionen Goldmark. Dr. Hoefle er­warb weiter im Februar 1924 gemeinsam mit feinem Zraktions- genoffen Dr. Bell ein Grundstück in Berlin-Lichterfelde und nahm Ende 1924 eine Hypothek in Höhe von 100 000 Gold­mark zu relativ günstigen Bedingungen auf. Diese Hypothek für die für das Sahr 1925 keine Zinsen gezahlt zu werden brauchen, während allgemein 18 Prozent für Hypotheken ver­langt werden, stammte, aus einem Unternehmen, das dem Mi- chaelkonzeru angegliedert ist. Der Michaelkonzern erhielt nach der Stabilisierung der Mark vom Reichspostministerium sehr erhebliche Kredite. Dr. Hoefle hat dann in seiner Eigenschaft als Minister für die besetzten Gebiete ohne Wissen dieses Mi­nisteriums 2 Millionen Soldmark vom Reichspostministerium, Abt. München, für Zwecke der besetzten Gebiete angefordert. Die Verteilung dieser Summe sollte durch den, gleichfalls der Zentrumspartei angehörenden Abgeordneten Lange-Hegermann vorgensinmen werden. Lange-Hegermann, der behauptet hat, nicht zu wissen, daß diese Summe aus öffentlichen Mitteln stammte, soll mindestens Seile dieser 2 Millionen zur Erlangung von Aktienmehrheiten in verschiedenen Sndustrieunternehmun- gen verwendet haben. Obwohl Dr. Hoefle gewarnt wurde, hat er weiter die der Depositen- und Handelsbank gegebene Kre­dite nicht zurückgezogen, und den^ Minister wurde auf Grund der Bücher der Depositen- und Handelsbank ein Betrag von 50 000 Soldmark überwiesen. Gegen Dr. Höfle wird ferner der Vorwurf erhoben, er habe Beträge erhalten, die als Par­teigelder verbucht worden sind. Die Partei selbst hatte bisher keine Kenntnis über die Art der Verwendung der Gelder.

Die angeführten Vorwürfe fallen unter die Paragraphen 332 und 333 des Strafgesetzbuches. Bestechung wird nach § 332 mit Zuchthaus bis zu 15 Sahren bestraft. Dr. Hoefle hat ne­ben Dr. Alsberg noch den Rechtsanwalt Dr. Pindar mit feiner Verteidigung beauftragt.

Die stets mit einer gewissen Virtuosität die hohe Schule der Moral reitende Partei dürsteeinige Zeit zu kratzen und zu schaben haben, um die Flecken zu tilgen, die Hoefle und Lange- Hegermann auf das Ehrenschild plazierten.