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Ful-aee Kreisblatt, Anzeiger für Rhön uns Bogelsberg, Ful-a- und Haunetal
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Für die Volksgemeinschaft — Für den Ständefrieden
Nummer 37.
Samstag, den 14. Februar 1925.
L Jahrgang.
Der Tod an der Kuhr.
3mmër wenn der Name der Ruhr, dieses Flüßschens, das einst in glücklicheren Zeiten Name deutscher Kraft und Leistung war, an unser Ohr dringt, so verbindet sich damit Trauer u. bitterste Not. dm vielgeprüften Land, in Dortmund, das kürzlich erst von dem Druck der feindlichen Besatzung erlöst wurde, hat der Bergmannslod unerhörte Opfer gefordert. Der Fluch der Schächte im Westen, das Schlagende Wetter, hat eine der besten Schachtanlagen teilweise zerstört, und der Reichskanzler handelte wohl im Sinne des ganzen deutschen Volkes, wenn er seine Besuchsreise in Süddeutschland plötzlich abgebrochen hat, und an den Ort des Unglücks geeilt ist. Ls ist immer schwer die genaue Ursache solcher -Grubenkatastrophen festzustellen, so auch hier. Die bisher Geretteten berichteten nämlich, daß die die Explosion durch den funken einer Maschine entstanden wäre. Line Maschine der Streckenförderung käme wohl kaum in Frage, weil man in Schlagwettergruben stets Lokomotiven benutzt, die vermittels ‘Preßluft betrieben werden.
An einer Stelle sind 20 Knappen im Feuer umgekommen, an einer anderen Stelle wurden 16 Getötete auf einem Haufen gefunden. Die meisten Loten sind fast vollständig verbrannt. Biele von ihnen wurden durch den gewaltigen Luftdruck der Explosion 10—20 Meter weit fortgeschleudert und haben sämtliche Gliedmaßen gebrochen. Die Vdentifizierung der Loten ist nur nach und nach auf Grund der Erkennungsmarken und der Lampen möglich. Die Gasentwicklung unter Lage war derartig groß, daß jetzt noch die Rettungsmannschaften der Nachbarzechen „Gneisenau", ^Viktor" u. a. durch die Methannachschwaden bedroht sind.
Die Zeche Minister Stein ist eine der mustergültigsten Betriebe des gesamten rheinisch-westfälischen Bergwerksgebietes und ist mit den modernsten Einrichtungen, gerade was die Mel- qMMt, ausgegejMef. Umsomehr ist man davon überrascht, daß die Katastrophe einen so gewaltigen Umfang nehmen konnte, daß sie in ihrer Ausdehnung mit zu den größten Unfällen gehört, die unsere deutsche Bergreviere betroffen haben. —
Draußen vor dem Zechengebäude, wo sich erst die erschütterndsten Szenen abspielten, hörte man bald Flüche und Ver-
Ungestörte Sage in Mußen.
D. B. Berlin. in der Frage der Kabinettsbildung, in Preußen ist die Situation unverändert. Es steht weiterhin die Anregung des Ministerpräsidenten Marx auf Bildung eines Kabinetts der Volksgemeinschaft zur Besprechung. Die deutsch- nationale Fraktion hat ihren Vorstand für heute Abend 8 Uhr zusammenberufen, um sich mit der parlamentarischen Situation zu beschäftigen. Wie wir aus Landtagskreisen hören hat namentlich das Zentrum dis Hoffnung noch keineswegs aufgegeben daß es Dr. Marx gelingen wird, ein arbeitsfähiges Kabinett ?u bilden. Zurzeit sind Verhandlungen angebahnt worden zwischen dem Zentrum und der Wirtschaftlichen Vereinigung um die persönlichen und sachlichen Differenzen zwischen dem Wohl- fahrtsminister Hirtsiefer und dem Abg. Ladendorff aus der Welt zu schaffen. Minister Hirtsiefer hat sich bereit erklärt, für den Fall, daß eine Einigung nicht zustande kommt, im Snterefse der Gesamtpolitik seiner Partei sein Amt zur Verfügung zu stellen. Von Seiten der Wirtschafspartei soll ferner geäußert sein, daß man zu mindesten nicht gegen das Kabinett Marx stimmen würde, wenn anstelle Severings ein geschulter Beamter wenn auch ein Sozialdemokrat das preußische Innenministerium übernehmen würde, in Zentrumskreisen glaubte man weiter Grund zu der Annahme zu haben, daß 'imi FMe eines Rücktritts Severings auch die Deutsche Volkspartei das Kabinett Marx nicht geradezu arbeitsunfähig machen würde. Es scheint festzustehen, daß den Welfen von sozialdemokratischer Seite der Hannoversche Oberpräsident Roske geopfert werden soll.
Der Werdegang Nr. Koesles. taao^'/v.05?5’,^ 'kleinen Verhältnissen entstammt, wurde 882 in Otterbach Bezirk Kaiserslautern (Pfalz), geboren. Er studierte an den Universitäten München und Erlangen Rechts-
Staatswissenschaften und war, nachdem er 1907 das Refe- nendar- und das volkswirtschaftliche Doktorexamen bestanden hatte, kurze Zeit als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter an der Handels-und Sewerbekammer München tätig. Von 1908 bis war er Referent für Mittelstands-, Angestellten- und an der Zentralstelle des Volksvereins für das Deutschland in M.-Gladbach; von 1914 bis iuni 1910 ivirew” des Deutschen Lechniker-Berbandes; von iuni sodann 1^0 Direktor des Deutschen Beamtenbundes, ®^etkkhaÄ Gesamtverbandes Deutschen Beamtenglied des ^ Gewerkschaften). Hoefle war Mit- er vom off P ,920: Als Reichspostminister war r 1923 bis zum Sanuar 1925 im Amte.
wünfchungen gegen die Bergverwaltung, und zahlreiche Bergleute laufen umher und zeigen den Fremden ihre Lohntüten, um zu beweisen, für wie niedrige Löhne sie täglich dem Lod ins Auge sehen müßten.
Der Reichstag stand ebenfalls unter dem Eindruck des furchtbaren Unglücks von Dortmnnd. Präsident Loewe fand in seiner, bei solchen Gelegenheiten besonders sympathisch wirkenden Art warmherzig menschliche Löne für die Opfer des Unglücks. Aufs äußerste befremden mußte es, daß auch dieses Wüten der Naturkräfte, dessen Ursachen noch in keiner Weise geklärt werden konnten und wohl auch wie es bei ähnlichen Unglücksfällen der Fall gewesen ist, niemals befriedigend wird aufgehellt werden können, von parteipolitischer Seite sofort zu einer abstoßend wirkenden Demonstration benutzt werden sollte. Der Reichstagspräsident hat wohl in Uebereinstimmung mit allen Volksvertretern, ausgenommen natürlich die Partei des organisierten Verbrechertums, diesen Versuch sofort zurückgewiesen. Erst die kommenden Lage können einigermaßen Klarheit darüber schaffen, wie das Unglück sich ereignet hat. Parlamentarische Untersuchungsausschüsse können, so unerfreulich ihr Wirken in der Form manchmal auch ist, gelegentlich Nützliches schaffen. Aber die Gleichstellung der Wetterkatastrophe von Dortmund etwa mit einer der neudeutschen Skandatgeschichten zeigt wieder einmal, wie, um einen Ausdruck des Reichstagspräsidenten zu wiederholen, auch die Majestät des Lodes nicht im stände ist, den parlamentarischen Betrieb in seinen unerfreulichen Begleiterscheinungen auszuschalten. Das deutsche Volk ist nicht gesonnen baß auch element. Katastroph., deren Wirkung erfreulicher Weise wenn auch nur vorübergehend den Parteizweck zu übertönen geeignet sind, wochenlang ebenso gehässig wie praktisch erfolglos in den Parlamentssälen herumgezerrt werden.
Wenn auch der, ebsmaliZL^ Innenminister Sollmaun. in den Reigen derer die persönliche Bemerkungen über ihre Beteiligung an Sensationsereignissen machen zu müssen glauben, in längerer Erklärung eintritt, so hat er damit der Umwelt nichts verkündet, was sie sowieso nicht schon wüßte. Durch Sollmanns Erklärung wird der sozialistische Skandal des Skandal- machenwollens um jeden Preis nicht beschönigt.
Neue schwere Belastung Koesles.
Wie eine Nachrichtenstelle der „Deutschen Tageszeitung" berichtet, wurde auf Antrag des Finanzamtes das Bankkonto des verhafteten Ministers a. D. Hoefle gestern für rückständige Steuern beschlagnahmt. Hierbei stellte sich heraus, daß Dr. Hoefle in den letzten Lagen sein gesamtes bedeutendes Bank- guthaben abgehoben hat mit Ausnahme weniger hundert Mark. Hoefles Haftbeschwerde an die Eröffnungskammer des Landgerichts erscheint aussichtslos, da Hoefles Verhaftung damit begründet ist,jbaß die Straftaten gemeine Verbrechen darstellen und deshalb Fluchtverdacht ohne weiteres begründet ist. Schwer wiegend ist auch die Latsachs, daß Hoefle vor Antritt des Ministerpostens völlig mittellos war und einen Freund um 1000 M. anborgen mußte, um seinen Schneider zu bezahlen, während der Minister heute eine prunkvolle Villa in Lichterfelde, ein Anzahl Hausgrundstücke und inzwischen abgehobene Bankguthaben von über Million Mark besitzt.
Dr. Koefle im Moabiter Lazarett.
£ „,v.B. Berlin, 12. Febr. (Eig. Meldg.) Da der verhaftete ruhere Reichspostminister Dr. Höfle an Herzmuskelschwäche leitet, wurde er heute vormittag aus dem alten Gefängnis in Moabit in das Lazarett des Untersuchungsgefängnisses überge-
Vor Vertretern der Presse berichtete Staatssekretär Sauter heute in einem langer. Vortrag über die Kredite der Reichs- poft unb erklärte darin, daß die Reichspost im ganzen 600 Millionen Goldmark an Krediten vergeben habe. Nur einen ganj geringen Bruchteil der Summe habe man als Privatkre- dite vergeben. Die Post habe ;. V. an Barmat 14 Millionen Solomark gegeben und nicht 50 oder 60 Millionen, wie be° hauptet worden war. Davon seien 4 Millionen durch Effek- len gedeckt und außerdem besitze man noch die Garantie von 17 teils ausländischen Rückversicherungsgesellschaften. Der Sonderausschuß habe von gegebenen Privatkrediten im ganzen 3 Kredite beanstandet und zwar den Mannesmann Kredit, den Lange-Hegermann Kredit und den Barmat Kredit.
Peinliches, allzu Peinliches.
Sm Preußischen Untersuchungsausschuß sind am Mittwoch wieder Dinge zur Sprache gekommen, die ein sehr übles Licht auf die politisch-geschäftlichen Beziehungen der Gebrüder Barmat mit Beamten und Abgeordneten werfen. Sm besonderen
mußte sich der sozialdemokratische Polizeipräsident von Berlin, Herr Richter, der bei seinem ersten Auftreten noch den Ueber- legenen zu spielen suchte, nunmehr sehr gegen feinen Willen selbst erheblich belasten. Er gab nicht nur zu, auf Kosten Su- lius Barmats eine Reise nach Holland — von einer nach Leipzig war neulich schon die Rede — unternommen zu haben, sondern er sprach auch von 100 Stück Gaskoksanleihen, die er erhalten habe, so wie von 150 Stück Aktien der Dema, die ihm Herr Barmat „überließ". Auf die Vergütung konnte er sich nicht mehr besinnen. Dem David Barmat hat Richter ein Empfehlungsschreiben an den Generalkonsul in Wien gegeben, das David u. a. zum Schmuggel von Rauchwaren benutzte. Herr Richter aber hat gedacht, „Rauchwaren" seien ein paar Zigarren. Es ist höchst eigentümlich, daß dieser Mann immer noch Polizeipräsident von Berlin ist; diese Latsache wird Herrn Marx die preußischen Koalitionsverhandlungen nicht gerade erleichtern. — Auch von dem Zentrumsabgeordneten Lange- Hegermann war im Ausschuß die Rede. Der ist bekanntlich ein ehemaliger Schneidermeister, dessen Geschäftsgenie sich bei Heereslieferungen zu großen finanziellen Erfolgen aufgeschwun- gen hat. Auf die Frage, ob Barmat auch größer Zuwendungen dem Zentrum zur Verfügung gestellt habe, antwortete der Sozialist Heilmann: es wäre möglich, daß Barmat Herrn Lan- ge-Hegermann einen Betrag zur Verfügung gestellt habe, den dieser dann der Parteikasfe überwiesen haben könnte. Das Zentrum wird sich schnell zum Eingreifen entschließen müssen.
Skandalfzrneu im linterfuchungsausfchuß.
Als in der Verhandlung Abgeordneter Dr. Derberg (Dtn.) beantragt, den Berliner Oberbürgermeister Dr. Böß zu laden, kam es zu einem großen Skandal. Der Abg. Kollwitz (Komm, bittet, dafür zu sorgen, daß die zu vernehmenden Zeugen sich nicht vorher in Zuschauerraum aufhallen. Es ist genug, wenn sie sich nachher von hier aus ansehen. «Zustimmung
der Komm., große Unruhe bei den übrigen Ausschußmilgliedern. Der Vorsitzende ruft erregt den Abg. Kollwitz zur Ordnung. Dieser aber erklärt trotzig: Es ist doch aber weiter nichts als eine Komödie! (Erneute Zustimmung der Komm., lebhafte Ent- rüftungsrufe der anderen Abgeordneten.) Der Vorsitzende ruft den Abg. Kollwitz zum zweitenmal zur Ordnung und macht ihn auf die Folgen eines dritten Ordnungsrufes aufmerksam. (Erneute große Erregung der Abgeordneten und im Zuhörrer- raum. engmen
Abg. Kollwitz (Komm.): Fch kann das nicht zurücknehmen.
Der Vorsitzende fordert darauf den Abg. Kollwitz mehrmals auf den Saal zu verlassen. Kollwitz weigert sich entschieden und bleibt auf seinem Platze sitzen. Der Abgeordneten hat sich eine große Erregung bemächtigt, ebenso der Zuhörer. Der Vorsitzende läßt darauf den Zuhörerraum und die Bänke der Presse räumen. Er ruft dann nach der Parlamentrwache.
Ss wird nach einiger Zeit festgestellt, daß überhaupt keine Parlamentswache im Hause ist. Darauf wird der als Zeuge anwesende Polizeipräsident Richter um Snteroention gebeten. Richter nimmt den Auftrag an und entfernt sich für einige Zeit um telephonisch Polizei heranzubeordnen. Bald darauf erscheinen fünf Schutzpolizisten, betreten den Sitzungssaal und führen die drei kommunistischen Ausschußmitglieder heraus. Damit war die Aufgabe der Schutzpolizisten erledigt. Die Kommunisten entfernten sich unter höhnischen Bemerkungen.
Nach Wiederherstellung der Oeffentlichkeit erteilt der Vorsitzende Dr. Leidig dem Polizeipräsidenten Richter die Anweisung, dafür Sorge zu tragen, daß morgen vormittag 10 Phr roo die nächste Sitzung des Ausschusses stattfinden wird, für den Ausschuß eine Parlamentswache zu stellen.
Damit war die heutige Sitzung beendet.
El» für eroft Christentum. roirb-OO'm 19. bis 30. August ds. Vs. in Stockholm veranstaltet. Die Einladungsschreiben zu dieser Konferenz, an der bekanntlich die evangelischen Kirchen der ganzen Welt, sowie die christlich- ortodoxe Kirche teilnehmen, werden jetzt vom Erzbischof Soe- derblom verschickt. Der Führer der protestantischen Einheitsbewegung begründet darin die Einberufung dieses großen christlichen Weltkonzils und -entwickelt das Verhandlungspro- grainm, das die sozialen Probleme und die Spannung zwischen den Volkern zum Gegenstand hat. Der schwedische König hat in emer religiösen Botschaft an sein Volk, die von sämtlichen Kabeln verlesen wurde, auf die Bedeutung dieser ökonomischen Tagung hingewiesen.
Massenverhaftungen der Besakungs- behörde.
Berliu. Nach einer amtlich noch nicht -bestätigten Meldung soll die französische Vesatzungsbehörde in Düsseldorf umfangreiche Verhaftungen vorgenommen haben; man spricht von 75 Personen. Es soll sich hauptsächlich um Mitglieder des Bundes „Wiking" und um Nationalsozialisten handeln.