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Hessische Morgenzettuns Fuldaer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön und Vogelsberg, Fulda und Haunetal

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Sonntag, den 15. Februar 1925.

2. Jahrgang.

Der Kampf um Severins.

Jie Haltung der deutschen Bolköpartei.

DB. Berlin. Fn der 5rage der Regierungsbildung in Preußen stehen zurzeit zwei Fragen im Vordergründe. Wird der Fnnenminister Severing als Zachminister in einem Kabinett Marx verbleiben, und weiter nach welcher Richtung wird sich die Deutsche Volkspartei -entscheiden. Auf die Mitarbeit der Wirtschaftlichen Vereinigung und auch der Deutsch-Hannove- rauer wird Herr Marx bei einer Beteiligung sozialdemokra­tischer Persönlichkeiten im neuen Ministerium keinesfalls zu haben. Fn deutschnationalen Kreisen vertrifft man die Anschauung, daß eine Koalition von den Sozialdemokraten bis hin zu den Deutschnationalen nicht nur daran scheitert, daß die Deutschnationalen nicht nur daran scheitert, daß die Deutsch­nationalen kein unnatürliches Spiel mit dem Begriff der Volks gemeinschaft treiben lassen wollen, sondern auch daran, daß die anderen staatsbürgerlichen Oppositionsparteien sich über die in­nere Unmöglichkeit einer solchen Kombination klar sind. Die Deutsche Lageszeitung glaubt sagen zu können, daß die Erneu­erung der großen Koalition von der Deutschen Volkspartei un­bedingt abgelehnt wird. Für Herrn Marx gäbe es nach Lage der Dinge nur zwei Möglichkeiten, entweder ein völliges Fias­ko, oder eine Regierung auf Grund der Volksgemeinschaft, auf welche folgende Erklärung der deutschnationalen Volkspartei hinweist, deren Landtagsfraktion dem preußischen Ministerprä­sidenten Marx heute in einem Schreiben wie folgt Kenntnis ge­geben hat: Wir nehmen Bezug auf die grundsätzliche Ebklält ung der deutschnationalen Reichstagsfraktion vom S. Okto­ber 1924, die ausdrücklich das Eintreten der Deutschnationalen Volkspartei für die Volksgemeinschaft als Zusammenfassung aller auf christlichem, nationalen und sozialem Boden stehenden Volkskräfte betont. Wir setzen voraus, daß die zu einer Voiksgemeinschast in Preußen sich zufammenschließendcn Par­teien, die vor schweren Aufgaben stehende Reichsregierung in loyaler Zusammenarbeit stützen und sich in der preußischen Po­litik zu folgenden Zielen bekennen: 1. Ehristtiche Fugendsr- jiebung und Durchdringung des ganzen Volkes und Staatsle­bens mit christlichem Geist. 2. Aufrechterhaltung der geschicht­lich begründeten Verpflichtungen des Staates zum finanziellen Anteil für die christliche Kirche bei voller Wahrung ihrer durch die Reichsverfassung gewährleisteten Selbständigkeit. 3. Ab­lehnung des mit der Volksgemeinschaft nicht verträglichen Klas- fenkampfgedankens. 4. Pflege des vaterländischen Denkens, pflegliche Behandlung aller auf gesetzlichem Boden stehenden nationalen Bestrebungen.

Da sich die Deutschnationalen somit gegen eine Beteiligung ber Sozialdemokraten an einem Kabinett nochmals aussprechen, kommt für Herrn Marx nur noch der Versuch in Frage, ein Kabinett der Weimarer Koalition zu bilden. Ob ihm dies ge­lingen wird, steht allerdings noch dahin. DieGermania" appelliert heute nochmals an die Deutsche Volkspartei, daß ihr in erster Linie die Aufgabe zufalle, eine günstige Wendung in Preußen herbei;uführ-en. Man stehe jetzt vor der en.tschei- dungsoollen Frage, ob die starken staatspolitischen Lraditionen, die die deutsche Volkspartei in den Arbeiten mit der großen Koalition sich -erworben hat, sich so völlig verflüchtigt haben, daß der agitatorische Gedanke in engster Fühlungnahme mit der Reaktion das Parteigefüge beherrsche. Dies sei eine Frage, die nicht nur das Schicksal Preußens sondern auch Deutschlands ja des Ansehens Deutschlands in der Welt berühre. Die Ent­scheidung der Volkspartei und ihre Stellung zum Kabinett Marx werde für das ganze Deutsche Volk schicksalhaft sein.

Man muß immer wieder das Zentrum fragen, warum in Preußen das nicht gehen soll was «n Rmch gegangen ist. Alle dagegen vorgebrachten Gründe find fadenscheinig, nämlich aus der Parteitaktik entsprungen.

Der Reichstag untersucht.

- Wan kann narb den aus der ersten Sitzung gewonnenen Erfahrungen und Beobachtungen einigermaßen befriedigt fest­stellen daß bie sogenannte Verzögerung seitens des Reichs­tagsausschusses nur der Sache zum Vorteil gedient M Vor- Jitjrnber und Referent haben bereits in die Akten des Auswär- â^bend Einblick genommen. Ls kommen nicht Bruchstucke zutage, wie im Landtag, die den Fall Barmat an- harmlos erscheinen ließen. Ls wird festgestellt, daß Barmat wie ein roter Faden durch Akten und Berich, »rstattung des Auswärtigen Amtes zieht, die Belaft- « Varmat nach ihrer Angabe Vertrauen schenken Rerbi -L ^^loubt haben, erscheint nun um vieles schwerer.

.wirkt es, wenn aus der Tatsache, daß die Bar­ben' mit Deutschland Geschäfte gemacht ha- kritet wird S vorrevolutionären Regierung Herge- »enLmittel S "S ""lr im Kriege bei der Blokade Le- v-WO«, der ,. ,1? bT^1* iâr Sinnen, ;u diim A ^belbeleumdete Barmat bevorzugt wurde. Endlich

saßen auch in den Kriegsämtern vielfach Leute, die Herrn Bar­mat und den Revolutionsgewinn nicht gerade fern stehen, wäh­rend das alte Deutschland im guten Sinne meist an der Front zu lein pflegte.

Das Ultimatum an LangeOegrmann.

D.B. Berlin, 13. Sehr. (Sig. Weldg.) Wie aus parla­mentarischen Kreisen zu hören ist, läuft das Ultimatum der Parteileitung des Zentrums an den Abg. Lange-eHgermann, sein Reichstagsmandat niederzulegen mit dem heutigen Lage ab. Lange-Hegermann hat «bisher erklärt, daß er sich nicht schuldig fühle und kein Grund jur Niederlegung seines Mandats sehe. Man rechnet in Zentrumskreisen damit, daß in Kürze beim Reichstage der Antrag der Staatsanwaltschaft einläuft, die 3mmunität des Abg. Lange-Hegermannn aufzuheben und ist entschlossen, diesem Anträge stattzugeben. Die Zentrums­partei beabsichtigt übrigens, -Demnächst zu erklären, daß sie rück­sichtslos alle Mitglieder ausschließen werde, deren Unredlichkeit nachgewiesen wird, daß sie aber an die parlamentarischen Un­tersuchungsausschüsse die Aufforderung richten müsse, ihre sach- ilche Aufklärungsarbeit nicht durch parteipolitische Lendenzen - und Verzettelung der Verhandlungen mit unwesentlichen per­sönlichem Kleinkram beeinträchtigen zu lassen.

Die Beurlaubung des VortzetpriMeuteu Mier.

D.B. Berlin, 13. bebr. (Sig. Meldg.) Wie in einer amtli- cbrn Mitteilung erklärt wird, hat der preußische Minister des innern Severing ein Urlaubsgesuch des Berliner Polizeipräsi­denten Richter genehmigt, Fn einem Schreiben an den Mi- Uifter des Innern gibt Richter her Hoffnung Ausdruck, damit di? völlige Aufklärung der fortgesetzt gegen ihn erhobenen An- griffe und seiner Ueberzeugung völlig haltlosen Verdächtigungen zweckdienlich zu fördern. Seine Vertretung werde sein ständiger Stellvertreter Vizepräsident Moll übernehmen. Die Beurlau- ung Richters ist das Ergebnis einer Unterredung, die heute zwischen dem preußischen Innenminister Severing und ihm stottgefundcu hat. Man nimmt an, daß der bisherige Berliner Polizeipräsident auf seinen Posten nicht mehr zurUckkehren wird, mas von allen Blättern, lebhaft begrüßt wird. Wie wir hören, ist auf Grund des Materials, das sich in dem Er­mittlungsverfahren wegen der Kreditgeschäfte -der preußischen See Handlung mit Barmat sich ergeben hat, ein Ermittlungsver­fahren gegen Richter eingeleitet worden. Richter wird u. a. beschuldig!, in seiner Eigenschaft als Livilkommissar für die Provinz Brandenburg zum Nachteile des Reichsfiskus im Sah­re 1920, dem damaligen Besitzer eines großen bekannten Ver­gnügungsparkes in Berlin zu Unrecht 790 000 Soldmark zuge­wendet zu haben.

Die MtnÄme des MW Dr. Wetthauer.

D-B. Berlin, 13. Febr. (Lig. Meldg.) Bereits gestern abend hatte sich ein Staatsanwalt im Flugzeuge nach Dresden begeben, um den in der Angelegenheit Kutisker wegen Ver- duakAungsgefahr belasteten bekannten Berliner Rechtsan­walt Sustizrat Dr. Werthauer zu verhaften. Werthauer war bereits abgereist und feine Verhaftung erfolgte noch gestern abend 11 Uhr auf dem Anhalter Bahnhof in Berlin. Der Fsstgenommene wurde heute im Laufe des Lages vom Untersuch ungsrichter in Moabit vernommen.

Ludendorff und die Krisis der völkischen Bewegung.

Ludendorff, der bekanntlich seit geraumer Zeit nicht mehr am Reichstage erschienen ist, hat nun die Führung der national­sozialistischen Bewegung niedergelegt. Wie wir erfahren, wird eine Lösung der recht verworrenen Entwicklung in der Weise erstrebt, daß die norddeutsche (völkische) Bewegung, die zur parlamentarischen Betätigung gedrängt hat, sich wieder von der eigentlichen süddeutschen nationalsozialistischen Bewegung trennt, daß Line parlamentarische Vertretung.der Bewegung in Zu- kunft fallen gelassen wird, ist nicht anzunehmen. Wie es heißt, sind aber auch bereits in der süddeutschen Bewegung Bestreb- ungen im Gange, eine eigene Parlamentsvertretung beizube­halten 3n diesem Falle würde die Unklarheit noch gesteigert werden. Hitler selbst, der sich in letzter Zeit stark den bage- nsch-monarchistischen Kreisen genähert hat, dürfte in nächster Zeit auch wieder und zwar voraussichtlich in Annäherung an oie bodenständig süddeutsche Bewegung vor die Öffentlichkeit treten und zweiffeilos in Süddeutschland die maßgebende Per­sönlichkeit werden.

Das Kernproblem ber Eilberheitsfrage.

Fn ganz Deutschland wird es mit Befriedigung und von wei­ten Kreisen auch mit einem Gefühl der Erleichterung begrüßt werden, daß der Reichskanzler Dr. Luther in Karlsruhe einmal in aller Sachlichkeit und Deutlichkeit den Kernpunkt der soge­nannten Licherheitsfrage herausgearbeitet hat. Selbstverständ­lich hat auch Deutschland ein Interesse daran, Zustände in Euro pa sich entwickeln zu sehen, die eine Gefahr der Erneuerung des Weltkrieges aufs äußerst mögliche beschränken. Eine solche Regelung ist aber nur möglich, wenn das Licherheitsproblem im Sinne der Gegenleistung und Gleichberechtigung durchgeführt wird. Einseitige Entwaffnung undServitute" machen jede Lösung der Sicberungsfrage bestenfalls zu einer Selbsttäuschung. Auch ein Mißbrauch mit Sicherungsforderungen und Kontroll- tätigkeit wie er jetzt -anläßlich der Nichträumung festzustellen ist und wie er in der ständigen Verzögerung und Umredlgierung des Kontrollberichtes zum Ausdruck kommt, vergiftet auf die Dauer unheilbar die Beziehung.

Blinder Mr.

Starken Lindruck hat auf dis Mitglieder des Reichs-Haus- Haltausschuffes bie Rede Dr. Stresemanns gemacht, die auf die schädlichen Folgen einer zu großen Sparsamkeit im Betriebe des auswärtigen Dienstes hinwies. Der Minister nannte den Ab­bau erscyreckend. Dadurch werde aber auch das Avancement in der Diplomatie so schlecht, daß die Beamtenschaft des aus­wärtigen Dienstes vor dem Zusammenbruch stehe; für den Kanz­leidienst fehle bereits jeder Nachwuchs. Dr. Stresemann wird vielseitige Zustimmung erfahren, wenn er statt des gefährlichen Abbaues einen Ausbau fordert. Die Wiedererringung einer Position im Ausland erfordert mehr Kräfte als die Bewahr­ung eines vorhandenen Linfluffes. Gerade hier darf der Spar- fanatismus nicht walten. Blinder Eifer schadet nur. Auch auf einem ^anderen Gebiet scheint jetzt ein Akt der nachrevolu- tionaren Sparsamkeit rückgängig gemacht zu werden: Das PensionskUrzungsgesetz nach dem die Beamten- und Offiziers Pensionen ruhen, solange die Bezugsberechtigten ein gewisses Arbeitssinkommen haben, war schon damals vom Reichsrat zunächst abgelehnt worden. Setzt wurde bort ein Vorstoß zur Aufhebung des Gesetzes gemacht, und die Reichsregierung er­klärte, eine Vorlage darüber einbringen zu wollen. Die Ein- wands gegen das Pensionskürzungsverfahren bestehen darm, daß es gesetzlich garantierte Rechte verletze und daß die um­ständliche Kontrolle mehr koste als einbringe

Die fegten EchlnWetterkÄnstrophen.

..das Bergwerksunglück auf der ZecheMinister Stein" dieje furchtbare Katastrophe, ist bekanntlich wieder auf fchla- genbe Wetter zurückzuführen. Unter schlagenden Wettern ober feurigen Schwaden versteht man Grubengas oder Kohlenstaub der wenn er in Berührung mit offener Flamme kommt, ex- rv ^butzt l-ch vor ihm durch geeignete Grubenlam­pen, z die Fleißnersche Schlagwetterlampe, sowie durch '^owte welche die Ansammlung von Grubengas anzeigen.

ch Urt der von Prof. Haber erfundenen Schlagwetterpfeife Liitt^ S ^Cr Verschiedenheit der von verschiedenen Gasen,' Luft- und Grubengas in gleich gestimmten Pfeifen erzeugten XSaZun rTn ^^ Explosionen in deutschen wruben, die n ^ahenunglucke zu bezeichnen sind und eine große Anzahl Don Loten zur Folge hatten, sind nachstehnde besonders zu 'er- nahneu: dm Fahre 1869 wurden auf der Zeche Neu-Sserlohn 81 und in demse ben Fahr auf der Zeche Burgker-Schächte 269 Bergleute getötet. Das Sahr 1876 forderte auf Neu-Ffen- Ivhn 33 Lote. 3m Sahre 1897 kamen auf der Zeche Vriik- Kenberg-L,chächte 89 Bergleute ums Leben. 1881 auf der Ze- Luise Siefbau 17, 1885 auf der Zeche Lamphausen 181 Bergleute, im Sahre 1893 auf der Zeche Kaiserstuhl 63 und

General Blumenthal 20. 1895 fanden auf der oeche Prinz von Preußen 37 Bergleute den Lod, 1896 gab es auf ter Kleophasgrube 30 Lote, im Sahre 1897 fielen auf Kaiserstuh! 2 20 Bergleute schlagenden Wettern zum Opfer Explosionen «n Sahre 1898 auf den Zechen Zollern und Karolinengluck forderten 165 Opfer, im Sahre 1909 kamen auf Jn Sechen Komg Ludwig und KoNsolation 28 Bergleute ums S i S ^°bre 1907 fielen auf der Zeche Reeden 148 ^crgleute schlagenden Wettern zum Opfer. Das Unglück auf -. Radbod am 16. November 1908 schlug den Rekow in der Alassenvernichtung von Bergleuten. Sn der Unalücks- nacht waren 380 Bergleute und 6 Beamte angefahren. Das _'^uck raffte 343 Bergleute hinweg. Das Unglück auf der öccbe »vadbod wird aber noch übertroffen durch die entsetzliche Katastrophe in dem Bergwerk von Lourriers in Frankreich.

fielen 1100 Bergleute der Katastrophe zum Opfer. Fran­zösische Bergwerksbetriebe wurden dann noch einmal von einer großen Schlagwetterkatastrophe heimgesucht. Auf der Zeche Wot Lenis wurden fast 200 Lote geborgen.