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MMNM <Samstag, den 21. Februar 1925.2. Jahrgang.
Das Kabinett Marx-Severing geftSrzt!
Was nun?
Das Kabinett Marx-Severing ist nicht mehr, die arme Eintagsfliege ist nach kurzem Eefums in das Nichts, wohin es von „rechtswegen" -gehörte, zurückgesunken. Wie mir unseren Lesern gestern Nachmittag bereits durch Extrablatt mitteilen konnten, wurde -der Vertrauensantrag -der Regierung mit 221 gegen 218 Stimmen abgelehnt, und Ministerprästdent Marx erklärte darauf die Demission dieses Kabinetts der „Volksgemeinschaft". öeber nationaldenkende Preuße sowie Deutscher hatte dieses freudige Ereignis im Inneren seinen Herzens gewünscht, erhofft und -erwartet. Auch die „Fuldaer Zeitung", die äußerste linke Spitze — -und damit auch der kleinste Kerl, der die Beine dafür aber umsomehr schmeißen muß — des bar= ma-tisienten Zentrumsflügels, hat das wühl erwartet, sonst hätte sie sich in ihrer -gestrigen Ausg-abe nicht Dinge geleistet, die be- weisen, daß man es bei diesem Druckerzeugnis mit einem verkappten sozialdemokratischen Organ zu tun hat, das nur dann, wenn -es -zur Wahlurne geht den christlich nationalen Mantel aus dem Schranke hervorholt. Wenn man nach diesen, jedem Deutschen ins Gesicht schlagenden, Auslassungen- gegen die Deutschnationalen dies Blatt noch als zur Zentr-umspartei gehörig -betrachten wollte, so müßte sich die gesamte Partei schämen. Woher weiß denn -ausgerechnet die linksorientierte „Fuldaer Zeitung", daß die oste l'bif eben Kreise unter allen Umständen die Verhältnisse der Vorkriegszeit wieder Herstollen wollten? Wer sind -denn die charakterfesten Katholiken, d. h. solche, die jedes Ansinnen „staatskatholischer Bo tätigung“ als -Entwürdigung von sich wiesen, die im alten Preußen- als Menschen zweiter KMe betrachtet und bopgiMi wurden? Gehört vielleicht der General der Kav. Freiherr von Gebs-attel, der der schönen „Mahnruf eines deutschen Katholiken"" verfaßte, die Heerführer General von Huitier -und von -Gallwitz auch dazu? —Auf die Veröffentlichung dieser „schwarzen Liste" wären wir sehr
«elihtoi MMiwm.
Mars und Merkur stehen auf -gespanntem Fuße. Macht der Kriegsgott sich gar zu mausig, dann wirft ihm der Beschützer des Handels einen Knüppel zwischen die Beine. Das hat Poin- care erfahren, als feiner Gewaltpolitik und seinen Fanfare-nre- den der Sturz des Franken in die Quere kam. And Herriot er» lebt dasselbe: kaum hat er sich hinreißen lassen, mit gepanzerter Faust den Deutschen in einer Weise zu -drohen, die seine Gegner in Entzückung seine Sozialisten aber in Schrecken versetzte, da beginnt auch -schon der Frank zu wackeln. Vielleicht sind die Gegner, die er völlig doch nie befriedigen wird, mit daran schuld, aber im Hintergründe steht doch der angelsächsische Merkur, der es unliebsam vermerkt, daß die martialischen Franzosen so viel Geld für eigene und andere Rüstungen gegen Deutschland (und andere) übrig haben. Der arme Herriot sitzt also in einer Zwickmühle; kehrt er wieder Zu einer vernünftigen Verständigungspolitik zurück, dann zwicken ihn die Po-lincaristen, opfert er jedoch weiter dem Mars, dann zwicken ihn die Kapitalisten. Welche Macht wird sich als die stärkere erweisen? Wir spekulieren auf Dollar und Pfund.
Zunächst ist jedenfalls eine große Unsicherheit in dem Verhältnis zwischen Paris und London eingetreten, die sich — wie herkömmlich — für uns Deutsche unliebsam bemerkbar macht. Nun sind anderthalb Monate seit dem Vertragsbruch vom 10. Öanuar vergangen, und wir sind noch immer nicht im Besitz der Anklageschrift. Diese Verhöhnung des internationalen Rechts schreit zum Himmel. Was Wunder, daß auch die Kleinen an» fangen, frech zu werden) Die im starken Gelddruck befindliche, mL‘ .'., n ^nlwbegeju-cbeu in der -ganzen Welt abgewiesene ru- ma-Mjcy-e Legierung bat dem Völkerbund gegenüber eine Ein» korankung ihrer Rüstungen stolz abgelehnt, da ihr armes Land ^WZeMde-p bedroht ss-i. Aber sie benutzt ihre eingebildete
Reich den Krieg - wenn auch nur , ^ erklären. Ln Rumänien, als einem ^alkanftaat st Merkur wohl deshalb so beliebt, weil er nicht nur ben Sandlern sondern auch den Dieben als Schutzg-ott gilt. Bâ E Deutschland, die seit dem Londoner Pakt ^eifellos aus dem großen Reperationst-opf zu begleichen st.veq-ucht Herr Brak-anu auf unrechtmäßigem Wege uns ex»
Wenn wir uns weigern, droht er uns so bald «rehr^ ber wohl da unten als Gott der Räuber diese ^r aller Uebermut hat seine Grenzen. Gegen werden bÄu ^" ^ ^^^en Parteien zusammen und Gebern -unterstützen, wenn sie Gleiches mit land^zu^vè?sÄ!, ""hl viel von solcher Einigkeit in Deutsch» bundes und des 3 Berliner Tagung des Reichslan-d- tigen Wollen unb ^^^ Zeugnis ab von dem -kräf stieben der deutschen Landwirtschaft; doch
gespannt; oder sollte sie nur in der Fantasie der „Fuldaer Zeitung" existieren?. —
Die „Fuldaer Zeitung" hatte die schöne Behauptung auf- gestellt, daß es im alten Deutschland Staatsbürger zweiter Klasse gegeben habe, und heute? Wie -nennt es die „Fuldaer Zeitung" wenn man eine der stärksten Parteien des preußischen Landtages hartnäckig von der Regierung ausschließen will? Wir hoffen, daß die nächste Wahl so ausfällt, daß endlich einmal die Macht jener Leute in Preußen gebrochen wird, die es verstanden hatten mit allerlei Mätzchen sich an jedem Kabinett zu beteiligen und sich stets „aufgeopfert“ haben, um der Früchte, die sie aus der Revolution zogen, nicht verlustig zu gehen.
Nach dieser jüngsten Pleite wird Herrn Marx nichts weiter übrig bleiben, als nun doch den Deutsch-nationalen, den Steigbügel halten zu müssen oder entgültig in der Versenkung zu verschwinden. Da scheinbar im ganzen Westen des preußischen Vaterlandes kein Mensch gewillt sein soll, das Erstere zu tun, so wäre das Letztere um so sicherer -anzunehmen. Wäre es denn wirklich so schlimm» wenn in Preußen die gleichen Parteien das Ruder führen wie im Reiche? La, wenn im Reiche die Weimarer Koalition ihre „segensreiche" Tätigkeit entfaltete dann würde die „Fuldaer Zeitung" gewiß die -erste sein, die ihren Lesern sagen würde: dasselbe gelte auch für Preußen und -wäre das einzig Wahre. So aber hat die „Fuldaer Zeitung" mit ihrem gestrigen Sch-mähartikel gegen die Deutschnationalen ihr Ruder hart nach links gelegt und hat sich damit selbst die Maske vom Gesicht gerissen. Sri âe^ Deutlichen Versammlung wurde einmal erklärt: Die „Fuldaer Zeitung" gehöre in kein deutsch- nationales Haus. Hoffentlich -nehmen dieses auch die Mitglieder anderer nationaler Partei-en in gebührender Form zur Kenntnis.
hat der Ruf nach Schutzzöllen ebenso wie der Vorstoß gegen die Alleinherrschaft des Reichstages auf der Linken Beunruhigung hervorgerufen. 5m Reichstagsplenum geht die Beratung -der Einze-Ietats ziemlich still weiter, und auch das Intermezzo mit dem Artikel 48 der Reichsverfafs-ung war nicht schlimm; man wird demnächst über einen -Gesetzenitwurf zur Regelung des Regierens ohne Parlament gründlich reden können. Lnzwischon ist die Denkschrift über die R-uhrkrodito freigegeben worden, und hat den Eifer unserer „Panamisten" zur Linken doch merklich eingebämmt. Als Parallele zu den Skandalen und Skandä-lchsn der Bauer, Richter, Hoeflo und Lan-ge-Hegermann ist der „Fall Micum" wirklich nicht zü verwenden. Von den Finanzaffären ist es etwas stiller geworden, doch arbeitet die Staatsanwaltschaft emsig weiter. Das Zentrum hat Herrn Lange-Hegermann zum Austritt aus der Partei genötigt, die Sozialdemokratie Herrn Severing zur Entlastung des Polizeipräsidenten Richter.
Die Empörung über die Duldsamkeit der Bonzen war unter den „Genossen" so stark und laut geworden, daß der Par- tö-iausschuß sich zu einer lahmen Begütigungsresolution ent» schließen mußte. Und Herr Heilmann, der große Festredner im Landtag, blieb in der Programmdebatte stumm.
Es wäre zu boshaft, wenn man sagen- wollte, daß die beiderseitigen B-lößen das Zentrum und die Sozialdemokratie nötigten sich so eng aneinander anzul-ehn-en, wie das nunmehr in Preußen zu sehen ist. Aber man darf wohl fragen, was den -ehrenfesten — freilich auch recht trotzköpfigen — Zentrumsführer Marx veranlaßt -hat, auf dem Verbleiben des Herrn Seoering im preußischen Kabinett zu bestehen und dadurch der neuen Regierung die entschiedene Gegnerschaft der Rechten zuzuziehen. Wir sehen gewiß sehr gut die Schwierigkeiten, in denen sich das Zentrum windet: Die Mehrheit fordert die Linkskoalition in Preußen als Gegengewicht gegen das Kabinett Luther, die Minderheit aber hat das Manschen mit den ^'Sozialisten gründlich satt. Es droht die Sprengung des -Zentrumsturmes. Wenn der linke Flügel es zu bunt treibt, hat die Bayerische Volkspartei -auch in Preußen nicht geringe Ehanc-en. So oer» sucht der geplagte Führer Marx zu kompromisteln und zwischen - en Klippen hindurchzulavieren. Ob er damit für ein Weil- cben durchkommen wird, das hängt allein von der Lust oder Unlust der Parteien zu Neuiwahl-LN ab. Man spricht wieder viel von solchen, und manchen Volksredner mag es auch in ben Mundspitzen kribbeln, die Finanzskandale agitatorisch zu zerfressen. Die Parteigewaltigen haben jedoch auch noch andere Rechnungen aufzustellen, und man weiß bisher nicht, wieviel Bluff unter den hin und her fliegenden Drohungen ist. Man sieht nur, daß alle Grundlagen schwanken, und zwar allein deshalb, weil das Zentrum sich nicht zu dem Entschluß aufraffen kann, in Preußen zu tun, was es im Reich schon getan hat. Noch nie hatten wir ein solches Bild der Verwirrung wie jetzt: im Reich die Parteien links vom Zentrum, in Preußen die
Parteien rechts von ihm zur „schärfsten Opposition" entschlossen — und bas Zentrum macht hier wie da mitl Höchster Glanz Unb größte Macht des Zentrums? Nein das ist der Anfang vom Ende.
Die Möglichkeiten der vreutz. Sp-ofttton.
D.B. Berlin, 18. Zebr. (Eig. Meldg.) Das neue preußische Kabinett begegnet innerhalb der Rechtsparteien -der schärfsten Opposition. 5n der deutschnationalen Presse kommt zum Ausdruck, daß das Kabinett Marx auf den gleichen Widerstand bis zum äußersten stoßen werde wie unter Herrn Braun. Denn es handele sich nicht nur auch heute um eine Minderheits- regierung, sondern es handelte sich, wie bie Deutsche Tageszeitung betont, zugleich um eine Herausforderung der Opposition und weitester Volkskreise wie sie dreister kaum gedacht werden könne. Für irgend eine längere Zeit könnten selbst außerordentliche Glücksfälle die Minderheitsregierung Marx schwerlich retten. Gehe es nach der mathematischen und politischen Wahrscheinlichkeit, so werde dieses Kabinett in 48 Stunden wiederum „fertig" sein.
Die deutschnationale und volksparteiliche Landtagsfraktion -beschäftigten sich heute Vormittag in ausgedehnten Fraktions- sitzungen mit der politischen Lage in Preußen. 5n -diesen Besprechungen wurden bie Möglichkeiten einer dauernden und scharfen Opposition gegen bas Kabinett Marx eingehend erörtert. Zweifellos wird zunächst der Versuch gemacht werden, den 2nnenminister Severing durch ein spezielles Mißtrauensvotum zu stürzen. Demgegenüber weist man in Zentrumskreiseu daraufhin, daß Ministerpräsident Marx unter allen Umständen an Severing festhalten will. Die Regierungsparteien weisen daraufhin -daß eine Auflösung des Landtages rein formal von den Oppositionsparteien nicht erzwungen werden könne, da verfassungsrechtlich für einen Auflösungsbeschluß entweder die Hälfte aller Mitglieder des Landtages stimmen müßten, oder bie drei Präsidenten des Landtages, des Staatsministeriums und des Staatsrates übereinstimmen müßten. Das Zentrum scheint nach Lage der Dinge gewillt zu sein, Dr. Marx, falls er durch ein Mißtrauensvotum zum Rücktritt genötigt wird, sofort wieder wählen zu lassen und -dieses Spiel evtl. beliebiges fortzusetzen. Es bleibt also nur die Lahmlegung der sachlichen Arbeit des Landtages durch Obstruktion übrig. Ueber ein weiteres gemeinsames Vorgehen nach dieser Richtung werden in den nächsten Tagen die -Besprechungen fortgesetzt werden.
Der frühere preußische Ministerpräsident Braun verab-' schiedete sich heute von der Beamtenschaft des Staatsminifte» riums und erklärte, daß man ein so großes Stück vorwärts gekommen sei, wäre auch der treuen und -hingehenden Mitarbeit der Beamtenschaft aus dem Reiche der -Verwaltung und -des Staatsministeriums besonders zu danken.
Der..Fachmimster " Severing.
ÖH feiner gestrigen Rede im preußischen Landtag äußerte sich der deutschnationale Abgeordnete Schlange über ben „Zachminister beoering“ folgendermaßen: Die Bezeichnung von Se- vering als Zachminister sei lächerlich; er sei Fachmann lediglich in der parteipolitischen Zersetzung des Beamtentums, in der Zersetzung der Schupo und in ihrer Umbildung zu einer Soziali- flen Schutztruppe. Severing sei weiter oachminifter in der Ve- kämpfung der nationalen Verbände und vor allem in der Zu- lajjung der Einwanderung der Ostjuden. Eine segensreiche Ar- beit für das Vaterland fei bei dieser Zusammensetzung des Kabinetts un-möglich. Die Sozialisten müßten in die ihnen zukom- mende Bedeutungslosigkeit zurückgewiesen werden. Für die Deutschnationalen komme es nicht an auf den Kampf gegen bie Republik, sondern auf den Kampf für den Staat schlechthin.
Die WiritöL
(Aus dein preußischen Landtag.)
Zu den Lieblingsworten und -begriffen der deutschen Arbeiter gehört die Solidarität. Das ist gewiß eine gute Sache, aber sie kann durch Mißbrauch eineschlechte werden. Das hat sich bei manchem wilden Streik erwiesen, der von -dummen Fangen angezettelt war — das zeigt sich auch jetzt bei dem Verhalten des Ministerpräsidenten Marx. Denn alles dreht sich nun um die Solidarität zwischen ihm und Herrn Severing. Die Parteien zur Rechten wollen Herrn Marx anerkennen und auf feinem Posten lassen, wenn er sich zu einer anderen Zusammen- Jebung feines Kabinetts entschließt. Darauf laufen die verschiedenen Anträge dieser Parteien hinaus. Aber Marx ist eigensinnig und erklärt sich mit Severing solidarisch. Dann ist ihm allerdings kaum zu helfens — Zn der Donnerstag-Sitzung des