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Hessische

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Ammer 48.

Freitag, den 27. Februar 1925.

2. Fahrgaag.

Das

und die Marxkrise.

Dsd. Berlin, 25. Febr. Aus dem Rheinland wivd uns ge­schrieben:

de länger die preußische Krise dauert, um Jo größer wird hier am Rhein und m Westfalen die Empörung über das un­verantwortliche Verhalten jener Parteipolitiker» die mit allen Mitteln versuchen, die einzig mögliche Lösung zu verhindern, und die dM^cy) daß sie auf diese Weise Preußen eine arbeits­fähige Regierung vorenthalten, das Lebensinteresse des be- drobten Westen im gefährlichsten Augenblick schutzlos lassen und auf das schwerste gefährden. Die früheren Reichsregierungen haben den zu ihrer Verfügung stehenden amtlichen Propagan­daapparat in bedenkenloser Weise dazu ausgenutzt, in ganz Deutschland die Meinung zu erwecken, als sei das Rheinland eine ausgesprochen auf Linkstendenzen eingestellte Provinz, als seien dort alle Kreise fanatische Anhänger der sogenannten Er- füllungspolitik und als verlange von der deutschen Regierung sich widerspruchslos dem feindlichen Willen zu unterwerfen, weil sonst die besetzten Gebiete neue Leiden zu erdulden hätten. Das Bild ist durchaus falsch, wenn es auch noch mit so über­zeugenden Farben durch Persönlichkeiten wie Adenauer, Louis Hagen, Lollmann und die anderen gemalt worden ist. So schwer der feindliche Druck auch auf dem besetzten Gebiete lastet, das Rheinland ist stolz aus die Opfer, die es für das gesamte Deutschland bringt und es muß sich mit Entschiedenheit dagegen wehren,

daß man seinen Opferwillen entwertet, dadurch, daß man es als den Träger desDefeitismus" hinfLellt und eine national unzuverlässige und schädigende Politik damit be­gründet, daß man auf den Westen Rücksicht nehmen müsse. 31t diesem Zusammenhang muß endlich auch einmal betont wer- ^den, daß der Name des Herrn Marx am Rheine durchaus nicht den Klang besitzt, den man ihm im übrigen Deutschland zu- schreibt oder zuschreiben möchte. Man glaubte durchaus, daß der ehemalige Kölner Landgerichtsrat es mit seinen Gedanken der Volksgemeinschaft ernst meine, denn dieser Gedanke hat in einem kulturell so gefestigten Gebiet, wie es das Rheinland dar-

Die Länder gegen den Finanz- ausgleich.

D.B. Berlin, 25. Febr. (Gig. Meldg.) Die Finanzmini- sterkonferenz der Länder, die am Donnerstag in Berlin statt- finbet, wird voraussichtlich zu einer geschlossenen Stellungnahme gegen den vom Reichsfinanzministerium vorgelegten Plan eines Finanzausgleiches führen. Wie wir erfahren, steht auch Preu­ßen mit der Mehrzahl der Länder auf dem Standpunkt, daß sich bei der Durchführung des vorliegenden Entwurfes eine uner­trägliche Heraufsetzung der Realsteuern, vor allem der Gewer­besteuer nicht vermeiden ließe. Unter diesen Umständen ist mit einer Einigung nur dann zu rechnen, wenn das Reich den An­teil der Länder über die bisherigen Sätze hinaus wesentlich erhöht.

Wes Privatvermögen nicht beschlagnahmt.

D.B. Berlin, 25. Febr. (Gig. Meldg.) Berliner Blät­ter melden, daß der frühere Reichspostminister Dr. Höfle zum Offenbarungsech geladen werden sollte und daß gleichzeitig 12 000 Mark, die Dr. Höfle bei einem Bekannten deponiert habe, boschlagnahmt worden seien. Weiter sei bei einer Dr. Höfle bekannten Dame eine Wohnungseinrichtung, Schmuck und Pelze beschlagnahmt worden. Von Seiten des Reichspost Ministeriums hören wir dazu, daß der frühere Minister den Offenbarungseid längst geleistet hat. Ueber sein geringes Ver­mögen bestehe hier vollkommene Klarheit. Von einer Besch lag- nabme von 12 000 Mark zugunsten der Reichspost bei einer Sirma interim, sowie von einem Darlehen von 300 000 Mk. an We S'rma, wie weiter behauptet wurde, und von der Be- schlagnahme einer Wohnungseinrichtung, Schmuckgegenständen und Pelzen bei einer Bekannten des Dr. Höfle, ebenfalls zu­gunsten der Asichspost ist hier nichts bekannt. Die Reichspost hatte von derartigen Maßnahmen unbedingt Kenntnis erhalten.

Darf Seutfchlanb Großflugzeuge bauen?

25. Febr. (Gig. Meldg.) Wie zuverlässig u ^? interalliierte Luftfahrt-Garantio-Kommission unh ^6^ daßn diesem Fabre in dem nationalen

Luftverkehr in Deutschland das Sroßflug" kers^sfi Herden darf. Es handelt sich hier um eine Sun- Peilern auL^r^r inc 6ili mit drei Motoren und drei Pro- Zwölf Persm.M Die Maschine wird Räum für zehn bis ui bieten. Wie uns von anderer Seite berichtet

stellt, eine ganz andere Bedeutung und einen viel tieferen Sinn, als ihm vielleicht in arideren Teilen Deutschlands zugemessen wird. Aber es sich nun herausstellt, daß dieser Gedanke als taktische Mittel mißbraucht werden soll, um unter allen Um­ständen in Preußen den sozialdemokratischen Einfluß aufrecht zu erhalten und dem Zentrum eine besondere Machtposition zu verschaffen, so ist man hier am Rheine doppelt enttäuscht und doppelt empört. Der Rheinländer ist tradionell. Mitglied oder wenigstens Wähler der Zentrumspartei, die hier am Rhein ihre eigentliche Domäne hat, aber wie er überhaupt ein gesun­des kritisches Empfinden besitzt, so folgt er auch nicht kritiklos allen Parolen, die ihn den Parteiführern ausgegeben werden. Man hat, trotz oftmals schärfster Bedenken, der Politik des Zentrums gegenüber bisher Disziplin bewahrt in der Hoffnung, daß die gesamte politische Entwicklung von seihst dafür sorgen werde, das Zentrum wieder in enge Gemeinschaft zu den übri­gen bürgerlichen und nationalen Parteien zu bringen. Die letz­ten Vorgänge in Berlin und die Polemik des Herrn Marx auf dem Provinzialausschuß des" Zentrums in Hamm haben die­se Hoffnung vernichtet und großen Teilen der rheinischen Zen­trumswählerschaft gezeigt, daß nunmehr das Disziplingefühl hin ter dem höheren Zweck und der höheren Zielsetzung zurückzu­treten hat. Die landwirtschaftlichen Beiräte und der Rheini­sche Bauernverein haben dementsprechend bereits Stellung ge­nommen und keinen Zweifel daran gelaßen, daß sie fürderhin eine Zentrumspositik, die sich gegen das Bürgertum wendet, um bie klassenkämpferische Sozialdemokratie, in der durch die Ro- vemberrevolution errungenen Macht zu erhalten, nicht nur nicht mehr mitmachen, sondern aus das schärfste bekämpfen wer­den. Andere Zentrumskreise werden sehr bald folgen, und man kann heute schon mit Gewißheit sagen, daß sich die Marârise wenn sie nicht in Kürze eine Lösung im staatserhaltenden und bürgerlichen Sinne findet, zu einer Zentrumskrise auswachsen wird, zu einer Zentrumskrise, die gerade As der Hauptdomäue des Zentrums, vom Rhein her, ihren Anfang nimmt und von dort ihren stärksten Antrieb erhält.

wird, ist obige Notiz nicht zutreffend. Es handelt sich nur um ein Verkehrsflugzeug mit einer Kabine für 8 Personen, das den Deutschland aufgeMungenen Baubeschränkungen für Flugzeuge entspricht.

Pojaunensplel b. Kontrollnotenkonferenz.

Die Frage der Ueberreichung jener nachträglich ausgearbei­teten und von in keiner Weise zur Sache gehörenden allge- meinpolitischen Gründen bestimmten Note, in welcher die Kon­trollkommission ihre Ansichten über Deutschlands angebliche Verfehlungen in der Entwaffnungsfrage niebergelegt hat, um damit die vertragswidrige Aichträumung der Kölner Zone zu begründen, beginnt allmählich eine Verhöhnung von Vernunft und Billigkeit zu werden. Einig war man sich von vornherein, in England und Frankreich nur darüber, daß nicht geräumt wer den sollte, und daß diese Nichträumung durch di^ Kontrollkom­mission dann begründet werden sollte. Das Material, das von der Kontrollkommission dann herbeigeschafft werden konnte, ist aber nach allem, was bisher darüber bekannt geworden ist, so brüchig, daß zwar nicht die in dieser Beziehung robusteren Fran zosen aber doch den Engländern schwere Bedenken über die Formulierung des Materials ausgewogen sind. Es ist garnicht einmal möglich gewesen, die Rote auf dem üblichen Wege di­plomatischer Fühlungnahme herzustellen, weil die Ansichten über bie aus der Note sich ergebenden Folgerungen durchaus geteilt sind. Auch über die Gewichtigkeit der Gründe selbst scheint man durchaus noch nicht im reinen zu sein. So soll denn eine Konferenz einberufen werden, an der sich in erster Linie Eng- laüd Frankreich und Belgien zu beteiligen haben. Es liegt nun natürlich mehr als nahe, daß man zu dieser Konferenz auch Deutschland als den Aächstbeteiligten heranzieht, dn England scheint auch Neigung zu einem solchen Vorgehen bestanden zu haben. Frankreich hat sich naturgemäß aufs äußerste gegen eine solche Lösung gesträubt, dieweil ja in Paris der große Ver­söhnungspolitiker und Pazifist Herriot, der Freund und geprie­sene Vorkämpfer auch der deutschen Versöhnungspolitiker, am Ruder ist. Dieser Zwist scheint nun auf eine Lösung hinaus­zulaufen, wie wir sie, um den Forderungen der Weltdemokratie Genüge zu tun, auch schon in London erlebt haben. Deutsch­land wird zwar eingeladen, aber erst dann wenn sich die Rich­ter in eigener Sache über ihre Forderungen und über die For­mulierung der Beschwerden völlig einig geworden sind. Deutsch land wird dann vor den Aichterfluhl geladen und gefragt, ob es die Forderungen annehmen will ober nicht. Ueber die Stich­haltigkeit der Gründe, die zu diesen Forderungen geführt haben, wird man eine Aussprache sicherlich nicht zulassen. Und damit ist der Kern der ganzen Räumungsfrage in einem Sinne erledigt mit welchem sich Deutschland niemals wird einverstanden erklä­

ren können. Daß die Verknüpfung der Räumungsfrage mit dem Sicherheitsproblem, wie sie von Frankreich angestrebt wur de, ausgeschaltet wird, ist zwar ein gewisser Trost für Deutsch­land, aber doch ein sehr magerer. Denn diese Ausschaltung ist rechtlich ja eine vollkommene Selbstverständlichkeit.

27. Februar, ein kolonialer Gedenktag.

Nachdem man uns unter erlogenen Vorwänden die Kolo­nien geraubt hat, ist es doppelt notwendig, sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit an die Gedenktage zu erinnern, die ge­eignet sind, den Willen zur kolonialen Betätigung und die Erin nerung an koloniale Leistungen wachzuhallen. Am 27. Febru­ar ds. 3s. sind 40 Sahre vergangen, seitdem dieGesellschaft für deutsche Kolonisten" den Schutzbrief des Reiches für die in Ostafrika erworbenen Besitzungen erhielt. Vor allem wollen wir an diesem Tage des Mannes gedenken, dessen Name in der deutschen Kolonialgeschichte unauslöschlich ist, des tapferen Deutschen, der mit seiner Zähigkeit und erfüllt von seltener Vaterlandsliebe alle Widerstände zu überwinden gewußt hat, des Dr. Earl Peters, der später so bitter unter dem Undank fehles Volkes und feiner Regierung zu leiden gehabt hat. Es deutet wirklich eine erstaunliche Leistung, wenn in einer großen demokratischen Berliner Zeitung ein Gedenkartikel in diesen Tagen über Ostafrika erschienen ist, in welchem der Name die­ses Mannes nicht ein einzigesmal genannt ist, obwohl, doch ohne ihn unsere ganze koloniale Entwicklung einfach undenkbar ist. Wir können diesen Gedenktag nicht, besser begehen als mit dem Wunsche, daß das Schicksal uns auch in Zukunft Männer schenken möge, wie Earl Peters der zu den wenigen überragen­den Persönlichkeiten neudeutscher Politik in der Zeitspanne seit der Reichsgründung bis zum Kriegsanfang gehört.

Kutiskers erste öffentliche Berueh

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D.B. Berlin, 26. Febr. (Sig. Meldg.) Vor dem Konkurs richter fand heute im Amtsgericht in Eharlottenburg die erste Gläubigerversammlung in dem Konkursverfahren gegen Svan Kutisker statt Zu dieser Sitzung wurde Kutisker persönlich aus dem Untersuchungsgefängnis in Moabit vorgeführt. Der Konkursverwalter erstattete einen umfangreichen Bericht über die Vermögenslage Kutiskers. Aus den Darlegungen geht her­vor, daß Kutisker selbst es gemessen ist, der durch Gründungen die Verbindung mit der Seehandlung ausgenommen hat, und nur durch Ausnutzung bieijer Beziehungen ist es ihm möglich ge­worden, seinen Unternehmungen einen so großen Umfang zu verschaffen. Die Vielseitigkeiten Kutisker waren im Laufe der oeit unbegrenzt, denn er hat neben mehreren Bankinstituts» auch einige Fabriken für Rechnung seiner Gesellschaft erworben. Ohne den ausgedehnten Wechselkrrdit der Staatsbank wären die wirtschaftlichen Schwierigkeiten seiner Unternehmen schon wesentlich früher eingetreten, die vorwiegend mit den Geldern ber Staatsbank arbeiteten. AIs die Staatsbank die Gelder zu- lückzog,^ war ein Weiterarbeiten plötzlich unmöglich geworden. Es muß anerkannt werden, das seitens Kutiskers und seiner Vsrtrstep alle _greifbaren und verfügbaren Vermögenswerte längst auf die Staatsbank übertragen worden sind. Genau ijo. liegt es mit dem persönlichen Vermögen Kutiskers, das aus ei­nem Wohnhaus in Berlin besteht, weiter aus einem Kraftwa­gen, der inzwischen gepfändet worden ist, unb sonstigen nicht nennenswerten Objekten. Das ist vorläufig alles, was zur Ko» Kursmasse zu ziehen ist.

Auf die Frage des Richters, was Kutisker im Ausland an Vermögenswerten besitze, antwortete er, in Petersburg habe ich drei Favriken und Grundstücke, die allerdings natio­nalisiert worden sind, jedoch ihm wieder zurückgegeben werden dürften. Seine Faß-Fabrik war die größte in Europa. Wenn er wieder in Freiheit gesetzt werden wird, Jo würde Niemand etwas verlieren. Er werde hundert Prozent zahlen können, sogar mit Zinsen. (Na, Na,l Zusatz d. Red.) Zum Schluß erklärte Kutisker, nicht zu wissen, was er alles verbrochen haben solle.

Aufhebung der lmidwirtschaftlichen Beiräte im Zentrum.

D.B. Berlin, 25. Febr. (Sig. Meldg.) Die Mehrheit der oentrumsfraktion des preußischen Landtages hat beschlossen, beim Parteivorstand die Aufhebung der landwirtschaftlichen Beiräte zu beantragen. Der Antrag wird damit begründet, daß diese Beiräte nur dazu bestimmt waren, bei Gesetzentwürfe» b«e landwirtschaftliche Fragen betrafen, ihr sachverständiges Ar­teil abzugeben. Sie hätten sich jedoch in letzter Zeit Kompe­tenzen angemaßt, die ihnen nicht zuständen, und aus politi­schen Gründen sei daher ihre Abschaffung geboten. Der Par­teivorstand wird sich in seiner nächsten Sitzung mit dieser An­gelegenheit beschäftigen.