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Stummer 50.
Sonntag, den 1. März 1M5.
2. Fahrgang.
Zum Lode des MMiMtn.
Die von dem vorgestrigen ärztlichen Abendbericht gemeldete Besserung im Befinden des Reichspräsidenten hat sich nicht bewahrheitet. Bereits der gestern morgen 9 Uhr hevansge- gebens KranKheitsbericht hielt Aberts Zustand für hoffnungslos. Er lautete:
wtb. Berlin, 28. Februar, 1925. Heute morgen gegen 5 Uhr machte die Bauchfellentzündung plötzlich Fortschritte. Der Kräftezustand des Reichspräsidenten nahm schwell ab. Zur Zeit schläft der Reichspräsident. Die behandelnden Arzte halten feinen Zustand für hoffnungslos.
Mit dem Ableben des Reichspräsidenten war daher rm Laufe des Tages zu rechnen. Er hat das Bewußtsein nicyt wiedererlangt sondern ist sanft entschlafen.
Die amtliche Rachricht lautet:
wtb. Berlin. 28 Febr. telef. Der Reichspräsident Ebert ist heute Bormittag 10 Uhr ohne das Bewußtsein Wielderer- langt zu haben, sanft entschlafen. Am Sterbebette verweilten Frau Ebert, ihre Kinder und ihr Schwiegersohn Dr. 'SLnicko sowie der Staatssekretär Dr. Meißner.
Der Präsident einer Republik steht nicht Jo wie der Monarch jenseits des parteipolitischen Streites; das macht schon die Wahl und etwaige Wiederwahl unmöglich. Aber zu einem gewissen Grade kann er dem Getriebe entzogen sein. Ebert hat das Unglück gehabt, in den letzten Monaten seiner Präsidentschaft mehr und schärfer angegriffen zu werden als während der vorangegangenen sechs Sahre, die er auf dem höchsten Posten des Reiches — zunächst als Vorsitzender der Volksbeauiftrag- ten, dann als Reichspräsident "— zugebrarht hat. Aber die meisten Waffen, von denen manche vergiftet waren, hatte man herbeigeholt, um die Wiederwahl zu verhindern. Blicken wir setzt auf Friedrich Eberts »Leben zurück, so brauchen wir nicht Blößen zuzudecken.
Er war einer der besten deutschen Sozialdemokraten, ein Politiker von ruhigem, klarem Verstände, ein durch und durch anständiger Mensch und ein Mann mit deutschem Empfinden.
„Sch will als Beauftragter des ganzen deutschen Volkes handeln, nicht als Vormann einer einzigen Partei. Sch bekenne aber auch, daß ich ein Lohn des Arbeiterstandes bin, aufgewachsen in der Gedankenwelt des Lozialismus, und daß ich weder meine Herkunft noch meine Ueberzeugung jemals zu verleugnen gesonnen bin." Lo sprach Ebert am 11. Febr. 1919 in der Rationalvevfammlung zu Weimar, als er von dieser zum Reichspräsidenten gewählt worden war. Den Weiten Teil dieses Eharaktevvollen Bekenntnisses hat er bestimmt eingehalten. Er blieb der schlichte Mann aus dem Volk im Gegensatz zu mancher prunkenden Revolutionsgröße und besaß Takt genug, de« repräsentativen Pflichten seines Amtes gerecht zu werden. Ebenso blieb er der überzeugte Sozialist. Ob »Ebert den „Vormann einer Partei" stets bei seinen politischen Handlungen auszuschalten vermocht hat, ist umstritten; aber der gute Wille dazu soll nicht geleugnet werden. Sedenfalls wurde Ebert in den ersten 2ahren seiner Amtstätigkett mehr von den Linksradikalen als von den Rechtsstehenden gehaßt und dmgefei erbet. Weshalb? Der Präsident der Nationalversammlung Dr. David sagte an dem genannten Tage: „Daß die deutsche Revolution dem Beispiel der russischen nicht gefolgt ist, daß sie nicht, wie dort, in ein blutiges Lhaos ausartete, daß sie nicht zur Zerrüttung alles politisches und wirtschaftlichen Löbens geführt hat, das ist zum größten Teil das Verdienst des Mannes, den Lie heute an die Spitze des Reiches berufen." Das werden dW Kommunisten ihm nie verzeihen.
Vor sechs Sahrenl Wie schnell ist die Zeit verflogen, und wie schwer fällt es doch schon manchem unter uns, sich jene Tage roieber lebendig vor Augen zu stellen! Gerade Friedrich Eberts Taten und Schicksale können uns ein anschauliches Bild der nachrevolutionären Entwicklung vermitteln. Die Lähmung der Köpfe und Herzen war im November 1918 so stark, daß es allgemein als Beruhigung empfunden wurde, als Ebert (mit Scheidemann und Landsberg) den „unabhängigen" Revolu- tionsmachern zur Leite trat, und noch mehr als er sie nach den Weihnachtskämpfen beiseite schob. Die Rätediktatur war schon acht Tage vorher durch die Mehrheitssozialisten auf dem Reichskongreß abgebogen worden. Aber noch monatelang dauerte der erbitterte, teilweise blutige Kampf der Sparta- kiften und der Unabhängigen gegen den demokratischen Gedanken der Nationalversammlung und gegen die ke-Hunde".
,Lbert-tNos-
Das Bürgertum, über besten Sndolen; der Rotbene General Maercker, der Gründer des ^öger-Korps so bitter geklagt hat, ist rum Selbstbewußtsein erwacht.
Kürzlich ver-
Freiwilligen recht langsam
^en sich gewandelt: der Einfluß der Sozial- atw ist gesunken, der des Bürgertums gestiegen. Setzt
wäre Ebert schwerlich wieder zum Reichspräsidenten gewählt worden. Man konnte sehr wohl dagegen sein, weil man sich unter den heutigen Verhältnissen zum Repräsenten des Reichs einen Nichtsozialisten wünschte. Aber damit war persönlich gegen Fridrich Ebert nichts gesagt. Und auch nichts gegen de« Mann ans dem Arbeiterstand. Der hat in den ihm von der Ratur gezogenen Grenzen das Beste gewollt und gewirkt.
Friedrich Ebert wurde am 4. Februar 1871 in Heidelberg geboren. Er besuchte dort die Volksschule und erlernte dann das Sattlerhandwerk. Nach Beendigung der Lehrzeit ging er auf die Wanderschaft und kam nach Bremen. Dort übernahm er bereits 1892 eine Redakteurfteile. Kurze Zeit betrieb er dann eine Gastwirtschaft und übernahm darauf das Bremer Arbeitersokretariat. 1905 wurde er zum Lekretär im Vorstände der sozialdemokratischen Partei gewählt. Nach dem Tode Bebels (1913) wurde Ebert Parteivorsitzender. Dem Reichstag gehörte er seit 1912 an. Während des Krieges opferte er zwei Löhne dem Vaterlande. Vom Prinzen Max wurde er als parlamentarischer Staatssekretär in das Kabinett berufen, übernahm im November 1918 das Reichskanzleramt und wurde der Vorsitzende der Volksbeauiftragten. Am 11. Februar 1919 wurde er provisorisch vom Parlament zum Reichspräsidenten gewählt. Durch ein Reichsgesetz wurde seine Präsidentschaft bis zum Sommer 1925 verlängert.
Landestrauer.
wtb. Berlin, 28. Febr. Der amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Aufgrund des Artikels 48 Absatz 4 der Reichs- verfassung wird anläßlich des Ablebens des Reichspräsidenten folgendes angeordnet: Oeffentliche Musik sowie öffentliche Lustbarkeiten mit- Einschluß von Rennveranstaltungen Schau- spielveranstaltungen, Lithtspielvorstellungen sind am 28. Feoruar 1. März und am Tage der Beisetzung des Reichspräsidenten verboten.
Lrauerkuudgebungen.
Berlin. Bei Beginn der heute Bormittag 11 Uhr einberufeneu Kabiuettssitzuug richtete der Reichskanzler an die Mitglieder des Reichsministeriums, sowie den gleichfalls «erschienen preußischen Ministerpräsidenten Marx folgende Worte:
Heute vormittag 10,15 Uhr ist der Präsident des Deut- schen Reiches, Friedrich Ebert, sanft entschlafen. Auf den vorgestrigen Tag ernstester Sorge, den wir mit Bangen verlebten, auf den gestrigen Lag, der neue Hoffnung brachte, ist nun doch der lebenvernichlende Ausgang der Krankheit gefolgt. Sch bm gewiß, daß nicht nur das deutsche Volk, sondern weit »ariib-!r hinaus die zivilisierte Welt aufrichtigen Anteil an dem schweren Schicksalsschlage nimmt. Das Deutsche Reich verliert in Friedrich Ebert seinen ersten Reichspräsidenten. Vou seinem Wirken für das deutsche Volk und von seiner Führerschaft in schwerster geschichtlicher Zeit zu sprechen wird meine Aufgabe in späteren Stunden sein. Heute, im Kreise der Aeichsre- gierung, bringe ich in verehrnngsvoller Erinnerung an Friedrich Ebert zum Ausdruck wie vortrefflich der Heimgegangene seines Amtes als Reichspräsident gewaltet und wie glücklich und erfolgreich die Zusammenarbeit zwischen Reichspräsident und Reichsregierung sich durch seine Klugheit Mrd vaterländische Hingebung gestaltet hat. Wir stehen erschüttert an der Bahre des Staatsoberhauptes, dessen große menschlichen Eigenschaften so oft geholfen haben, sachlich schwierige Frage zum Rutzen des deutschen Volkes zu lösen. Vielen von denen, die in die Regierung des Reiches berufen worden sind, war er ein Freund geworden. 2n tiefer und aufrichtiger Statiner gedenken wir alle des Entschlafenen.
Darmstadt, 28. Febr. Der Präsident des Hessischen Landtages, Bürgermeisters Dr. Adelung, hat an Frau Ebert folgendes Beileidstelegramm gerichtet: Mit tiefem Schmerz erfüllt mich die soeben eingetroffene Lraneranchricht von dem Hin- scheiden des ersten Reichspräsidenten, Shres ', hochverchrten Herrn Gemahls. Gestatten Sie, daß ich Ahnen und deu Shreu zu dem für das Reich unersetzlichen Verlust das wärmste Beileid ausspreche, gez. Adelung, Präsident des Hessischen Landtages.
Darmstadt. Der Landtag ist auf Montag Nachmittäg 4 Uhr zu einer Trauerknodgebung anläßlich des Hinscheidens des Reichspräsidenten Ebert eingeladen worden.
Mainz. Anläßlich des Hinscheidens des Reichspräsidenten lvird die Stadtverordnetenversammlung von Mainz heute abend 6 Uhr zu einer Lrauerkuudgebung zusammentreten. Die öftent- lichen und viele private Gebäude der Stadt haben Halbmast geflaggt. Die für heute abend angelte Theatervorstellung, forme alle sonstigen Lustbarkeiten fallen aus.
Mainz. Sofort nach Vekauntwerdeu des Ablebens des Reichspräsidenten hat Oberbürgermeister Dr. KM an Frau Reichspräsident Ebert folgendes Telegramm gerichtet: Die Stadt Mainz spricht Shuen, sehr verehrte gnädige Frau, chr tiefgefühltes Bmleid zu dem schweren Verlust aus, der Sie und das ganze deutsche Vock so unerwartet betroffen hat. ^ez. Dr. Kück.
Hamburg. Wegen des Ab lebens des Reichspräsidenten bleibt heute die Hamburger Börse für den offiziellen Verkehr geschlossen.
Köck. Anläßlich des Ablebens des Reichspräsidenten fiel heute die Versammlung der Wertpapierbörse aus.
Paris. Um 10,30 Uhr ist der Ehef des Protokolls, de Zouqneres, bei Botschafter v. Hoesch erschienen und hat im Namen des Präsidenten der Republik Doumergue, sowie im Namen des Ministerpräsidenteu Herrwt das Veilech zum Ableben des Reichspräfcheuten Ebert ausgesprochen.
Beisetzung in Heidelberg.
wch. Heidecherg, 28. Zebr. telef. Wie die ,Heidelberger Neuesten Nachrichten" erfahren, wird der verstorbene Reichspräsident Ebert am Donnerstag, den 5. März vormittags 10 Uhr auf dem Heidelberger Friedhof beigesetzt. Die ReichÄe- hörde« treffen in Heidelberg in einem Extrazng ein.
Der Aeichswehrminister an das Reichsheer.
wtb. Berün, 28. Febr. telef. Der Reichswehrminister hat folgenden Befehl an das Reichsheer erlassen: Das deutsche Reich hat ihr Oberhaupt durch sjähen Tod verloren. Die deutsche Wehrmacht erweist ihrem toten Oberbefehlshaber den letzten Gruß in erfurchtsvoller Trauer. Sein Sinn und seine Satkraft galten ihrem Wohl. Sein Name (wird ehrenvollem Angedenken bleiben. Zum äußeren Zeichen unserer Trauer ordne ich an, die Reichskriegsflagge ist auf militärischen Gebäuden und an Bord der Schifte bis nach der Beisetzung halbstock zu hisien. Es ist bis nach der Beisetzung kein Spiel Hf rühren. Spielen bei Todesgedenkfeiern bleibt gestattet.
gez. Reichswchrmlnister Geßler.
Trauerfeier in Berlin am Mittwoch.
wtb. Berlin, 28. Febr. Ueber die Trauer- und Bei- setzuvgsfeierlichkeiten wurden endgültige Entschließungen noch nicht gefaßt. 2n Aussicht genommen ist eine Feier in und vor dem Hause tes Reichspräsidenten, wahrscheinlich atm kommenden Mittwoch, bei der Reichskanzler Dr. Lucher sprechen wird. Der Reichswehr^inister wird einen besonderen Vefchl an Heer und Flotte erlassen. Alle öffentlichen Gebäude haben die Flagge auf Halbmast zu setzen.
Das Neueste.
Dr. Locher zur Vertretung berufen.
wch. Berlin, 28. Febr. Nach Mitteilungen an die Blät- ter ist der Reichskanzler zu- vorläufigen Stellvertretung des Reichspräsidenten berufen worden. Ob dann alsbald eine Gesetz vorgelegt soll wegen einer längeren Stellvertretung, oder ob neue Wahlen angesetzt werden, wird noch erwogen. 2m Reichstag wird voraussichtlich am Montag c-o Stauers eiet abgehalten.
Die erste Halbjchreszahlung der Reichsbahn.
wtb. Berlin. Dio deutsche Reichseisenbahugesellschast hat heute pünktlich die erste Hckbjahreszahlung von 100 Millionen Goldmark für den Schuldverschreibungsdieust Reparationszahlungen bei der Reichsbank für Rechnung des Treuhänders überwiesen.
Angerstein geisteskrank.
wtb. Limburg, 28. Febr. Der Mörder Angerstein ist heute vormittag im Auto in die psychiatrische Klinik in Marburg zur Beobachtung seines Geisteszustandes überführt worden.
Rückkehr der „Buckan".
wtb. Hamburg. Von einer großen Menge Schaulustigen auf der Landungsbrücke und auf den Elbhöhen erwartet, ist heute bat- Motorschiff „Buckau" von Brunshausen tkonnnenb im Hamburger Hafen eingelaufen. Die „Buckau" passierte mit den im Betriebe befindlichen Motoren, die Flagge ans Halbmast, umgeben von einem Schwarm größerer und kleiner Be- gleitfahrMge um 5 Uhr Nachmittags die Landungsbrücke von St. Pauli.
Das Provisorium.
wtb. Paris. Zwischen Staatssekretär Dr. Trendelenburg und dem Handelsminister Ragnaldi wurden heute Noten ausgs- tauscht, in denen die deutsche und dis französische Regierung ihre Zustimmung zu den zwischen den beiden Wirtschaftsdelegationen gefundenen Verhandlusgsgruudlageu für ein provisorisches Statut und für einen endgültigen Vertrag erklärten.