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Nummer st SKEas, den 1 März 1S2Z.L Mrgang.
Zum Tode des Reichspräsidenten.
Aus Berlin wird uns geschrieben:
Friedrich Ebert, der erste deutsche Reichspräsident, ist in den Sielen gestorben. Ein arbeitsreiches Leben hat damit einen würdigen Abschluß gefunden. Der Lod, der so oft nicht Schmerzensbringer sondern Wohltäter ist, hat auch in diesem Salle manchen harten Knoten mit leiser Hand gelöst. Aller Kampf nm eine etwaige Wiederwahl Eberts, die er selbst freilich garnicht wollte, kann nun ruhen. Die ungerechten Angriffe, die ihm in den letzten Monaten das Leben verbittert haben, sind wohl schon ausgewogen worden durch die Sülle von Anteilnahme, die aus ganz Deutschland und aus der weiten Welt an das Krankenlager des Reichspräsidenten strömte. Auch die politischen Gegner der Sozialdemokratie haben vor der Macht des Todes die vegen gesenkt u. erkennen deutlicher als in den Lagen des Kampfes, daß Friedrich Ebert einer der Besten in jener Partei gewesen ist.
Zwar hat er sich durch seine ruhige, aber entschieden nationale Gesinnung nicht dazu bewegen lassen, der Sozialdemokratie den Rücken lehren, wie es Winnig, Lensch, August Müller und andere getan haben, mit denen er zum Teil noch gute Beziehungen unterhielt. Aber das ist ja ein nicht seltener Konflikt: ob man eine Bewegung reformieren soll, indem man darin bleibt, oder ob ein Austritt stärker wirkt. Ebert hat einen noch schwreren Konflikt erlebt bei der Beteiligung an dem Rllstungsarbeiterstreik, den er verurteilte und abzuwürgen trachtete. 'Mag er hier und sonst einmal geirrt haben, so bleibt doch die Anerkennung, daß er stets in bester Absicht gehand. hat und das Bedauern darüber, daß Eberts Erfahrung und Gesinnung so schnell der deutschen Sozialdemokratie verloren gegangen sind. Sie hätten gerade nach seinem Ausscheiden aus dem Amtt noch wn starten und guten Einfluß auf die Partei ausüben können. Dett kleinen Geistern gegenüber, die jetzt dort regieren und taktieren, war er immerhin ein Riese an Kopf und Charakter.
Stellvertretung und Neuwahl.
Der schnelle Lod des Reichspräsidenten Ebert zwingt dazu die Neuwahl, die erst im Mai stattfinden sollte, schon früher vorzunehmen. Die Verfassung enthält keine Bestimmung darüber, innerhalb welcher Frist dies geschehen muß. Da zur Wahl des Reichspräsidenten dieselben Vorbereitungen—Auslegung der Wählerlisten usw. — zu treffen sind wie zu einer Reichstagswahl, so wird man damit rechnen müssen, daß bis zum Wahltermin, den der Reichstag zu bestimmen hat, etwa fünf bis sechs Wochen vergehen werden. Dann hat noch das
Räumung erst im Dezember?
D.B. London, 28. Febr. (Eig Meldg.) Die Blätter beschäftigen sich in bedenklicher Weise mit neuen Forderungen des französischen Militärs, die ihren Ursprung habKi beim Marschall Zoch. Die französische Regierung soll in London dahingehend sondiert haben, daß die Räumung der Kölner Zone erst zum ersten Dezember stattfinden möge. Dem „Dailg Telegraph" zufolge finde jedoch dieser Gedanke in England keinen Anklang. Dagegen könne man durchaus den Standpunkt der französischen Regierung verstehen, die Räumung Kölns mit dem Sicherheitsproblem zu verbinden.
Sn politischen Kreisen erklärt man, diese neue französische Forderung hänge mit dem Zugeständnis der Pariser Regierung Deutschland zur Brüsseler Konferenz hinzuzuziehen in engem Zusammenhang. Als Konzession für die Zustimmung einer Teilnahme Deutschlands an den Brüsseler Beratungen versuche Frankreich, in der Räumungsfrage ein Entgegenkommen in London zu erzielen.
Neuliche Rote über den deutsch- rnmimifchen Zwischenfall.
. ^' S' ^ans, 28. Febr. Die Reparationskommission hat gestern Abend, wie der „Temps" mitteilt, die deutsche Rote über den deutsch-rumänischen Streitfall hinsichtlich der Zurücknahme der während der Besetzung in Umlauf geflehten Bank- 'iioten erhalten. Die deutsche These sei folgende: Rumänien fordere eine Entschädigung, doch schreibe der Dawesplan vor, daß in den festgesetzten Annuitäten alle Summen enthalten seien die Deutschland an die Alliierten und Assoziierten für die Ausgaben, die sich auf den Krieg beziehen, einschließlich der Repa- wlionen zu leisten hat. Unter diesen Bedingungen könnte die Entschädigung für die in Umlauf gesetzten Banknoten nur Wn den Summen gezahlt werden, die Deutschland auf Konto ».es I)aiüesplans zu zahlen verpflichtet sei.
Nach dem „Temps" wird die rumänische Regierung jetzt "«gefordert, ihre Ansicht über diese Frage darzulegen.
Wahlprüfungsgericht das Wahlergebnis zu prüfen. Bis zum Amtsantritt des neuen Reichspräsidenten dürften alsozwei Monate hingehen. Sür die Frage der Stellvertretung ist es wichtig, ob man diesen Zwischenraum als eine „längere Zeit" ansieht. Der Artikel 51 der Reichsverfassung lautet nämlich:
,Per Reichspräsident wird im Zalle seiner Verhinderung zunächst durch den Reichskanzler vertreten. Dauert die Verhinderung voraussichtlich längere Zeit, so ist die Vertretung durch ein Reichsgesetz zu regeln.
Das gleiche gilt für den Sall einer vorzeitigen Erledigung der Präsidentschaft bis zur Durchführung der neuen Wahl.
Der zweite Absatz dürfte dahin auszulegen sein, daß im Todesfall ebenfalls entweder die Vertretung durch den Reichskanzler für die ganze Dauer -oder eine besondere Vertretung, die durch Meichsgesetz zu regeln ist, eintreten soll. Zunächst hat Dr. Lucher nur die vorläufige Vertretung übernommen; das Reichskabinett wird sich auf ein Gutachten des Reichsjustizmi- nisteriums hin darüber schlüssig machen, ob es dem Reichstag eine besondere gesetzliche Regelung der Stellvertretung Vorschlägen will. 2» den Kreisen der Linken tritt man hierfür ein, um schon durch die Bestimmung des Stellvertreters einen Einfluß auf die Wahl auszuüben. Man hat dabei Herrn Marx im Auge. Die anderen Parteien waren bisher mit den Vorbereitungen für die Präsidentenwahl noch im Rückstände. Beachtenswert scheint uns der Vorschlag zu fein, den Reichswehr- minister Dr. Geßler als Kandidaten der bürgerlichen Parteien aufzustellen, da er das Vertrauen weiter Kreise genießt und für die Heranziehung der Deutschnationalen zur Regierung eingetreten ist; er gehört zwar noch der demokratischen Partei an, erfreut sich über in dieser geringerer Beliebheit als beiden Mittel- und Rechtsparteien sowie bei den nationalen Organisationen.
Die Wahl des Reichspräsidenten muß an einem Sonntag stattfinden, sie ist unmittelbar und geheim. Wahlberechtigt ist, wer das Wahlrecht zum Reichstag hat. Wählbar ist jeder Deutsche, der das 35. Lebensjahr vollendet hat. Gewählt ist, wer mehr als die Hälfte aller gültigen Stimmen erhält. Ergibt sich keine solche Mehrheit, so findet ein zweiter Wahlgang statt, bei dem gewählt ist, wer die meisten gültigen Stimmen erhalten hat. Es handelt sich also nicht um eine Stichwahl, bei der sich nur zwei Kandidaten gegenüberstehen können, sondern um einen zweiten Wahlgang. Hiernach ist es möglich, daß der gewählte Reichspräsident nur über einen Bruchteil der Stimmen der gesamten Wählerschaft verfügt hat. Diese Bestimmung erfordert eine besondere Taktik der Parteien, die sich rechtzeitig zu gemeinsamen Kandidaten zusammenfinden müssen.
D.B. Paris, 28. Feb.r Die Reparationskommission hat das von Deutschland im Monat März auszuführende Sachlie- fcrungsprogramm festgelegt und den Transferierungsausschuß ersucht, seine Genehmigung hierzu zu erteilen.
Sie Ausländsdeutschen.
Die Vorbereitungen für die Berliner Tagung der Ausländsdeutschen schreiten fort. Die Arbeitsgemeinschaft für Auslands- und Kolonial-Technik hat ihre im Ausland tätigen ^erufsgenosten zur Teilnahme an der Tagung aufgefordert. ^âukrmartet, daß die Reichsdeutschen Kolonien im Auslande er,onuchkeiten benennen werden, die einem weiteren Ausschuß für die Vorbereitungen und Durchführung der Tagung angeboren sollen. Die Tagung selbst wird den Besuch 'verschiede- ner deutscher Städte in sich schließen. Auch in süddeutschen Stabfen sollen die Ausländsdeutschen weilen. Der Außenhan- de sverband Gandeisvertragsverein in Berlin) hat sich bereit erklärt, die Tagung der Ausländsdeutschen nach jeder Richtung hin zu unterstützen.
Europäische Kleinstaaterei.
Ein chinesischer Professor, der eine Reise nach Europa unternahm, macht sich Uber die Kleinstaaterei lustig, die das Reisen im heutigen Europa so schwer mache. Sein Reisepaß trug den Stempel acht verschiedener Staaten, doch das genügte nicht. Er stieß überall auf Landes- und Zollgrenzen. Aachtundzwanzig- mal mußte der Univevfitätsprofessor Grenzen überschreiten und sich jedesmal vor den verschiedenen Zollwächtern verneigen. Einer solchen Menge von Vorschriften ist der Chinese auf seinem dreitausend Kilometer langen Weg von Osten nicht begegnet. Die Verschiedenheit des Geldes trug auch dazu bei, dem Asiaten die Europareise zu verleiden, noch mehr aber die Verschiedenheit der Sprachen.
Ser Tag der Toten.
D.B. Berlin, 2. März. (Eig. Meldg.) Zum ersten Male im ganzen Reiche wurde am Sonntag, den 1. März, ein Volks - trauertag begangen. Zum Gedächtnis an die Toten des Weltkrieges. Der Volksbund für deutsche KriegsgräberfUrsorgs fetzte sich schon seit langem im Einvernehmen mit den kirchlichen Behörden der drei großen Bekenntnisse und den großen kulturellen und wirtschaftlichen Verbänden dafür ein, dem deutschen Volke für seine Gefallenen einen allgemeinen Gedenktag zu schaffen. Die offiziellen Behörden des Reiches und die in Berlin versammelten Vertreter sowie die Landes- und Kommunalbehörden und die Heeres- und Marineleitung fanden sich unter Führung des Reichskanzlers Dr. Luther zu einer würdigen Feier im Reichstage zusammen. Der Präsident des Volks- bundes Pfarrer Siems hielt nach einleitenden musikalischen Darbietungen die Gedächtnisrede über das Thema „Was sagen uns die Toten des Weltkrieges". — 2n der Reichshaupt- stadt fanden zu gleicher Zeit verschiedene Feierlichkeiten statt, die alle einen würdigen und angestörten Verlauf nahmen. So hatten die vaterländischen Verbände ihre Anhänger -in die neuen Ausstellungshallen am Kaiserdamm zu einer Gedächtnisfeier zusammengerufen, bei der Generalmajor v. d. Goltz in kur zen Worten unserer Toten des Weltkrieges gedachte. — Die Reichswehr versammelte sich zu einem Gottesdienst in der alten Garnisonkirche unter Führung des Chefs der Heeresleitung v. Seeckt und der Marineleitung Admiral Zenker.
Trauerfeier für den Reichspräsidenten.
D.B. Berlin, 2. März. (Eig. Meldg.) Ueber die Einzelheiten für das Zeremoniell der Trauerfeier erfahren wir noch folgendes: Auf ausdrücklichen Wunsch Oer Familie des Verstorbenen und anderer maßgebender Persönlichkeiten findet die Aufbahrung des Toten im großen Festsaal des Präsidentenpa- lais in der Wilhelmsstraße statt. Von einer Trauerfeier im Plenarsitzungssaale des Reichstages, die besonders von dem Reichstagspräsidenten befürwortet wurde, hat man abgesehen. Unter der Leitung des Reichskunstwartes wird der Festfaal in ber Wilhelmstraße eine würdige und ernste Ausschmückung erhalten. Da der Saal kaum mehr als 250 Personen zu fassen vermag wird die Zahl der zur Trauerfeier Eingeladenen eine lehr beschränkte sein. Neben den Mitgliedern der Reichsregierung der preußischen Regierung und den Wrtretern der verschiedenen Länderregierungen und des offiziellen Deutschlands, sowie dem diplomatischen Korbs werden nur ganz wenige Ehrengäste geladen werden. Die von dem Reichskanzler Dr. Luther gehaltene politische Gedenkrede wird durch den Thor And die Kapelle der Berliner Staatsoper unter Leitung ihres Intendanten Professor Max von Schillings würdig umrahmt. Nach der Feier erfolgt unter militärischer Trauerparade die Ueberführung des Leichenkonduktes auf dem Wege durch das Brandenburgertor am Reichstag vorbei zum Potsdamer Bahnhof. Am Reichstagsgebäude findet auf der Rampe vor dem haltenden Leichenwagen eine Abschiedsknndgebnug des Reichs- tages statt, dessen Präsident Löbe den letzten Gruß der deutschen Volksvertretung überbringen wird. ön einem Sonder- ?uge wird sodann der Sarg des Reichspräsidenten nach Heide,oerg über fuhrt werden, wo er am Donnerstag vormittag ge= gen JO Uhr eintreffen wird. Den Sarg werden auf der Reife die Familie Ebert, der Staatssekretär Dr. Meißner, sowie der Reichskanzler und einige Reichsminister begleiten, ön $e®el= berg werden die staatlichen und kommunalen Behörden den Leichenzug empfangen. Auf dem Friedhof findet eine offizielle Leichenfeier statt. Dann wird die Leiche des Reicyspräsidenten in einem Ehrengrab beigesetzt werden.
Kandidaten für den Reichspräsidenten- poften.
D.B. Berlin, 2. März. (Eig. Meldg.) Die Frage nach der Neuwahl des Reichspräsidenten tritt immer mehr in den Mittelpunkt der politischen Erörterungen. 6n bemerkenswerten Ausführungen nimmt die „Kölnische Zeitung" dazu Stellung und fordert, daß künftig der Reichspräsident nicht weiter ein Parteimann fein dürfe. Tr müsse der Beauftragte einer un- parte^ nationalen Arbeit-, Schicksals- und Volksgemein-
Aus Mem Grunde sind Kandidaten wie der Reichstagsprasideiit Lobe und der preußische Ministerpräsident Marx nach Umsicht des Blattes abzuleben. Die einzig willens- tavke überparteiliche Persönlichkeit, so schreibt das Blatt dann se, augenblicklich Dr. Lucher, der für die Reichspräsidenten- I U einzig in drage kommen müsse. Nach Informationen aus pamburg sand dort bereits eine Besprechung rechts orientier» ter Kreise, vor allem^aus Handel und Industrie, statt, bei der ' ebenfalls zu dieser Frage Stellung genommen wurde. Dort soll auch vor allem der Name des früheren Reichskanzlers Dr. Euno gefallen sein. Aus mittelparteilichen und besonders aus Zeutrumskreise« verlautet jedoch, daß man unbedingt daran