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Morgenzettuns

Aul-asr Kreisblatt, Anzeiger für Rhön und Bogelsberv, Fulda- und Haunetal

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Stummer 52.

Mittwoch, den 4. März 1921

2. Woang.

Ser «arantitpaft und Strfmlltt 6ren?Mung.

Ls wird also so sein: am 9. 2Uäq beginnt in Gens unter re­ger Beteiligung, wenn nicht gar unter dem Vorsitz des briti­schen Außenministers die Tagung Les Völkerbundes, aus der neben einer Reihe wichtiger Stagen Lie augenblicklich wichtigste geklärt" wenden soll. " Sodann findet in London eine neue weltpolitische Konferenz statt, auf der das, was in Genf unerle- bigt geblieben lies: angebahnt worden ist, ausgebaut werden soll. England hat die Dominions um ihre Stellungnahme zum Genfer Protokoll und im Zusammenhang damit pm Garan- twpakt befragt und fest gestellt, daß niemand sich in europäischen Dingen auch nur irgendwie festlegen will, sondern daß zunächst und vor allem die britischen Omperiumsinteressen zu wahren sind. Die bedürfen angesichts der kolonialen Tendenzen zur Selbständigkeit und der Bemühungen Amerikas, die englischen Kolonien soweit wie möglich in den Bereich seines Ginflusses zu ziehen besonderer Rücksichtnahme. Das Genfer Protokoll ist damit, trotz seiner heutigen Gestalt bis auf weiteres erledigt.

Fmmerhiu vermag England nicht, sich Lem Liebonswerben des französischen BunLesguofsen um die Beipflichtung zu Si- cherheitsmaßnahmen zu versagen, zumal es selbst bis zu einem gewissen Grade bedroht zu sein glaubt.

Freilich scheint man sich gegenwärtig in London ziemlich klar darüber zu sein, daß die eigentliche Sefcchr für den Kontinent nicht mehr in mitteleuropäischen Ländern steckt, sondern in Frankreich, das für Luft- und illnterwasserrüstungen große Geldsummen verausgabt. Die Verschleuderung des wenn auch sinkenden Stanken muß folglich beschnitten werden, und so ist es London nun darum zu tun, Frankreich zur Bezahlung feiner Schulden zu zwingen. Darin findet es auf Seiten der Verei­nigten Staaten die weitgehendste Unterstützung, zumal dort die Versailler Grenzziehung längst nicht mehr mit dem Gleichmut der Rirhieinmischung in europäische Fragen getrachtet wird. Vielmehr tritt die Sorge um ein ruhiges kaufkräftiges Mittel­europa in den Vordergrund, die sich umso mehr steigert, als die Franzosen jeden diplomatischen pas mit der Rhein- und Ruhr­srage verbinden, darüber hinaus aber nicht den Mut aufbringen, sich für die Grenzen ihrer Freunde im Rordosten und Osten Europas zu deren Zufriedenheit einzusetzen. Ommer wieder versuchen sie, das Gespräch auf die Stellung Deutschlands zu einem Garantiepakt zu bringen und damit den Anschein zu er­wecken, als handele es sich bei der Erhaltung des Friedens in Europa ausschließlich um die französische Sicherheit soweit sie von einem insgeheim rüstenden Deutschland gewährleistet wird. Uns scheint an der Zeit zu fein, den Blick auf die. (Versailler Grenzziehung im Osten zu lenken, weil gerade sie als Gegen­stück zu der Art, wie die Franzosen die Rhein- und Ruhrfrage aufzieheu zu bewerten ist. Festgestellt sei hierbei, daß neuerdings zuerst die englische Presse die Unhaltbarkeit der deutsch-pol­

Pariser Brief.

Pari s, den 27. Februar 1925.

0n feiner großen Rede auf dem ihm zu Ehren gegebenen Bankett sagte L a i 11 aux: ,Me Reaktion stellt sich, als glaube sie an die Gefahr eines Umsturzes des Gefellschaftszu- ftanLes. Getreu ihrer ewigen Taktik läßt sie nie wieder das rote Gespenst tanzen. Sie macht großen Lärm um revolutio- näre Umtriebe, auf die man aufmerksam sein muß, deren Be­deutung man aber nicht übertreiben darf. Diese Umtriebe würden nur dann gefährlich werden, wenn es offenbar würde, daß der Kapitalismus unlösbar mit periodisch wiederkehrenden Völkerkriegen, mit dauernden Kriegen zwischen sozialen Grup­pen und Individuen verbunden ist. Aber man darf ohne Furcht vor einer Selbsttäuschung folgendes voraussagen: An dem Tage, an dem über die Massen das Gefühl käme, daß die gegenwär­tige Methode der Hervorbringung und der Verteilung des Reichstums sich nur nach der Seite größerer Härte entwickelt, an dem Tage, wo die von allen Demokraten und Sozialisten genährte Hoffnung verschwände, an die Stelle einer Gesellschaft ber Gegensätze eine Gesellschaft des Zusammenarbeitens treten ?u sehen, an dem Tage müßten wir Furcht vor einer Repres­siv nsbew eg ung asiatischen Systems haben, die sich in einen chao­tischen lUmJtur? auflösen würde".-

Caillaux hat leider nichts über das andere Gespenst gesagt, das die Reaktion gleichfalls tanzen läßt: Las deutsche Gespenst. Die ganze Sicherungspolitik, von der man bis in die Kreise der Sozialisten hinein redet, ist ja Ler Furcht vor dem deutschen ^kspenft entsprossen. Marschall Foch fungiert als Oberregis- Icur bei dem Tanz, den das deutsche Gespenst auf der politischen Wime aufführen muß, um die Zuschauer zu rühren, zum Gru- zu bringen und ihnen den Schrei zu entreißen:Unter sol- >eu Umständen muß Deutschland besetzt bleiben". Daß Foch innßf großem Geist ist, das hat man schon längst ge- besitzt aber die Energie einer Bulldogge, die sich den men, sie hält nicht aus den Zähnen reißen läßt. Er

nischen Grenzfestsetzung in einem Polen keineswegs günstigen Sinne dargelegt hat. Ohr schloß sich unmittelbar die Amts- prefie Moskaus an, von deren Seiten Las Beresina-Problom sobald wohl auch nicht verschwinden wird, da die Sowjetregier­ung hauptsächlich die polnischen und rumänischen Rüstungen zum Anlaß nimmt, um von der neuen Kriegsgefahr für Europa zu sprechen. Die Russen anerkennen die Grenzziehung zwischen sich und Polen nicht als status quo und da man das in Polen sehr wähl begreift, verstärkt sich in.letzter Zeit wieder die Be­fürwortung freundschaftlicher Beziehungen zu Moskau im La­ger der polnischen Nationalisten. Das wäre nun nicht sonder­lich tragisch zu nehmen, wenn sie mit chrer russischen Orientier­ung nicht die Aufteilung Ostpreußens verbänden, wie sie im Hirn des Ricolai Micolaijewitsch und seines Freundes Tre- pow, des früheren russischen Ministerpräsidenten, spucken: Rußland und Polen teilen sich in Ostpreußen, die Randstaaten werden Rußland einverleibt, während Finnland schließlich auch von einem neuen Zaren als unabhängige Republik anerkannt werden mag. Wenn wir für die polnischen Erwartungen hin­sichtlich der Umgestaltung in Rußland auch kein phantasievolles Verständnis aufzubringen imstande sind, so dürfen die Ostpreu­ßenpläne doch als Fortsetzung der heute zu Unrecht geltenden Versailler Grenzziehungen betrachtet werden. Alles das liegt, wenn es überhaupt jemals zur Verwirklichung kommen sollte, in weiter Ferne. England und Amerika sollten aber auch hieraus die Lehre dafür ziehen, wohin es Frankreich mit seiner Unterstützung großfürstlicher Pläne und polnischer Rüstungen treibt. Die Beteiligung von etwa 40 000 Wrangel-Soldaten an den jugoslawischen Skupschtina-Mahlen anfangs Februar bei der gleichzeitigen Aiederknüppelung Zehntausender deutscher Wähler, die zu den 5 deutschen Skupschtinaabgeordneten noch volle 10 hätten hinzufügen können, tiefer: einen Hörigen Be­weis für die geheime Arbeit Frankreichs auf Lem Balkan gegen Deutschland und damit gegen die einzige Möglichkeit der Be­friedigung Europas auf dem 1*33ege neuer Grenzfestsetzungen ent gegen Versailles.

Wir Deutschen wissen, daß das aus den Friedensverträ- gen hergeleitete Unrecht ebensowohl in unserem Osten wie im Westen Gefahren für ganz Europa in sich birgt. Wissen es aber auch die Staaten, deren Zukunft nicht zuletzt von einem ruhigen Mitteleuropa abhängt? Auch die ostpreußische Groß- fürsten-Odee, mit der die polnischen Rationalisten sich in der sie zur Verständigung mit Sowjetrußland zwingenden Situation auch dem roten Moskau zu nähern beabsichtigen, zeigt, daß nicht die polnischen Grenzen der Sicherung bedürfen, sondern die deutschen und Lie russischen. Man sollte bei der neuen Be­sprechung des Rheinlandproblems und der französischen Schul­den auch an das Garantieproblem im Osten Lenken.

hält nun das Rheinland und die Ruhr. Wenn wirklich sein Ansspruch über den Militärkontrollbericht der maßgebende und letzte sein soll, wird man in Deutschland noch lange ach die Räumung warten können. Selbstverständlich kombiniert man die beiden Gespenster: das rote und das deutsche zu einem Ballett, das noch wirkungsvoller ist. Zoch und seine Leute erblicken die Gefahr nicht bloß in der Reichswehr, sondern auch in den Kommunisten. Man muß nun leider zugestehen, daß zur Auffütterung der beiden Gespenster, falls diese einmal dro­hen zusammenzusinken, immer wieder gutes Material geliefert wird. Foch ist also nicht in Verlegenheit, wie er seine Angst- propaganda nähren soll. Aur ein geschickter politischer Schritt von selten Deutschlands könnte dieser Angstpropaganda den Boden nehmen.

Ls muß immer wieder darauf hingeiwiesen werden, Laß Lie Hauptschwierigkeiten der Sicherung sich nicht um West-, son­dern um Ostprobleme drehen. Frankreich fühlt sich verpflichtet, seine Sicherheit an der polnischen und an der tschechoslowaki­schen Grenze zu verteidigen, wie diese Grenzen durch den Ver­sailler Vertrag gegen Deutschlaiid festgelegt worden sind. Fe­der Versuch, hier eine Aenderung herbeizuführen, würde zwei­fellos von Frankreich als cafns belli betrachtet werden und ei­nen sofortigen Kriegsüberfall durch die französischen Luftstreit­kräfte zur Folge haben. An einen militärischen Widerstand Deutschlands ist nicht zu Lenken. Ueber diese Lage muß man sich in Deutschland klar werden.

Anmerkung der Redaktion. Das ist man sich fraglos. Die Konsequenz, die sich daraus ergibt, ist aber nicht die Garantie der Ostgrenze durch das deutsche Reich, sondern die alsbaldige Aenderung dieser geographisch »echnologisch, wirtschaftlichen u. politisch unhaltbaren Greuzzichung Lurch die Mächte, Lie in er­schütternder Veraatzvortungslosigkeit im Osten des Reichs Grenezu zogen, von denen sie wußten, daß sie eine Befriedigung Europas ausschtießen. Die Folgerung, die demgemäß zu ziehen ist heißt: ^schleunigste Revision des Versailler Vertrags und nichts anderes! Die Redaktion.

15 Minuten Arbeitsruhe bei Ebetts Beisetzung.

D.B. Berlin, 2. März. (Erg Meldg.s Die freigewerk- schaftlichen Spitzenverbände der Arbeiter, Angestellten und Be­amten erlassen einen Aufruf, in dem es heißt, daß zur Stunde der Bestattung des Reichspräsidenten am Donnerstag im gan­zen Lande die Arbeit vormittags von 11 bis 11.15 Uhr ruhen solle. Die örtliche Durchführung dieser Lrauerkundgebung unter Beachtung der für lebenswichtige Betriebe bestehenden Regeln wird den Ortsausschüssen unb Ortskartellen überlassen.

Sie Beteiligung der Reichswehr an der Zrauerseier.

DV. Berlin, 2. März. (Eig. Meldg.s Nach der offiziel­len Feier für den verstorbenen Reichspräsidenten am kommen­den Mittwoch erfolgt eine Parade der Reichswehr. An ihr sind unter Leitung eines Generals ein Bataillon Infanterie, eine Schwadron Kavallerie und eine Batterie Artillerie be­teiligt.

Jas Berbot der Lustbarkeiten.

DB. Berlin, 2. März. (Eig. Meldg.s Zur Behebung vielfach aufgetauchter Zweifel wird von zuständiger preußischer Stelle mitgeteilt, daß als Tag der Beisetzung des Reichspräsi­denten im Sinne der Verordnung des preußischen Staatsmini­steriums vom 28. Februar Mittwoch, der 4. März, gilt. An diesem Tage sind, entsprechend der genannten Verordnung öf­fentliche Musik, öffentliche Lustbarkeiten, einschließlich Ler Rennveranstaltungen, Schauspielvovstellungen einschließlich der Lichtspielvorstellungen verboten.

Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, daß am Mittwoch in allen Schulen der Unterricht ausfällt und eine würdige Trau erfeier der Schulen stattfindet.

Am Mittwoch um 12 Uhr findet in der Staatsoper zu Ber­lin eine Trauerfeier statt, die hauptsächlich für Schüler gedacht ist. Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volks bildung, Prof. Dr. Becker wird die Gedenkrede halten.

Um Eberts Nachfolge.

D.B. Berlin, 2. März. (Eig. Meldg.s Nach dem Ab­leben des Reichspräsidenten Ebert steht naturgemäß die Frage der Nominierung eines geeigneten Kandidaten im Vordergrün­de der Erörterung, wenn auch die Diskussion noch nicht allge­mein ist, weil man es für taktlos hält vor der Beisetzung des Reichspräsidenten diese Streitfrage aufzurollen. Wie wir aus politischen Kreisen hören besteht innerhalb der Deutschen Volks Partei eine starke Strömung, die unter den jetzigen Umständen die Kandidatur des Reichskanzlers Dr. Lacher für die Reichs- präfibentenjebaft als die einzig mögliche Lösung ansieht. Man glaubt in diesen Kreisen, daß nur die Persönlichkeit Dr. Lu­thers imstande wäre, das erneute Auseinanderreißen des deut­schen Volkes in zwei feindliche Lager zu verhindern. Man rechnet hier für diese Lösung auf weitgehende Sympathien des Zentrums und der bagerifchen Volkspartei. Die Bestrebun­gen innerhalb der Deutschen Volkspartei gehen dahin, daß die jetzigen Regierungsparteien des Reiches einmütig die Bitte an Dr. Luther richten, sich zur Verfügung zu stellen, ohne sich je­doch zu verhehlen, daß sowohl auf der äußersten Rechten als auch auf dem linken Zentrumsflügei Absplitterung wahr­scheinlich sind. Ob diese Strömung in der Besprechung des Parteivorstandes der deutschen Volkspartei, die am 9. März Jtattfinbet, sich durchsetzen kann, ist vorläufig noch fraglich, je­doch werden unverbindliche Vorbesprechungen mit den Deutsch­nationalen unb dem Zentrum schon vorher ausgenommen wer­den. Dr. Luther selbst verhält sich diesem Gedanken gegenüber noch ablehnend und betont, er sei auf keinen Fall gesonnen, Lazu beizutragen, daß die jetzigen Regierungsparteien über diese Frage auseinanderfallen oder sich gegenseitig befehden.

Onnerhalb der demokratischen Partei und auch im linken Flügel des Zentrums gehen die Strömungen dahin, den frühe­ren Reichskanzler Dr. Marx zu präsentieren. Die Besprech­ungen über diese ganze Angelegenheit werden erst in den näch­sten Tagen innerhalb der ^ceichstagsparteien ausgenommen werden.

Prändentenwabl am 29. MM

wtb. Berlin, 3. März. 3 Uhr telef- 2n Besprechung der Reichsregierung mit den Parteiführer» einigte man sich dahin, daß der erste Wahlgang für die Wahl des Reichspräsidenten am 29. März stattfindet.