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Hessische

Morsenzeitung

Ful-aer Kreisblatt, Anzeiser für Rhön un- Wselsbers, Fulda und Haunetal

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Mmmr ZL Sonnerstag, den 5. März 1925.2. Jahrgang.

Der LS

ön einer BesprechUM Machen der Reichsregierung und den Parteiführern ist beschlossen worden, die Wahl des neuen Reichspräsidenten für die letzten Sonntage im März, also für den 29. Mär; festzusetzen. Für den Fall, daß ein zweiter Wahl­gang erforderlich wird, ist dafür der 26. April vorgesehen, da die vorhergehenden Sonntage ihres katholischen Zesttagscha-1 rakter wegen für Wahlhandlungen nicht erwünscht scheinen. Man wird diesen Beschluß nur begrüßen können, der es dem deutschen Volke erspart, wieder monatelang vom Strudel der Agitation mitgerissen ;u werden, der ein eigenes Gesetz für die Stellvertretung des Reichspräsidenten unnötig macht und der gewiß auch mit Rücksicht darauf gefaßt wurde, daß erfah­rungsgemäß die Gesetzmaschine in der eine Wahl Dovbereiten' den Zeit nur schwer unlustig zu laufen vermag. Dem deutschen Volike ist aber nichts notwendiger, als daß endlich die Gesetzes­maschine mit aller Kraft abgekurbelt wird und daß aus sedem Gebiete des öffentlichen Lebens endlich die sachliche Arbeit ein- setzt, deren Früchte wir länger nicht mehr entbehren können.

Sachliche Arbeit! Das muß die Parole sein, unter der der Kampf um den Präsidentenposten gefochten werden muß. Stellt man diese Parole auf, so ist das Zeldgeschrei der anderen schon von vornherein ohne Werbekraft. Die anderen, das sind die, die zum obersten Beamten des Deutschen Reiches einen Par- teimann kür neu wollen, die diesen Platz, auf dem der Reprä­sentant des gesamten deutschen Volkes steht, wiederuni zu einer Parteidomäne machen wollen, und die die Auswahl der Kandi­daten nicht nach der sachlichen Eignung, sondern lediglich da­nach treffen, ob der zu Wählende sich auch brav jederzeit den Parteiwünschen gebeugt hat und Gewähr dafür bietet, daß ihm auch fernerhin die Partei und ihr Wohl über alles geht. Gewiß sagt man das nicht offen. O nein, man hat ja schließ­lich etwas gelernt von der Dialekt unserer außenpolitischen Feinde, die ja auch nie ihren wahren Sinn und ihre wahren Absichten bekennen, sondern immer wundervolle Deckworte zur Verfügung haben, mit denen sie, wenn diese noch so dumm sind, doch naive Gemüter einzufangen vermögen. Solche wunder­schönen Worte wird man in der Folgezeit im steigenden Maße zu hören bekommen und man hat jetzt schon einen Vorgeschmack von ihnen, wenn man einen Blick in die Blätter wirft, die die önterefsen der ^Weimarer Koalition von der Sozialdemokratie über die Demokratie bis zum linken Flügel des Zentrums ver-

Der Messias der Kroaten.

sBelgrader Brief).

Von -unserem Korrespondenten.)

Belgrad, 28. Februar 1925.

Aus der Fülle der Ereignisse und Erscheinungen, die für 'den Mitteleuropäer in ihrer Undurchsichtigkeit und Verworren­heit heute mehr denn je den BegriffBalkan" darstellen, hat sich in den letzten Fahren ein Mann in das Licht der europäi­schen Oeffentlichkeit -erhoben, der in seiner Beranlagung, seinen Zielen und Methoden geradezu wie eine Verkörperung eben tiefes Balkans wirkt, Stefan Râtsch, der Führer der kroa­tischen Bauern, des kroatischen Volkes. Man hat im wohl im Hinblick auf die inbrünstige Leidenschaft seines Wollens und die eigenartige Wirkungskraft feiner Persönlichkeit den Gandhg Kroatiens genannt. Auch er will sein Volk von frem- der Einengung befreien, auch er hat dazu den Weg gewaltlo­ser Kraftanhäufung gewählt.

, ^^san Raditsch, der Mann der Widersprüche und der ge- fuhlsmaß, gen Durchdringung aller Fragen, denen er politijcy |ich na'bert^ijt zugleich eine Persönlichkeit von europäischer Budung. Auf den Hochschulen von Prag, Wien und Paris £i Cl ^a^Hfohn, feine Erziehung genossen. Nachdem er ' 'verschiedensten Richtungen slawischer Politik nach ei-

? 's11"121 m!t ^^ Leidenschaft angeschlossen hat, v , fr 0"gc vor dem Kriege im Landtage Kroatiens, 8 gehörte, antimaggarische, kroatisch-na-

,L vertreten hat, ohne sich jedoch einer der un- flanschen Oppositionsparteien anzuschließen, ging er aufs Land unb predigte den Bauern die nationale Selbständigkeit. Unter den Lauern fand er seine gläubigsten Aichängcr, den Bauern ist er treu geblieben, Jo sehr er sonst nacheinander sich Habs- durgisch oider republikanisch, christlich-katholisch oder atheistisch vistisch oder föderalistisch, kriegsfreundlich oder pazifi- Ä vntrparlamentaristisch oder zur Mitarbeit im Parlament *?reit -gebärdete.

tbie^-T,3^ 'der Ocherreichisch-Ungarischm Monar- Serbien C ,m ^tischen Landtag den Anschluß an ßen "der trotz der Zugehörigkeit zum gro- 6erben L, ^'"^ate die Selbständigkeit seiner Heimat. Die ) fen -eine Verfassung, die Kroatien nur zu einem

. Mürr.

treten. Das WortVolksgemeinschaft" hat scheuen wir UNS garnicht, das zu sagen, keinen guten Klang mehr, seitdem es dazu mißbraucht worden ist, den in den Wahlen zum Aus­druck gekommenen Willen des Volkes zu umgehen und den Versuch zu machen, im Reich und in Preußen anstelle einer dem Wahlergebnis entsprechenden Regierung ein künstliches Kabinettsgebäude zur Sicherung des sozialdemokratischen Ein­fluß zu errichten. Wir wollen Herrn Marx, der mit seinen, bisher im Reich wie in Preußen vergeblichen Bemühungen den schönen Begriff totgeritten hat, garnicht den guten Glauben obsprechen, aber wenn er den guten Glauben hat, so beweisen seine vergeblichen Bemühungen doch, daß er ihn nicht in Ueber­einstimmung mit der politischen Realität zu bringen vermag, daß er also vielleicht ein wahrer Idealist, gewiß aber ein schlech­ter Politiker ist und daß ihm nicht die fachliche Arbeit und die Möglichkeit zu ihr allem anderen vorangeht. Herr Marx ist eben doch fein abgestempelter Parteimann. Der Sinn dieser Wahl aber muß der sein, daß die Parteipolitik wenigstens dann überwunden wird, wenn es gilt, den Repräsentanten für das gesamte deutsche Volk und nicht für eine Parteienmehr­heit zu finden.

Es sind bereits eine ganze Reihe von Namen genannt worden, deren jeder einzelne Gewähr besserer Eignung für das hohe verantwortungsvolle Amt und seinen sachliche-n An­forderungen bieten würden. Aber es kann nur ein Reichs­präsident gewählt werden und dieser eine muß gefunden werden und es ist höchste Zeit, daß er gefunden wird. Wollen wir keinen Parteimann, so ist es nur konsequent, daß auch die Par teien möglichste Zurückhaltung üben, daß nicht sie ihren Kandi­daten namhaft machen, sondern daß sie die Auswahl einem größeren Ausschuß, in dem. Partei en auch alle un­parteiischen Organisationen des nationalen Wollens, der Kul­tur und der Wirtschaft vertreten sind, überlassen. Gin solcher Ausschuß vermag in einer ganz anderen Weise der Willensbil- dung des Volkes in dieser Frage dienlich zu sein, als der in Parteien- zerklüftete Reichstag. Unb dem Kandidaten, den er namhaft macht, dem kann jeder deutsche Volksa-ngehörige am 29. März feine Stimme in der Gewißheit geben, daß dann ein Mann an die oberste Spitze des Staates gestellt wird, der jein hohes Amt in nationalem und überparteüschem Geiste führt und mit sachlichem Arbeitswillen und gegründeter Be­fähigung an seine verantwortungsvolle Arbeit herangeht.

geographischen Begriff machte, während zur Habsburger Zett in Agram Regierung und Landtag unter der Leitung eines Ba­nus, eines Vizekönigs, gesessen hatte. So riß Raditsch denn über die Bauernschaft hinaus sein ganzes Volk zu leidenschaft- uchem Widerstands gegen den serbischen -Zentralismus hin. Schon in der ersten Nationalversammlung zog die kroatische Bauernpartei mit 72 Abgeordneten ein, die jedoch die Mit­arbeit verweigerten und das Parlament verließen. Bei der Neuwahl wurden We Raditsch-Kandidaten mit ungeheurer Mehrheit gewählt. Unter dem Schutze der Immunität eröff­nete Raditsch seinen Redekampf gegen die Pasitsch-Regierung, seine Abgeordneten blieben dem Parlament weiter fern. Als die -Erregung immer größer wurde, hob das Rumpfparlament die Immunität Raditschs auf. Er ging ins Ausland und führ­te von dort den Kampf weiter. Selbst mit Moskau nahm er Verbindung auf.

<3m August 1924 wurde die Pasitsch-iRvgierung infolge des Wiedererscheinens der Raditsch-Abgeordneten im Parlament gestürzt. Raditsch kehrte im Triumph in seine Heimat zurück und predigte den Gedanken des Föderativs-Staates Unter der Regierung Dawidowitsch konnte er sich frei bewegen, seine Regierungsantritts blieb jedoch unklar. Lsi-c enfchaftlich zugespitzte Reden erweckten die Furcht des Kö­nigshauses, JoM die Krone, um eine Aenderung der Ver- fassung im forderativen Sinne zu verhindern, die Dawidvwitsch- Reg-erung entließ. Die Regierung Pasitsch-Privischevitsch schrieb Neuwahlen aus. Raditsch hielt sich in Agram versteckt. e Partei wurde aufgelöst, hunderte seiner Anhänger ver­haftet, die Wahllisten annulliert. Die übrigen Oppositionspar­teien verloren ihre stärkste Stütze und die Regierung konnte slchnoch einmal, unter Anwendung brutalsten Terrors und un- -erhorter Wahlfälschungen, eine Scheinmehrheit sichern. Aeu- ßerlich hat die Raditsch-Partei diese Schläge mit o erhaltn is- nmpiger Ruhe hingenommen, wenn auch die Verhaftung Ra­ditschs zu einem leidenschaftlichen Proteststurm geführt hat. Daß der südslawische Staat auf die Dauer gegen'den Willen der Mehrheit seiner Bevölkerung sein Gewaltsgstem der großser- bischen Vorherrschaft aufrecht erhalten kann, ist nicht anzuneh­men. Die inneren Kräfte des Widerstandes sind zu stark. Auch die Stunde Raditschs wird wiederkommen. Dann wird sich zeigen, ob er tatsächlich, wie es beinahe den Anschein hat, nur ein Demagoge großen Stiis, ein Agitator und Sektierer ist oder ein Staatsmann. '

Die Asumkirr im Smdtag,

Line kurze, schlichte Trauerkundgebung veranstaltete am Dienstag der preußische Landtag. Mit Corb verneigen und schwarzem Flor war der Tisch des Präsidiums bekleibet. Herr Marx und die anderen Mitglieder seines in Demission befind­lichen Kabinetts saßen am Ministertisch. Die Bänke der Kom­munisten waren leer, alle anderen Fraktionen beteiligten sich an der Feier. Während sich sämtliche Anwesenden erhoben, hielt der sozialistische Laudtagspräsident Bartels eine Ansprache; er rühmte besonders Friedrich Eberts Sachlichkeit, Verantwor­tungsgefühl und Staatsklugheil. Streifte die Angriffe, denen der Verstorbene ausgesetzt war, und sprach die Hoffnung aus, daß die Geschichte die Persönlichkeit Aberts anerkennen werde. Mit einem etwas merkwürdigen Wunsch in bezug auf den Nach folger schloß der Präsident seine Rede, die das Haus schwei­gend anhörte. Dann wurde die Sitzung abgebrochen unb die Besprechung des Dortmunder Grubenunglücks auf Donners­tag festgesetzt. Erst hinterher erschien der Kommunist Pieck und machte Lärm, als er nicht mehr bas Wort zur Geschäfts­ordnung erhielt. Ein etfcelf>affer, aber lehrreicher Abschluß.

Mftattlmg auf Staatskosten beschlossen.

D.B. Berlin, 3. März. (Eig. Meldg.) Der Reichsrat ge­nehmigte in seiner heutigen Sitzung das folgende von der Re­gierung eingebrachte Gesetz:Die Staatsregierung wird er­mächtigt, die aus Anlaß des Ablebens des Reichspräsidenten entstehenden Kosten auf Reichsmittel zu übernehmen." Reichs­finanzminister Dr. von Schlieben wies darauf hin, daß die Reichsregierung es für eine Ehrenpflicht gehalten habe, die Bestattungskosten auf die Reichskasse zu übernehmen, Jie habe deshalb, um der Angelegenheit eine würdigere Form gegeben, ein ganz besonderes Gesetz vorgelegt. Der Minister stellte fest, daß auch das Plenum des Aeichsrals das Gesetz einmütig an­genommen habe.

Der Reichsrat wird sich am kommenden Donnerstag u. a. mit den Gesetzentwürfen über die Errichtung der Deutschen Rentenbank-Kreditanstalt, die Erhöhung der Bier- und Tabak steuer, die Aenderung des Finanzausgleichs Wischen Reich, Ländern und Gemeinden, und schließlich noch mit dem Ge- setzen-lwurf über die vierteljährliche Gehaltszahlung beschäftigen.

Nächste Reichötagssitzung am Freitas.

D.B. Verlill, 3. März. (Sig. Meldg.) Die nächste Sitz­ung des Reichstages, die infolge des Ablebens des Reichs­präsidenten verschoben wurde, findet am kommenden Freitag nachmittags 2 Uhr statt.

Stresemann dementiert.

, d-A. Berlin, 3. März. (Sig. Meldg.) DieGermania" hatte heute früh mitgeteilt, in der letzten Fraktion-sitzung bet Deutschen Volkspartei im Landtage habe der Außenminister Dr S rejemann den Vorschlag gemacht, die Bemühungen des Reichskanzlers a. D. Marx um die Bildung eines tragfähigen preußischen Kabinetts von nun an nach Kräften zu unterstützen. Üamit wurde die Bahn für die Reichspräsidentenschaft Dr. -uthers frei. Weiter kam zum Ausdruck, daß Dr. Strese­mann Reichskanzler werden würde. Der Reichsaußenminister dementiert heute abend in dem Zentrumsblatt diese Mitteilun­gen, die von Anfang bis Ende frei erfunden seien. DieGer­mania" bemerkt dazu, Jie komme dem Wunsche Stresemanns nach, ohne zugleich zugeben zu können, daß ihr Gewährsmann, ui bellen Zuverlässigkeit sie nicht den geringsten Zweifel zu setzen brauchte, in der Sache etwas zurückgenommen hätte. Viel- leicht wären die von dem Blatte heute früh mitgeteilten Aeu- ßerungen nicht in der Fraktionssitzung gefallen, sondern in einer besonderen Besprechung, die Stresemann mit Parteifreunden gehabt -habe.

SrMmg -er Bier- unb Tabaksteuer.

Daß der dringende Finanzbedarf des Reiches eines schär­feres Anziehen der Steuerschraube notwendig machen würde, war nach den Erklärungen, die vom ReichsfinanMinisterium bereits abgegeben waren, vorauszusehen. Man konnte auch aus allen Anzeichen schließen, daß die Steuern wieder den Ver- brauch lener Senußmittel betreffen würden, die nach der vom f^lchstag anerkannten Begriffsunterscheidung zum entbehr- lrchsten Lerbrauch zu rechnen find, nämlich Bier und Tabak. Gerade bei diesen haben sich doch immer wieder der deutschen Finanzverwaltung Quellen eröffnet, die erhebliche Mehrein­nahmen zufließen ließen. Die Kehrseite der Medaille ist in der Hauptsache eine schwerwiegende Verstimmung der Verbraucher die letzten Endes doch diejenigen sind, aus deren Taschen die Deckung der Steuerschläge bestritten wird. Als im Novem-