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Nummer 54

Freitag, den 6. März 1925

L Schrsmg.

Die Ermuerfeier in DerLru.

Unter außerordentlichem Andrang der Berliner Bevölker­ung, der alle Erwartungen übertraf, wurde am Mittwoch nach­mittag Friedrich Ebert zur letzten Ruhe geleitet. War es Reugier, was die Leute trieb, oder echte innere Anteilnahme?

Um die WilhelnOrahe, Linden, Königsplatz, Budapester

Strafte und Potsdamer Platz verdichtet sich die Trauer- seler für den toten ersten Reichspräsidenten zu einem ein­drucksvollen Bild. Der Reichskunstwart hat hier eine Strafte der deren aesthetische Wirkung außeror­dentlich ist. Schwarze Obelisken flankieren die Linden von der Wilhelmstraße bis zum Brandenburger Tor. Ohm gegenüber -zwanzig hdhe Maste mit flatternden schwarzen Fahnen. Die Dichtkandelaber und Litfaßsäulen mit Lannengrün umwunden, die Lampen schwarz umflort, sodaß die blassen Stammen ge- cheimnisooll durchschimmern, wie die Augen der Guglmänner, der Leichenbruderschaften, durch die verhüllenden Kapuzen. Die Reichstagsrampe mit Lorbeerkübeln bestanden. Die Eingangs­halle zum Potsdamer Bahnhof, wo der Katafalk aufgerichtet -ist, wirkt in schwarzem Luch und Lannenschmuck wie eine Gruft. Die Zahne der'Republik, die Zahnen der fremden Gesandt­schaften, die preußischen und Berliner Farben flattern über diesen düsterschönen Straften, durch die der Leichenzug seinen Weg nehmen wird.

Deutschland geleitet seinen ersten Präsidenten würdig zum Trabe, nichts ist versäumt, was es sich als Reich, was es sei­nem Repräsentanten schuldig ist. Der stille Mann, den jäher Tod 'aus dem Leben gerissen, würde vielleicht selbst manches gegen den dunklen Pomp einzuwenden haben, der entfaltet wird vieles vor allem gegen diejenigen, die sich seine treuesten Freunde und Anhänger nennen und deren Blätter seit Tagen mit dem Namen Friedrich Ebert politische Geschäfte machen. Was soll die Behauptung, daß in ganz Berlininfolge der stürmischen Nachfrage kein schw arz- rot-goIdenes Fahnentuch zu haben sei, wenn doch der Augenschein lehrt, daß außerhalb des Straßenzuges, durch den der Kondukt seinen Weg nahm, fast nichts an Fahnen zu sehen ist? Diese strammen Verächter desByzantinismus" vor Königsthronen sind nun, da es sich um das Haupt der Republik handelt, selbst ach, so sehr der Sünde blos und entzünden einen Weihrauch, den Fried­rich Ebert, einfach und taktvoll wie er war, bestimmt nicht 'billigen würde.

Wilhelmstraße. Hier ist die Reichswehr zur Lrauerparâe augetreteu. Die Offiziere, die Brust ordenbedeckt, auch viele der Mannschaften tragen Eiserne Kreuze und unter den Stahl- Helmen die ernsten harten Züge kriegserprobter Mannschaften. Das Trauerhaus selbst ist in schlichter Form nach den Entwür- fen des Reichskunstwarts in einen Lrauerstempel umgewandelt. Die Kranzspenden waren so groß, daß ganze Berge vor dem Hause des Reichspräsidenten und in der Wilhelmistraße förm­lich aufgestapelt waren. Om Vorraum des Palais sah man auch die kostbaren Kränze der ausländischen Staatsoberhaupt ter und Staatsmänner. Der Eingang zum Palais war von vier mächtigen schwarzen Obelisken flankiert, die große Räu- -cherschalen trugen.

Om Lrauersaal selbst bildeten heute die Ehrenwache der 'Adjudant des Reichspräsidenten und ein Offizier des Reichs- 'wehrministeriums. Am Fuße des Sarges lagen Kränze der 'Gattin Eberts sowie der Kinder. Um 3 Uhr waren die Ver­treter der Reichsregierungen d. h. fämtl Minister unter Füh- tung des Reichskanzlers, die Lhefs der Heeres- und Marine- teitung, General v. Seeckt und Admiral Zenker erschienen. Daneben das gesamte diplomatische Korps, an der Spitze der Dogen der apostolische Nuntius Monsignore Pacelli. Ferner sah man die Staats- und Ministerpräsidenten der Länder, den bayerischen Ministerpräsidenten Held, den wUrttemdergischen Staatspräsidenten Bazille, den sächsischen Ministerpräsidenten Held, den hessischen Staatspräsidenten Ullrich, den braunschwei- 'gischen Ministerpräsidenten Marquart, die Bürgermeister ver­schiedener Städte, die gesamten und Reichsbevollmächtigten der »Länder, Reichstagspräsident Löbe, den preußischen Minister- Hrafidenten Dr. Marx, Generaldirektor der Reichseisenbahn Oeser, den Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht, Vertreter des -Gew erkschaftsbundes, des Reichsverbandes der deutschen On- dustrie und anderer Verbände.

Deutschland und die Sicherheit-frage.

D.B. Berlin, 4. März. (Sig. Meldg.) On den Londoner und Pariser Blättern traten in den letzten Tagen wiederholt Meldungen auf, daß die Reichsregierung in bet Sicherheitsfra- 9e in London und Paris präzisierte Vorschläge unterbreitet w I . Mie wir von unterrichteter Seite hören, beruhen diese zum großen Teil auf Kombinationen. Selbstver- der Reichsregierung und den Kabi- und Paris indirekte Besprechungen über die jedoch handelt es sich hierbei nicht um an- (Die N Vorschläge wie ausländische Blätter berichten, an $ "och wie vor zur positiven Mitarbeit der Sitberbeitofrage bereit.

Om Rebensaal hielten sich die Vertreter der ausländischen Sozialdemokratie auf, die Aerzte des Reichspräsidenten, frühere Minister, die Staatschefs und Kommandeure der Heereslei­tung, Vertreter der Bankwelt, der Presse, von Handel und Ondustrie, der Kunst- und Wissenschaft und hervorragende kirchliche Persönlichkeiten.

Um 3 Uhr betrat in Begleitung des Kabinettschefs Dr. Meißner Frau Ebert den Trauersaal, gefolgt von ihren Kin­dern, ihrem Schwiegersohn, ihrer Schwiegertochter und den -allernächsten Verwandten.

Die Feier wurde eingeleitet durch den Beethoven'schen Trauermarsch aus der Eroika. Daran schloß sich ein Ehorge- sang unter der Leitung von Professor Rüdel.

Nachdem die Köne verhallt waren, erhob sich Reichskanz­ler Dr. Luther, der die schwierige Aufgabe hatte, zugleich eine politische und persönliche Trauerrede an die Familie zu halten, da ja jede kirchliche Beteiligung fehlte. Wir haben diese Rede bereits in unter gestrige Ausgabe gebracht. Nach der Trauer» rede des Reichskanzlers spielte die Musik Karl Maria von Webers Grablied.

Danach wurde der Sarg mit den sterblichen Ueberresten zu dem vor dem Hause haltenden Leichenwagen gebracht. Der Wagen selbst ist frei und ohne Ueberdachung, schwarz behängt und mit sechs schwarzhehängten Pferden bespannt. Als der Sarg auf den Wagen gehoben wurde, begann das Traueride- file der Truppen unter Führung des Kommandanten von Ber­tin Siehr. Voran die Kavallerie Musik mit einem Kesfelpaucker an der Spitze, dann zwei Schwadronen eines Reiterregiments, hinter ihnen die badische, bayerische, preußische und württem- bergifche Onfanteriekom-pagme, Teile der Reichsmarine und schließlich unsere 2. Batterie des 5. Artillerie Regiments.

Unmittelbar hinter den Vertretern der deutschen Wehr­macht folgte der Leichenwagen, bedeckt mit der Flagge des .Reichspräsidenten. Die Angehörigen, die Vertreter der aus- tänbifeber Regierungen, Verwalter des ganzen Verwaltungs- apparates der Stadt, der großen Wirtschaftsoerbände, der Kunst und der Wissenschaft folgen.

Königsplatz. Der Wagen mit der Bahre hält, das Por­tal öffnet sich. Asichstagsprästd. Löbe, hinter ihm der gesamte Reichstag, treten auf die Rampe, wo eine Rednertribüne er­richtet ist, von der aus der Reichstagspräsident dem scheidenden Kampfgenossen letzte Worte auf dem Weg mitgibt. Hatte im Trauerhause der Vertreter einer anderen Weltanschauung ge­sprochen, so sprach hier ein Parteigenosse und Freund Eberts, und zumal gegen den Schluß der Rede zitterte seine tiefe innere Bewegung hindurch. Es war ein feierlicher Moment, als unter Trauerklängen der Musik der Sarg die Rampe emporfuhr und die Hunderttausende, die den ganzen Königsplatz bedeckten, ihre Häupter entblößten. Nach Löb's Abschiedswortsn setzte wieder die Militärmustk mit einem Trauermarsch ein und lang­sam entwickelte sich der Zug durch den Tiergarten hindurch zum Potsdamer Bahnhof hin.

Potsdamer Platz. Pechpfannen brennen und schwelen vor der Treppe, an deren Fuß ein riesengroßer, mit den Farben der Republik geschmückter Kranz lehnt. Die Zeit schreitet vor, das Publikum wird ungeduldig. Auf dem kurzen Wege, den der Kondukt durchfährt, hat die Menge kaum Platz, die Sa­nitäter haben viel Arbeit, Frauen und junge Mädchen, des lan­gen Stehens nicht gewohnt, müssen zu den Sanitätsstationen getragen werden. Endlich, es ist schon fünfeinhalb Uhr, hört man dumpfe Trommelwirbel, Langsamen Schrittes kommt der Trauerzug durch die Budapester Strafte heran. Das Trom- peterkorps der Reiterregimenter, das den Zug eröffnet, ist schon weit in der Königgrätzerstraße verschwunden, als der braune Eichensarg, den die gelbe Flagge des Reichspräsidenten deckt, am Fuße der Treppe anlangt. Dort wird er auf den bereit­stehenden Katafalk gehoben, und steht nun eine Stunde, dem letzten Gruß der Berliner Bürger erwartend, vor seiner Ab­fahrt in das Trab seiner Heimatstadt.

Ein Leben und ein Schicksal hat sich vollendet, . . Der unmilitärische erste Präsident des Deutschen Reiches ist durch die vornehmste Stütze jedes Staates, durch die Vertreter seiner Wehrmacht auf dem letzten Gang geleitet worden ....

MmbatSntederleg. v. Papen u. Lönark?

D.B. Berlin, 4. März. (Sig. Moldg.) Entgegen anders lautenden Meldungen hören wir, daß bisher von den Abgeord­neten des Zentrums, von Papen und Lönartz, keine Mitteilung weder dem Büro des Landtages noch der Zentrumsfraktion zu­gegangen ist, daß sie ihre Mandate niedepgelegt haben. Die Zentrumsfraktion des preußischen Landtages hat auch ihre Auf fovderung an die beiden genannten Abgeordneten, ihre Manda­te niederzulegen, nicht ?u rückgenommen,

Der Zentrumsabgeordnete Baumann, der zuletzt noch gegen das Vertrauensvotum für das Kabinett Marx gestimmt hatte, hatte sich jetzt bereits erklärt, in Zukunft mit der Fraktion n stimmen.

Btisetzungsfeieriichkeiteu des RMs- vrâsidenten in Heidelberg.

wb. Heidelberg, 5. März. Die Beisetzung der sterblichen Ueberreste des Reichspräsidenten Friedrich Ebert ist bei unge­heurer Beteiligung in den schönsten und wirkungsvollsten For­men ohne jede, Störung verlaufen. Am Grabe sprachen der badische Staatspräsident Dr. Hellpach, Oberbürgermeister von Heidelberg Dr. Walz, 'Abg. Hermann Müller namens der so­zialdemokratischen Parteifreunde Eberts, Abg. Leipart namens der großen Gowerkschaftsverbände und des Onternationalen Sewerkschaftsverbandes, sowie Stadtpfarrer Hermann Maas- Heidelberg. 10 Minuten, nach dem Gebet des Geistlichen wur­de die Leiche Friedrich Eberts in die heimatliche Erde versenkt, der er in so rührender Treue und Anhänglichkeit zugeneigt war, und der klassische Boden Alt Heidelbergs ist um eine na­tionale Weihestätte reicher. Wenige Minuten vor 12_Ubr -als die Trauerfeier ihren Höhepunkt erreichte, brach die Son- ue durch und beleuchtete ein Bild, wie es würdiger und ein- brucksDoUer wohl niemals eine Trauerfeier bargeboten hat. Die Haltung der ungeheuren Menschenmenge war mustergültig.

wb. Heidelberg, 5. März. Schon in den frühesten Mor­genstunden fluteten gewaltige Menschenmassen aus der näheren Umgebung nach Heidelberg, um sich in der einzigen Strafte, die der Trauerzug passiert, der Rochbacherstraße, einen Platz zu sichern. Um 6,51 Uhr lief der erste Sonderzug aus der Rich­tung Mannheim ein und nun folgen in ganz kurzen Abständen immer weitere Züge, die beständig neue gewaltige Menschen­massen auf den so winzigen Bahnhofsplatz ausspeien. Sin Sonderzug aus der Reichshauptstadt brachte eine stattliche Anzahl Berliner Pressevertreter, ein um 9 Uhr 5 aus Karls­ruhe einlaujender Zug die Mitglieder des badischen Landtages sowie der Stadtverwaltung Karlsruhe und zahlreiche höhere Staatsbeamte, nachdem schon vorher aus Darmstadt die Ver­treter der hessischen Regierung und des hessischen Landtags­präsidiums eingetroffen waren.

Onzwischen hatte sich der Trauerzug in drei Teile geordnet die in der Plöck gegenüber der Ausgangshalle und der an- schließnden Rohrbacherstrahe sowie Ludwigstraße Auf­stellung nahmen. Auch die Spalierb Sung in der Rorhbacher- straße durch Schulen, Vereine und das sehr zahlreich vertretene Reichsbanner schwavz-rot-gold war bereits kurz nach 8 ein­halb Uhr vollzogen. Ehrfürchtiges Schweigen der auf dem Bahnhof versammelten Bevölkerung kündigte um 9 einhalb Uhr das Einlaufen des Sonderzuges mit der Leiche des Reichs Präsidenten an. Wäyrend dis Anwesenden die Häupter ent­blößten, wurde der Sarg in feierlicher Weise von Reichswehr- offizieren übernommen. Die Pechflammen auf den Pylonen loderten auf und weihevoll zogen die Klänge des Ehorals:Be­fiehl Du Deine Wege" über den Bahnhofsvorplatz. Das machtvoll einsetzende Konzert aller Kirchenglocken zeigte den in den benachbarten Straften Wartenden an, daß der Zug sich nunmehr in Bewegung gesetzt hat. Eröffnet wurde dieser von einer^Abteilung berittener Schupo, dann folgten die Freiwil­lige Feuerwehr von Heidelberg mit ihrer Musikkapelle, Ge­sangvereine, studentische Korporationen, Abordnungen der Ver­eine mit ihren Fahnen, starke Abteilungen des Reichsban­ners Schwarzrotgold und eine Kapelle freiwilliger Polizeimu- fiker. Eine überwältigende Fülle kostbarer Kranzspenden, die dem Sarge vorangelragen wurden, gaben Zeugnis von der Liebe und Verehrung, die dem Reichspräsidenten auch über das Trab hinaus entgegengebracht werden.

Dem Leichenwagen folgten zunächst die näheren Angehö­rigen des Reichspräsidenten mit dem Oberbürgermeister der Stadt Heidelbierg, Reichskanzler Dr. Luther und Reichswehr­minister Dr. Tetzler, denen sich zahlreiche Vertreter außerdeut- scher Regierungen, der Länderregierung, Vertreter des Reichs tag und Landtags, der Stabtrat von Heidelberg, die Rektoren und Senatoren der badlfchen Hochschulen in vollem Ornat so­wie zahlreiche Vereine anschloffen, während den Abschluß des Zuges wiederum eine Gruppe berittener Schupo bildete.

Nur ein Teil des mächtigen Zuges konnte auf dem Fried­hof Ausstellung nehmen, nur ein noch geringerer Teil konnte sich um die Grabstätte scharen, der gegenüber die Heidelberger Sänger auf einer großen Tribüne Aufstellung genommen hatten. Händels gewaltiger Trauermarsch aus dem Oratorium Saul leitete die Friedhofsfeier ein und ergreifend folgte ihm, vorge­tragen vom Heidelberger Sängerbund das Sanktus aus der deusschen Messe von Schubert. Sodann trat der badische Se- natspräfibent Dr. Hellpach an das Grab, um im Namen des Reichsrats und des Landes Baden zu sprechen.

Oberbürgermeister Dr. Wälz-Heidelberg entbot dem Ver­storbenen die letzten Grüße seiner Vaterstadt. Reichstagsabge- ordneter Müller-Franken rief dem verstorbenen langjährigen Freunde Abjfchiedsgrüße nach und hob den schweren Verlust hervor, den auch die sozialdemokratische Partei durch das Hinscheiden des Reichspräsidenten erlitten habe. Nach einem vom Arbeiter-Sängerbund oorgetragenen Männerchor:Ein Sohn des Volkes" von Pfeil sprach Stadtpfarrer Dr. Maas den Angehörigen des Reichspräsidenten Worte des Trostes zu.