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-immer 55.

Das Neueste.

Für die Volksgemeinschaft Für den Ständefrieden

Samstag, den 7. März 1925.

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2. Zahrgang.

wHiw Wschenrundschau.

Die nächsten Aufgaben des Reichstages

wtb. Berlin, telef. Der Ältestenrat des Reichstages wird am Samstag vormittag zu einer Sitzung zusammentreten. 5n .dieser Sitzung wird er sich über den Termin für die Wahl des Reichspräsidenten, der vom Reichstag zu bestimmen ist, und über das Gesetz wegen der Ueberanhme der Kosten der Lrauer- seierlichkaiten für den verstorbenen Reichspräsidenten, sowie über die Frage ob mit Rücksicht auf die Wahl des Reichsprä­sidenten eine Vertagung des Reichstagsplenum angezeigt sei, schlüssig werden. Außer Zusammenhang mit der Frage einer Vertagung des ^Reichstages, sicht die Angelegenheit der Lr- tedigung des Reichshaushaltsplanes, die Ginnahmen aus den neuen Steuern, die selbst noch bis zur Erledigung geraume Zeit in Anspruch nehmen, müssen in den Haushaltsplan für das neue Sahr augerechnet werden. Ls ist zu erwarten, baß alle diese Arbeiten vom Reichstag nicht vor dem 1. April bewältigt werden können. Aus diesem Grunde wird ein sogenanntes Not-Etat notwendig werden.

Die Streikbewegung bei der Reichsbahn.

wtb. Bertin, 6. März, telef. Wie die Blätter zu der Streikbewegung bei der Reichsbahn melden, sind die Gewerk­schaften aller Richtungen bemüht, solange die BerhaMnugen «mit der Reichsverwaltung schweben, die Ausbreitung des Streiks der Lisenbahnarbeiter zu verhindern. Lie haben je­doch den Bezirkleitern in den Streikbezirken die Anweisung erteilt in die Streikleitung einzutreten, falls ein Ausstand nicht zu verhindern sei. Sie wollen damit unter allen Umständen »verhüten, baß die Streikbewegung in ein radikal politisches Fahrwasser gerät. Heute nachmittag findet eine neust Konfe­renz der Geiverkschaften statt, die sich mit der Vorbereitung der auf morgen angesotzteu Berhaudlnng mit der Reichsbahn- verwaltung beschäftigen soll Zu den Hauptforderungen der Streckenden gehören: eine Lohnerhöhung von 6 Pfennig die Stunde, die Herabsetzung der Arbeitszeit von 9 auf 8 Stunden Die Beamtenschaft lehnt vorläufig jede direkte und indirekte Unterstützung der Streikenden ab.

wtb. Berlin. Liner Blättermeldung aus Dresden zufolge, hat das sächsische Volksbildungs-Ministerium den Lehrkräften, den Schülern und Schülerinneu aller Schulen das- Tragen von Abzeichen jeder Art im Schulgebäude, auf dem Schulwege unb bei allen Veranstaltungen der Schule verboten.

DB. Berlin. Der Auswärtige Ausschuß des Reichs­tages wird voraussichtlich am Mittwoch nächster Woche ein­berufen werden, um außenpolitische Fragen zu besprechen, ins­besondere das Licherheitsproblem. Reichsaußenminister Dr. Stresemann wird in dieser Sitzung vertrauliche Mitteilungen machen.

- wtb. Dresden, totes. Die Pressestelle der Reichsbahn- Direktion teilt mit: 3m Laufe der vergangenlen Nacht hat sich die Ltrciklage im Bezirk der Reichsbahndirektion Dresden nicht wesentlich verändert. Die Zahl der Streikenden ist etwas «angewachsen. Durch den Zutritt der Arbeiter auf den Bahn­höfen Zittau und Freiberg und durch die Heranziehung von Ersatzkräften ist der Güterverkehr überall aufrecht erhalten worden. Auch auf den großen Berschiebebahuhöfeu ist der Zu- und Ablauf der Güterzüge durchaus befriedigend. Der Personenverkehr nach hier hat wie vor keine Beeinträchtigung «erfahren.

wtb. Breslau. Sn der Nacht zum Freitag beschlossen, wie derVolkswart" meldet, die Funktionäre des deutschen iLrsenbahuerverbandes Ortsgruppe Breslau und Umgegend, den Streck ab Samstag früh 6 Uhr für sämtliche Bahnbetrijebs- ^erke, Süterbödon und Vahnunterhaltungen. Die Forderungen der Eisenbahner sind: Wiedereinführung des 8 Stundentages, Lohnerhöhung, Aenderung der Disnstdäuervorschriften, Äuf- Hebung der personalbauverordnnng. Sm Laufe des Tages finden Berhandlungen der Reichsbahndirektion Breslau, der Breslauer Behörden und der übrigen Eisenbahnerorganisatio-

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1500 VrauierÄarbeiter ausgesperrt.

wtb. München, 6. März. telef. Heute sind diejenigen Brauerei-Arbeiter, dre sich geweigert hatten, die gesetzmäßige Arbeitszeit einzuhalten, von den Vrauorein ausgesperrt wor­ben. Von der Maßnahme werden etwa 1500 Brauereiarbeiter betroffen, was etwa 80% der gesamten Arbeiterschaft aus-

Dio Londoner Stadtratswahlen.

London, telef. Die um Mitternacht bekanutgegebe- der gestrigen Stadtratswahl, weisen für die Gewinn von 9 Sitzen, für die städtischen «auf. PpL" "der Konservativen einen jochen von einem Sitz Prögresisten 7 dicher 60 Sitze, die Arbeiterpartei 25 und

Begraben will ich Eäsar, nicht beweinen. Aufrichtiger als Marc Anton können wir das jagen, wenn wir jetzt an Friedrich Eberts letzter Ruhestätte stehen. Er persönlich ist gewiß nicht zu beklagen, sondern zu beneiden. Das Leben hatte ihn von einer der untersten Stufen auf die höchste Hinaufge- hoben. Aber den Wiederabstieg hat es ihm erspart. Der einstige kleine Handwerker ward wie ein König zu Grabe ge­tragen. Sa, wir erleben noch Märchen im Zeitalter des Autos und des Rundfunks. Und das Märchenhafteste an dem Schick­sal Eberts war, daß er Führer der größten Partei und Präsi­dent des Deutschen Reiches geworden ist nicht als Schwätzer und Demagog, sondern als ruhiger, fleißiger Arbeiter, als Verkörperung des gesunden Menschenverstandes. Kann das nicht, trotz allem, mit der Politik aussöhnen. Wie Eberts Leben und Wirken sich nach dem 1. 5uli gestaltet hätte, wenn er gesund davongekommen und in das Parteileben zurückge­treten wäre, das kann man sich kaum ausmalen. Als Anführer einer wilden Opposition gegen das Kabinett Luther vermag man ihn sich nicht vorzustellen. Manchem der soziallstischeu Gernegroße dürfte ganz heimsich ein Stein vom Herzen gefallen sein, als die Rückkehr Eberts ausgeschlossen war. Denn der hatte sich, wie derVorwärts" meint, dem Parteileben ent­fremdet. Und gibt es etwas Höheres als das Parteileben . .? Den tapferen Noske hatte man schon abgeschoben wäre es dem tüchtigen Ebert vielleicht ebenso ergangen? Begraben will ich Eäsar, nicht beweinen.

Manchem Deutschen ist wohl erst aus den Beileidskund­gebungen der gekrönten und ungekrönten Häupter der Welt fo recht klar geworden, daß Friedrich Ebert wirklich das inter­national anerkannte Oberhaupt des Reiches gewesen ist. Als solchem wurden ihm die Ehrungen des Auslandes zuteil und ebenso die Würden des j^mcyen Leichenbegräbnisses. Die Sozialdemokraten haben der Monarchie nie in der menschlichen Freiheit gegenübergestanden, die sie jetzt an der Bahre Eberts von den Antivepublikanern verlangten. Aber uns wird die Unvoreingenommenheit auch dadurch erleichtert, daß dieser Reichspräsident, dessen Amtszeit zu Ende ging, der Letzte von den revolutionären Großwürdenträgern im Reiche war. Das Schicksal das manchmal recht ironisch sein kann, hat ihn ge­nötigt, zum Schluß ein Kabinett mit Deutschnationalen zu er­nennen. Und für diese liegt wieder eine Bosheit des Geschicks darin, daß die den plötzlich im Amt Gestorbenen ganz anders feiern mußten, als wenn er im 3uli still zur Seite getreten wäre Aber nur dem deutschen Parteigeist gilt das als hart. Wären wir weiter in der Entwicklung, dann würden wir hier nicht von 3rome, sondern von echtem Humor sprechen und allerlei schöne Hoffnungen an die menschliche Annäherung der Partei-

Sem Mußtschtn Landtag.

Während der Reichstag noch trauert, hat der Landtag be­reits die Arbeit wieder ausgenommen. Er begann mit dem landesüblichen Kommunistenkrach. Herr Pieck, der in der Erauensitzung am Dienstag durch vorzeitigen Sitzungsschluß am Reden verhindert worden war der Aeltestenausschuß hat sich stundenlang mit diesem Fall beschäftigt, rächte sich durch wüste Schimpfreden auf Ebert. Die Republikaner verließen den Saal. Dann folgte, nach einem Vorpostengefecht der Mar­xisten gegen die Erhöhung der Pfarrergehälter, die Ausspra­che Uber das Dortmunder Grubenunglück. Zweiter Aufguß der Reichstagsdebatte. Fesselnder find die Vorgänge hinter den Kulissen. Das Zentrum hat den vergeblichen Versuch ge­macht, die Wahl des Ministerpräsidenten hinauszurögern bis nach der Wahl des Reichspräsidenten. Nur damit Herr Marx Nicht etwa beschäftigungslos wird? Bisher hatte man doch solche Eile, daß man es nicht zu ruhigen Verhandlungen kom­men ließ. Und ein zweites pikantes Faktum: Herr Severing, den derVorwärts" krank geschrieben hatte, meldet sich wie­der gesund. Er will doch Innenminister bleiben! Sonderbar.

Zweimal wüßten?

So fragt dieGermania", indem sie auf die weit auseinan­derliegenden Termine 29. März und 26. April für die beiden Wahlgänge der Präsidentenwahl hinweist. Viel besser wäre es doch in jedem Betracht, wenn gleich am ersten Tage der neue Reichspräsident aus der Urne stiege. Das ist gewiß richtig. Und ebenso klar ist die Absicht derGermania", mög­lichst frühzeitig eine Einigung auf einen Zontrumskandidaten herbeizuführen. Ob es allerdings denkbar ist, für einen Kan­didaten die absolute Mehrheit aller abgegebenen Stimmen zu gewinnen, wie es im ersten Wahlgang erforderlich wäre, das muß als recht fraglich erscheinen. Von den über 30 Millionen die bei der letzten Reichstagswahl abgegeben wurden, hatten Sozialdemokraten, Demokraten und Zentrum zusammen knappe '14 Millionen, die Kommunisten 2,7 und die anderen Parteien den Rest von 13,3 Millionen. Die Kommunisten könnten also den Flusses)lag geben, doch schalten sie sich ja selbst aus, da sie

gegner knüpfen. Das hätte dann neben anderem auch ben Vorteil: daß die Welt uns nicht allesamt für Löwen hielte, bloß weil etliche unter uns gern ein Löwenfell umhängen. Man zittert da draußen vor ängstlicher Neugier, ob nun bei der Präsidentenwahl die Monarchie oder die Republik siegen wer- d. Und wenn wir erklären wollten, daß es darum garnicht gehe, so würde man uns das nicht giavben. Wo doch sogar die deutsche Dömokratenpresse die Republik für gefährdet erklärt. Sa, wer erkennt denn klar, daß dies nur ein Rettungsring ist, den die Partei sich selbst hingeworfen hat? Millionen, die mau zur Rechten zählt, wäre gewiß eine nationale Republik lieber als eine schlappe Monarchie.

Auf den 29. März ist der erste Gang der Reichspräsiden- tenwahl angesetzt. Die Parteien denen an der Republikals solcher" mehr gelegen ist als an ihrer nationalen Haltung, wer­den es als eine besondere Tücke empfinden, daß gerade in diese Zeit das' schmähliche Spiel mit dem Kontrollbericht und der Nichträumung der Kölner Zone fällt. Zu diesem Vetrugs- manöver gehört die Mitwirkung des Marschalls Zoch, dessen Gutachten nun plötzlich fertig geworden ist und nach dem Wil­len der Zranzosen eine größere Rolle spielen soll, als den Engländern lieb zu sein scheint.

Solche Geister kann man nicht nach Berlin rufen und wie­der loswerden. Der Mann, dessen ganzes Streben nach der militärischen Rheingrenze geht, wird natürlich spielendbewei­sen", daß Deutschland ewig eine Gefahr für das arme, friedfer­tige Frankreich sei.

Wichtiger wäre es ja eigentlich, die Klugheit einer Po­litik darzutun, die ein Jo gefährliches Tier täglich bis aufs Blut reizt. Aber nach einem solchen Beweis ist in der Welt keine Nachfrage. Eher interessiert man sich noch für die scharf­sinnigen Methoden, durch Zwirnsfäden wie Sicherheits­pakte, Genfer Protokolle oder Vöckerbundsmätzchen das europäische Ehaos einzujchnüren. Federmann weiß, daß solche Bedingungen nur gelten rebus sic stantibus, d. h. bis zur ersten kleinen Erschütterung des gewaltsam konstruierten, höchst la­bilen Gleichgewichts. Allein man muß sich doch irgendwie die Zeit vertreiben. Und es ist gewiß nicht zu tadeln, daß die Reichsregierung sich höchst bierehrlich an diesen Erörterungen beteiligt, statt den Schein auf sich zu laden, als ob sie es mit der Zriedenssicherung nicht ebenso ernst nehme wie die an­deren. Da streiten sich die Russen heftig mit den Zranzosen um die Wrangelflotte, die, stark verwahrlost, in Bizerta liegt; da erhöht Polen, der Vasall Frankreichs, plötzlich mit drohen­der Gebärde seinen bereits übernatürlichen Rüstungsetat. Aber wenn die offizielle Leier gestimmt wird, dann ertönen nur Zrie- denslieder. Muvdus vult decipi.

nur für ihrenFührer" Thälmann stimmen werden. Sollen 'nun die anderen Parteien auch zum ersten Wahltag, jede für sich, ihreZählkandidaturen" aufstellen? Das wäre überflüs­sig, weil ja die ungefähre Anhängerzahl der Parteien zur Ge- 'nüge bekannt ist, und auch recht unpraktisch insofern, als die im ersten Wahl gang herausgekommene größte Zahl leicht einen gewissen suggestiven Einfluß auf die Wähler ausübt. Ferner kann man die Wahlbeteiligung sehr schwer im Voraus ab­schätzen, sodaß Ueberraschungen nicht ausgeschlossen sind, wenn im letzten Augenblick eine Sammelkandidatur auftritt. Wir 'empfehlen daher dringend die sofortige Aussprache und Ei­nigung der Parteien, die am Ende zusammengehen wollen. Durch Abkehr vom engen Parteiwesen und großzügige Be­handlung der Präsidentenfrage lassen sich jetzt im deutschen Volk moralische Eroberungen machen.

Llußer der Kandidatur Thälmann ist noch keine aufgestellt. Die Sozialdemokraten sind offenbar in schwerem Druck. Was sst weniger blamabel für sie: von vornherein auf einen roten Kandidaten zu verzichten oder im zweiten Wahlgang ihn fallen zu lassen? Denn die Zeiten für einen sozialistischen Reichsprä­sidenten sind vorüber. Die Rolle eine Durchfallkandidaten ge­hört nun nicht zu den erfreulichsten. Herr Loebe, der Reichs- tagspräsident, hat sie (unter der Vorspiegelung großer Beschei­denheit) mit sehr energischem Dank abgelehnt, muß sich aber dafür einen Anpfiff desVorwärts" gefallen lassen: Diszi­plin gehe über Bescheidenheit. Noch merkwürdiger ist die 'in den Kreisen derNationalliberalen" aufgetauchte 3dee, den 'ehemaligen deutschen Kronprinzen als Durchfallskandidaten 'fungieren zu lassen. Gedacht war die Sache wohl so, daß er von keiner Partei aufgestellt werden, sondern scheinbar aus der spontanen Volksstimmung heraus eine Anzahl Stimmen echal- ten sollte. Diesen Plan hat nur dieFenaische Zeitung" durch 'einen mehr gutgemeinten als klugen Artikel durchkreuzt, und man täte gut, schleunigst ganz darauf zu verzichten. Entweder

oder! Eine heimliche Zählkandidatur des Kronprinzen wür de dem monarchischen Gedanken mehr schaden als nützen. Die Linke würde sich über die verhältnismäßig geringe Zahl der Stimmen luftig machen. An eine offizielle Kandidatur des Gchloßherrn von Oels denken aber auch die.Deutschnationalen mit Recht vorläufig nicht.