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Nummer 58

Mittwoch, den 11. März 1925

2. Mrsans.

Völkerbundstagung u. Sicherheitsttage

Beginn der Tagung. Chamberlain und Herriot nicht einig. Die deutsche Sitgrenze. - Protest der Deutschnationalen gegen die Geheimhaltung der Vorschläge.

D.B. Genf, 9. März. 3 m Laufe des Montags find hier die an der Tagung des Völkerbundsrates teilnehmenden aus- wärtigen Delegationen eingetrofjen. Heute vormittag um 11 Uhr nahm die Tagung des Völkevbundsrgtes ihren Anfang in einer vertraulichen Sitzung unter Vorsitz des englischen Außen- Ministers Thamberlain. Es wurden lediglich eine Anzahl finan­zieller und Verwaltungsfragen erledigt. Die nächste Sitzung findet morgen vormittag um 11 Uhr statt.

Die wichtigste Arbeit wird zweifellos hinter den Kulissen er­ledigt werden. Gerüchten zufolge Jollen bereits Differenzen zwischen den militärischen und juristischen Sachverständigen in der Frage der Kontrolle Deutschlands und den Staaten der früheren Mittelmächte entstanden sein. Lin von den militäri­schen Sachverständigen den juristischen Experten unterbreitete geheimes Protokoll, in dem feste Schlußfolgerungen zum Aus­druck kommen, soll nicht die Zustimmung der letzteren gefunden haben. Dadurch würden nun langwierige Verhandlungen ent­stehen.

Der englische Außenminister Lhambevlain wird seine große außenpolitische Rede in der Ratssitzung am Mittwoch halten, die die Richtschnur für die dann folgenden Verhandlungen bil­den wird. Am Donnerstag und Freitag wird die Danziger Frage beraten.

Die Meinungsverschiedenheiten in der Sicherungsfrage.

D.B. Paris, 9. März. (Gig. Meldg.) Ueber das Lrgeb- ms der Pariser Besprechung des englischen Außenministers Lyam-ettalus und Herriot in der Sicherheitsfrage bringen die Blätter zahlreiche Kombinationen. Allgemein geht aus den Kommentaren der Presse hervor, daß eine Linigung zwi­schen London und Paris nicht erfolgt ist. Line Linigung habe man lediglich erzielt darüber, daß Deutschland nur dann an ei­nem Gicherheitspakt teilnehmen könne, wenn es dem Völker­bund an gehöre. Beim Eintritt in den Völkerbund dürfe Deutschland keine Vorrechte genießen und keine Vorbehalte machen. Frankreich und England treten für die Wiederwahl des Franzosen Raull z. Präsidenten der Regierungskommission des Saargebiets ein. Weiter sei man darüber übereingekom­men, daß die Frage eines Sicherheitspaktes nach den notwendi­gen diplomatischen Unterhaltungen in einer interalliierten Kon­ferenz besprochen werden solle. Die Deutschen sollten dann auf­gefordert werden, im Laufe dieser Konferenz Vorschläge zu un­terbreiten.

wb. London, 10. März. Der diplomatische Berichterstatter des Däilg Telegraph erklärt die Nachricht, daß Thamberlain bereits in der einen oder anderen Art einem Pakt zugestimmt habe, für unbegründet. Wie verlaute, sei die belgische Haltung gegenüber den deutschen Vorschlägen vorsichtig, aber keineswegs ablehnend. Belgien befinde sich nicht in derselben schwierigen Lage wie Frankreich gegenüber seinen östlichen Alliierten, sodaß das Hauptinteresse der Belgier in einer Garantie durch Groß­britannien liege, sei es mit oder ohne die gegenseitige Garantie Deutschlands, die, wie zugegeben werde, von moralischem Vor­teil sein könnte. Die Regierungen der Dominions seien fra- türlich über die deutschen Vorschläge unterrichtet wordn, man wisse jedoch noch nicht bestimmt, wie sie sich dazu stellten.

wtb. London, 10. März. Der Genfer Berichterstatter der Morning Post schreibt, die Verschiebung der Erörterung über das Protokoll werde zwar halbamtlich mit der Abwesenheit des belgischen und des schwedischen Vertreters begründet, sei jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach auf den Wunsch Lhamber- lams zurückzuführen, den Standpunkt Frankreichs und Polens gründlich kennen zu lernen, bevor er seine bedeutsame Erklärung abgebe.

Bon London über Paris nach Genf.

das deutsche Sicherungsangebot, das ja nicht in der Form eines großen diplomatischen Schrittes vor sich gegangen ist, son­

Aas Neueste.

Der Liseubahnerstreik.

wtb. Berlin, 10. März. telef. Die Lage im Lisenbahnar- deiterstreik hat sich in den letzten 24 Stunden nicht wesentlich geaiwert. Es ist nur eine ganz geringe Zunahme zu verzeichnen. üerlin ergab sich keine Vecänd >r mg. Die Zahl dec StreU 791 dE Groß-Berliner Güterböden beziffert sich auf * cJ^^*^ Gilstückgutverkehr erfuhr keine Beeinträch- h " Gesamtzahl der Streikenden belief sich gestern dfifonk i 6^° b® âer Sesamtbelegschaftsstärke von 430 000 Öen bet' A t^èr' ^^eu ist dabei allein mit 5 400 Streiken-

dern das eine die Möglichkeit überprüfende schriftliche Rieder­legung vorangegangener ebenfalls stark unverbindlicher münd­licher Gespräche darstellt, bildet )m Zusammenhang mit der Reise des englischen Außenministers den Gegenstand lebhaftester Auseinandersetzungen. Atan geht wohl nicht fehl, wenn man andeutet, daß, geistig wenigstens, der Wesenskern des deutschen Angebotes aus London stammt. Der Aufenthalt Ghamberlains in Paris ist mit dem üblichen Mantel offiziöser Beschwichtigung überdeckt worden. Es läßt sich nicht leugnen, daß auch durch die deutschen Vorschläge wenigstens vorübergehend die Führ­ung in der Gestaltung der Sicherheitsfrage von Paris stark nach London hinübergeglitten ist. Deutschland hat in seiner Re- visionsforderung der Oft grenzen nicht sich gegen den Versailler Vertrag gewendet, sondern den Artikel 19 des Bölkerbuudsta- tutes herangezogen. Damit ist die Allgemementwicklung aber auf der anderen Seite in eine gefährliche Strömung geraten.

Es liegt nahe, daß die Ententemächte nunmehr mit Nachdruck von Deutschland den Verzicht auf die Vorbehalte gegen den Eintritt in den Völkerbund verlangen werden, daß also Deutsch land nicht die Garantien exhAt, die -es beansprucht. Wenn man vonVorzugsbehandlung" Deutschlands redet, so geht diese Formulierung am Kern der Dinge vorbei, wie kürzlich ja einem Vertreter des Völkerbundes gegenüber schlagend dargelegt mürbe. Deutschland befindet sich als völlig entwaffnete Macyt den übrigen Mächten gegenüber in einer keineswegs gleich zu be­wertenden Lage. Es wünscht keine Vorzugsbehaudlung sondern Gleichberechtigung und Anerkennung seiner tatsächlichen Be- deutuug. Es istauziurehu^g, -dap ThaMverlam in Paris in Aussicht gestellt hat, auf dem neuen Wege Deutschland mit gebundenen Händen in Völkerbundspferch zu führen. Es ist immerhin möglich, daß der Weg nicht nur des englischen Außen­ministers sondern auch der politischen Lntwicklung von Lon­don über Paris nach Genf führt. Hier ist für Deutschsan- größte Vorsicht am Platze.

Um die Revidierung der deutschen Ostgrenzen.

D.B.Berliu, 9. März. (Eig. Meldg.) Auf das deutsche Memorandum über die Vorbehalte bezüglich des Eintritts in den Völkerbund haben nunmehr alle Staaten, außer Brasilien geantwortet. 3n diplomatischen Kreisen hält man es jedoch für unwahrscheinlich, daß der Völkerbund sich schon in den aller­nächsten Lagen mit der Frage der Zulassung Deutschlands be­schäftigen wird. Vielmehr wird diese Tagung, wie wir aus diplomt. Kreisen erfahren vorerst die Frage des Licherheitspro- blems und die deutschen Vorschläge prüfen. Es verlautet, daß die belgische Regierung den Vorschlag machen will, die Frage der Ostgrenzen Deutschlands vorläufig aus der Erörterung des Sicherheitsprogramms auszuschalten und daß hierüber gegen­wärtig ein lebhafter Meinungsaustausch stattfindet. 3n deut­schen Regierungskreisen glaubt man, daß über die Militär- kontrolle und ihr abschließendes Ergebnis vorläufig keine wei­teren Erörterungen stattfinden werden, solange nicht das Li- cherheitsproblem zu einer gewissen Klärung gelangt ist.

Für Bekanntgabe der deutschen Vorschläge.

D.B. Berlin, 9. März. (Eig. Meldg.) in der Sitzung des Auswärtigen Ausschusses am Mittwoch wollen die dontschna- tionalen Vertreter gegen die Geheimhaltung der deutschen Si- chevheitsvorschläge protestieren. Wie wir aus parlamentari­schen Kreisen erfahren, hat sich in der Deutschnationalen Volks- partd eine lebhafte Mißstimmung gegen die Methoden in der auswärtigen Politik der Reichsregierung geltend gemacht und mit Rücksicht daraus wird im Auswärtigen Ausschuß gefordert werden, daß die amtliche Propaganda gegen die französische Verleumdungs-Lampagne mit Nachdruck ausgenommen wird, und daß auch in der Kriegsschuldfrage entscheidende Schritte unternommen werden.

mtb. Dresden, 10. März. telef. 3n dem heutigem Bericht der Reichsbahndirektion über die Streiklage heißt es:Die Zahl sämtlicher Streikenden im Direktionsbezirk Dresden be­trägt heute morgen, nach den in der Nacht eingogangenon dienstlichen Meldungen, 5 378. Für den Schutz der ständig an Zahl zunehmenden Arbeitswilligen ist in jeder Weise gesorgt. Die gestrigen Streikversammlungen und Demonstrationszügo sind ruhig verlaufen. Der Personenverkehr wird ohne Ein­schränkung durchgeführt. 3n dem Güterverkehr ist eine gewisse Entlastung durch die Umleitung von Zügen und die ausgiebige Heranziehung von Aushilfsarbeitern eingetreten.

wtb. Berlin, 10. März. telef. Wie die Blätter melden, siu- vergangene Nacht zwischen Elbe und Oder reichliche Schnee- fMe in dem deutschen Mittelgebirge niedergegangen, sowie auf

dem Riesen- und Fichtelgebirge. Es herrschen 10 bis 12 Grad Kälte. Von der Zugspitze werden 23 Grad und vom Säntis 18

Grad Kälte gemeldet.

Dr. Marx wieder zum Mimsterpräsidenteu gewählt.

wtb. Berlin, 10. März. telef. Bei der Wahl des Mini­sterpräsidenten wurden im ganzen 443 Stimmen abgegeben. Da­von erhielt Dr. Marx 232 und ist somit gewählt.

wtb. Berlin, 10. März. telef. Bei der Nachprüfung des Wahlergebnisies der heuügen Ministerpräsidentenwahl im pren ßifchen Landtag wurde festgestellt, daß im ganzen 443 Stimmen abgegeben wurden. Davon war 1 ungültig. Es haben erhal­ten: Dr. Marx 222 (nicht wie zuerst verkündet 232), Dr. von Richter 151 (nicht wie zuerst verkündet 141) Pieck (Kom.) 42, Ladeudorff (Wirtschaftliche Vereinigung) 16 Stimmen unö Koerner (nat. soz.) 11 Stimmen.

DasReichsbanner" und die Präsidentenwahl.

wtb. Magdeburg, 10. März. telef. Der Bundesvorstan­des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold hat beschlossen den Bundesvorsitz enden Oberpräsident Hoersiug nach Berlin zu ent senden, um dort mit den Vorständen des Zentrums, der Demo­kraten und den Sozialdemokraten die Möglichkeit einer gemein­samen republikanischen Kandidatur für die Reichspräsideutschaft zu besprechen.

Reue Goldaukäufe?

wtb. Aewgork, 10. März. telef. (Funkspruch). Die New- gorker Times berichtet, daß Deutschland beabsichtige weitere Goldbestände im etwaigen Betrage von 50 Millionen Dollar ge­gen den Verkauf von Handelswechfeln, anderen Sicherheiten und Dollarnoten anzukaufen.

Der gtMinsmm MUdentschafts- tanöibat?

Ein demokratischer Vorschlag. Die Rechtsparteien nicht abgeneigt.

Me Demokratische Reichstagsfraktion hat folgendes Schrei­ben an die Deutsche Zentrumspartei, an die Deutschuatiouale Partei, an die Deutsche Volkspactei, an die Vagerische Volks­partei, an die sozialdemokratische Partei und an den Sfaafs- minister a. D. v. Loebell-Berliu als dem Vorsitzenden des Aus- schuffes der Rechtsparteien gerichtet:

Die Voravbeiten zur Reichspräsidentenwahl lassen erken­nen, daß die Gefahr einer erneuten Aufreißung der alten ver­hängnisvollen Klaffengegenisätze täglich wächst. Eine Wahlbe- wegung, in der eine größere Anzahl von Kandidaten und Par­teien aufträten, würde die Gegensätze verschärfen, die großen Linien der politischen Entscheidungen verwischen und zu einem Zufallsergebnis führen, das dem gewählten Präsidenten nicht das erforderliche Ansehen im 3n- und Auslande gibt. Die Ver­meidung dieser Gefahren ist eine nationale Pflicht. Die deut­sche Demokratische Partei hat den Wunsch, daß unter den ge­genwärtigen innen- und außenpolitischen Verhältnissen bei der Wahl des Reichspräsidenten eine möglichst große Mehrheit des deutschen Volkes sich auf eine Persönlichkeit vereinigt, die, fest auf dem Boden der Weimarer Verfassung stehend, über den Rahmen der politischen Parteien hinaus allgemeines Ansehen und Vertrauen in das hohe Amt mitbringt. Als eine solche Persönlichkeit betrachten wir den Präsidenten des Reichsge­richts, Herrn Dr. ^>mons. Wir sind zu gemeinsamen Bera­tungen, auch über einen anderen, den erwähnten Voraussetz­ungen entsprechenden Vorschlag bereit.

Dazu bemerkt dieDeutsche Tageszeitung":

Diese Anregung ist die unmittelbare Folge des sozialdemo­kratischen Vorgehens, das bei den bürgerlichen Demokraten stark verschnupft hat. Hinzu kommt die Hoffnungslosigkeit, die dasrepublikanische" Lager, um im Stile der Linkspresse zu blei ben, angesichts der widerstrebenden Wünsche verschiedener mehr oder weniger radikaler Gruppen and der Geschlossenheit der staatsbürgerlichen Kreise befallen hat. 3m übrigen scheint auch bei den Demokraten die Erkenntnis aufzudämmern, daß das deutsche Bürgertum «das Barmat-Bauer-Richter-Heilmann- Sgstem bis zum Halse satt hat und endlich einen Reichspräsi­denten wünscht, der unabhängig von Parteigetriebe und sozia­listischem Schiebertum die Einhaltung eines stetigen, nationalen Kurses verbürgt. Wie die übrigen bürgerlichen Parteien sich zu dem demokratischen Vorschlag verhalten werden, läßt sich natürlich noch nicht beurteilen. Wir nehmen aber an, daß die Klärung der Kandidatenfrage nunmehr sehr bald erfolgen dürfte.

Inzwischen ist eine weitere Klärung erfolgt. Auf Grund des demokratischen Briefes haben sich die rechtsstehenden Parteien entschlossen, in Besprechungen mit den Parteien des Zentrums und der Demokraten einzutreten. Unb wird darüber folgendes berichtet:

wtb. Berlin, 10. MLrzt. telef. in der Frage der Wahl des Reichspräsidenten haben heute vormittag zwischen einigen Parteiführern unverbindliche Besprechungen stattgefuu-en. Auf Grund des demokratischen Briefes und -er heute erfolgten Ver