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___ HeMche , Morvenzeitung

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Für die Volksgemeinschaft Für den Standefrieden

13353

Mmmr 59.

Svnnerötas, den 1L März 1925.

2. Mrsang.

Deutschlan- und der Völkerbund.

Ale englischen und die französischen Mteressen. - Die Geheimsitzung in Genf. - Keine Einladung an Deutschland. Eine neueFormel". Daß angebliche Znterview Songhlons. Frankreich und England.

Ministerpräsident Herriot hat Dienstag abend verschie­dene Persönlichkeiten, die der französischen Delegation auf der letzten Vollversammlung des Völkerbundes angehört haben, zu sich berufen. 3n dieser Beratung wurde die Haltung festgelegt, die der französisch-e Vertreter im Völkerbundsrat bei der Dis­kussion dès Protokolls über die Schiedsgerichtsbarkeit einneh­men soll. Die französische Regierung bleibt dem Grundsatz des Protokolls treu. Indessen sei Frankreich nunmehr bereit alle Vorschläge zu prüfen um das Protokoll der Lage anzupassen, die sich in den letzten Monaten herausgsbildet habe. Frankreich wolle grundsätzlich seinen übernommenen Verpflichtungen treu bleiben. Sn diesem Sinne werde Briand am Donnerstag auf die Erklärungen des englischen Staatssekretärs Ehamberlain antworten.

Dagegen bedeutet nach Londoner Zeitungsstimmen, das Gen­fer Protokoll für Trotzbritannien keine praktische Politik. Wolffs Büro meldet darüber:

wb. London, 11. März. DieTimes" schreibt in ihrem Leitartikel, soweit das britische Reich in Betracht komme, be­deute das Genfer Protokoll keine praktische Politik. Eng­land würde dem Völkerbund keinen Dienst leisten, wenn es ver­suchen würde, das Protokoll noch als mögliche Garantie für die Sicherheit anzus-ehen. Ehamberlain werde zweifellos die Grün­de wiederholen, die es für Großbritannien unmöglich machten an dem Protokoll feftzuhalten. Das Blatt erklärt weiter, -Eng­land sei an der europäischen Sicherheit unmittelbar interessiert. Sn Grotzbritannien und in noch größerem Maße bei den Do­minions, bestehe eine instinktive Abneigung gegen den Gedanken eines mit Frankreich allein abzuschließendeu Vertrages. Zur Verbürgung seiner Grenzen fei es vollkommen unmöglich, daß sich Grotzbritannien zu irgend einem Plane verpflichtet, der auf ein Wiederaufleben des im wesentlichen militaristischen Ge­dankens einer Tripelallianz in anderer Gestalt hinauslaufen würde Ausschlietzlich ein englisch-französischer Sicherheitspakt komme nicht in Frage. Es fei ein Vorteil, daß Ehamberlain dies bei feinen Besprechungen mit Herriot in Paris am letzten Samstag Klarftellte. Auch der in Paris unterbreitete Vor­schlag eines e ngIisch - französisch -beIgischen Paktes sei fast eben­so unzulänglich. Bei diesem Vorschläge würden Frist und Be­dingungen der deutschen Probezeit vollkommen unbestimmt ge­lassen. Das Risiko, sowie die Verwicklungen, die mit jedem ausschlietzlich mit Frankreich abgeschlossenen Pakt verbunden seien, könnten auch nicht für einen begrenzten Zeitraum über­nommen werden. Es liege nicht im 3»1eresse Großbritanniens sei es für kurze oder lange Zeit mit dem französischen Sgftem von militärischen und politischen Allianzen, das sich durch Zen- Iraleuropa nach Osteuropa erstrecke, sich zu indentifiziereu.

DieTimes" schreibt weiter, noch den letzten deutschen Anregungen bedeuteten einen Hoffnungsstrahl und enthielten mindestens eine Andeutung, daß -Europa anfange, sich zu dem Gedanken seiner Wesenheit zurückzutasten. Grotzbritannien mit seinen Weltinteressen müsse das letzte Land in Europa sein, das diese ermutigenden Symptome unberücksichtigt lasse oder vereitele. Die deutschen Anregungen stellten einen bemerkens­werten Fortschritt gegenüber -jedem bisher von der deutschen Regierung gemachten Versuch zum Frieden Europas beizutra­gen dar. Wenn man ihre Bedeutung einschränke, bevor man sie prüfte, in dem man sie als politisches Manöver zur Vorbe­reitung eines Eroberungsplanes auslege, erweise man der Sache des europäischen Friedens einen sehr schlechten Dienst. Die Ga­rantie der augenblicklichen Westgrenzen Deutschlands lasse kei­nen gewaltsamen Versuch zu machen zu, die augenblicklichen Ost-grenzen zu verändern. Es sei etwas so Ermutigendes und Greifbares, daß man die Angelegenheit weiter verfolgen solle. Es bestehe nicht der geringste Anlatz zu einer Aiedergefchlagen- peit oder Panik. Niemand sei auf die Buchstaben der deut­schen Vorschläge verpflichtet, die bisher nur versuchsweise ge­macht worden seien. Niemand übersehe auch die für Polen we­sentlichen Interessen, vielmehr -liege es im Snteresse Europas,

M Neueste.

Dr. Setzler gemeinsamer Kandidat?

wtb. Berliner Abendblätter, 1!. März. teles. Ueber die heutigen Besprechungen des Ausschusses der rechtsstehenden Gruppen mit Vertretern der Demokraten und des Zentrums, vejtz dasTageblatt" noch mitzuteilen, datz von rechtsstehender Seite als eventueller Kandidat für die Aeichspräfidentenwahl der Aeichswehrminister Dr. Geßler genannt wurde. Da dieser Borfchlag den Vertretern der demokratischen Partei uuerwar-

baß Polen ein zufriedener, stabiler und blühender Staat sei, ob­gleich seine Methoden der Selbstbestimmung nicht bei jeder Ge­legenheit unbestimmte und allgemeine Zustimmung fänden. Der -verwickelte alte deutsche polnische Konflikt an der Weichsel sei zur Genüge bekannt und erfordere zweifellos eine vorsichtige Behandlung. Hier und auch -in anderen Fragen erwarb England vielleicht in den letzten schwierigen Bahren weitgehende Interessen und bessere Kenntnis der wesentlichen Rechte und Pflichten. Auf jeden Fall könne -und dürfe England nicht den neuen und größeren Hoffnungen auf praktische Lösung des Sicherheitsproblems, die durch die Vorschläge der deutschen Regierung auftauchten, außer acht lassen. Diese Vorschläge müßten natürlich auf ihren Wert geprüft werden. Es sei haupt­sächlich Aufgabe der britischen Politik, Anregungen auszu- nehmen und mit allen möglichen Mitteln, in voller Anerkennung des bestehenden öntereffes Großbritanniens für die britisch- französisch-belgische Sicherheit in Europa, eine Methode zu finden, die fruchtbar ausgestaltet werden könne.

Die Geheimsttzung des Völkerbundsrates.

wb. Loudon, 11. März. Der Genfer Sonderberichterstatter des Reuterscheu Büros meldet über die gestrige Geheimsttzung des Völkerbundsrates, es werde als wahrscheinlich angesehen, datz die Mitglieder des Rats die Antwort erörtert haben, die auf das deutsche Memorandulm bezüglich der Frage der Aus­nahme Deutschlands in den Völkerbund erteilt werden soll. 3» dieser Frage sei der britische Standpunkt der, datz Deutschland au den Bund den Antrag oeiita solle, ohne dabei Bedingungen vorzubringen. Dem Berichterstatter zufolge werde angenom­men, datz in der Geheimsttzung viel Zeit der Danziger Frage und den anderen Angelegenheiten gewidmet worden sei, wofür der Völkerbund verantwortlich sei.

Eine neueFormel".

wtb. Paris, 11. März. telef. Der Genfer Privatkorre- spoudent desEcho de Paris" will aus guter Quelle erfcchren haben, datz die Meinungsverschiedenheiten der militärischen und juristischen Sachverständigen, bezüglich der Militärkontroll- Kommission schon jetzt berufen und eine Formel gefunden sei, die einstimmig angenommen worden sei und dem Völkerbunds­rat zur Billigung vorgelegt werden werde.

Deutschland nicht eingeladen.

wb. London, 11. März. Sonderberichterstatter des Aen- terscheu Büros in Genf erfährt weiter, datz die Meldung, Grotzbritannien habe vorgeschlagen, datz Deutschland zur Sitz­ung des Völkerbundes im 3uni nach Genf eingeladen werde solle um es in den Stand zu setzen, seine Ansicht über die Frage seiner Aufnahme in den Völkerbund auszudrücken, unwahr sei. Es bestehe kein Zweifel, datz Ehamberlain au seiner letzte» Un­terhausrede festhalteu werde und äußerst bestrebt sei, den französischen Sicherheitsforderungen Genüge zu tun. Er halte ebenso an der Ansicht fest, daß das getan werden müsse, was zur Wiederherstellung Europas förderlich ist.

Das 3nterview Houghtons.

wb. London, 11. März. Die Dailg Mall bringt ebenfalls eine Meldung aus Newgork über das 3nterview des amerika­nischen Botschafters in Berlin Houghton, die insbesondere fest stellt, daß Houghton nachdrücklich verneint habe, daß Deutsch­land an die Wiederherstellung der Monarchie denke oder ver­suchen werde, die Vorherrschaft in militärischer Hinsicht, die es vor dem Kriege gehabt hat, wiederzugewinueu. 3n 10 oder 20 Jahren werde vielleicht die Frage der Wiederherstellung der Monarchie auftauchen, aber jetzt beständen derartige Pläne nicht.

Nach der Westminster Gazette soll sich Houghton über den Bericht der interalliierten Militärkommission lustig gemacht ha­ben. Er habe gesagt, er sei überzeugt, daß die Republik in Deutschland von Dauer sein werde.

lei gekommen sei, hätten sie sich bisher nicht dazu äußern kön­nen. Auch vom Zentrum sei auf diesen Vorschlag eine Ant­wort noch nicht erteilt worden. Dieser Vorschlag werde wahr­scheinlich bei den Beratungen des Reichsausschusses der Zen- trumspartei, die heute Vormittag begonnen haben, eine Rolle spielen. Ueber die durch den Vorschlag geschaffene Lage solle im Laufe des heutigen Tages Verhandlungen zwischen den Par­teiführern stattsinden.

Dr. Simon in Berlin.

wtb. Berlin, 11. März. telef. Der Stellvertreter des Reichspräsidenten, Aeichsgerichtsprästdent Dr. Simon ist mit

bem fahrplanmäßigen Züge um 11,17 Uhr in Berlin eingetrof- fen. Er wurde am Bahnhof von dem Reichskanzler und deu Staatssekretären Meißner und Kempner empfangen. Die durch die Reichsverfassuug vorgeschriebene Vereidigung des Stellver­treters des Reichspräsidenten vor dem Reichstage, findet mor­gen nm 12 Uhr in einer besonderen Sitzung statt.

Die Streiklage unverändert.

wtb. Dresden, 11. März. telef. Die Reichsbahndirektio» Dresden teilt mit: Die Streiklage im Bereich der Eisenbahn- direktion Dresden ist im allgemeinen unverändert. Die Zahl der Streikenden vermehrte sich nur geringfügig. Der Perso- nenzugsverkehr hat glatt abgewickelt werden können. Auch im GLIerzugverkehr kam es zu keinen wesentlichen Störungen, wenn auch das Berfchubgeschäft durch den erneut eiusetzenden Schnee­fall erschwert war. Die Annahme und Auslieferung von Gü­tern hat überall aufrecht erhalten werden können.

Auto-Unfall.

wtb. Ohligs, 11. März. telef. (Regierungsbezirk Düssel­dorf). Heute Nacht ist ein Auto mit 5 Susassen bei einer schar­fen Biegung in der Nähe von Metzhanseu in voller Wucht ge­gen einen Straßenbahnmast gefahren. Zwei der 3nsasseu sind sofort getötet worden, zwei weitere haben schwere Kiefer- und Schädelbrüchè erlitten, der Fünfte erhebliche Hautabschörfnngeu.

Bem Zage.

Marx wieder Wmsterpräsident.

Das Spiel mit der Wiederwahl des Herrn Marx zum preu­ßischen Ministerpräsidenten hat eine neue und überraschende Variante -erhalten: Herr Marx erhielt am Dienstag 232 Stimmen und damit eine kleine aber sichere absolute Mehrheit. Allem Anschein nach ist die Wirtschaftspartei oder ihr größter Teil zu denWeimarern" übergegangen. Wie ist das zu er­klären? Autentifches war darüber zunächst -nicht zu erfahren, doch kann man kaum annshmen, daß allein der Verzicht des Herrn Severing auf Verbleiben in feinem Amt die Wirtschafts Partei gewonnen haben sollte. Es fragt sich also, ob ihr wei­tere Versprechungen gemacht worden sind oder ob etwa bereits das Zentrum für den von der Deutschen Volkspartei empfohle­nen Gedanken des Beamtenkabinetts gewonnen worden ist. Auffällig ist nämlich ein Artikel -in derGermania" vom Diens tag abendaus parlamentarischen Kreisen", worin der Ue- bertritt der Wirtschastspartei noch gar nicht als möglich ge­streift, dagegen die Bildung eines Beamteukabiuetts als viel­leicht einzige Lösung der Regierungskrise angesprochen wird. Dahinter folgt allerdings noch ein starker Absatz über die Schönheiten einer Landtagsauflösung, aber das mag nur eine Teste sein. Selten -hat sich die Unklarheit -der Lage so zäh konserviert.

Der Giebel wird natürlich zum Teil künstlich erzeugt, weil man sich alle Türen bis zur Klärung der Kandi-datenfrage für die Reichspräsiöentschaft offen halten will. Auch da sind neue und überraschende Schritte zu verzeichnen. Der Bundesvor­stand des Reichsbanners -jazwarz-rot-gold hat beschlossen, Herrn Hörsing, den sozialistischen Oberpräsidenten -der Pro­vinz Sacysen und bisherigen Untergebenen des Ministerpräsiden­ten Braun, nach Berlin zu schicken, um hier mit dem Zentrum, Demokraten und Sozialisten über die Möglichkeit einer ge­meinsamen Kandidatur zu verhandeln. Das ist ein offener Borstoß gegen die von den Sozialdemokraten allein aufgestellte Kandidatur Bralln. DerVorwärts" hält am Dienstag abend an dieser noch krampfhaft fest und gibt die politische Sendung Hörsings nur als kleine Nachricht wieder. Was wirb der sozialdemokratische Parteivorstand tun? Auf der anderen Seite steht ja die Einladung des Ministers a. D. von Losbell an Zentrum und Demokraten, mit dem bisherigen Commitee für eine Kandidatur der Parteien rechts vom Zentrum zu ei­ner Besprechung zusammenznkommen, die am Mittwoch statt­finden soll. Und dazwischen gibt es noch den Vorschlag der Demokraten für die Sammelkandidatur Simons. So fym- patisch auch -das Bestreben, möglichst viele Parteien zu einigen und einen häßlichen Wahlkampf zu vermeiden, jeden Deut­schen berühren muß, so wächst doch die Zahl der Sammelkanbi- daten etwas unheimlich an. Wenn das nur nicht erst recht zu Kampf und Streit, führt.

Zentrum und Ministerium Marx.

D.B. Berlin, 10. März. (Lig. Meldg.) Nach -der in der heutigen Sitzung des preußischen Landtages erfolgten Wahl Marx zum Ministerpräsidenten gibt man sich innerhalb der Re­gierungsparteien keinen übermäßigen Hoffnungen auf den wei­teren Bestand des neuen preußischen Kabinetts hin. Allgemein ist die Ansicht vorherrschend, daß man erst am Anfang der Schwierigkeiten stehe. Der bereits vor einiger Zeit aufge­tauchte Tedanken, den Landtag auszulöseu ist wieder in den Vordergrund gerückt.