Einzelbild herunterladen
 

Hessische

orsenzettung

Zulöaer Keeisblatt, Anzeivee für Rhön und Bsselsbers, Fulda und Haunetal

Anzeigen: Die 7gespaltene®inimcttr;dle0,04, cusmätts 0,07Kentenmatt. Die 92 mm mmenieitung" «Meint wöchentlich 6 mal, faulet ^ntags), Sonntag» StändeskisdeN steile Millimeter Retl-mezeile total 0,30, auomärt» 0,40 Kentenmatt. Bei Wederhân,

3- im»l«>- Bezugspreise: Durch die Post bezogen monatlich 1.50 Kenfenm. FUk die BolkSgeMeMscyast »Uk UÜN ^lamJCjrUUV ^^ PostscheSlonto Frankfurt a.M.LSiUL. Fulda, Äanalftratze 44. detnjpte^et 113.

Elchliesilich Postgebühren. Bei Zustellung durch unsere Träger monatlich 1.75 Rentenmail.

»ffl0

Wmmer 60.

Kettag, den 11 Mürz 19^1

2. Mrsam.

Der MtMM und der deutsche SlKMMvorschlm.

Um Me Ausnahme AMÄianbs. - Die Rede Chamberlains. - Ztaliens Aandyuntt.

D/L. Genf, 11. März. (Eig. Meldg.) Die Führer der verschiedenen Delegationen bes Völkerbundsrates pflegen eif­rig Besprechungen hinter den Kulissen, um die großen politi- scizen Fragen außerhalb der offiziellen Sitzungen ?u klären. Am Dienstag nachnlittag fand eine Konferenz Mischen dem engli­schen Außenminister Lhamberlain, dem UchechoslowMchen Au- Henmimster Bentsch und Briand statt, in der Hauptzächlich die Frage der Beantwortung der deutschen Rote erörtert wurde. Liner Blättermeldung zufolge sollen die Engländer beabsichtigen einen Atnrag einzub ringen, deutsche Vertreter zu der nächsten Ratstagung im Funi einzuladen, um sie über die Bedenken der Berliner Regierung gegen den Eintritt in den Völkerbund ;u hören. Nach einer anderen Version will die englische Regier­ung die Antwort an die deutsche Regierung derart abgesagt wissen, daß Deutschland gezwungen ist, noch vor der nächsten Ratstagung sich bereits zu der Frage zu äußern.

wb. London, 12. März. Der Dailg Telegraph meldet aus Genf: der Völkerbundsrat hat in nicht öffentlicher Sitzung vereinbart, Deutschland inoffiziell milteilen zu lassen, daß er der Forderung Deutschlands, im Völkerbundsrat mit einem staubi­gen Sitz vertreten zu sein, zustimme.

Lhamberlains Erklärungen.

wd. London, 12. März. Die Times berichtet, daß die Re­de, die Lhamberlain auf der heutigen Vormittagssitzung des Völkerbuudsrates in Senf halten wird, von größter Bedeu­tung sein und zu viel Kritik Anlaß geben werde. Lhantberlain werde kein endgültiges Gegenstück zu dem Genfer Protokoll, das Großbritannien verwerfe, vorschlagen, sondern wahrschein­lich allgemein eine Art von Alternativplänen angeben werde, die die Regierung für durchführbar halte. Der Wortlaut der Erklärung Lhamberlains werde in London unmittelbar nach ihrer Abgabe veröffentlicht.

Die Morning Post betont, daß den Meldungen auf Genf uLd Paris zufolge keine Anzeichen für eine freundschaftliche Vereinbarung zwischen Großbritannien und Frankreich in der Frage des Genfer Protokolls vorhanden seien. Die Ansichten der beiden Regierungen in dieser Frage schienen einander voll­kommen entgegengesetzt zu sein.

wb. Genf, 12. März. Die Erklärungen Lhamberlains, die ungefähr 2000 Worte umfassen, füllen die ganze Vormittags-

Das Neueste.

Dr. Simon im Reichstag.

wtb. Berlin, 12. März. telef. 2n der heute mittag ein- berufenen Sitzung des Reichstages richtete Aeichstagspräsident Loebe an den stellvertretenden Reichspräsidenten Dr. Limon fol gende Ansprache:Herr Aeichsgerichtspräsideut! Nach dem plötzlichen, tiefbeklagten Hinscheiden des Herrn Reichspräsi­denten Ebert hat der Reichstag in seiner Sitzung vom 11. März Sie zum Stellvertreter des Herrn Reichspräsidenten bis zum Amtsantritt des neuen Präsidenten gewählt. Die Verfassung fordert, daß der Reichspräsident sinngemäß also auch sein Stell­vertreter, den im Artikel 42 vorgeschriebeen Lid vor dem Reichtag ablegt. Sch habe die Mitglieder des Reichstages zu diesem feierlichen Akt zusammengerufen und erlaube mir, 2h- uen die Eidesformel zu überreichen. Sch ersuche das Haus sich zu erheben und bitte Sie den Lid abzulegen". Nachdem der stellvertretende Reichspräsident Dr. Simon den Lid abgelegt hatte, sagte Präsident Loebe:Mit der Leistung des Eides übernehmen sie Shr hohes und schweres Amt. Niemand von Ms zweifelt daran, daß Sie das Vertrauen so großer und vie­ler Parteien erfüllen und Shr Amt zum Wohle des Landes und des deutschen Volkes verwalten werden. Sch spreche 2hneu namens der Körperschaft, die diese Wahl getroffen hat, meinen herzlichsten Glückwunsch aus". Der stellvertretende Reichsprä- stdent erwiderte:Herr Relchstagspräsideut! Sch danke Shnen herzlich für den Glückwunsch, den Sie mir namens dieses ho­hen Hauses dargebracht haben und für den Ausdruck Shres Vertrauens. Es wird mein Streben sein, dieses Vertrauen zu rechtfertigen. Meine Damen und Herren! Sie haben den Schwur gehört, den ich in die Hand Shres Präsidenten abgelegt habe. Hören Sie nun auch weiter den Dank für die Ehre, die Sie mir mit der Snitiative Shrer Wahl erwiesen haben. Sch weiß wohl, das Gesetz sagt es klar, daß ich diese Ehre nicht nur meiner Person, sondern der Stellung zuzuschreiben habe, in die wich der verstorbene Reichspräsident erhoben hat. Gerade das freut mich, denn dadurch betont das Gesetz die Bedeutung de deutschen Aichtertums, dem ich mit Stolz angehöre. Aus ihm

fitzung aus. Shre Verlesung dauert eine Dreiviertelstunde. ju Beginn der Aachmittagssitzung wird Briand die Entgegnung Frankreichs vorlesen, die mit der nämlichen Spannung wie die Erklärugnen Lhambevlains erwartet wird. Auch den Darleg­ungen von Benesch, dem Mitschöpfer des Genfer Protokolls und den Erklärungen des italienischen' Ratsmitglieds Scialoja wird mit größter Erwartung entgegengesehen. Vor der öffent­lichen Sitzung, die einen außerordentlich starken Besuch der Diplomatie und der internationalen Presse aufweift, tagte der Rat eine Srunde lang in geheimer Sitzung. Nach der Abga­be der Erklärungen Lhamberlains wird der Rat die geheime Sitzung fortsetzen und die Ernnenung der Regierungskommission des Laargebietes vornehmen.

wb. Genf, 12. März. Die Sitzung ist um 11 Uhr 15 Mi­nuten eröffnet worden. Bei der Verlesung Lhamberlains fühl­te man allgemein, daß es sich um einen entscheidenden Lag für die Lösung der Sicherheitsfrage handelt, die feiner Seit im vergangenen September nach vierwöchigen langwierigen Ausei­nandersetzungen von der Völkerbundsversammtung der ganzen Welt durch Empfehlung des Genfer Protokolls vorgeschtagen worden war.

Stallens Standpunkt.

wb. London, 12. März. Dailg Telegraph schreibt, es werde bestätigt, daß der Standpunkt Stallens bezüglich der deutschen Licherheilsvorschiäse mit dem Hriäschen fast Lbereiustimme. Es werde auch bestätigt, daß der Völkerbundsrat Deutschland ein- laden werde, sich ohne Verzögerung ohne beschränkende Bedin­gungen um die Mitgliedschaft des Bundes zu bewerben.

Spencer schreibt in der Westminster Gazette, wenn Deutsch­land in den Völkerbund einbezogen würde, werde der Weg für die Abrüstungskonferenz frei sein. Wenn es dagegen nicht ein­bezogen würde, werde der Weg unwiderruflich versperrt sein. Deutschland könnte alber nur zum Eintritt veranlaßt werden, wenn man ihm in der Frage der Räumung derRheinlande eine billige Behandlung verspreche und wenn man seiner beson­deren Stellung zu den osteuropäischen Problemen Rechnung trage. Man könne Deutschland, das abgerüstet habe, nicht zu­mute», für eine bewaffnete Unterstützung der Alliierten einzu­treten.

bringe ich in mein Zwischenamt das innere Gebot der Unpar­teilichkeit. Von dem vielbetrauerteu Toten, den ich vertrete, nehme ich das Vorbild der Treue und Würde, durch die er in seinem Amt die Achtung der Welt erworben hat. Seine hohen politischen Gaben sind kein übertragbares Erbe, aber wie ich geschworen habe, die Pflicht dieses Amtes gewissenhaft zu er­füllen, so bin ich auch entschlossen, seine Rechte mit Festigkeit zu wahren, damit ich sie unversehrt in die Hände des Mannes legen kann, der sich bald zum ersten Male in seiner wechselvollen Ge­schichte das ganze deutsche Vock, soweit es staatlich geeint, in freier unmittelbarer Wahl zum Oberhaupt wählen wird.

Der Eiseubahnerstreik.

wtb. Berlin, 12. März. telef. 2m Reichsarbeitsministe- rium haben heute Verhandlungen über den Lisenbahnerstreik stattgefunden, die zur Einsetzuug eines Schlichtungsausschusses führten. Der vom Arbeitsministerium eingesetzte Schlichtungs- ausschuß wird morgen vormittag unter dem Vorsitz des Mini­sterialrat Dr. Meves zusammentreten. Der Aoichsarbeitsmi- mster sprach die bestimmte Erwartung aus, daß während der Dauer der Schlichtungsverhandlungen jede Verschärfung der Situation unterbleibt. Die Parteien sagten zu, ihr Möglich­stes in dieser Hinsicht zu tun.

wtb. Berlin, 12. März. telef. Die Reichsbahndirektion teilt mit: Die Streiklage im Bereich der Reichsbahndirektiou Dresden blieb seit gestern im allgemeinen unverändert. Wenn auch der anhaltende starke Schneefall verschiedentliche Ver­spätungen zur Folge hatte, so konnte doch der Personenzngver- Kehr glatt abgswickelt werden. 2m Süterzugverkehr kam es ebenfalls nicht zu wesentlichen Störungen. Trotz teilweise sehr starkem Verkehr konnte die Annahme und Ablieferung von GL teru an allen Stellen aufrechlerhalten werden.

Aufhebung eines Preßeverboles.

wtb. Dresden, 12. März. telef. Das Verbot der sächsi- jchen kommunistischen greife ist mit Rücksicht auf die bevor­stehende Reichspräsidentenwahl wieder aufgehoben worden.

Rothardt-Prozeß.

wtb. Magdeburg, 12. März. telef. Rothardt-Prozeß. Dritter Tag. Das 2»teresie am Prozeße wird von Tag zu Tag

stärker. Der Zuhörerraum ist längst vor Beginn überfüllt. Bei Beginn teilte der Vorsitzende mit, daß den Anträgen ans La­dung des früheren preußischen Handelsministers Siering und des früheren Ministerpräsidenten Dandl als Zeugen Folge gegeben wird. Als erster Zeuge wurde heute Geschäftsführer Brolat vernommen, der während des Krieges Dreher in der Berliner Rüstungsindustrie und in einem Betrieb in Weißenfee Obmann war. Aus feinen Aussagen ist besonders hervorzuheben, daß nach seiner Ansicht die Beteiligung am Streik, den Richard Müller am Sonntag, den 27. 2anuar vormittags ankündigte, sehr stark war, damals für den Zeugen zwecklos gewesen gegen den Streik zu sprechen, denn 95 Prozent der Dreher gehörten damals zur U. S. P. D. Am Montag wurde im Betrieb die Stimmung so erregt, daß mittags beim Schichtwechsel der Streik begann.

Feuer in einer polnischen Flnghalle.

wtb. Warschau, 12. März, telef. 2m Flugplatz Krackan brach gestern in später Abendstunde ein Schadenfeuer ans, dem die große Flughalle mit sechs ganz neuen, noch nicht einmal ausgepackten Flugzeugen zum Opfer fielen. Unter großen An­strengungen gelang es den Brand auf seinen Herd zu beschrän­ken. Man vermutet Brandstiftung.

Luftpost LondonBerlin.

wb. London, 12. März. Der Generalpostmeister teilte mit, daß die Luftpost von London nach Hannover und Berlin mor­gen wieder ausgenommen wird.

Ein britisches Weißbuch.

wb. London, 12. März. Dem parlamentarischen Berichter­statter des Dailg Telegraph zufolge hat die Regierung Vorkchr- ungen für das Weißbuch getroffen, daß die Erklärungen Lham­berlains mit Bezug auf das Protokoll enthält. Dieses Weiß­buch werde den Mitgliedern des Unterhauses zur Verfügung ste­hen, unmittelbar nach dem Lhamberlain seine Ansprache in Genf vor dem Vöckerbundsrat gehalten hat.

Lauadas Besorgnis.

wtb. Ottawa, 12. März, telef. Das unabhängige Mitglied von Brilisch-Kolllmbieu im kanadischen Unterhaus Neil brach­te gestern eine Entschließung ein, Lanada solle die Frage der Verteidigung seiner Küste und seines Handels prüfen. Der Antragsteller legte dar, daß Lauada eine Küste von 10 000 Meilen Länge habe, die ohne jede DerteidigMg frei sei. Der Völkerbund sei eine Quelle der Schwäche; er glaube daher daß eines Tages ein Krieg im Stillen Ozean ausbrechen könne. 2« diesem Falle dürfe Lauada nicht ohne Verteidigungsmittel ge­laßen werden.

Die Eisenbahn Angora-Liwas.

wtb. Angora, 12. März. telef. Nationalversammlung. Während der Haushaltsdebajtte erklärte Suleiman Sirri Beg, Mimfier der öffentlichen Arbeiten, daß die sich augenblicklich im Bau befindliche Eisenbahnlinie Angora-Sivas die Stadt Kai­sarie im Laufe des nächsten Frühlings erreichen werde. Der Minister fügte hinzu, daß die Negierung, nm die Bedingungen des Rücklaufs des Netzes der anatolifchen LifenbahngefeUschaft zu erörtern, die Gesellschaft dazu eiugeladeu habe Vertreter zu ernennen. Die Versammlung gab dann der Regierung die Er­mächtigung sich mit einer halben Million an der Gründung der Gesellschaft zu beseitigen, die die Eisenbahn zwischen Kotschhißa und Mseraj bauen soll.

Der Zvvpelkan-i-at.

Der Zentrumsführer Marx wurde am Dienstag vom preu- ßsichen Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt, aber nicht, wie das Präsidium infolge eines unverzeihlichen Irrtums zu­nächst mitteilte, mit 252 sondern mit 222 Stimmen, also einer Stimmung über die absolute Majorität. Die an das falsche Wahlergebnis angeknüpften Betrachtungen über die etwaigen Ursachen eines Zuwachses für dieWeimarer" sind also hin­fällig geworden, aber um so schärfer erhebt sich die Frage, was eigentlich mit dieser Wahl beabsichtigt war. Soll wirklich wie- ber das Spiel mit der Mehrheit für das Vertrauensvotum er­neuert^ werden oder hat sich die Zentrumsfraktion heimlich zu dem Gedanken des Beamtenkabinetts hindurch gemausert? Oder war das Ganze etwa nur ein taktiler Zwischenzug, um bie Pause bis zur Entscheidung über die Kandidatur für die Reichspräsidentschaft auszufüllen? Wenn man dieGermania" vom Mittwoch morgen liest, dann kommt man zur Bejahung ber letzten Frage. Da wird nämlich eine Zuschrift aus Kreisen iber preußischen Zentrumsfraktion veröffetnlicht in der es wört- iisl) peiptMarx wird bekantlich gleichzeitig auch.als An-

k1 l"i eu Dosten des Reichspräsidenten genannt. Wenn die Reichspräsidentenwahl über das Gezänk des Tages hinaus einen größeren politischen Zug erhalten soll, so ist es zu begrü- pen, daß der sicherste Anwärter der Verfassungsparteien heute in Preußen in der Hauptsache von denjenigen Parteien als Mi­nisterpräsident getragen wurde, die ihm auch demnächst als dem bevorzugten Kandidaten der Verfassungsparteien ihre Stimme geben sollen. Auch aus diesem Gesichtspunkt heraus würden