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Nummer 61.
Moa den 17. März 1925.
2. Fahrgang.
Für »nd wider den BAkerbund.
Die Antwort an Deuttchland„erstaunlich versöhnlich".
Amerikanische Pressestimmen.
«&. Conbon, 16. März. Der Genfer Berichtevftatter der Morning Pöst findet die Antwort des Völkerbundsrats an Deutschland „erstaunlich in ihrer Versöhnlichkeit". Der Pa- rifsr Berichterstatter der Morning Post schreibt, die Frage sei jetzt die, unter welchen Bedingungen Deutschland in den 'Völkerbund zugelaffen werden könne. Ls werde angenommen, daß es fein Ersuchen auf der nächsten Völkerlbundsverfammlung stellen werde. Diefes Lrfuchen werde den Radikalen in Frank reich nicht unwillkommen sein, vorausgesetzt, daß keine Privilegien beansprucht würden. Unglücklicherweise sei der Glaube weit verbreitet, daß Großbritannien dringend wünsche, sich den Fesseln des Versailler Vertrages zu entziehen und alle Verantwortlichkeit für die Grenzen Polens und der Lschecho-L-lowakei abzustreifen, besonders im Zusammenhang mit Danzig und dem polnischen Korridor. Der Berichterstatter schließt, wenn Deutschland in den Völkerbund zugelassen werde, trete es als Großmacht ein mit dem Recht aus einen Litz im Rat.
' Lhamberlains Urteil über den Völkerbund.
wb. London, 16. März. Lhamberlain erklärte dem Genfer Korrespondenten des Reuterschen Büros, er nehme von der Sufammenkunft des Rates die Unkenntnis von dem ge- gegenwärtigen Rutzen des Völkerbundes und die Ueberzeugung mH, daß sein Einfluß und seine Stärke ständig zunehme.
Lllihu Root.
wb. London, 13. März. Nach einer Aewgovker Meldung hat sich Lllihu Root in einem Aufsatz in der Zeitschrift „For- eign Aiffaires" für den Weltgerichtshof erklärt und verlangt, daß die Vereinigten Staaten sich offen an den Bestrebungen für den Frieden beteiligen sollen.
Amerikas Sntereffe am Dawesplan.
ivb. London, 16. März. Der diplomatische Berichterstatter des „Dailg Lelegraph" schreibt, es sei kein Geheimnis, daß 'Kellogg und Hougthon eine baldige freundschaftliche Lösung der Kölner Frage dringend wünschten. Amerikas finanzielles Jnte- reffe am Dawesplan und an dem wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas, besonders Deutschlands, habe so zugenommen, daß es berechtigt Jei, unter dem Vorbehalt seines Fernbleibens von auswärtigen Verwickelungen in den europäischen Anlegenheilen seine Stimme zu erheben.
Der Völkerbund nur „ein Hindernis internationaler Zusammenarbeit".
wb. London, 16. März. Die Morning Post meldet aus 'Washington: Wenn auch die Ablehnung des Genfer Protokolls durch die britische Regierung keinen direkten Linfluß auf die amerikanische Politik besitze, so bereite sie doch den dem Völkerbund feindlichen Blättern Vergnügen und stärke die Ueberzeugung, daß eine zweite Marinokonferenz vor Ende
Ser Aufruf des ReiÄsblolts.
Au das Deutsche Volk.
Berlin, 14. März.
Zum ersten Male werden die deutschen Wähler und Wählerinnen zum 29. März an die Wahlurne gerufen, um für sieben Sahre einen Reichspräsidenten zu wählen. An diesem historischen Lage müssen alle Grenzen der Partei, der Konfession und des Staudes fallen. Die Wähler sollen nur den besten und würdigsten Mann berufen.
Deshalb haben sich die Vertreter derjenigen Parteien, die fast die Mehrheit aller deutschen Wähler hinter sich wissen, gemeinsam mit Vertretern vaterländischer, wirtschaftlicher und kultureller Verbände zum Reichsblock vereinigt. Sie haben pch nach reiflicher Erwägung entschlossen, hem deutschen Volk jur die Wahl zum Reichspräsidenten Herrn Oberbürgermeister Dr. Sarres in Duisburg, vormaligen Reichsminister des Suuern «nd Vizekanzler, zu empfehlen. Dabei war für den Reichsblock maßgebend, daß Herr Dr. Jarres ein Mann ist von großer Erfahrung auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, ein tauterer Lharakter, ein Mann des sozialen Fortschrittes und
christlicher Gesinnung, bewährt als Vorkämpfer oeutscher Freiheit für Rhein und Ruhr. Herr Dr. Jarres leiwÄ1 “ ^,. d'° Eigenschaften guter deutscher Art und 4 ... ®ciü«hr für eine sachliche gerechte Führung der Geschäf- , jur die Reinheit der Verwaltung in allen Dingen. Er hat
Ze" sâe Person rücksichtslos für Staat und Volk geje zt. Lr hat als Staatsmann die Einheit des Reiches in gemeinsamer Arbeit mit Len Regierungen aller veutlchen Lander gefestigt.
- Die Polen bei der Arbeit.
dieses Sahres in Washington abgehalten werden dürfte. Die 'Washington Post erklärt, durch den Lod des Protokolls habe die VölkerbunLssatzung einen furchtbaren Schlag erhalten. Da die Nationen nicht bereit seien, einen obligatorischen Schiedsspruch oder eine obligatorische Rechtsprechung des Völker- dundsgerichtshofes anizunehmen, verliere der Bund feine Bedeutung als Mittel zur Verhinderung von Kriegen und bleibe "gleichzeitig ein Hindernis auf dem Wege praktischer internationaler Zusammenarbeit. Aewgork Herald and Lribune schreiben, die beste Politik für die Mitgliedftaal. des Bundes würde sein, anstelle der unpraktischen Licherheitsbestimmungen der 'Völkerbundssatzung eine Gruppe von Sicherheitsbündnissen innerhalb oder außerhalb des Bundes zu fetzen .
Die Polen bei der Arbeit.
wb. Kattowitz, 16. März. Gestern fanden in Kattowitz, Agbnik u. Larnowitz große deutschfeindliche Kundgebungen gegen die Aenderung der Westgrenzen Polens statt. Die Lifen- bahndirektion hatte Lxtrazüge eingelegt. Ls wurden aufreizende Reden gehalten, in denen verlangt wurde die Deutschen, wenn nötig, mit Gewalt aus Polen zu entfernen. Sn einem Demonstrationszug wurde ein Wagen mitgeführt, an dem eine lebensgroße Puppe in deutscher Uniform aufgeknüpft war. Nach Schluß der Reden ging die mehrlausendköpfige Menge unter Schmährufen auf die Deutschen und auf Englands Verhalten im Völkerbundsrat auseinander. Zu Tätlichkeiten ist es nicht gekommen.
Demonstration in Warschau.
wb. Warschau, 16. März. Die angebliche Gefahr einer deutsch-polnischen Grenzberichtigung zu Ungunsten Polens hat den Warschauer Magistrat, dem sich dann alle so zahlreich hier vorhandenen nationalen Verbände angeschlossen haben, verani- laßt, für gestern eine große Kundgebung für die Unversehrtheit des polnischen Staates in seiner heutigen Ausdehnung einzuberufen. Die Demonstration, an der sich mehrere tausend Per sonen beteiligten, fand gestern auf dem Theaterplatz statt. Der Bürgermeister hielt vom Söller des Rathauses eine Ansprache, in der es heißt, daß Niemand im Lande sich bereit finden würde, auch nur einen Fuß Bodens gutwillig herauszugeben. Nach Absingung ds deutschfeindlichen Nationalliedes, der sogenannten „Rota", bildete sich ein Demonstrationszug, der sich aber zum größten Teil schon vor dem Ministerratspräsidium auflöste. Die Absicht eines stärkeren Krupps von Demonstranten, vor der englischen Gesandtschaft eine feindliche Kundgebung zu veranstalten wurde von der zum Schutze dieser Gesandtschaft zahlreich aufgebotenen Polizei vereitelt. Auch die vom Schauplatz der nationalen Kundgebung ziemlich weit entfernte Stra- Ke in der sich die deutsche Gesandtschaft befindet, war durch ein starkes Polizeiaufgebot gesichert. Da aber hier alles vollkommen ruhig verlief und keine Demonstrationstrupps sich auch nur in der Nähe zeigten, hatte diese Abteilung keine Gelegenheit einzugreifen.
Die vereinigten Parteien und Verbände fordern alle deutschen Frauen und Männer und die deutsche Sagend auf, für den Kandidaten des Reichsblocks zu werben. Usberall sind Wahlausschüsse zu bilden und Gelder zn sammeln. Bei stärkster Anspannung aller Kräfte kann der Sieg schon im ersten WahlgMg errungen werden.
Unsere Parole ist: Die Einheit der Deutschen, die Reinheit des öffentlichen Lebens, das Staatswohl über den Partei- geistl
' Ein Weg — ein Wille.
Der Reichsblock: Staatsmänner von Loebell.
Bachmann, Landwirt, M. d. R.; Baltruseu, Sewevkfchafts- vopfitzender, Berlin; Behrens, Vovfitzender des Zentralver- 'bairdes der Landarbeiter; Oskar Beger, Jägermeister, Dres- hen; Hans Röhmer, SungdeutfchlandöunL; Vudjuhn, Hand- merkskammerjynbikus; Dr. Srnft v. Borstg, Berlin; Prof. Dr. Bredt, Marburg; Dr. D. v. Lampe, Regierungspräsident a. D., Hildesheim; Otto Loloster, Architekt, Berlin; Dr. v. La Lhevallerie, Altherrenfchaft des Hochlschulringes Deutscher Art; Senatspräfident a. D. Dr. Flügge, Altherrenfchaft des Hochfchulringes Deutsch. Art; Freiherr v. Gagl, M. d. Staats- rates; General Graf v. d. Goltz, Vereinigte Vaterländische Verbände Deutschlands; Graef, Amtsgerichtsrat, Thüringen; Haase, Kaufmann, Lisgnitz; Hutier, General der Jnfanterie a. D., Deutscher Offiziersbund; Hepp, Präsident des Reichs-Land bundes; v. Hindenburg, Generalfe'ldmarschall, Hannover; Graf v. Kalckreuth, Präsident des Reichs-Landbundes; v. Killinger, Bund Wicking; Kleppe, Studienrat, Bundesführer des Werwolfes, Bund Deutscher Männer und Frontflieger; Krah, Kapitän zur See a. D.; Kempkes, Staatsseketär z. D.; Frau |
nny v. Kulleza, Erste Vorsitzende des Reichsverbandes Deutscher Volksschullehrerinnen; Max Kraker, Kraftdroschkenbesitzer, Berlin-Friedenau, Karl Ladendorff, Vorsitzender de« Preußischen Verbandes der Haus- und Grundbesitzervereine; Lambach, Deutschnationaler Handelsgehilfenverhand; Fras Klara Mende; Frau Müller-Offried, Vorsitzende des Deutsch- L-vangelischen Frauenbundes; Michaelis, ehemaliger Reichskanzler; Anna Scheffner, Berlin; Franz Seldte, Führer des Llahlhelms, Bund der Frontsoldaten, Magdeburg; Otto Lhiei, Gewerkschaftsvorsitzender, Berlin; Albert Vogler, Dortmund; Boigt, Sriehemau, Erster Vorsitzender des Deutschen Hand- 'werkerbundes; Wallraf, Staatsminister, Berlin; Graf Walder- fee, Generalmajor, Nationalverband Deutscher Offiziere, Graf Westarp, Berlin; D.Winckler, Berlin; Redli, Oberleutnant a. D.,ReichsoffizierLibund; Wmuefeid, Bergmann, Günigfeld; Dr. Zapf, Geheimer Sustizrat, Zweibrücken.
Die ..blanken" Waffen.
Wir müssen uns noch einmal mit den „blanken" Waffe» beschäftigen, mit denen die ,Zuldaer Zeitung" 'm den Wahlkampf tritt gegen die politischen Gegner des Zentrums. Jn ihrem Artikel „Für Marx, gegen Jarres“ in der Nr. 62 vom 15. 3. 25 flocht sie so nebenbei die Bemerkung ein, die Deutsch- tzationalen betrachteten ihren Präsidentschaftskandidaten im Falle seines Sieges nur als den Platzhalter der Hohenzollern- Herrschaft, die man dann gelegentlich durch einen Putsch wieder herzustellen trachte. Gewiß würde ein großer Leil der Rechtsparteien die Rückkehr der Hohenzollern mit Freuden begrüßen; daß aber die Deutschnationale Partei eine gewaltsame Aenderung der augenblicklichen Reichsverfassung heimlich erstreb e — und das meint doch die .Zuldaer Zeitung" —, ist zum mindesten, um nicht deutlicher zu werden, eine umvcchre Behauptung. Das macht diesem Blatt nichts weiter aus.
Die Lsser, für die jene Bemerkung bestimmt war, lesen kein anderes Blatt und erfahren daher auch nicht, daß man es mit der Wahrheit nicht allzugenau nimmt. Semper aliquid haereti Zu deutsch: Etwas bleibt immer haften! Der Boden ist durch diese Bemerkung des Blattes nun aufnahmefähiger geworden für die in der Beilage stehende „aktuelle" Betrachtung: „Wilhelm 2. und die Laudgräfin". Schon der erste Satz unter dieser dicken Überschrift zeigt, wohin die Fahrt geht! „Wie Kaiser Wilhelm über die katholische Kirche dachte". Und nun wird Pool „Gerüchten" gesprochen, die gelegentlich des Uebertritts der Landgräfin zur katholischen Kirche am 10. 1901 in der Kapelle des Fuldaer Priesterseminars damals „aufgetaucht" seien. „Die Religion, zu der Du übergetreten bist hasse ich" und „Du trittst also jenem Aberglauben bei, den auszurotten ich mir als Ausgabe gestellt habe", sollte diesen Gerüchten zufolge der Kaiser unter anderem an seine Lante, die Laudgräfin geschrieben haben. Es war, wie die .Fuldaer Zeitung" etwas schamhaft zugibt, ein falsches Gerächt. Warum erzählt sie es dann aber nach 23 Jahren ihren Lesern? Semper aliquid haereti ist ihr Grundsatz. Ein späterer Satz bestätigt es uns: „Katholi- scherseits blieb das Mißtrauen gegen die amtlichen Dementi bestehen". Das wird setzt aufgewärmti Dazu werden noch einige späteren Aeußerungen des Kaisers über Luther und Gu-^ jtao Adolf aufgetifcht, die den Zweck haben, die katholisch^ Seele gegen diesen „Feind der Kirche" ins Wallen zu bringen und schließlich wird der Brief an die Laudgräfin abgedruckt, in dem der Kaiser seine Laute wegen Uebertritts zur katholischen Kirche aus dem Hause Hohenzollern ausstößt. Vom rein menschlichen Standpunkt aus wird man die Empörung des Kaisers ohne Weiteres oenstehen, daß sich ein Mitglied seiner Familie Jo über die jahundertelange Lradition seines Hauses hinwegsetzte. Es war im übrigen doch auch eine ganz interne Familienangelegenheit. Wozu wird das alles jetzt nach 23 Jahren oon dem „führenden« Organ breit getreten? ‘ Doch nicht, weil eer P. Dr. Kapristan Romeis O. F. M. eine Schrift über die Landgräfin jetzt verfaßt hat. Ach nein, der tiefere Sinn ist ^ohl folgender: Der Kaiser hat die Landgräfin ihres Glauoens wegens aus der Familie ausgestoßen, der Kaiser ist also ein Semd der Kirche. Und diese Feinde der katholischen Kirche •wollen die Deutschnationalen wieder zurückholeni Also . . .? Die für den Zentrumsleser beabsichtigte Schlußfolgerung ist zu durchsichtig, zumal wenn in derselben Nummer gesagt wird, die Deutschnationalen hätten den Reichswchrminister Dr. Geßler auch deshalb nicht als Präsidentschaftskandidaten haben wollen, weil er Katholik sei und ihr jetziger Kandidat Dr. Jarres sei ein erbitterter Feind der Katholiken und ... . Mitqlied der Loge«! Sogar Logenbruder! Das scheint in den Augen der Sulbaer Zeitung» eine Art leibhaftiger „Gott sei bei uns“ ?u sein. Was werden die Demokraten, soweit sie Mitglieder einer Loge sind, zu dieser Extratour ihrer „Weimarer Alliierten sagen?:
„Dlamier’ mich nicht, mein liebes Kind „Und grüß' mich nicht unter den Linden, „Wenn wir allein beisammen find, Dann wird sich alles finden“.
Die „Fuldaer Zeitung" behauptet, die Rechtsparteien hätten nie ernstlich an ein Zusammengehen mit dem Zentrum in der