Hessische ,
Morgenzertung
Fuldaer Kreisblatt, Anzeiver für Rhön und Bogelsbery, Fulda- und Haunetal
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Nümmer 65.
DvnnersW, den 19. März 1925.
2. Jahrgang.
MWönge der Pariser Bessrechmsen.
Keine neue Konferenz - Triumps der iSeheimdivlsmatle. - Ohne Amerika keine Lösung. - Frankreichs und Englands Thesen, — Ser .Hoyols" über den Völkerbund. — Eine neue Rede Stresemanns?
Keine neue Konferenz?
' wb. Paris, 18. März. Das €d)o de Paris «schreibt: Man hat gestern das Stillschweigen beobachtet, das Ehamberlain und Herriot bezüglich der deutschen Entwaffnung der Räumung der Kölner Zone bewahrt habe. Es scheint sicher zu sein, daß entgegen der ersten Bestimmung die Alliierten keine Konferenz abhalten werden, um diese Angelegenheit zu regeln. Man wirb aus gewöhnlichem diplomatischem Weg, unterstützt von den Sitzungen ber Botfchafterkonferenz, verhandeln und Mar aufgrund 'einer Entscheidung, die in der ersten SchammeDunst fischen Herriot und Ehamberlain getroffen und in der vorgestrigen Beratung bestätigt wurde. Das ist jedenfalls der einzige Borteil, den Herriot erzielt hat, und er ist nicht umvesent- lich. Die interalliierte Konferenz über das Doppelproblem der deutscheu Entwaffnung und der Räumung der Kölner Zone soll älso eine Lösung finden, unabhängig von der Sicherheitsfrage. Aus der Eatfache, daß diese beiden Hauptprobleme parallel nebeneinander laufen, ergibt sich, daß Frankreich in der Lage sein wird, die Opfer zu beschränken, die man in der ersteren Frage von ihm fordern wird, um sie in ein Verhältnis zu bringen zu dem, was man ihm in der zweiten Frage bewilligen wird.
Triumpf der Geheimdiplomätie.
wb, London, 18. März. Ehamberlain erklärte den bei seiner Ankunft versammelten Journalisten, er könne dem, was er in Paris gesagt habe, nichts hinzufügen.
Die „Dallg News" bezeichnet die Ergebnisse der Besprechungen in Genf und Paris als „Triumph des Grundsatzes der Ächeimdiplomatie". Großbritannien habe sich durch Jeinen Staatssekretär des Aeußern endgültig gegen die Veröffentlich- Ung des Berichts der interalliierten Mil-itärkontrollkommis- sion ausgesprochen. Die ursprünglich für diesen Monat geplante Konferenz in Brüssel sei auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Die britische Haltung in der Frage des Sicher- Heitspaktes werde wahrscheinlich eine Abänderung in der Richtung auf eine größere Anpassung an die französischen Anschauungen erfahren.
Das Ergebnis der Pariser Besprechungen.
D7B. Paris, 17. März. (Eig. Meldg.) Als Ergebnis der Besprechung Mischen Herriot und Ehamberlain ist den Blättern zu entnehmen, daß beide Minister zu der Ansicht gekommen sind, ein Sicherheitspakt könne erst dann zum Abschluß gebracht werden, wenn Deutschland dem Völkerbund beigetreten P.
Dem „Petit Sourual" zufolge werden die Alliierten in direkte Verhandlungen mit Deutschland nur eintreten, wenn die deutsche Regierung bedingungslos in den Völkerbund ««tritt und auf Grund der letzten Note des Völkerbundsrates nunmehr seine Aufnahme beantragt. Alle schwebenden politischen Fragen sollen in den nächsten Tagen auf dem Wege der diplomatischen Verhandlungen weiter erörtert werden. Was die Frage der Veröffentlichung des Berichts der Militärkontroll- kommWon anlangt, so gehen die Meinungen der Blätter darüber auseinander. Während das „Petit Sourual" behauptet, England fei für die sofortige Veröffentlichung, besagt eine Pariser Information des Londoner „Dailg Telegraph" der Bericht werde nicht, oder wenigstens vorläufig nicht veröffentlicht werden. Was die Aevidieruug der Ostgrenzen Deutschlands betreffe, so könnte diese nur durch einstimmigen Beschluß der Völkerbundsversammlung geändert werden. Zur Frage der Entmilitarisierung des Rheinländer stehe Ehamberlain auf dem Standpunkt, daß weder die Alliierten noch der Völkerbund ein Recht hätten, eine dauernde Kontrollkommission im Rheinlands festzusetzeu. Herriot dagegen sei der Ansicht, eine Verletzung der Entmilitarisierungstklausel müsse als feindlicher Akt bezeichnet werden.
Ueber die Unterredung zwischen Herriot und Dr. Benesch teilt das „Petit Sourual" weiter mit, daß -der tschechoslowakische Äußenminister einen neuen Sicherungsvorschlag dahinge- hend erwogen habe, ein Bündnis zwischen Polen und der Tschechoslowakei abzuschließen. Benesch wolle im April nach War- fchau reisen, um den tschechisch-polnischen Schiedsgerichtsvertrag zu unterzeichnen, der als Ausgangspunkt für einen Sicherheits
Nicht Mm, sondern Farres!
Daß die Presse für den Kandidaten ihrer Partei eintritt, •H ihr gutes Recht und ihre Pflicht. Das Maß des Erlaubten '"fuß hier der gute Geschmack geben. Man darf die Lobhudelei aber nicht übertreiben, denn vom Erhabenen zum Lächerlichen st nur ein Schritt. Belustigend grotesk ist es zu lesen, in welcher öligen Sprache die „Fuldaer Zeitung" den Zentrumskanewaten Marx anpreist. Aus dem Füllhorn der Lodcshgm- nen einige kleine Proben: „Marx ist kein Parteikandidat. 3n
vertrag dieser beiden Mächte gegen Deutschland angesehen werden könne.
Kein Ergebnis.
wb. Loudon, 18. März. Der diplomatische Berichterstatter des „Dailg Telegraph" erklärt, die letzten Besprechungen zwischen Herriot und Ehamberlain in Paris hätten kein Ergebnis gehabt. Dies sei britischerseits auch nicht erwartet worden. Ehamberlain habe angesichts der britisch-französischen Differenzen in Genf den Wuitsch gehabt, Herriot gegenüber eine freundliche Geste zu machen, Sm Zusammenhang mit den letzten deutschen Paktvorschlägen erwartet der Berichterstatter keine schnelle Entwicklung, zumal die Alliierten sechs Monate Feit hätten, bevor Deutschland in den Völkerbund ausgenommen werden könnte. Herriot scheine dem Gedanke«, Deutschland auf dem Fuße der Gleichberechtigung zum Pakt zuzulassen, abgeneigt zu fein und zu wünschen, daß einseitige militärische Vorbereitungen gegen Deutschland getroffen würden, auch nachdem es seine westlichen Grenzen garantiert habe, Sn Londoner Kreisen gewinne die Ueberzeugung immer mehr Boden, daß ohne freundschaftlichen Rat und Hilfe der VerechigLen Staa teu keine Lösung des Sècherheitsproblems gefunden werde, wie Wes auch früher in der Reparationsfrage der Fall gewesen sei.
Fwei verschiedene Thesen.
wb. Paris, 18. März. Die Ere Nouvelle schreibt: Der *Quai d'Orsag ist der Ansicht, daß Deutschland in den Völkerbund eintreten muß, bevor man mit ihm einen Sicherheitspakt^ 'unterzeichnen wird. Der Ehef des Foreign Office ist der An-^ sicht, daß die Fulassmrg Deutschlands zum Völkerbund in keiner Beziehung zu ier' Unterschrift Deutschlands unter den Si» Herheitspakt steht. Dies« beiden Thesen, ob zwar sie scheinbar •mir wenig von einander abweicheu, sind in Wirklichkeit sehr hoeit von einander entfernt. Das Kabinett von St. Sames hat während mehrerer Sahre den Standpunkt vertreten, dem besiegten Lande den Zugang zum Zriedenstempel in Genf zu er- Wöglichen. Heute, nachdem dieser Zugang keinen Konfliktsstoff mehr bildet, sondern den Beweggrund für eine Einigung, em- Pfindel das gleiche Kabinett nicht das Bedürfnis, von Deutsch- 'laud ein Unterpfand feines guten Willens zu fordern. Darin kann man nicht viel Logik finden, es sei denn, man wolle darin etwas Machiavellismus entdecken. Frankreich darf nicht vergessen, daß es sich um seinen Ruf als Land handelt, das den Frieden will, das die europäische Ordnung garantieren soll. Das Bölkerbundsstatut darf nicht zu einem Dokument für Museen werden, sondern muß der erste Artikel des Gesetzbuches des Friedens Jein und bleiben.
Der „Popolo" über den Völkerbund.
wb. Rom, 18. März. „Popolo" wirft dem Völkerbund vor, daß sein Verhalten die Begeisterung für dieses Snstitut gründlich abkühle. Der Völkerbund schrecke vor jeder ernsten Arbeit zurück und leiste nur halbe Arbeit, wie er es jetzt mit dem Saargebiet und Danzig bewiesen habe. Und das werde solange bleiben wie die englischen Konservativen am Ruder seien.
Vor einer neuen Rote der Aeichsrogrerung. — Bevorstehende Rede Stresemanns im Reichstage.
DB.Berliu, 18. März. (Eig. Meldg.) Wie wir von unterrichteter Seite hören, hat Außenminister Dr. Stresemann das Reichswehrministerium um die Unterlagen für die jetzige Organisation der Reichswehren und alle damit zusammenhängenden Fragen ersucht. Nach gemeinsamer Besprechung mit dem stellvertretenden Reichspräsidenten Dr. Simons der vor 'allem über die juristische Seite Auskunft gab, wurde der Plan gefaßt, eine neue Note über den Stand der Abrüstung die anscheinend beabsichtigte Wiederaufnahme der Militärkontrolle und im Zusammenhang damit auch die Sicherheitsfrage an die alliierten Regierungen zu richten.
<3n parlamentarischen Kreisen nimmt man an, daß bei der außenpolitischen Debatte in der Donnerstagssitzung des Reichstages Dr. Stresemann eine Rede halten wird, um den Standpunkt der Aeichsrogierung zu den schwebenden außenpolitischen Frage« darzulegen.
Marx bieten wir dem deutschen Volke den echten und würdigen Volkskandidaten". Für diesen V o l k ^Kandidaten wird aber nur das „Volk" des Zentrums eintreten, und auch das nicht ganz, denn es ist sehr fraglich, ob die auf dem westfälischen Zentrumstag in Hamm am 21. Februar ds. Sahres protestierenden, rechtsgerichteten Kreise des rheinischen -und westfälischen Zentrums unter Stegerwald für die Politik des Herrn Marx gewonnen sind. „Marx ist der Vorkämpfer der Volksgemeinschaft, -der Mann des gerechten und versöhnenden Ausgleichs“. Die „Fuldaer Zeitung" scheint auch auf dem politisch weiter I
links üblichen Standpunkt zu stehen: nur fest und dreist bchaup- fen, vielleicht glaubt es jemand. Marx, der den Reichstag auflösen ließ um nicht Deutschnationale mit in die Regierung nehmen zu müssen, einen „Vorkämpfer der Volksgemeinschaft" zu nennen, ist wirklich etwas kühn. Auf ,chen Mann des gerechten und versöhnenden Ausgleichs" wirft es ein merkwürdiges Licht, daß er -sich als neugebackener preußischer Ministerpräsident aus den Trümmern des durch die Wahlen gestürzten Kabinetts Braun ausgerechnet den ,^Fachmiuister" Severing «wieder hervorholte, dem Herr Braun wohl in erster Linie seine Niederlage verdankte. Theoretisch hat die Zeitung wohl recht, wenn sie heute schreibt: „Die Volksgemeinschaft darf kein billiges Schlagwort sein: es sei ein hohes Ziel, für das Opfer gebracht werden müssen. Wo siud die Opfer, die Marx rmd , seine Leute dieser Sdee bringen? Vielleicht daß sie als Katholiken mit der Partei, die zu ihren Bonzen die übelsten Senger des Ehrijstentums zählt, durch dick und dünn geht?
Ein „Verhöhner" der Volksgemeinschaft scheint uns ein passender Beiname zu sein. Auch über die außenpolitischen Erfolge des Herrn Marx sind wir leider anderer Ansicht. Wir finden nicht, daß unter seiner Regierung die deutsche Nation nach außen wieder zu Ehren, Anse nm und Respekt gelangt ist. Denn wäre das der Fall, hätte das Ausland „Respekt" vor uns, so hätten der Feindbund nach Abschluß des Londoner Vertrages die Ruhr und am 10. Sanuar 1925 die Kölner Zone geräumt. Es soll diese Feststellung kein Vorwurf gegen Marx sein, sondern mir eine Zurückweisung angebticher Verdienste dieses Mannes. Wir halten feiner politischen Einstellung und seinen Taten nach Dr. Marx nicht für die über den Parteien stehende Persönlichkeit, die geeignet ist, den Posten des Reichspräsidenten zu übernehmen. Wir haben einen ^ef- feren Manul, der während des Ruhrkampfes bewiesen hat, daß er »Haare auf den Zähnen" hat, der sich lieber ausweifen und ins Gefängnis werfen ließ, als die Befehle der fremden Gewalthaber auszuMren, dem beim Ausscheiden aus dem Nejchsdienst der in dieser Beziehung wohl unverdächtige Ebert schrieb: „Es ist mir ein Bedürfnis, Shnen bei diesem Anlasse «mit dem Ausdruck meiner aufrichtigen Anerkennung herzlichst zu danken für Shre hingehende und erfolgreiche Wirksamkeit als Reichsminister des Innern und als Stellvertreter des Reichskanzlers". Dieser Maos ist der Ranbibat des Rschs- blödes, der Duisburger Oberbürgermeister Dr. 3arres. Nicht alle Fentrumskreise urteilen über diesen Mann so wie der ..führende" Politiker der „Fuldaer Zeitung", die sogleich nach Eberts Tode die altbewährten, traditionellen „Rübel“ bereitstellte und sie bei erster Gelegenheit voll Verleumdungen übelster Art auf den Kandidaten des Reichsblocks ausgoß. So begrüßte 3ujtr?rat Feldhaus, der Vorsitzende des Zentrums in Duisburg den zurückgekehrten Oberbürgermeister mit folgenden Worten: „3n jeder Lage, seit sie die Führung dieser Stadt hatten, haben Sie sich als treuer Sachwalter der Stadt Duisburg gezeigt. Gerade in den schwierigsten Zeiten der Krieges, der Revolution und Besatzung haben Sie gezeigt, daß die Bür gerschast wohlberaten war, als sie im Sahre 1914 Sie zum Oberbürgermeister wählte". Und das Duisburger Zeutrumsor- ^gau, die „Duisburger Volkszeitung" schreibt am 8. Februar 1925 über die erste Rede des zurückgekehrten Oberbürgermeisters Dr. Sarres:"
„Versprechungen sind billig, aber sie sind nicht wertlos ha Munde eines Mannes, von dem man weiß, daß bei seinem Wort auch dieTat stcht, und daß er nichts verspricht, was er nicht galten will oder kann. And wir dürfen von Herrn Dr. Sarres nach feiner Vergangenheit nach der Treue und dem Snteresfe insbesondere das er Duisburg in den letzten Mei Sahren bewiesen hat, ohne weiteres onnehmen, daß er nur das Beste für unsere Vaterstadt im Auge hat".
Jos Neueste.
Ein reines Veamteukabiuett.
wtb. Berlin, 18. März. telef. Nachdem die aaf 2 Uhr an* beraumte Sitzung des preußischen Landtages auf 5 Uhr vertagt worden war, wird diese neue Sitzung, «ne wir aus parlamentarischen Kreisen höreu, nur von kurzer Dauer sein. Es soll, wie uns mitgeteilt wird, der Versuch gemacht werden, mit einem reinen VeamteukabmeU für die Uebergaugszeit vor den Landtag zu treten. Den Vorsitz dieses Veamteukabiuetts soll ebenfalls ein Nichtparlamentarier führe«.
Keioe Befeitigvag der Fahrtvergunstiguugev.
wtb. Berlin, 18. März. telef. Die von der Tarifkommis- sio« der deutschen Reichsbahngesellschaft von dem Verwaltungs- rat geforderte« Maßnahmen zur Beseitigung der deu Schwerkriegsbeschädigte« bisher gewährten Zahrtvergüustigungeu auf ber Reichsbahn, werden, wie verlautet, mit dem 1. April dieses Sahres nicht in Kraft gesetzt, vielmehr verbleibt es bei den derzeitige« Bestimmungen.
Zusammentritt des auswärtigen Reichstagsausschustes.
wtb. Bcrliy, 18. März. telef. Der auswärtige Ausschuß des Reichstages trat heute vormittag zusammen, um sich zunächst