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Kuwaev Kreisblatt, Anzeiger für Rhön un- Vogelsberg, Fulda und Haunetal
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MMM 68.
Sonntag, den 22. März 1925.
2. Zahrgang.
Das Zentrum und die preuAMn M.
Landtag. - Die Empörung der Rechten. — Sabotage des Zentrums und der Anken. „Beschüstigung für Serrn Marx gesucht,
Der preußische Landtag ist am Donnerstag Abend in heftiger Erregung und Konficktstimmmrg auseinanLergegangen. Der Antrag der Parteien rechts vom Zentrum, am Freitag ^iie Ministerpräsidenten vorzunehmen, wurde von der Linken und dem größten Keil Les Zentrums dadurch }U Juli gebracht, daß diese an der Abstimmung nicht teilnahmen miL so die „Beschlußunfähigk e i t" des Hauses herbeksührten. Die Ueberraschung und Empörung der Rechten waren deshalb besonders groß, weil ihre Vcjrtrster noch kurz vorher mit Herrn Herold vom Zentrum verhandelt und Mre grundsätzliche Einigung erzielt hatten. Danach jedoch war die MehrhM der Zeu- trumsfraktiou dem greifen Zichyer in den Rücken gefallen aud wieÄsr der Linken in die Arme gelaufen. Man erficht hieraus von neuem, in welchen inneren Schwierigkeiten sich Las Zentrum befindet und wie es dadurch zu einem völlig unsicheren Faktor in der Parteipolittik geworden ist. Der ausgesprochene Zweck Leu die Linke bei diesem Manöver verfolgt, ist Ler: die Neuwahl des preußischen Ministerpräsidenten zu verschleppen, bis Ler erste Mahlgang der Reichspräsidentenwahl vorüber und die Neuordnung Ler SammelkanLidalur geregelt ist. Mit anderen Worten: man will immer noch für Herr« Marx bett preußischem Pofte« offen halten, falls er nicht der Sammelkandidat der „Republikaner" für die Reichspräsidentschast wird. Die vongeschobenen ander. Gründe sind Spiegelfechtereien, denn die Ergebnisse der ReichspräsidentenwalHI lassen nicht, wie auf der Linken behauptet wird, einen Schluß auf die StärkeverhAtnisse Ler Parteien im Lande zu, da hier bei sehr vielen Wählern Lie Persönlichkeiten der Kandidaten den Ausschlag geben werden Nein, nur um bie Beschäftigung des Herr« Malrx handelt es sich, und die Parteien die bisher am lautesten über die Verzögerung der preußischen Regierungskrise geklagt haben, entblöden sich nicht, aus solchen rein persönlichen Gründen die Entscheidung wiederum um etwa zwei Wochen hinauszuschieben.
Wenn Lie „Germania" feierlich erklärt, das Zentrum werde in Preußen niemals feine Hand dazu bieten, daß der Staat wieder den Rechtskreisen ausgeliefert werde, so ist Las eitel Heuchelei. Das Beamtenkabinett, das seit Monaten von der DeutscheuVolksparlei oorgeschlagen wurde, kann und soll kein Rechtskabinett sein, ob ihm nun Sozialisten angehören oder nicht. Ungewöhnlich turbulent setzte die Freitagssitzung des preußischen Landtages ein — Lie letzte Sitzung vor dem
JaspüvilliKeFriedensmsebotvonisi7.
Die „Fuldaer Zeitung" hat in ihrer Nummer 65 vom Donnerstag, den 10. März 1925 über den früheren Reichskanzler Michaelis gesagt: . . . Michaelis Ler Deutschland in Niederlage und sinken ließ, weil er keinen »Frieden vom Papste" wollte.
Wir haben bereits kurz angedeutet, daß diese Behauptung eine vollständige Verdrehung der Katfadyen ist. Ls dürfte unsere Leser vielleicht aber interessieren, noch einmal etwas Näheres über dieses päpstliche Friedensangebot zu lesen.
Um Lie päpstlichen Friedensbemühungen während des Weltkrieges ist, namentlich durch die kecken Behauptungen Erzbergers am 25. Juli 1919 in der Weimarer Nationalversammlung, viel künstlicher Nebel verbreitet worden. Alles, was Pazifist heißt, schwört seitdem darauf, daß der Papst Len Frieden wenigstens schon 1917 zustande gebracht hätte, wenn nicht Lie reu- ßischen Generäle und die preußischen Staatsmänner (Michaelis) zu tief in ihren Vorurteilen verblendet gewesen wären, um den Frieden aus der Hand des Papstes entgegen zu nehmen. Wie verhält es sich in Wirklichkeit?
Ks ist zunächst gar kein Zweifel, daß sich der Papst Benedikt 15. ehrlich um den Frieden bemühte. Schon in den ersten Kriegsmonaten begann er mit mehreren wohlgemeinten Frie- denspredigten. Sein erster positiver Vorschlag, zu Weihnachten 1914 eine Waffenruhe eintreten zu lassen, scheiterte am Widerstände Rußlands. Ebenso erfolglos blieb ein ähnlicher Vorschlag eines Waffenstillstandes zu Ostern 1915: Diesmal wider- zsprach der ganze Foindbuwd. Feierlich erhob wiederum der Papst seine Stimme zum ersten Jahrestag des Kriegsanfangs vm 28. CUii 1915: „Gesegnet sei, wer zuerst den Oelzweig erhebt, dem Feinde die Rechte anbietet und ihm oernünfti^e Frie- ldensbedingungen vorschlägt". Jm Dezember 1916 kam endlich bas erste Friedensangebot. Ls kam von bin Mittelmächten. Auch an den Vatikan ergingen besondere Schreiben. Der «Offeroatore Romano" beschränkte sich auf die dürftigsten Be- inerkungen. Er meinte, die Vorschläge der Mittelmächte seien 'ucht gerade von vornherein zurück zu weisen, wohl aber seien öie vorschlagenden Mächte aufzufovdern, die Grundlage, auf der le etwaigen Zriedensverhandiungon erfolgen sollten, näher zu umschreiben. — Also das Prädikat: „nicht genügend".
31. März. Der im Aeltestenrat von der Linken durchgedrückte Beschluß, das Haus bis nach Ler Reichspräsidentenwahl zu vertagen und sogar in dieser kurzen Zwischenzeit dem Ueber» wachungsausschpß des Landtags weit ergehende Rechte zu übertragen, «hatte auf dgr Rechten starke Empörung Hervorgerufeu. Sie kam zum Ausdruck in den leidenschaftlichen Reden, mit denen die Leutschnationalen Abgeordneten v. Osten, Dr. Muckler und Schlange vor Eintritt in die Tagesordnung gegen diese Verschleppung protestierten und eine Erklärung des „Miuistsr- ipräjibenten“ Marx forderten. Dieser erschien denn auch bald, sagte aber nur einige formelle Sätze über das verfasfungsmä- Hige Recht des zurückgetretenen Ministeriums, Lie Geschäfte weiter zu führen, und Lie im Landesinteresse notwenLigen Anordnungen zu treffen. Aber das wollte man nicht wissen; La- rüber ist sich ja jedermann klar. Die Rechte wünschte eine Besprechung ihres Antrages, wonach ein in Liquidation befind tidyes Kabinett keine LntschleDung von politischer Tragweite (treffen soll, und beantragte die Besprechung der Marx-Erklärung. Diese wurde auch beschlossen, Loch beantragte die Sinke ihre Vertagung und sprengte, als hierüber abgestimmt wurde, Lie Sitzung, in dem sie sich au der Abstimmuug nicht beteiligte und auf diese Weâf« die „Voschlußunfähigkeit" des Hauses bewirkte. Das alles geschah unter außerordentlichem Lärm rechts wie links. Und zum Schluß — nachdem die Kagesorbnung mit Ler Debatte über Halle und mit den Beschlüssen über das Schulwesen in den besetzten Gebieten wie über die Auflösung Ler Lehrerseminare erledigt war — gab es denselben Krick. Wiederum war das Haus „beschlußunfähig", sodaß der sozialistische Präsident Bartels ohne weitere Debatte die nächste Sitzung auf den 31. März anberaumen konnte. Hier wurde ein Kerror ausgeübt, Ler sich mit dem parlamentarischen System schlechthin nicht mehr verträgt. Ls ist richtig, daß auch Lie Parteien Ler anderen Seite von der Kaktik der Stimmenthaltung zur Herbeiführung der BeschluHunfähigkeit Gebrauch gemacht haben, so noch am Donnerstag bei der erneuten Abstimmung über den Antrag, die bereits abgelaufene Wahlzeit der Provinial und Kreistagsabgeordneten bis zum 1. November zu verlängern. Man kann im Zweifel darüber fein, ob die Opposition überhaupt von diesem Mittel Gebrauch machen soll, falls nicht ein ganz besonders wichtiger Fall vorliegt. Aber die .Vergewaltigung am Freitag war viel schlimmer!
Das Fahr 1917 brachte endlich die große päpstliche Frie- Lensvermittlung. Kingeleitet wurde sie durch einen amtlichen Brief des Papstes an den Kardinalstaatssekretär Gasparri und Lurch einen eifrig geführten Pressefeldzug in den päpstlichen Blättern. Galt es doch, dem unwillkommenen Wettbewerb der sozialistischen Pazifisten, Lie gleichzeitig in Stockholm tagten, 'entgegenzutreten. So vorbereitet, empfing die Welt die päpst- fche Note vom 1. August 1917 „an die Staatsoberhäupter der kriegführenden Völker". Zur Lie Mittelmächte war sie vorbereitet durch die Erzbergersche Zriedensoffensive. Am 19. Juli ‘1917 nahm endlich die Mehrheit des deutschen Reichstages — «Zentrum, Demokratie und Sozialdemokratie — unter Erzber- •gers Führung jene berüchtigte Friedensresolutio« an, in der ei- netm Verzichtfrieden das Wort geredet wurde; dadurch wurde im Auslande der Eindruck erweckt, Laß man nun auch im beut- fcfyen Reiche fertig sei und jede Demütigung auf sich nehmen "werde. Diese Friedensresolution bedeutete die erste große Bresche, die in die Front des deutschen Selbstbehauptungs- und Siegeswillens geschossen wurde. Die päpstliche Frie-ensaote vom 1. August 1917 suchte diese Bresche nach Kräften zu erweitern. Diese Friedensnote hat erst später ihre ganze Berühmtheit erlangt, als Erzberger sie in der Nationalversammlung zu einem ebenso gchässigou wie schädlichen Vorstoß gegen die alte Legierung mißbrauchte. Er behauptete, daß wir ba- ^als, im September 1917, einen für uns günstigen Frieden hät- ten haben können; Reichskanzler Michaelis aber habe aus protestantischer Voreingenommenheit ein englisches Friedensangebot, das infolge Ler päpstlichen Friedensnote durch den Nuntius Pacelli übermittelt worden sei, glatt abgelehnt, und dadurch die Fortdauer und schließlich das traurige Ende des Krieges berschuldet. Der maulgewaltige Held von Buttenhausen er» sielte bamit einem wohlfeilen Triumph. Die schwarz-rot-goldene Revolutious-Nationalversammlnug sprach ihm ihr Vertrauen aus. Bald aber stellte sich der richtige Tatbestand heraus: 'Krftens, daß, wie Pacelli selbst erklärte, nicht von einem englischen Angebot, nicht einmal von einem Wühler" bie Rede fein könne; zweitens, Laß Michaelis sofort einen Kronrat veranlaßt Habe, in dem aufgrund der Friedensresolution des Reichstages Beschlüsse gefaßt wurden. Michaelis leitete bie deutsche An- ficbt, allerdings mit gutem Grund, nicht durch den Nuntius, weil 'er Ausplaudern an und durch Erzberger fürchtete, sondern über Spanien.. Der Erfolg war gleich Null: England forderte
Lamals schon nicht nur einen Verzicht-, sondern einen Ver-
'nichtungsfrieden.
Es steht also von vornherein fest, daß die päpstliche Friedens note keinen Erfolg hatte. Ls muß aber auch hervorgehoben werden, daß sie sich inhaltlich durchaus auf derselben Linie wie die Forderungen unserer Feinde bewegte. Sie forderte bie „internationale Gchiedsgerichtsbarkeit", Abrüstung, Freiheit der Meere; gegenseitigen Verzicht auf Entschädigungen; beiderseitige Herausgabe der besetzten Gebiete. Dann aber — also über diese Forderung Hioaus — forderte der Papst eine versöhnliche Prüfung der strittigen territorialen Fragen, welch« zwischen Oesterreich und Jtalien, zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich bestehen: also auf deutsch: Preisgabe von Güd- tirol und Triest und von Llsaß-Lochrrugeu; endlich dasselbe in bezug auf die Gebiete, die zum ehemaligen Königreich Polen gehören, L. h. den Verzicht auf Pose« ««d W^tpreußeu.
Ein weiterer Beweis, daß der Vatikan alles andere tat, als sich mit diesem Friedensangebot auf die Seite Deutschlands zu stellen, ist das Schreiben des päpstlichen Staatsfekretariats vom 10. September 1917 an den französischen Bischof von Valence, das laut „Osservatore Romano" eine autoritative Erklärung der Papstnote bedeuten sollte. Jn dem Schreiben hieß es: „We«u im päpstliche« Schreiben eine Nation besonders begünstigt worden ist, so ist es Belgien und Frankreich".
j Das Endergebnis der Papstnote und der an sie anschließen- jden Bemühungen war gleich NM. Der deutsche Staatssekretär des Auswärtigen, Herr v. Kühlmann, mußte im Hauptaus- ßchuß vom 29. September 1917 feststellem, daß für die wohltätigen Wirkungen der Papstnote nicht gerade günstige Aussichten seien. Aehnlich urteilten der bayerische Ministerpräsident Graf Hertling und der österreichische Außenminister Graf Kyernin.
Ls ist Tatsache, daß die päpstliche Friedensvermittlung daran gescheitert ist, daß die Feinde nicht auf sie eingingen. Die Friedensbemühungen wurden am ernstesten genommen, am aufrichtig chen und eingehendsten behandelt u. am ehrlichsten beantwortet von den Mittelmächten, die sich zu einem „Berzichtfrie- jdeu" im weitesten Maße bereit erklärten, obwohl sie im Herbst 11917 militärisch noch auf der Höhe standen. Die Behauptung, fimß die päpstliche« Bemühuuge« an dem „protestantische« Kanzler Michaelis «ud ch» de« alldeutsche« Gckverälâ gescheitert fei* ten, ist eine plumpe Erzbergersche Geschichtslüge, die jetzt im .Wahlkampf von der Fuldaer Zeitung" ebenso wie der Kaiserliche Brief an bie Landgräfin wieder ausgegraben wird, um bei den Deutschen katholischen Bekenntnisses Stimmung zu machen gegen Len nationalen Geist und seinen Kandidaten für Lie ReichLpräsidentschaft Dr. Jarres. Und so etwas ist man bei diesem Blatte ja gewohnt.
Jas Neueste.
Die Prüfung der deutsche« Vorschläge.
wtb. Loudon, 21. März, teles. Zu der Reise des frauzö- sischeu Botschafters nach Berlin schreibt die Times: Es verlau- tet, daß die frauzösische Regierung drmgeud wünsche, einen deutlichen Fingerzeig bezüglich der Hauptrichtlinion der britt- scheu ‘Politik in der Stage der frauzöscheu Sicherheit zu erhalten. Man glaube Herriot sei der Ansicht, daß chm, wenn er kein klares Bild der britische« ‘Politik erlange, möglicherweise unangenehme Angriffe seitens der Opofition drohen würden. Die Limes führt weiter opis: Gegenwärtig mürben dis deutschen Vorschläge von beiden Rqgisruugeu sorgfältig geprüft, zunächst um festzustellen in welchem Punkte sie sich mit dem Versailler Vertrag decke« und in welchem sie sich daivou unterschieben. Dies werde voraussichtlich dazu führen, daß die dclntsche Ae- giorun um weitere Aufklärung über einige Punkte ersucht wer- deu würde. Nach deveu Eingang würde« die beiden Regieruu- geu ihre Antworten an die deutsche Regierung entwerfe« und danach streben diese Autworten in ihren Hauptlinieu in Uebereinstimmung zu bringen. So werde es vermieden werden, daß die deutsche Regierung zögere, ihren Wunsch nach Aufnahme in den Vöckorbund atuszusprecheA,ferner daß die Bearbeitung der Sichckheitsfrpjge durch die alliierten Regierungen im jetzigen Stadium behindert merbe.
Lohnerhöhungen bei der Aeichspofi.
wtb. Berlin, 21. März. telef. Wie eine Korrespondenz erfährt, sind die Lohnverhaudluugev für die Post- und Tele- graphenarbeitet auf der Grundlage des verbindlich erklärten Schiedsspruchs für die Eifenbahnarbeiter zum Abschluß gebracht worden. Auch die Arbeiter der Reichspost erhalten eine Stuu- denzulage von 3 Pfennigen.
Der Gang nach Kanossa.
rotb. Berlin, 21. März. Djs Landtagsabgoordneteu des Zentrums v. Papen und Lönnartz erklären laut „Germania" daß ihre Abstimmnugsenthaltuug am 21. Februar 1925 sich in keiner Weise gegen die verchrungswürdige Person des Reichskanzlers a. D. Marx unb gegen das von chm verfolgte Ziel einer Vocksgemeinschaft gerichtet habe. Sie erkennen an, daß die Wirksamkett der Zentrumsfraktton wesâtüch bedingt sei