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Ful-aer Kreisblatt, Anzeiver für Rhön und Vogelsberv, Ful-a- un- Haunetal

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Nummer 69.AeMag, den 24. März 1SA.Jahrgang.

Rollets - Hindenburg - Programm.

Militarisierung von Solf und WirWast. Militüriscke Ertüchtigung der Fugend. - Nach deutschem Muster.

Ls muß auch dem Gegner des französischen Machtstrebens größte Bewunderung abnötigen, mit welchem Geschick der Kriegsminister Rollet unter Ausnutzung des pazifistischen Rgmbus, der das Kabinett Herriot immer noch umgibt ein Heeresprogramm, das in noch nicht erlebtem Matze die Mili­tarisierung des gesamten Volkes und der gestirnten Wirtschaft barstet« nach außen hm als eine Heeresreform in Richtung der Abrüstung zu frisieren weiß. Da man gerade in Deutschland allzu geneigt ist, den Seinbgerecht", b. h. ungerecht gegen das eigene Volk, zu beurteilen, so ist es nötig, daß bis in die Rei­hen der deutschenVerständigungspolitiker" hinein Klarheit über das geschaffen wird, was ausgerechnet unter der Ver­antwortung desWeltfriedenfreundes" Herriot vor sich gelht.

Rollet, der ehemalige Vorsitzende der Interalliierten Kon- trollkommPon in Deutschland, ist nicht nur ein guter Soldat, sondern auch ein geschulter Psychologe und Soziologe. Das System der Vasallenheere und der schwarzen Rekrutierung ist Kem völlig sicherer Machtfaktor. Nur aus eigener Kraft kann ein Staat sich auf die Dauer behaupten. Die Steigerung der ^grnen Kampfkraft ist das Ziel der Heeresreform Rollets. Rollet hat in seinen Plänen, die bereits öffentlich erörtert worden sind, nun nichts anderes im Sinne, als die Durchführ­ung der Maßnahmen, die unter dem RamenHindenburg- Programm" Deutschland in tiefster Rot geplant, zu spät in An­griff genommen, unzulänglich in die Tat umgesetzt hat. Richt mit der Menge der Menschen, sondern durch die vollkommen ste Ausgestaltung des Krigsmaschinismus und der wirtschaft- . liebi Kraftquellen der Ration will Rollet die Stellung Frank- Ti itbs an der Spitze aller Militärmächte behaupten.

Rach außen hin und um seinem Vocke selbst seine Pläne schmackhafter zu machen, hat Rollet feine Einwilligung in die Verminderung des aktiven Heeres gegeben und sich mit 'einer Kur einjährigen aktiven Ausbildung einverstanden erklärt. Die Zahl der Reserven wächst aber außerordentlich an, und die Militärische Ertüchtigung der iugend in den Vorbereitungsver- einen, Sportverbänden usw. wird organisch noch mehr als bis­her in den aktiven Dienst eingeschaltet. Hinzukommt ein Aus­bau der Seeverteidigung, die im Washington-Abkommen nur in bestimmten Schiffsigpen beschränkt ist, aber tatsächliche Ver­mehrungen zuläßt. ön erster Linie kommt der Ausbau der Un- terseebootflotte in Srage.

Dr. totes in Hamburg.

Der Sonntag der Kundgebungen. DieNerfackungs- pvittikre" vom Zentrum.

D.B. Berlin, 23. März. (Gig. Meldg.) Der Wahlkampf hat seinen Höhepunkt erreicht, der gestrige Sonntag war im «ganzen deutschen Reiche ein Tag der Kundgebungen für den «jeweilig erkorenen Präsidentschaftskandidaten. So fanden in «Berlin sowohl für öarres wie auch für Hellpach, Marx und Braun Kundgebungen statt. Desgleichen auch in anderen Städ­ten, zu nennen find davon in erster Linie Leipzig und Hamburg. Besonders das Auftreten Dr. öarres in Hamburg war von besonderem öntereffe, da er dort, wie bereits vorher angekün­digt, entschlossen war, auf die gegen ihn erhobenen Vorwürfe (hinsichtlich der Versackungspohtik zu antworten.

D.B. Hamburg, 23. März. (Gig Meldg.) Das Auftreten Dr. harres in Hamburg gestaltete sich zu einer machtvollen Kundgebung für den Gedanken des Reichsblockes. Dr. öarres ging nach einleitenden Ausführungen, in denen er ganz beson­ders gegen den Parteihader und Klassènhaß Stellung nahm, «ausführlich auf die gegen ihn erhobenen Vorwürfe betreffend sei wer Ahecnlandpolitik ein. Rach feiner Meinung konnte damals dem deutschen Volke nur durch eine starke politische Tat gehol­fen werden. Seiner Ansicht nach hätte damals die bekannte Gurzon-Rote eiln geeignete Grundlage für ein Auftreten ge= gen Frankreich und Belgien gegeben, da in dieser Rote vom August 1923 der Ruhreinmarsch als Bruch des Versailler- Vertrages erklärt wurde. Unter Berufung hierauf hatte Deutsch, and nach Ansicht von Dr. öarres Frankreich und Bel­gien bekannt gegeben, daß wir uns solange von diesem Frie- densvertrage entbunden halten, als nicht wieder Vertrags- und vöckerrechtLmäßige Zustände im besetzten Gebiet hergestellt sei- EN. Dr. öarres führte dann weiter aus, daß damals maßgeben­de Führer des rheinischen Zentrums und der rheinischen Demo­kratie, aus bereit Kreisen jetzt dije Angriffe gegen feine Per- 'fon kommen,sich in der Kritischsten Zeit nicht gescheut haben,

Lösungswog Verhandlungen mit dem Feind vorzuschlagen, bei deu-Pi die Zugehörigkeit des Rheinlandes zn den Ländern «ad zum Reich prâgegeben und ein selbständiger Staat außer­halb des Reichs vertragsmäßig zugostqnden werden sollte.

Gestützt wird dieses Programm auf eine militärische Durch- vrgcfuisation aller Lsbouszweige des Volkes, wie sie bisher noch nicht erlebt ist. Nicht umsonst hat Rollet jahrelang unbehindert in den deutschen Archiven studieren können. Er hat das schon genannte Hindenburg-Programm nicht nur in seiner Durch­führung, deren Unzulänglichkeit ein Hauptgrund für unsere Rie derlage wurde, sondern in den Entwürfen studiert. Er hat da­raus gelernt, wie man in Deutschland die Unterlassungssünde der wirtschaftlichen Mobilmachung gutzumachen versuchte. Sein Ziel ist nunmehr die unbegrenzte Leistungsmöglichkeit in Bezug auf Materiallieferung, die völlige und restlos durchgeführte, rei­bungslos ineinandergreifende Umstellung der gesamten Wirt­schaft auf den Kriegsfall. Frankreich ist durch den Kriegsaps- gang Herr dich« wirtschaftlichen Machtquqlteu geworden. Die Nichträumung des Ruhrgebiietes, das Zeftlregeu am Rhein, die Anektion Lothringens, der Griff nach dem Saargebiet, alles das hängt mit dem französischen Wehrgedanke« in Jeindt «Ären Form zusammen. Das zahlenmäßig je länger je mehr benach­teiligte französische Volk soll in Zukunft lediglich die Bedie- nungsmannjthaft Mr eine ungeheuerliche Maschinerie der Kriegszerstörung stellen.

ön tiefster Achtung nur können wir, die wir auf Grund der Erfahrungen einer langen Geschichte als letztes Fundament des Staates die tatsächliche Macht ansehen, vor diesem Riesen­werk eines sein Volk über alles liebenden Franzosen stehen. Hier zieht ein hochbegabter Soldat die letzten Folgerungen aus den tatsächlichen Möglichkeiten seines Volkes. Der Heeresreform eines Scharnhorst und Gneisenau ist, wenn sie auch vielleicht in umgekehrter Wertung den Menschen und den Geist an die Stel­le überallher Organisation treten ließ, das Reformwerk Rol- lets gleich zusetzen. Damals haben die Preußen vifol von Rapo- leons MMärorganisaltion, von den Wesenskräften der frauzö- sischeu Revolutionsheqce gelernt. Heute bapt der Frapzose auf deutschem Organisationsgenie auf. Daß wir in Deutschland, wenn wir die Macht dazu hätten, gestützt auf die Erfahrungen des Krieges in ähnlicher Weise unsere Landesverteidigung wirt schaftlich fundieren würden, darüber besteht wohl kein Zweifel. Ob wir es allerdings fertig bringen würden, die restlose Ein­spannung der Ration in den Wehrgedanken nach außen hin als eine Abrüstungstat erscheinen zu lassen, und ob vor allem ein deutscher Linksdemokrat seine Autorität für die Verdeckung dieses militärischen Werkes hergehen würde, das möchten wir nicht ohne weiteres bejahen.

Der Kampf gegen Farres.

Es scheint, als ob die Linkser nicht viel zum Ruhme ihrer diversen eigenen Kandidaten anzuführen wissen; denn die Hauptkraft widmen sie den Angriffen gegen Dr. öarres, den ein jigen Sammelkandidaten, dessen große Gewinnaussichten sie mit einem Gemisch von Reid und Wut betrachten, ön der Form einer sensationellenEnthüllung" werden nun vomSozialde­mokratischen Parlamentsdienst" Teile von Briefen und Re­den des Dr. öarres aus dem September 1923 veröffentlicht. Unb die Presse der Demokraten und des Zentrums tritt begei­stert in diese ausgetretenen, schmutzigen Fußtapfen. Natürlich handelt es sich um grobe VertrauensbrUche so um ein amt­liches Protokoll aus einer Kabinettssitzung und um Dinge, deren öffentliche Erörterung uns außenpolitisch schaden kann- aber darum kümmern sich ja die Fanatiker des Pchteihasses Nicht, auch wenn sie sonst so übertriebenes Gewicht auf den «ruck -'n Auslande legen. Und was kommt bei dem ganzen Enchullungsfedzug, mit dem sie Herrn öarres unmöglich ma­chen wollen, heraus? Daß dieser im Herbst 1923 der Ansicht gewesen üf man werde sich mit einem Poiucare niemals in ehr­licher Weise über die Räumung der besetzten GMete verständi­gen können und sollte daher, wenn er neue Rechtsbrüche begeht, den Versastler Vertrag für gebrochen erklären. Dr. öarres nahm an, daß nur ein solcher eklatanter Schritt die öffentliche Meinung der Welt aufrütteln unb gegen die französische Se- roaltpolit'ik einnehmen würde. Diese Ansicht war damals in den mehr rechtsstehenden Kreisen weit verbreitet, und man wird ihnen Herr öarres schwerlich dadurch verleiden, daß man mit- teilt, er habe ebenso gedacht. Es ist ja derselbe Streit zwischen den Neinsagern und den Sasagern, der seit der Entscheidung über das Versailler Diktat des öfteren die deutschen entzweit - 1 Allerdings hatten sich die Verhältnisse allmählich etwas verschoben. Was im Sommer 1919 unbedingt richtig gewe- sen wäre, konnte im Herbst 1923 bereits als nicht mchr' nötig 'erscheinen. Der damalige Reichskanzler Dr .Stresemann glaub- 12 an die Möglichkeit einer friedlicheren Lösung, trat Herrn öarres entgegen und leitete die Aera derVerständigung" ein, bie ?u hem Dawes-Plan und zu kleinen Teilräumungen geführt hat. Poincare wurde durch Herriot ersetzt. Aber immer noch stehen die Franzosen im Ruhrgebiet und die Engländer in Köln. Keineswegs find wir schon dessen sicher, daß die ganze

Berständigungspoltik nicht am Endeversacken" wird. Erst eine spätere Zeit wird entscheiden können, ob der stark männ­liche Vorschlag des Dr. Sairres nicht zugleich auch der klügere war. Aber ganz unerfindlich ist, wie es gegen die echt deutsche Persönlichkeit dieses einzigen nationalen Sammelkandidaten ausgenutzt werden soll. Eher wird man dadurch den völkischen Kreisen zeigen, wie überflüssig die Kandidatur Ludendorff ist.

Rarlamentsvause.

Ebenso wie der Preußische Landtag hat sich auch der Reichs tag bis zum 31. März vertagt, um die Abgeordneten auf die Reichspräsidentenwahler loszulassen. Wie hatte sich derVor­wärts" aufgeregt, als die Regierung diese Vertagung voraus­sah und den Rotetat vorbereitetel Run war das alles selbst- oerstLndlich. Die Annahme des Notetats wie die Ablehnung des kommunistischen Mißtrauenvotums durch alle bürgerlichen Parteien zeigten die Festigkeit des Kabinetts Luther. Trotz­dem stauben die letzten Tage naturgemäß im Zeichen des Wahl Kampfes. Der taktische Parteienkampf um die Aufwertung wurde von der Linken erbittert fortgesetzt die unerwartete Quittung ist die Sonderkandidatur Loebe. Am Samstag gab es noch eine große Debatte über die Grundschule; die Abstim­mung vereitelte die Linke durch künstlich herbeigeführteBe­schlußunfähigkeit". Gegen diese Seuche mühte endlich eine Me­dizin erfunden werbens Aber am Nachmittag wurde der Reichs­tag wirklich beschlußunfähig, u. es konnten trotz der drei Sitzungen, die man abhielt nicht alle Neste erledigt werden, da bald diese, bald jene Opposition die Abstimmung verhinderte. Auf alle solche Unerquicklichkeiten kann es nur eine Ant­wort geben: Rieder mit dem Parteigeist wählt öarres!

Auf der internationalen Buchansstellung in Florenz die am 25. April eröffnet wird, sind auch fast alle bedeutenden deut­schen Verlagsanstalten beteiligt. Unter diesen der Hos-Musik- vertag von Alogs Maior in Fulda mit ferne» weltberühmten 0r- getkompositioneo, Messen und apderen Verlagswerken. Außer­dem findet vom 11.16. Mai eineDeutsche Kulturwoche" statt die Deutsche Konzerte, Opern, Schauspiele und Vorträge bietet.

Marxder Bolksmann"!

Herr Marx,der Volksmann", ober wie man besser sagen würbe der Mann derAichtvoiksgemeinschaft", ist uns durch reine zweimalige Reichskanzlerschaft und durch die Jo vielen, ihn nie ermüdenden, aber auch nie erfolgreichen Versuche, wie fetzk in Preußen eine Regierung zu bilden, als Tgpus der Krisen- macher bekannt. Unb warum ist er dabei ohne Erfolg? Weil er- ebenso wie der verstorbene Ebert, nur einen Grundsatz bei der Regierungsbildung kennt:Nur nicht mit Rchts". Links und Minderheitsregierung, große und Weimarer Koalition Kabinett der Fachminister alles mußte herhalten um nur den Eintritt der Rechten in die Regierung zu verhindern. Die Stimmenzahl der Weimarer Koalition war zwar seit den Tagen von Weimar um ein Drittel zusammengeschmolzen, während die Rechte um mehr als das anwuchs; doch das machte dem Vocks- 0US. Ganz Preußen brach in homerisches a s " Severing würde in seinem neuen Kabinett nicht als Sozialdemokrat, sondern als Fachminister Mitarbeiten Auch das war ihm gleichgültig. Das Zentrum ist a zur Seit einer der eifrigsten Verfechter unentwegter Zu- lammenarbeit mit der Sozialdemokratie und hofft für den et- wa, gen zweiten Wahlgang auf deren Stimmen. Daher stellt men'SS^ ^narxben Sozialdemokraten willkom-

! ^ajifi chen Hirngespinsten wie nur ein önterna- ^ er l'ch 'mmer im stärksten Widerspruch gegen die vockischnationale Bewegung gefunden, ön Düssel- leilfetP SS ^ für Deutschland sein Leben hingab, leistete sich Rlarx in einer Wahlrede vor den Maiwahlen fol­gende Aeußerung:

Öe näher man dem besetzten Gebiete kommt, umso vernünf­tiger werden die Deutschen .... ön Batzchm würden »ie -oute vielleicht schneller zur Besinnung kommet», wenn sie ein- mal ein paar Kompagnien Besatzung auf dem Halse hätten". Diese Entgleisung wollte Herr Marx gern ungeschehen ma- chen und als man ihm Vorwürfe machte, versuchte er sich mit den Worten zu entschuldigen:

Sch brn als geborener Kölner etwas leichtsinnig, öd) habe S b°lagt: Ein pqnr Kompagnick, Besatzung in »urben gan? außerordentlich wirkest. 2ch bitte'bas ^""N' das wax ein richtiger Kölner Larne-

de/^7 ^âutsche Volk einen Reichspräsidenten gebrauchen, dem das Leid des besetzten Gebietes, die Schmach des Vater- 'Karnevals-Scherzen" Veranlassung gibt? Für die- ben in ^a»don mit den mehr zutreffen- ,irh Ä Worten einführte:Kleine Herren, k s ^".diplomat , wird sich das deutsche Volk bedanken.

notig ist es, daß für die nächsten 7 Lahre ein Mann e ^es Reiches gestellt wird, der nicht Parteimann ist, wie Marx, sondern über den Parteien steht. Das ist der Kandidat des Reichsblock: Dr. öarres.