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SioamM 71.
DonuerAag, den 28. März 1925.
2. Jahrgang.
Die WatslkLudidnten
Ls ist bezeichnend für die innere ZerrMenheit und die Gegensätzlichkeit innerhalb der Weimarer Koalition, daß dort jede Partei für sich allein vorgeht.
Das zeigt schon allein, wo die wirkliche Kraft und wo vor allem die Zukunft Deutschlands ist.
Gegenüber der Zersplitterung auf der Linken bei der Weimarer Koalition, stehen die staatsbürgerlichen Parteien des
Reichsblockes geschlossen hinter ihrem Kandidaten.
Dr. Farres.
Nicht nur die großen politischen Parteien setzen sich für ihn ein, der der Träger unserer politischen Zukunft, der höchste Repräsentant der politischen Entwicklung unseres Volkes sein soll, sondern für ihn sind auch geschlossen die großen wirtschaftlichen Organisationen, wie Reichslandbund und die christlichen Gewerkschaften, die Mittelstandsorganisationen und die 5tu- dent-enverbäude, der Deutsch-nationale Handlungsgehilfenverband u. der Deutsch-Gvang el ische Frauenbund, .Stahlhelm", „Fung- do" und „Wiking" und alle andern vaterländischen Verbände. Für Farres hat sich vor allen Dingen aber erklärt ein Mann, zu dem fast alle Deutschen aufschauen als zu unserm erreichbaren Fdeal nationalen Wollens und nationaler Einigung:
SeneralfeldmarschÄl von Hindenburg hat seine Unterschrift unter den Aufruf für Sarr es gesetzt.
Sarres ist der einzige überparteiliche Kandidat.
Genau wie der Reichspräsident Ebert trotz seiner Aufgabe, "Vertreter des gesamt. deutschen Volkes zu sein, es nie vergessen hat, Sozialdemokrat zu sein und zu bleiben, so tritt diese Absicht in der bisherigen öffentlichen Wirksamkeit des früheren preußischen Ministerpräsidenten Braun noch viel stärker hervor.
Herr Vraun scheute sich nicht im geringsten, in einer dem Geist und der Tradition des Beamtentums geradezu ins Gesicht schlagenden Weise Parteipolitik zu treiben. Gr verleiht die Administration eines Domänen-Moor-Gutes an einen Herrn Max Lichtenstein, dem hierfür jede Eignung fehlte. Zu fünf Monaten Gefängnis wegen Betruges und Urkundenfälschung verurteilt, wird dieser Lichtenstein in der Urteilsbegründung als ein Mann gekeunzeichtnet, der für den Posten „durchaus ungeeignet war, da er weder die erforderliche Vorbildung, noch die nötige sittliche Festigkeit besaß, um einen mit einer umfangreichen Kassenführung verbundenen Betrieb selbständig zu leiten. Braun, der Organisator des Landarbeiterstreiks, erwarb sich damals den Ramen eines
Ministers gegen die Landwirtschaft.
weil er mit allen Mitteln die Aufrechterhaltung der Zwangswirtschaft betrieb und grundsätzlich die Landarbeiter gegen die Bauern und die Gutsbesitzer unterstützte, mochten sie noch so unsinnige Forderungen stellen. Auch in der Vertretung der Lebensinteressen des deutschen Volkes blieb und bleibt er immer der internationale Sozialist.
BoMraft.
Se mehr die unmittelbare Erinnerung an die Kriegszeit unserem Gedächtnis em,chwindet und je mehr unsere Lebensverhältnisse sich wieder denen der Vorkriegszeit annähern, desto stärker fühlen weitere Volkskreise, weis wir mit der allgemeinen Wehrpflicht verloren haben. Der außenpolitische Machtverlust, der mit der Aufzwingung des Berufsheeres von 100 000 Mann verbunden war, bleibe heute außer Betracht. Für die Zukunft noch schlimmer ist das Schwinden der physischen Volks kraft und des Sinnes für Ordnung und Disziplin. Ein erschreckender Unterschied besteht zwischen den gebienten jungen Männern von einst und den WahlmLudi^en von heute, die nicht mehr den Krieg mitgemacht, aber die wüste Verworrenheit der Revolutionszeit in sich ausgenommen haben. Körperlich durch die Hungerjahre geschwächt, geistig und seelisch ohne Zucht auf- gewachsen, so geht diese Fugend, die zum frühen Geldverdienen gezwungen ist, einem schnellen Verfall entgegen. Viele Familien väter hört man klagen, daß sie ihrer halberwachsenen Söhne nicht mehr Herr werden,'weil der Geist der Autorität verloren gegangen sei. Auch in den Kreisen der Bessersituierten gibt es ähnliche Sorgen. Der ewige Gegensatz zwischen der alten und der jungen Generation ist kaum je so schroff gewesen wie jetzt nach Krieg und Revolution. Die damals zurUckgedämmte Dergnügungslust und Ganzwut tobt sich in vielen ungehemmt aus; die rein materielle Lebensauffassung, die schon vor dem Krieg bedenklich grassierte, hat erst in den Entbehrungen und dann in den Fuflationsschiebungen nur allzu reichliche Nahrung gefunden.
.. das körperliche und moralische Gegengewicht, das früher se Dienstzeit im Heere bot, ist fortgefallen. Von vielen Pat- eioten wird als Ersatz ein Arbeitsdienstjahr empfohlen, das man, auch ernsthaft erstreben müßte, wenn vorläufig dazu nicht le öffentlichen Mittel und namentlich die außenpolitische -Mög-
Gr ist eben kein Führer. Er ist ein Mann, abhängig von der Umwelt, abhängig vom Schlagwort des Augenblicks, abhängig von seiner sozialistischen Doktrin. Und so abhängig, baß er diese rücksichtslos geltend macht, ohne darauf zu achten, wieviel er innenpolitisch und außenpolitisch dabei zerschlägt.
Die Aufstellung Brauns durch die Sozialdemokratie hatte das eine gute, baß die beiden anderen Weimarer Koalitionsparteien die Aussichtslosigkeit ihrer Son-derkandidaturen einen Augenblick einsahen uinib daher die Möglichkeit einer Sammelkandidatur aller Parteien von der Rechten bis zu den Demokraten sich zu ergeben schien.
Tatsächüch aber hat bäte Zentrum diese Kandidatur zum Scheitern gebracht, weil es nie daran gedacht hat, auf Marx als ihren Kandidaten zu verzichten.
Marx ist, wie er sich einmal genannt hat, ein „demokratisch-republikanischer Pazifist".
Solange er Reichskanzler war, hat er niemals ernstlich den Versuch gemacht, best politischen Rechtsentwicklung im deutschen Volke Rechnung zu tragen. Deswegen wäre es Hohn auf die Rechtsentwicklung, wenn Marx Reichspräsident werden würde. Gr könnte das außerdem nur werden mit Unterstützung der bankerotten barmatdurchseuchten Sozialdemokratie, wäre damit ein Reichspräsident der Linken.
Marx ist es vor allem gewesen, der in den verschiedenen Wahlkämpfen in schroffste Form gegen rechts aufgetreten ist und die Verschiebung der Regierung nach rechts abgelehnt hat, weil das im Ausland einen schlechten Lindruck machen würde. Lr hat oft aufgefordert, nicht rechts zu wählen, weil das den Lhauvinismus in Frankreich stärken würde. Er hat sich das Wort zu eigen gemacht:
„Wer rechts wählt, der tritt für Poincare ein".
Nur ist auch diese Prophezeiung Marx ebensowenig eingetroffen, wie alle anderen.
Ebenso wie weder Braun noch Marx im ersten Wahlgang durchkommen werden, haben die Kandidaten der bayerischen Volkspartei, Held, und der Demokratischen Partei, Hellpach, nur eine gewisse Bedeutung als Zählkandidaten.
Herr Hellpach, badischer Staatspräsident, der Aotnagel der Demokratie, nachdem Herr Geßler dankend auf die Ghre einer demokratischen Durchfallskandidatur verzichtet hatte, ist nicht ernst zu nehmen. Auch die Kandidatur Held und Ludendorff sind reine Zählkandidaturen; die erstere hat außerdem den in der Erklärung der bayerischen Volkspartei hervorgehobenen Zweck, von vornherein die Stellung der bayerischen Volkspartei gegen Links festzulegen.
Als letzter der zur Wahl aufgestellten Kandidaten wäre nur zu nennen der Kadidat der Kommunisten Thälmann, den Vertreter der russischen Kommunisten, der Tscheka, dem kein einsichtsvoller Deutscher seine Stimme geben wird.
».!MJWK^^ai»WMMaK^lg.a»7^^ —«■M,3P»~ lichkeiten fehlten. Vielleicht sind wir nach etlichen Fahren so weit, diesen Schritt wagen zu können; jedenfalls sollten Vorarbeiten dafür gemacht und die Erfahrungen in anderen Ländern studiert werden. bis dahin aber müssen wir anderes unternehmen, um die Volkskraft zu erhalten, zu mehren und zu stärken. Die angelfochischen Völker, die keine allgemeine Wehrpflicht im Frieden besaßen, haben viel ersetzt durch den wahrhaft volks tiimllchen Sport, den Alt und Sung, Reich und Arin betreiben. Zum mindesten stählt er den Körper und zwingt zur Beherrschung ungesunder Begierden. Aber um die höchsten Ziele eines Polkes zu erreichen, muß man über die Sphäre des reinen Sportbetriebes noch hinaus. Sebe Einseitigkeit, wie sie leicht aus der Sagb nach dem Rekord entspringt, ist zu -bekämpfen, Unterordnung unter verehrte Führer, Einordnen in ein größeres Tanzes zu üben, der soziale Sinn zu wecken, die Liebe zur Natur Zur deutschen Heimat zu pflegen und der Sinn für die Zusammengehörigkeit aller Deutschsprechenden zu erregen. Erst wenn bie überwiegende Mehrheit unserer Fugend für das heiße Stre» ben nach diesen Zielen- gewonnen ist, ^dürfen wir beruhigt über die Erhaltung der deutschen Volkskraft sein.
2n den berliner Ausstellungshallen am Lehrter Bahnhof gibt es zur Zeit eine ,^Vvlkskraft"-Ausstellung. Es ist naturgemäß besonders schwer, dieses Gebiet in einer Ausstellung darzustellen. Die Fabriken und Geschäfte nehmen den Hauptraum ein mit den Sportkleidungen- und Ausrüstungen, mit Segelflugzeugen und mit Booten aller Art; auch Schieß-Stände tind Kegelbahnen gibt es. Aber die großen Turn-, Fecht- und Sportvereine stellen nur eine Anzahl Bilder und Ehrenpreise aus — mit eigener Phantasie hätte sich da wohl mehr machen lassen, und von der ganzen- Fugendbewegung sieht man nur in einem Aebenräumchen eine Andeutung. Allerdings finden in bem Vorführungssaal regelmäßig lebendige und anziehende Darstellungen statt. Und interessant und großzügig hat sich die
Hochschule für Leibesübungen betätigt. So erfaßt doch schließlich jeden Besucher der „Volkskraft"-Ausstellung etwas von dem Zwang und dem Zauber, den Sport und Spiel, Turnen und Wandern ausstrahlen. Aehnliches sollte in allen Städten veranstaltet werden. Aber es muß mehr geschehen. Vor allem ist noch ein großer Teil der Fugend aufzurütteln, wohl gibt es Fugendbünde mehr als genug, doch ist die ja'hl ihrer Mitglieder vielfach nur gering. Und manche denken mehr ans Vergnügen, viele mehr an die Politik als an bie Stählung der Volkskraft. Wir wollen nicht, unbedingt jede politische Betätigung von Fugendverbänden verurteilen, wenn wir auch die Parteipoiitik gerne möglichst lange von der Fugend fernhalten möchten aber eines sei mit größtem Ernst und Nachdruck gesagt: Das Primäre muß überall das Wandern und Spielen, (turnen urfb Sporttreiben in Gottes freier Natur sein!
Am letzten Sonntag konnte man im Potsdamer Forst ein „Kriegsfpiel" von etwa 1400 Fungens aus Groß-Berlin sehen und feine Helle Freude daran haben. Das war nicht Soldaleu- fpielerei, sondern ein fröhliches Suchen und Fagen, Ringen und Bänderrauben auf Grund einer „Kriegslage" aus dem Fahre 1925. Eine Anzahl der unpolitischen nationalen Fugendbünde hatte sich dazu zusammengetan, als da sind: Alt-Wandervogel, Pfadfinder, Neupfadfinder, Großdeutsche, Sungnationale und andere mehr. Wer die Zersplitterung in der Fugendbewegung bedauert hat, dürfte sich nun an dieser Konzentrationstenden; freuen, die übrigens auch bei anderen Bünden, die sich verwandt fühlen, zu beobachten ist. Wir möchten — ohne den anderen zu nahe zu treten — einmal ein besonders warmes Wort für jene sozusagen mittleren Fugendbünde einlegen, die uns in glücklichster Weise bie Pflege bet körperlichen Tüchtigkeit mit Erziehung zur Kameradschaft und Unterorbraung zu verbinde« scheinen, während sie sowohl bie Politik als auch die Soldatenspielerei vermeiden. Die deutsche Fugend braucht vorderhand keine militärische Ausbildung im engeren Sinne, sondern nur die gesunde Seele im gesunden Körper! Das ist ein Schatz von Volkskraft, von man einst zu jeder Münze ausprägen kann.
Der Dementierkrieg.
Das deutsche Volk soll zum ersten Mal einen Reichspräsidenten wählen; und aller Anfang ist schwer. Es fehlt uns die Erfahrung, uns fehlt der Stil. Fst es angängig, einen Mann, der für sieben Fahre das Reich nach außen repräsentieren soll, vor der Wahl mit Schmutz zu bewerfen? Der Amerikaner antwortet unbedenklich: ja. Aber die Deutschen besitzen nicht die Gabe des Angelsachsen, mit Skepsis alles Gedruckte und alle Wahlreden aufzunehmen und hinterher schnell den ganzen Krempel vergessen. Deshalb entsprach unserm Empfinden die Mahnung des Dr. Farres: laßt uns den Wahlkampf ritterlich führen! Doch wie kann man es, wenn die Gegner schmutzige Waffen gebrauchen? Die ohnmächtige Wut wegen der eigenen Zersplitterung und der Festigkeit des Reichsblocks entlädt sich in Schimpfreden und in Lügen. Wohl noch nie ist im Wahlkampf die „Dementierspritze" eine so wichtige Waffe gewesen wie diesmal. Täglich tauchen drei neue Behauptungen auf, täglich sechs Dementis. Das Schlimme — oder Gute, wie man will — ist nur. baß die Gegner meist aneinander vorbeireden. So wird das Volk in mehrere Gruppen zerrissen, die einander nicht mehr verstehen.
Wir halten nach den -bisherigen Erfahrungen die zwei Wahlgänge bei der Reichspräsidentenwahl für falsch. Zeit und Kraft und Geld werden unnütz verpulvert. Würde gleich im ersten Wahlgang der Kandidat siegen, der die meisten Stimmen hat, dann wären die Parteien gezwungen, sich sofort über Sammelkandidaturen zu einigen, sofern sie überhaupt an der Entscheidung teilnehmen wollen. Dieses Stimmen „ins Unreine“ für aussichtsreiche Zähl- u/nb Splitterkandidaten ist ein grober Unfug und des Zieles, ein Staatsoberhaupt zu küren, nicht würdig. Man wird auch sehr schwer zwischen dem ersten und zweiten Wahlgang die Wähler auf neue Kandidaten umstellen können. Deshalb ist es sehr verständlich und verständig, daß der Reichsblock erklärt, unter allen Umständen an Dr. Farres festhalten zu wollen, daß Zeldmastschall Hindenburg sich von neuem zu dieser Kandidatur bekennt und daß der Nation-alverband Deutscher Offiziere gebe Sammelkandidatur aus rechtsstehenden Kreisen im vaterländischen Sinne schädlich" nennt. Eine Stil- frage war es auch, ob die Kandidaten selbst in vielen öffentlichen Versammlungen sprechen sollten. Die Herren braun und blarx haben ganz oder fast ganz darauf verzichtet, was aber wohl Oluf die Einsicht zurückzuführen ist, daß sie für die endgültige bJatjI doch nicht in Betracht kommen. Die „Germania" schreibt zehnmal so viel gegen Farres als für Marx. Dagegen machen die Demokraten mit ihrem Hellpach ein großes Brimborium, schwärmen von seinem Geist schweigen aber schamhaft über sein Buch vom Liebesleben) und empfehlen chn als Sammelkandidaten für den zweiten Aufguß. Er muß denn auch immerfort reden und gerät dabei in Verflachung hinein. Fn dem ekelhaften Kampf um die „Versackungspolitik" ist die Linke aus dem Augrift in die Verteidigung gedrängt worden.