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Hessische

Morsenzettuns

Ful-aee Kreisblstt, Anzeiger für Rhön unö Bogelsberv, Ful-a- und Haunetal

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MM

r 73.

Samstag, den W. März 1925.

2. Mrgang.

Dr. Karl Sarres.

Von -Alfred Gramsch-Marburg

Um Duisburg zuckt's wie Sewitterschein Mit Saugen und Plündern und Morde«. Mo deutsche Stadt am deutschen Rhein Ueberfalleu von belgischen Horden.

Doch wie sie auch toben und wie sie droh'u: Schildträger und Bannerhalter T nutzt ihrem Wüten Westfalens Sohu, Der Stadt getreuer Verwalter.

Bis welsche Sier sich ;Um Fluchs ballt: Dein Trotz soll nicht lange dalueru!" Bei Rächt und Nebel mit Waffengewalt Treiben sie ihn aus den Mauern.

Und treffen wir dich noch einmal hier, So sollst du's im Kebkör büßen!" Hurrjah, nun woll'n Jid erst recht ihre Gier Mit den städtischen Schätzön versüßen.

Doch wie sie frohlockend am anderen Tag Zum Rathaus ziehu mit Gepränge, Verschlossen bleibt das Tor ihrem Schlag. Aus einer tritt groß vor die Menge.

Mach Platz!" brüllt der Thor.Der Aathalussitz 2st u n s e r, ist Siegerbeute.

Wer bist du überhaupt?! Wie ein Blitz Stammt die Antwort über die Meute:

Via d e r, den man g c ft e r n vertrieben hat.

Rur ?ut Mein Amt, ich verwahr' es.

Bin lebend und sterbend der Heimat Soldat,

Bi» Bürgermeister dieser Stadt,

Bin---Sarres!"

Moskaus deutsche Geißeln.

Daß zwischen den Leipziger Verhandlungen gegen die soge­nannte Tscheka der deutschen Kommunisten und der in ein selt­sames Dunkel gehüllten Verhaftung deutscher Siebenten in Moskau ein innerer Zusammenhang besteht, unterliegt wohl keinem Zweifel. Die deutschen Studenten sollen als Geißeln für die verhafteten Tschekisten in Deutschland dienen. Es ist selbst verständlich, daß sich die deutsche Fusti; nicht durch den Mos­kauer Gegenzug in der Aufklärung derpolitischen" Tätigkeit der deutschen Kommunisten beirren läßt. So hofft man in Moskau denn wohl, durch Aufziehung eines Gerichtsverfahrens nach russischem Muster, dem weitverzweigten Anschläge auf die Sicherheit des deutschen Staates ein fingiertes G^euftiick ge- genUberzustellön.

Run sind aber die verhafteten Studenten, denenVorberei­tungen zur Ausführung eines Verbrechens gegen die Sicherheit der Sowjetregierung" zur Last gelegt wird, nachgewiesener Ma­ßen durchaus nicht sowjetfeiudlicher Gesinnung, sondern im Ge­genteil Freunde des bolschewistischen Rußland. Die deutsche Gesandtschaft hat es sich angelegen fein lassen, Entlastungsma- terial beizubringen, das aber erstaunlicher Weise in der Vor­untersuchung nicht berücksichtigt worden ist. ön der Hauptver­handlung muß alles geschehen, um den Verhafteten die nötige Rechtshilfe zu sichern und auf eine rein rechtliche Durchführung des Verfahrens hinzuarbeiten. Wenn Deutschland alle aus dem Osten eingedrung. Elemente, die bolschewistischer Umtriebe verdächtig sind, verhaften und aburteilen wollte, so würden alle Gefängnisse Deutschlands nicht zur Beherbergung der Mos­kauer Sendlings ausreichen.

Reichspvit.

Politische Kochenrllnöschs«.

Englands Lebenslnteresse. Ièe Gedeimdiplomatie. Der Kampf gegen Farres. Der Sozialdemokrat Ullrich mit Zenlrumshilfe wieder hessischer Staatspräsident. - Krise auch in Oldenburg.

Die gesamte Politik der Welt wird zur Zeit beherrscht von dem deutschen Vorschlag über einen Sicherheitspakt. Die­ser Satz klingt wohl etwas zu großartig: aber er ist auch nur rum granu salis zu verstehen. Die diplomatische Aktion des militärisch ohnmächtigen Reichs ist natürlich nur ein Schachzug in der großen Politik der Weltmächte. Derfranzossnfreund- liche" konservative Minister Ehamberlain hat durch das uu- zweidoutigS englische Snteresie die Ausgabe zu-iktiart erhalten, Großbritannien wieder selbständig und unabhängig von der französischen Europadiktatur zu machen. Zu diesem Zweck muß­te er das Genfer Protokoll, das nur die Militarisierung des unter Frankreichs Füchte! stehenden Völkerbundes enthielt, zu Fall bringen Md an seine Stelle ein Abkommen unter wenigen und gleichberechtigten Staaten setzten. Das ist der von Deutsch­land vorgeschlagene Sicherheitspakt. Selbstverständlich wird dadurch der Völkerbund weiter unterhöhlt, und wenn trotzdem die -Engländer uns sehr zureden, in ihn ohne Vorbehalte einzu- treten, so ist das nur eine kostenlose Liebenswürdigkeit gegen Frankreich. Die Weltpolitik wird und kann nicht -vom Völker­bund gemacht werden-, dem Rußland und die Vereinigten Staaten fernbleiben. Amerika erklärt sich auch für nicht inte­ressiert an einem westeuropäischen Sicherheitspakt, nimmt aber selbstverständlich regsten Anteil an einer etwa entstehenden Reu- gruppierung der Weltmächte und bereitet, während es seine Kriegsflotte zu einer Demo-nstrationsfahrt nach dem Stillen eine eigene Abrüstungskonferenz als Konkurrenz gegen den Völkerbund vor.

^ Velie, w<^ du wissen kannst, darfst du den Buben doch nicht sagen. Das bleibt der Wahrspruch der Staafs-

T" "°'b soviel gegen die Geheimdiplomatie ge- durfte glauben, daß Chamberlain und narrt? ^ Dienstag im Anterhaus-ö ihre geheimsten Gedanken 'bân. Und Jebermann muß einsehen, daß es ebenso putsche Aogiermg unmöglich ist, vor den Kritikern im ^genen Laude ihre Karten anfzudecken. Deshalb bereitet auch

Erörterung der ganzen Zusammenhänge so große Vorwürto ^ ^'' ""^ CS ^ der Opposition ein Leichtes, heftige 'p'litck zu erheben, die nicht restlos e?- stoß ber^ltöpS1 ^6 So kam es, daß der Vor- '« StrÄÄL9*." 6er dr°--â"b-

^ ^""»^°' "b-b-!ch° Wirkung bei 6, SÄ,*' »i°Au-,pr-ch- d-r 5r*i»»er- jirTtairbigen üabineftsmitgiieöern Hot ober 6e-

I ruhigend gewirkt, und auch innerhalb der Reichsregierung hat man wohl dem Außenminister die anfängliche Heimlichkeit und Selbstständigkeit seines Vorgehens verzichen. Nur so konnte er wohl erreichen, daß die Aktion nicht schon an den ersten Hindernissen zusammettbrach. Denn auch künftig werden die Schwierigkeiten nicht nur in Paris liegen, sondern ebenso sehr auf der Rechten der deutschen Regierungskoalition. Die Zu­mutungen, die an die plötzlich mitregierenden Deutschnationalen gestellt werden mußten, waren ja schon bisher recht erheblich. Run wird ein neues, außerordentliches Kapital von Vertrauen gefordert. Wenn die Garantierung der Westgrenze durch kein Abkommen übet die schnellere Räumung des Rheiulandes und durch keine Bindung wegen der Revision der Ostgrenze ausge- gllchen wird, sind wir dann nicht am Ende die Blamierten ? Man kann noch nicht -voraussehen, ob das Kabinett diesen An- turm von Fragen und Sorgen überstehen wird. Aber ganz sicher ist bereits daß eine solche Politik unmöglich wäre, wenn 5 Deutschnatwnalen noch in der Opposition befänden ibm Heranziehung noch immer nicht einsieht, der bleibt borniert sein Leben lang.

Tief beschämend für das deutsche Parteiwesen war es, daß

Wahlkampf um die Reichspräsident- schaft fast ausschließlich mit heiklen außenpolitischen Angelegen- Heiten bestritten wurde. Die Linke suchte den Sammeckandida- 2 S ^r.^ 'doch im besonderen vor dem Auslaüde durch den Vorwurf unmöglich zu machen, daß er im Herbst 1923 die Ungültigkeit des Versailler Vertrages habe erklären wollen. £ S X ^9nicrt devweilen die Regierungskrise, während m Hessen bas Zentrum sich wieder an die Lücke herangefunden

^T^ ^ Eozialistâ Ulrich zum Staatspräsi- deuten ermöglicht hat. bn Oldenburg dagegen haben dieselben Schwierigkeiten der Regierungsbildung zur Auflösung des Landtags geführt, die von der Linken als formell verfafsunqs- Mdri-g angefochten wird. Der jetzt fast überall in Deutschland festzustellende Schwebezustand Mischen Rechts und Links wird mi wesentlichen durch die Existenz und die Unsicherheit des Zen- -rums bedingt, daß sich entscheiden soll aber nicht kann. Der Kampf innerhalb dieser Partei wird mit großer Zähigkeit ge- siiyrt und von dem Einpeitscher des linken Flügels, Dr. Spie- to J««S,^ °* °*^ *<**

Minister Stingl hat vor dem Verwaltungsrat der Deut­schen Reichspost ein günstiges Bild von der Entwicklung dieses großen Vebkehrsinstitutes entworfen, daß Ende 1924 das erste Mr seiner finanziellen Selbständigkeit nach dem Reichspost- finangesetz hinter sich hatte. Sämtliche Ausgaben sind aus den Betriebseinnahmen gedeckt worden, und es ist noch ein Ueber- khuh von 29 Millionen übrig geblieben. Zwar kommt dieser noch nicht der Reichskasse zugute, sondern wird zur Rücklage benutzt, aber es ist doch schon ein erheblicher Fortschritt gegen- uber den ersten Sahren nach der Revolution zu verzeichnen, wo ^Ie Post gewaltige Zuschüsse aus der Reichskasse brauchte. Wir finden hier wieder die Erfahrung bestätigt, daß Wirt- schaftsbetriebe nicht direkt dem Einfluß stark demokratischer Parlamente unterstehen dürfen, wenn sie Erträge abwerfen sollen. Nur der Loslösung vom Reichstag ist die Sanierung der Aeichspost zu verdanken. Dieser Periode wird nun eine wei- tere Regelung der Postverwaltung nach wirtschaftlichen Srund- satzen folgen müssen, die auch zu Reichseinn-ahmen wie vor dem Kriege fuhrt. Daß Reichsbahn und Reichspost wegen der jchwlerigen Kreditbeschaffung auch die werbenden Anlagen aus den laufenden Mitteln bestreiten, darf natürlich nur ein Ueber- gangsstadlum fein. Mit dem Ziel, Ueberfchüsfe für das Reich abzuwerfen lassen sich die kulturellen Aufgaben der Reichs- ppst sehr wohl verbinden. Der Minister hat zwar von den Be- triebsz-weigen gesprochen, die wenig einbringen, aber nicht von bem Fernsprechverkehr, bei dem doch offenbar eine Uebervor- teilung des Publikums stattfindet. Er hat die Herabsetzung der Zeitungsgebuhr in sehr beschränktem Rahmen angekUndigt, je­doch nicht -die der Fernsprechgebühren. Bei richtiger Organi- faLon der Verwaltung und des Kredits muß auch dies möglich 4Pin. ° z

Rin-ertzeltsdittatur In Preußen.

Das Kabinett Marx hat sich als Minderheitsregierung her- ausgestellt, und der Ständige Ausschuß des Landtags ist, da die Völkischen in ihm nicht vertreten sind, irreführend zusammen- gofetzt: seine Mehrheit (um eine Stimme) entspricht der Min- decheit der Regierungsparteien im Plenum. So ist am Don- 'nerstag in diesem Stößigen Ausschuß der scharfe Konflikt ent­standen, indessen Verlaus die Vertreter der Opposition das persönliche Erscheinen des Herrn Marx forderten, und dann, Als ihrem Rechtseinspruch keine Folge gegeben wurde,' die Sit- ^ung verliefen. DieMehrheit" aber blieb und faßte Be- fchlusse über die Verordnungen zur Grund-steuer und zur Ge- T ^er die Verschiebung der Wahlen zu den f Prown?iallani)tagen. Ueber die rechtliche Zulassung vmer solchen Mmderhettsregieruug wird der Staatsgerichtshof zu eutscherden haben die moralische Unzulässigkeit aber liegt fiii jeoen objektiv Denkenden auf der Hand. Unmöglich kann loch ein us]chuß bindende Beschlüsse fassen, für die es im Ple- num keine Mehrheit gibt. Das einfachste politische Anstands­gefühl hätte die, nur noch dielawfenben Geschäfte" führende, Regierung und die hinter ihr stehenden Parteien veranlassen müssen, über die eiligen Vorlagen eine Verständigung mit den anderen Parteien zu suchen oder den Landtag früher zusammen