Fuldaer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön und Vogelsberg, Fulda- und Haunetal
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Nummer 75. Sienstag, den 11. März 1925. 2. Fahrsang.
Die MWprMenten WM.
Das vorläufige Ergebnis. — Ein zweiter Wahlgang erforderlich. — Ein Berfuch, den ReichsbloS zu fprengen. Die Narifer Bresse. — Das Gesamt-Ergebnis.
rotb. Berlin, 30. März. tele. Bis 4 Uhr früh waren ge- | i Die Sache ist zu durchsichtig! Wir hoffen und erwarten K * ^zz^ — " ”“' ^^ ““ ^i wit aller Bestimmtheit, daß sich die Leitung des Reichsblocks
melbet: önsgelfamt wurden abgegeben: 26 812 537 Stimmen. Da
von entfallen auf Braun 7 785 678 (7 880 963), Held 1 002 278 <1 392 097), Hellpach 1 565 136 (1 917 764), Öarres 10 387523 <10 725 084) Ludendorff 284 471 (906 946) Marx 3 883 676 '(4 091 636) Tbölmann 1 869 553 (2 700 345). «Zersplittert 34 152 Stimmen.
Der Prozentsatz der abgegebenen gültigen Stimmen der Wahlberechtigten in Höhe von 68 980 000 beträgt demnach ■68,75. Nach den vorläufigen amtlichen Ermittelungen des Reichswahlleiters hat kein Anwärter die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen auf sich vereinigt. Ein zweiter Wahlgang ist damit erforderlich.
Werden für diesen zweiten Wahlgang dieselben 7 Kandida- len wieder aufgestellt, dann ist das sichere Ergebnis die Wahl des Kandidaten des Reichsblocks, des Oberbürgermeisters Dr. öarres. Diese Erkenntnis haben natürlich auch feine Gegner. Daß die Zentrumswähler am 26. April geschlossen oder in überwiegender Mehrheit für den Sozialdemokraten Otto Braun stimmen werden, ist wohl ebenso unwahrscheinlich, wie ein Verzicht der Sozialdemokraten auf ihren Kandidaten zu Gunsten des .Volksmannes" Marx. Soweit wird die brüderliche Liebe wohl bei keinem von beiden gehen. Aber auch mit sämtlichen Stimmen der bäuerischen Volkspartei und der Demokraten wird Otto Braun nicht die Stimmenzahl des Reichsblocks erreichen. So bleibt den Gegner der Kandadtur öarres nur ein Mittel, den sicheren Sieg des Reichsblocks am 26. April noch zu hintertreiben: die Geschlossenheit der Reichsparteien zu sprengen. Und hurtig begibt man sich an dieses „löbliche" Werk. Aus Bamberg hören wir, daß Domkapitular Dr. Leicht, der Vorsitzende der Reichstagsfraktion der bayerischen Volkspartei bereits verkündet habe, seine Partei sei für einen anderen Sammelkandidaten wie Dr. öarres sofort zu haben.
wb. Bamberg, 28. März. 3n einer Wahlversammlung der Bagerifcheu Volkspartei täte der Vorsitzende der Reichstags- Iraktion der Batzerifchon Volkspafrtei, Domkapitular Dr. Leicht «mit, daß die Partei im zweiten Wahlgang nicht für Dr. öarres stimmen werde. Sie werde jedoch für einen anderen Sammel- Kandidaten sofort zu haben sein.
Das unsichtbare Luftschiff
Originalrom au von Knut Gatzwiller Autorisierte Uebersetzung von Lisa v. Hollander-Lossow. sAlle Rechte Vorbehalten.! — (Nachdruck verboten).
37. Fortsetzung.
Bradleg bückte sich und untersuchte die Zahlen, die anzeigten kleinen Maschinenraum hinunterstieg. Das Deck war hier an sichreren Stellen vollständig durchgebrannt, und der ganze Raum machte einen traurigen Eindruck. Auf ihrem gewöhnlich Platz in zwei verzinkten Vertiefungen, standen die beiden Patenttanks, geischwärzt und rußig wie alles andere an Bord, während hinten in einer Ecke ein ganz gewöhnlicher Blechbe- hälter lag, ohne Pfropfen oder irgendwelchen Verschluß.
Wollg setzte sich auf das Lisengeländor das den Motor umgab, deutete auf die Benzintanks und sagte:
„Die Tanks sind doch dein Fabrikat, Papa. Sst es benlk- ■bar, daß sie undicht werden oder explodieren, zum Beispiel wenn in ihrer unmittelbaren Nähe ein Streichholz angezündet wird?"
Bradleg war selbst einer Explosion nahe über Mollgs Frage. „Unmöglich, Kind! Meinst du, meine Tanks wären dann weltberühmt geworden? „Und außerdem", Bradleg trat näher heran unb untersuchte die kleinen Zahlenscheiben auf den Tanks, , e °d) überhaupt Benzin darin sein, ehe man von einer Ourcb sie verursachten Zeuersgefahr reden könnte. Sieh her —" âukdw Scheiben, „ich glaube, du erinnerst dich un- eres Klemen Aus lugs, Q s uns das Benzin ausging und wir uno bas lebte Stuck in Schlepptau nehmen lassen mußten".
.üollgs Augen leuchteten, als sie erwiderte: „Ob ich mich baran erinnere! Du erinnerst dich also auch, auf welcher Zahl o>e Zeiger standen, als wir bei der Stella ankamen. Sie stau- den auf Null". J
„Unbedingt!" bestätigte Bradleg. rhn â wenn du den Sndikator auf dem Tank siehst, — wel- che Entdeckung machst du dann?"
wie b™ "cd und untersuchte die Zahlen, de anzeigte» gefüllt war. Shm ging auf einmal ein Licht auf, â â »will, er ist ia Mt »er W,„ sj- E auf Dar
wÄJJ"tÄ^ VW. «klärte Ao«, mit „»er i* mellte, »E du meine
'auf etwas derartiges nicht einlassen, sondern im zweiten Wahlgang ebenso geschlossen wie am 29. März für Dr. Farres ein- (treten wird.
i Vor der Wahl versuchte die Presse der „versöhnenden Mit- ite“ ihre Wähler gegen die Wahl des Dr. Carres zu beeinfhtj- sen, indem sie schrieb, seine Kandidatur wurde ungünstig auf das Ausland winken. Auch das war natürlich Wahlischwindöl. ön Wirklichkeit denken selbst die Franzosen in dieser Beziehung 'viel, nüchterner und klarer, als man von ihnen annimmt.
rotb. Paris, 30. März. Das „Echo de Paris" schreibt Rach Kenntnisnahme der Teilergebnisse über die Wahl des Reichspräsidenten:
Die elften Ergebnisse zeigen an, daß kein Wahlkandidat die «absolute Mehrheit erlangen kann. Eine Neuwahl wird also stattfinden. Da im zweiten Wahlgang die relative Mehrheit maßgebend sein wird, ist der Sieg von Dr. öarres wahrscheinlich, es sei denn, das protestantische Glaubensbekenntnis des Oberbürgermeisters von Duisburg, das sehr stark zum Ausdruck gebracht wurde, halte ihm die katholischen Elemente und die Anhänger des Föderalismus fern, die für Dr. Held gestimmt haben. Won« die Linke den Sieg davon tragen soll, so müßten Sozialdemokralein, Kommunisten, Demokraten uttb Katholiken sich vereinigen. Das erscheint zweifelhaft.
Nach dem „Echo de Paris" sind sich hinsichtlich der Außen- Politik die Kandidaten der Linken und der Ruhten gleich, ön der Innenpolitik liege die Sache anders. Die Luther, die Stresemann und die öarres vertreten die alte Bürokratie, die einen Augenblick ihrer traditionellen Autorität etwas beraubt, die sie aber seit 1920 stufenweise wiedererobert hat. Nach dieser Richtung aber darf man nichts übertreiben. Die deutschen aller Parteien haben Geschmack und technische Kenntnisse und die Leidenschaft von Experten. Sie unterscheiden sich hier außerordentlich von ihren Nachbarn in Frankreich und England. Die Aufrechterihaltung Seßlers als Reichswehrminister in allen Kabinetten seit fünf Fahren als den Spezialmitarbeiter des Generals von Seeckt beweist das zur Genüge.
Entdeckungen bestätigst! — Willst du mir nun erklären, wie Idas Feuer entstauben sein kann? Die Behälter und der Tanlk teigen deutlich, daß sie seit jenem Sonntag, als sie völlig leerge- ilaufen waren, nicht mehr gefüllt worden sind".
Bradleg war plötzlich eifrig geworden. Er begann zu ahmen,^worauf Molch hi-nauswollte und machte sich nun selbst daran die Zuleitungsrohre, den Tank, ja, sogar den Motor genau zu untersuchen, ohne jedoch die kleinste schadhafte Stelle oder ir- genb etwas zu finden, was die Annahme zugelassen hätte, daß der Brand hier ausgobrochen wäre. Als er schwitzend und ruß- yeschwärzt sich nach beendeter Untersuchung wieder hinsetzte, 'schüttelte er verständnislos den Kopf und sagte:
„Öcb begreife das nicht. Hier stimmt irgend etwas nicht -ganz."
„Sch verstche es auch nicht, Papa. Denn erstens sticht man -nicht mit leerem Benzintank oder ungefüllten Reservebehältern m See, zweitens kann der Motor des „Pfeil" nicht mit Luft arbeiten unbifoüte Holm wirklich ein wenig Benzin in dem 'kleinen Blechbehalter da gehabt haben, so hätte er dann nicht »einmal um den Batterg-Pank herumfahren können. Kannst du mir aber sagen, wie das Boot mehrere Meilen in die See hineingekommen ist und wie eine Jo heftige Feuersbrunst ent- Jtehen konnte? Und dann sich her! Hier liegen die verbrann- Xen Ueberreste der vier Rettungsringe, die zur Sicherheits- ausruftung des „Pfeil" gehören. Nein, Papa, heute sehen meine Uugen wieder klar. Setzt will ich dir meine Ansicht Ja-
' as Seuer ist nicht von selber ausgekommen, weder durch 'Undichtigkeit, noch durch Explosion. Es ist angelegt!"
Bradlegs Hirn arbeitete nicht so rasch wie das Molchs, und »ganz mechanisch wiederholte er: „Angelegt? Aber von wem?" Molch lächelte bitter: .Von wem? Weiß ich, weißt du, wer Nick entführt hat? Aber eine innere Stimme sagt mir, daß hier kein Unglücksfall vorliegt, sondern ein Verbrechen, und Mette Stimme sagt mir, daß Holm ebensowenig tot ist wie
■ Große Tränen begannen von ihren langen Wimpern zu tropfen. Bewegung übermannte sie, als sie dem Vater um den Hals fiel und schluchzend hervorstieß:
„Papa, Papa, er lebt, er ist nicht tot! — Siau-be mir, eine 'innere Stimme sagt es mir!"
_ p™^U zog sie zärtlich an sich und versuchte sie zu trösten Uoch wagte er seiner eigenen schwachen Ahnung, daß Holm am leben sei, nicht nachzugeben, um in Molch nicht falsche Hoff-
GrenzpfahlvsM.
(Pariser Brief).
Paris, den 27. März 1925.
Es gab vor dem Kriege einmal eine Zeit in Paris — sie reichte ungefähr von der Weltausstellung von 1900 bis zum Panthsrsprung von Agadir — da war es möglich, daß ein vernünftiger Deutscher und ein vernünftiger Franzose über Elsaß- Lothringen sprechen konnten. Da kam es denn vor, daß der Deutsche dem Franzosen sagte: „öch kann euren Schmerz verstehen. Aber nehmt einmal an, ihr erhieltet heute durch irgend ein wundersames Geschick Elsaß-Lothringen zurück — glaubt ihr denn, daß ihr dieselben Menschen zurückbekommt, die 1871 von euch geschieden worden sind? Glaubt ihr denn, daß die bloße Versetzung der Grundpfähle alle Veränderungen ungeschehen macht, die seit 1871 in den Seelen und Gehirnen der Landeseinwohner vorgegangen sind? Diese Grenzlandbewohner haben Mei Köpfe: wenn sie zu Deutschland gehören, dann werden sie den deutschen Kopf aufsetzen und die französische Regierung wird ihren tüchtigen Aerger mit ihnen haben. „Vernünftige Franzosen sahen das ein und die, die es nicht einsehen »wollten, können sich heute von der Tatsache überzeugen, daß sicher 85 Prozent der Svenzlandmenschen den „deutschen Kopf" iauffetzeu. Frage: welchen Schluß hat Deutschland daraus zu ziehen? Soli es die französische Grenzpfahlpolitik nachahmen? tSoll es denselben Fehler begehen, den Frankreich begangen hat? 'Ober handelt Deutschland nicht klüger, je im höchsten Sinne »nationaler, wenn es sagt: Besser, daß diese Menschen ihren „deutschen Kopf" behalten — mag Frankreich sehen, wie es da- ■mit fertig wird! — als daß wir sie in unsere Grenzpfähle ein- sperren und sie damit wieder in ,Franzosenköpfe" verwandeln?! Die Luther-Stresemannsche Politik, die wenigstens an der West grenze entschlossen ist, einen Strich unter die Vergangenheit zu ziehen und ein neues Konto zu beginnen, wird bei den Elsaß- Lothringern mehr deutsches Volksgefühl erzeugen als jemals «bie kaiserliche ReichÄandpoiitik heroorzubringen vermochte. 'Was sich jetzt in Elsaß-Lothringen regt, ist selbstverständlich «nicht etwa der Wunsch, zum Deutschen Reich, d. h. in deutsche Grenzpfähle zurUckzukehren. Es ist etwas viel tieferes: die Sehnsucht nach dor Ueberwindung der Sreuzpfahlpolitik überhaupt. Man sollte diesen psychologischen Prozeß in Deutsch- «anb erkennen und nicht stören. Er greift weit über die bloßen 'Licherheitspaktfragen hinaus: wenn er ungestört weiter roir- •ken darf, kann er allerlei Schwierigkeiten in Europa lösen, vor 'denen heute die Diplomaten noch ratlos stehen. Es muß eben nicht immer etwas „getan" werden; man muß gar oft nur zuse- I hen, wie die Dinge sich entwickeln und nur nicht mit den plum-
■nungeii zu erwecken, die noch größere Enttäuschung zur Folge aben konnten. Seine Gedanken wirbelten noch im Kreise herein, als Mollg sich mit einem sanften, aber energischen Ruck aus seinen Armen löste, sich die Augen trocknete und sagte:
„Komm, wir wollen nach Hause fahren! Aber ich habe in Oieijem Augenblick empfunden, was für ein köstliches Dino doch !die Hoffnung ist, Papa!"
Sie lächelte durch Tränen, als sie das kleine Auto wieder in ,öang fetzte und Jagte, als sie den Lagerplatz verließen:
„Sch bin ganz sicher, Papa. Er lebt und wir können jede .Minute erwarten, von ihm zu hören!"
Die Nachricht kam rascher als erwartet. Als bas kleine Uuto ju öauJe_ anlangte, und ein Diener herbeieilte, um den Herrschaften beim Aussteigen zu helfen, erschien der alte Mor- ».ey im Nebeneingang.
Bradleg war schon durch die Haustür hineingegangen, als der al e Morleg verstohlen Molchs Aufmerksamkeit durch die drolligsten Gebärden auf sich zu lenken begann.
Sie bemerkte fein sonderbares Verhalten sofort. — Der . führte ja dieselbe drollige Komödie auf, wie früher, wenn eines der kleinen, willkommenen Briefchen zur Ablieferung bekommen hatte.
Dollys Nerven zitterten, und sie mußte sich zu einem ruhigen Ton zwingen:
»wn?â'"' 21I°rleü’ was haben Sie denn heute auf dem Her-
Der Alte zog mit feierlicher Mine ein Päckchen aus der es ihr mit diskretem Lächeln zu- 'teckte „Der Briefträger hat dies Päckchen abgegeben, wähnend Sie fort waren. Wenn ich nicht irre, ist die Adresse wohl le'ch Molch "ch^'g' £S $ wahrscheinlich für Sie bestimmt, Fräu-
^Päckchen rasch an sich, — ihre Hand } .erte leicht, als sie die Adresse las und die energische HanS- chrift anerkannte. Sie vergaß ganz, sich zu oebanken, — ui’ e nur wie ein Sturmwind an dem kopffchüffe/nben Pfört- vorüber und langte gußer Atem in ihrem eigenen Zimmer an, bas sie abschloß.
Hier fand sie ihre Ruhe wieder. Es war Holms Schrift, — 'baran war kein Zweifel, aber der Poststempel, den Mollg nur mit großer Mühe entzifferte, -lautete „Tuscon“.
(Fortsetzung folgt.)