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FuSsaee Kreèsblatt, Anzeiger für Rhön und Vsselshery, Fulda- und Haunetal
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srmmr so.Sontag, den Z. April 1925. ______L Jahrgang.
Braun-Marx ♦:♦ Marx-Vraun.
Der Kuhhandelsgeist hat vorläufig gesiegt. Der preußische Landtag wählte am Sreltag wieder einmal Herrn Braun zum Ministerpräsidenten. Das war die fünfte Wahl seit der Er- neuerung des Parlaments im Dezember; aber auch wenn sie ernster gemeint ist als der Verlegenheitsspaß mit Dr. Höpker- Aschoff, so ist doch wiederum nicht einzuseheu, wie dieser Gewählte mit diesem Landtag arbeiten könnte. Herr Braun hat es ja schon einmal vergeblich versucht und vom Hause einen Korb erhalten. Dann wurde zweimal Herr Marx gewählt, der es zunächst auf dem Wege der Weimarer Koalition ohne Srfolg, Hierauf aber in mehr überparteilicher Weise versuchte und damit auch zum Ziel gekommen wäre, wenn er sich nicht gleichzeitig als Kandidat für bie Reichspräsidentschaft hätte aufstellen lassen. Diese Versuche waren Schritte des Entgegenkommens gegenüber der Opposition zur Rechten; dementsprechend ist die Neuwahl Brauns eine um so schärfere Kriegserklärung nach rechts hinüber, zu der sich das Zentrum jetzt entschlossen hat, um b<Mmt die Unterstützung der Sozialdemokratie für die Kandidatur Marx bei der Reichspräsidentenwahl zu erkaufen. Alle preu- Hischen Wähler müssen sich dieses Zusammenhängen vollkommen klar bewußt werden und daraus ihre Folgerungen ziehen.
Bemerkenswert war an dem Wahlakt im Landtag, daß die Demokraten geschlossen für Braun stimmten, ihre Wut über die- schlechte Behandlung durch die Bruderpartei also „tapfer“ Hinunters chlucklen. Angeblich haben die Sozialdemokraten ihnen noch schnell einige platonische Ehrenerklärungen abgegeben. Zu beachten sind ferner die Stimmverhältnisse. Während am Dienstag der demokratische Kandidat, erst im Meilen Wahlgang mit 213 gegen 177 plus 43 Stimmen gewählt worden war, erhielt Herr Braun gleich im ersten Wahlgang die absolute Majorität mit 220 gegen 170 plus 40 Stimmen. Die Linkskoalition war also stärker, die Opposition wesentlich schwächer vertreten. Aber ine Begeisterung der Weimarer über diesen Sieg, der sich Im Augenblick allerdings gleich zugunsten der heiß umstrittenen Not Verordnungen ausnutzen ließ, dürfte nicht lange vorhalten. Ein Kabinett Braun, wie es auch zusammengesetzt sei, wird mit diesem Landtag nicht regieren können. Welches Resultat aber preußische Neuwahlen haben würden, die mm unbedingt über kurz oder lang kommen müssen, ist zum mindesten sehr fraglich. Ebenso unsicher bleibt aber auch der Erfolg, den das Zentrum aus dem großen Kuhhandel davon tragen wird. Der große Krach in der letzten Landtagssitzung, der dadurch entstand, daß der demokratische Koalitionsgenosse Riedel mit der Gottgläubig keit der Deutschnationalen seinen Spaß treibt, kann dem 3en» trum schwerlich behagen. Bnd wie steht es mit den Aussichten her Kandidatur Marx? Richt nur in den Reihen der Linksso- zialiften wird der Widerspruch rege, sondern auch auf die Bayerische Volkspartei hat bereits das schwarz-rote Tauschgeschäft äußerst ^verstimmend gewirkt, ön München wurden Warnungen an die Zentrumsadresse gerichtet, die sich nach vollzogenem Kuhhandel in Laten umsetzten dürften. Mögen Marx und Braun
Aus den Parlamenten
Reichstag.
D.B. Berlin, 3. April. <Eig. Meldg.) Präsident Löbe er- offnetâ ^ Sitzung um 2.30 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die dritte Beratung des Gesetzentwurfes über den Lehrgang der Grundschule. Abg. Löwenstein (Soz.) bedauert, daß die Mehr- hei-t des Reichstages die Grundschule in einen Ausnahmezustand versetzen wolle. Der Redner legt eine Entschließung vor, wa- nach in den Haushaltsplan für 1925 ausreichende Mittel ein» gestellt werden sollen, um unbemittelten Schulkindern die Zu- â .höheren Schule wirtschaftlich zu er» , Blimfterialdirektor Kästner vom preuß. Kultus- wattuno^ ?â°ck°" der preußischen Unterrichtsver- waltullg gegen den Entwurf vor und weist darauf hin, daß die
®*S™ d-r jetzigen Form auf größte Schwie ngketten stoßen werde. Solche Experimente könne man in der Schulsrage nicht machen. — Abg. Ronneburg fvem.) setzt sich für nochmalige Beratung der ganzen Materie im Ausschuß ein.
” , ra9 auf Zuruckverweisung wird mit knapper Mehr- Rheinländer (Ztr.) erklärt die
S ^undschule müsse erhalten bleiben, aber jedes Kind müs- döb-r/n ?2*9 ^rechend schon früher zur mittleren oder fora^J Barleiausschuh wandte sich dann in eingehender Aus- ^^^ ^er Vorbereitung für die Reichspräsidenten-
Kr tz^ Braun S^S-^^6 vormittag seine Zustimmung da«, QUn 15 âinisterpräsidenten in Preußen gegeben
Bruderschaft trinken und ihre Getreuen sich an diesem Soft berauschen! Der Katzenjammer wird nicht ausbleiben.
Streit beim Kuhhandel?
Die demokratischen Posaunenstöße können nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Einigung über die Bedingungen des Kuhhandels Marx-Braun nur sehr langsam und unter großen Schwierigkeiten von statten geht. Bemerkenswert ist dabei die „Selbstverleugnung" — man könnte auch sagen: Würdelosigkeit — der meisten Demokratenblätter die in schroffem Gegensatz steht zu der gereizten Stimmung in der demokratischen Landtagsfraktion. Diese war -schwer gekränkt durch die Beschlüsse der Sozialisten und des Zentrums, an einem Kabinett Höpker- Afchoff sich überhaupt nicht zu beteiligen, und verweigere daher am Donnerstag noch die Zustimmung zu der Kandidatur Braun. Nun hat sich zwar inzwischen — nach drei Lagen — Herr Höpker-Aschoff darauf besonnen, daß er gegen seinen eige nen Willen zum Ministerpräsidenten gewählt worden sei, und mit dieser Vegrüdung die Wahl abgeleitet, aber der Stachel bleibt in den Demokratenherzen. Als politisch nicht ernst zu rechnender Vasall behandelt zu werden, ist natürlich etwas peinlich. Die Mosse-Presse ist aufrichtig genug über die Verstimmung zu berichten, während die Ullstein-Organe auch hier ihrem Verzichtprogramm treu bleiben. Mit der Wahl Brauns zum Ministerpräsidenten — die Ziffern sind zu beachtens — ist die eine der sozialistischen Forderungen erfüllt, lieber die Zahl der Genossen im neusten Kabinett Braun verlautet noch nichts. Eine andere Bedingung der Linken war: Marx soll ,^Sammel- Kandidat sein. Das Zentrum hatte nämlich den feinen Plan, diese Kandi-tur als Parteikandidatur aufzuziehen, die von den Sozialisten pnd den Demokraten unterstützt werde -Damit sollte vor den ganz Naiven im Lande die schwarz-rote Blockbildung der Abmarsch des Zentrums nach lks. ein wenig verschleiert wer den. Auf diesen Leim aber gingen die Geschäftsfreunde nicht, sie wollten nicht nur den kleinen Singer sondern die ganze Haich. Das Zentrum hat sich gefügt u, spricht jetzt auch von der „Sam- mel"-Kandidatur Marx. Trotz alledem bleibt es höchst zweifelhaft, ob alle sozialdemokratischen Wähler für den frommen Zentrumsführer stimmen werden. Nicht nur ein Lell der roten Presse, sondern auch die Parteiorganisation von Leipzig hat gegen den Verzicht auf die sozialdemokratische Reichspräsi- dentschaftskandidtur Einspruch erhoben und mit dem „Lieferstreik" gegenüber Marx gedroht. Immerhin scheint nun doch das Tauschgeschäft Marx-Braun perfekt zu werden. Damr wird sofort dar Aelchsblock mit bs|r neuern Nominierung de!s Dr. Sarres Hevauskommen. Die bisherige Zurückhaltung galt fa nur der Möglichkeit, daß sich vielleicht doch noch eine Annäherung aller bürgerlichen Parteien erzielen ließe. Der daneben in gewissen Rechtskreisen aufgetauchte Gedanke an eine Sammelkandidatur Hindenburg wird von der „Kreuz-Zeitung" mit zutreffenden Argumenten zurückgewiesen. Der Name Hindenburg darf nicht in den Pqrteistroit hineibgazogen rverdon.
bie Demokraten für bie Wahl Dr. Marx zum Reichspräsidenten eintreten werden. Der endgültige Beschluß der Sozialdemokraten und der Demokraten soll noch heute abend erfolgen.
Inzwischen gehen die Besprechungen innerhalb des Reichs- blocks über bie 3rage der Wiederaufstellung Dr. Sarres weiter. Dr. öarres selbst ist heute vormittag in Berlin eingetrof» ien und hatte den ganzen Tag über Konferenzen mit den maß- gebenben^ertreter11 des Reichsblocks. Der endgültigeBefchluß des Reichsblocks soll morgen mittag erfolgen. Noch immer machen werte Kreise, die allerdings außerhalb des Reichsblocks stehen, für eme Kandidatur des Generatfoldmarschalls von Hindenburg Stimmung. Es sollen bereits eingehende Verhandlun- gen mit Hindenburg in Hannover stattgefunden haben. Sn unterrichteten Kreisen wird versichert, der Reichsblock werde nur bann den Seneralfeldmarschali zum Kandidaten proklamieren, wenn die Unterstützung einer größeren Parteigruppe sicher ist. Dr. öarres soll ohne weiteres bereit sein, seine Person der Sa- che gegenüber zurückzustellen, falls ein erfolgversprechender Weg gefunden worden wäre. Da nun die bayerische Volkspartei für Hindenburg keineswegs stimmen wird, gilt Dr. öarres wei- terbin als der aussichtsreichste Kandidat. Immerhin find Ue- derraschungen nicht ausgeschlossen.
Zu der gestern im Hotel stattgehabten Besprechung verschiedener Presseoertteter wird weiter bekannt, daß es sich hier um eiwe Zusammenkunft der Vertreter von etwa 40 großen Ber- hner und Provinzzeitungen nationaler Einstellung gehandelt habe. Die überwiegende Mchrheit habe sich für die Beibe- baltunfl der Kandidatur Jarres ausgesprochen.
Preußischer Landtag.
Otto Brapa — Ministerpräsident.
d-B Bsrlia, z. April. (Eig. Meldg.) Präsident Bartels «roffnete die heutige Sitzung um 12.20 Uhr. Das Haus tritt sofort in die Wahl des Minifterpräsid-lltell ein, die folgendes
Ergebnis hat: Es wurden abgegeben 432 Stimmen, unbeschrieben bezw. ungültig waren je 1 Stimme, von den 430 gültigen Stimmen beträgt bie Mehrheit 216. Sür Braun waren 220 Stimmen abgegeben, für Dr. Peters 170 und für Pieck (Kom.) 40 Stimmen.
Das Haus nahm darauf eine Reihe von Eingaben-Berich- ten entgegen. — Der Antrag der Deutschen Volkspartei auf Bekämpfung der Leberegelseuche in Oberhessen wird angenommen. Angenommen wird sodann der Antrag des Hauptausschus-, ses, der Notlage der Küstenfischerei und der Förderung der Herings- und Küstenfischerei durch Gewährung von Darlehen und erhöhtem Schutz gerecht zu werden. Die Ausschußanträge, 25 000 Mark zur Bekämpfung der Hasfkrankheil am irischen Haff zur Verfügung zu stellen, finden gleichfalls Annahme.
Hierauf setzt das Haus die gemeinsame Beratung der am 28. März 1925 mit Gesetzeskraft erlassenen Notverordnungen fort. Abg. Pieck (Kom.) legt Verwahrung ein gegen die Verordnungen, die auf ungejetzmäßigem Wege dem Volke aufgezwungen seien. — Abg. Riedel (Dem.) bezeichnet die Opposition gegen die Notverordnungen als sachlich völlig ungerechtfertigt, r— Der deutschnationale ubg. v. d. Osten habe gestern auch Gotteshilfe angerufen; bis jetzt habe aber der Gott der Rechten bei den Kommunisten gesessen.
Bei diesen Worten setzt ein tosender, minutenlang anbai* tenber Proteststurm der Rechten ein. Da der Redner nicht weiter sprechen Kanu, verläßt Vizepräsident Garnicht nach ergebnislosen Versuchen, die Ruhe wiederherzustellen, feilten Platz. Die Sitzung ist damit aufgeflogen. Nach einer Viertelstunde wird die neue Sitzung eröffnet. Vizepräsident Garnicht verliest das Stenogramm der Rede des Abg. Riedel und hebt besonders die Stelle hervor, die zu dem Zwischenfall geführt hat. Der Vizepräsident erklärt, er habe die in Frage kommenden Aeußerungen des Redners nicht gehört, da er ein Gespräch geführt habe, sonst hätte er den Redner sofort unterbrochen. Er erteilt dem Abg. Riedel schließlich eine Rüge und bittet den Redner weitersprechen zu lassen. Abg. Riedel polemisiert weiter scharf gegen die Deutschnationalen; die Rechte habe die Hilfe der Kommunisten immer in Anspruch genommen zum Zwecke der Slaatsverneinung. (Erneuter großer Lärm, bie Dentschnatronalen verlassen unter Protest den Saal.
Abg. Dr. Leidig (DVP.) führt u. a. aus, der Finanzmini- Jter habe dazu beigetragen, daß Mißtrauen seiner Fraktion zu vergrößern. Hoffentlich treffe der Staatsgerichtshof noch vor -.em 26. April die Entscheidung. Die Beratungen werden danach abgebrochen. -Freitag 12 Uhr: Wahl des Minister- prastdenten, Weilerberatung Schupogesetz, Grundschule.
Der Beschluß der Weimarer Koalltionsvarteieu.
Von den M-ttelparte-ien wird mitgeteilt: Zwischen den Be- auftragten der oentrumspartei, der sozialdemokratischen Partei und der Deutschen demokratischen Partei fanden am 3. April abenbs im Reichstage in Anwesenheit des Reichskanzlers a. D. Marx erneute Verhandlungen statt. Nach einem gründlichen Seoankenaustausch und einer umfassenden Programmdar- egung des Herrn Marx beschlossen sie einstimmig - die Deut- schedemokratische Partei unter Vorbehalt der Zustimmung ihres Parteiausj chusses, der am Sonntag zusammentritt —, Herrn Reichskanzler a. D. Wilhelm Marx zur Wahl als Reichspräsident vorzuschlagen. p
DieSozial-emokraten für Marx - Wenn?
, d-d.Berlin, 3 April. (Eig. Meldg.) Heute nachmittag
^'°ldemokrat-sche Parteiausschuß gleichzeitig mit dem Parteivorstand zu einer Besprechung über bie Frage der Stel- ungnahme der Sozialdemokraten zum Meilen Reichspräsident- jchaftswahlgang zusammen. Die Beratungen endeten nach eingehender Aussprache mit folgender Entschließung: „Der Par- terausschuß ist für die Aufstellung eines gemeinsamen Kandida- ten der Verfassungsparteien für den zweiten Wahlgang der Reichsprafidentenwahl, wenn durch Verhandlungen mit dem öentrum und den Demokraten die Voraussetzungen hierfür ae- schaffen werden können". Der Parteiausschuß beschloß ferner zur Entgegennahme eines Berichts über die Verhandlungen am Freitag wieder zusammenzutreten.
Die Kiedrich Ebett-Etraße in Berlin.
Die Mehrheit der Berliner Stadtverordneten — auch hier ?" ™m urrd Sozralisten vereinigt — hat beschlossen, den Stra-
S Potsdamer Platz bis zum Reichstagsufer, der je*# e ^uiapefterftrabe und die Sommerstraße umfaßt, umzutau- fsn in Friedrich Ebert-Straße. Diese Demonstration ist iw- jofern bedenklich, als erst wichrend des Krieges die Umbenennung in „Budapester-Straße" als Anerkennung für die ungarische Waffenbrüderschaft erfolgt ist. Vom sprachlichen Stande punkt aus sollte man sch endlich die Vornamen in den S trotzende Zeichnungen abgewöhnen.