Hessische #
Morsenzeitung
Ml-aw Kreisblatt, Anzeiser für Rhön un- Bovelsbers, Ful-a un- Haunetal
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Nummer 81.
Mittwoch, den 8. April ISA.
L Fahrgang.
Die rheinische
anerkannt, -aß Dr. Zarres das Rheinland niemals abversaüen wollte.
rotb. Köln, 7. Aprll. lelef. Dr. Adenauer und Dr. Sarres sind in Gegenwart der Vorsitzenden der rheinische« 3entrums= partei und der Arbeitsgemeinschaft des rheinischen Provinzial- laudtafges zu einer eingehenden Aussprache über die in der letz teu Seit zutage getretenen Meinungsverschiedenheiten best, der Rhemlandpolrtik im Jahre 1923 zusamrueugetrsten. Insbesou- dere wurden die Vorgänge in Barmen und Hagen chörtert. Eine über den Wortlaut der damals gemachten Aeußerungen wur de dabei nicht erzielt. Beide Herren erklärten aber ausdrücklich, baß die bei den Verhandlungen in Barmen und Hagen geäußerten Gedanken dem Beweggründe entsprungen sind, das Rheinland dem Reiche zu erhalten. Die von Dr. Saures seiner Zeit vorgeschlagene Lösung kann vom Zentrumsstaudpunkt aus nach wie vor sachlich nicht gebilligt werden. Ls wird aber anerkannt, daß Herr Dr. Sabres das Rheinland niemals abver- sacken wollte. Dr. Adenauer und Dr. Sarres haben sich verpflichtet, jede Erörterung dieser Frage abzubreche«, und sie ersuchen hiermit die ihnen nahestehende Presse und ihre politischen Freunde ihnen darin zu folgen.
Die Forderung der Kandidatur Hindenburgs.
• wtb. Berlin, 7. Aprll. telef. Wie das Nachrichtenbüro , Mährt, gaben heute vormittag der Parteivorstand der beutfcfrnationalen Bolkspar- tei und die Vertreter der Landesvorbände in einer gefmeinfamen Sitzung beschloßen, die Kandidatur Hindenburgs zu fordern. Line Abordnung der Deutschnationalen hat sich zu weiterer Fühlungnahme zum Pa^teivorstand der deutschen Volkspartei begeben. (Siehe hierzu auch den heutigen Artikel an leitender Stelle. D. Red.).
Sie Sanierung der franzölischeu Finanzen.
wtb. Paris, 7. April, telef. Heute vormittag hat ein Mi- msterrat unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik statt- gefnnben, über beu folgende amtliche Kommuniques ausgegeben wurden: Ministerpräsident Herriot hat seine Kollegen über die Verhandlungen unterrichtet die unter den Alliierten bezüglich der Deutschland zu erteilenden Antwort auf seine Licherheits- paktoorschläge im Sauge sind. Zinanzmimster de Monzie hat dem Minist er rat den Entwurf zur Sanierung der Finanzen mit dessen Vorbereitung er beauftragt war, vorgelogt-
Südafrikas Bestellungen an Deutschland.
rotb. Loudon, 7. April, lelef. Der „Dallg Lelograph" meldet aus Kapstadt: 21 Lokomotiven für die südafrikanische Bahnen wurden in Deutschland bestellt. Der Preis betrage nur zweidrittel der niedrigsten englischen Forderung. Ls verlautet, daß weitere Aufträge im Betrage von einigen hunderttausend Pfund vielleicht au derselben Stelle untergebracht mürben. Die Aussichten für den britischen Handel auf diesem Markt sei daher äußerst schwierig.
See Goldstandard in England beabsichtigt.
wtb. London, 7. Aprll. telef. Der Litz Berichterstatter des „Dallg News" meldet: von gut unterrichteter Seite ver- lantet, es sei wahrscheinlich, daß der Schatzkanzler bald die Absicht mittellen werde, Ende des Jahres bett Goldstandard wieder in England einznführen.
Mobeflug des britischen Luftschiffes II.
rotb. London, 7. April. telef. Das brififtfre Luftschiff 33 hat heute Nacht einen Probeflug ausgeführt und ist in früher Morgenstunde über London erschiene«.
Großseuer aus der deutschen Werft.
wtb. Hamburg, 7. Aprll. telef. Fu dem Brand auf der Deutschen Werft in Finkenwärder wird von zuständiger Seite mitgetilt, daß das Feuer auf den Helgen und Baugerüsten eines 20 000 Louuen großen kurz vor Stapellauf stehenden Motorschiffes ausbrach. Die Anhäufung brennbaren Materials, die starke Paraffinschmieruug und der kräftige Ostwind führte zu einer Ausdehuuug des Brandes, der den Einsatz von 18 Rohren notwendig machte. Die Rachlöschungscstbeiton dauerten bis in die Morgenstunden.
rotb. Hamburg, 7. April. Wie gemeldet wird, brach gestern spät abends ein großes Feuer auf der Deutschen Werft aus. Beim Eintreffen der Finkenwärder freiwilligen Feuerwehr und dreier Löschzüge aus Hamburg brannten die Helgen lichterloh. Durch energische Bekämpfung mit 17 Rohren konnte das Feuer soweit eingedämmt werden, daß keine weitere Gefahr mehr bestand. Der Feuerschein war in der dunklen Nacht über der Elbe weithin sichtbar.
Zum BarmaMandal.
rotb. Berlin, 7. Aprll. telef. Wie eine hiesige Korrespondenz erfährt, entspricht die Nachricht, daß die von dem Abgeordneten Kaufhold verfaßte Varmatbroschüre beschlagnahmt worden sei nicht den Latsachen.
Die Bergungsarbeiten beim Weser-Unglück.
rotb. Berlin, 7. April, telef. Da vermutet wird, daß eine Anzahl der Opfer des Reichswchruuglücks bei Zeldheim durch die starke Strömung weiter stromabwärts getrieben wurden, sollen auch im Unterlaufe der Weser die Bergungsarbeiten auf- genommen werden. Der Reichswasserschntz in Bremen ist bereits mit Motorbooten zu den Bergungsarbeiten ausgelaufen. Der Aeichswehrnünister weilte dieser Lage an der Unglücks- stelle, um sich persönlich von dem Fortgang der Bergungsarbeiten zu überzenge«. Bei dieser Gelegenheit sprach er einen Fähr- manv, der allein 8 Soldaten vom Lode des Ertrinkens gerettet hat seinen und des Reichsheeres Dank aus. Am Donnerstag wird an der Unglücksstelle ein Lokaltermin im Beisein der Staatsanwaltschaft abgehalten werden.
Eine amerikanische Nor-polexyedition.
■rotb. Washington, 7. April. Präsident Eoolidge genehmigte den Vorschlag des Polarforschers Mc. Millan betreffend die Erforschung des Gebietes zwischen Alaska und dem Nordpol mit Hilfe von Regierungsflugzeugen. Man hofft dabei den in dieser Gegend vermuteten arktischen Kontinent zu entdecken. Dieses Gebiet ist der einzige weiße Fleck auf der Karte des Nordens. Die Expedition wird wahrscheinlich am 15. 6. beginnen.
Freiherr von Mirbach i
rotb. Berlin, 7. April, telef. Der Oberhofmestler der verstorbenen Kaiserin, Zrecherr v. Mirbach, ist heute im Alter von 61 Jahren gestorben.
Wirren in China.
wb. Paris, 7. April. Fwei in Shenkin wohnende englische Missionare Jinb durch die Verteidiger der Stadt, die von den Gruppen der Provinz Lünan belagert worden ist, mit dem Lode bedroht worden, wenn die Stadt fallen würde. Die englische Gesandtschaft hat beim chinesischen Auswärtigen Ministerium Vorstellung erhoben und dieses habe dem Misitärgou- verneur von Muan telegraphisch gebeten, alle möglichen Maßnahmen zum Schutz der Engländer und der anderen Ausländer in Shenkin zu ergreifen.
Jarres bleibt Kandidat
Herriots Kampf um die Macht.
Der Reichsblock hatte eine offiziellen Schritt beim General feidmarschall von Hindenburg nicht unternommen, um diesen zu bewegen, eine Präsidentschaftskandidatur anzunehmsn. Es haben lediglich inoffizielle Besprechungen von Führern einzelner Verbände mit dem Feldmarschall statt gefunden, der aber wie in gestriger Nummer der Hess.-Morgenztg. gemeldet, abgelehnt hat, sich für den zweiten Wahlgang aufstellen zu lassen Er hat vielmehr erklärt, daß er ebenso wie im ersten so auch im zweiten Wahlgange aus persönlichen und sachlichen Gründen mit aller Entschiedenheit für die Kandidatur Sarres einträfe. Vacfr Lage der Dinge wird also der Reichsblock Dr. Sarres als feinen Kandidaten proklamieren.
Sn den Blättern der Rechten kommt m Besprechung der Kandidatenfrage allgemein zum Ausdruck, es müsse nunmehr schnellstens ein endgültiger Beschluß gefaßt werden. Die „Deutsche Lageszeitung" z. V. weist darauf hin, es wäre und sei falsch über die -Kandidatenfrage einen Lag kostbarer Fett nach dem anderen zu verlieren, durch widersprechende 3eitungs~ Meldungen, durch einen geradezu katastrophalen Mangel an Diskretion die Verwirrung der Oeffentlichkeit mit Lendenz- meiduugen der gegnerischen Presse zu ermöglichen. Ls scheine, W man in den leitenden Kreisen des Reichsblocks überhaupt in der Lage sei, über die Wände des Beratungs- bmauszufehen und wahrzunehmen, was in der Oeffent- ^he- So gingen die Dinge nicht weiter. Das f t ficfr eine Kritik in dieser Angelegenheit vor, bis ^sMswgen ist, und es liege nunmehr beim Loebell- ob er für sie noch weiteren Stoff liefern wolle.
oielto^ Unb Oögeru hat ein Ende. Man konnte er streiten, ob eine Kandidatur Hindenburg noch
größere Anziehungskraft auf weite Vâskreise, besonders in Lüddeutschland, ausüben würde als die Kandidatur Sarres. Aber mit Bangen mußte doch jeder, der den Ramen des großen Feldmarschalls im Herzen trägt, an die Möglichkeit denken, daß er nicht nur in einem gefräßigen Wahlkampf sondern auch während der Reichspräsidentschaft von den politischen Gegnern angegriffen und besuchet werden könnte. Wir begrüßen daher mit einem Gefühl der Erlesthtzrung dem weisen Entschluß Hin- deuburgs, eine Kandidatur unter den gegebenen Verhältnissen abzulehnen und von neuem für die Wahl des Oberbürgermeister Dr. Sattes âzutreteu. Fu bedauern ist, daß diese Entscheidung nicht vor der Proklamierung des Herrn Marx zum Kandidaten der Linken herbei geführt worden ist. Man hätte dann sofort den Lânksabmarsch des Fentrums mit der erneuten Ausrufung ber Kandidatur Sarres beantworten können. Die Verzögerung hat — das mag das einzige Gute an ihr sein — die öffentliche Aufmerksamkeit scharf auf den Volkshelden Hindenburg gelenkt und dadurch dessen Votum zu einer ganz besonderen Ve- 'beutung erhoben. Es lautet: „Wählt Sarres!“ Und alle, die demi Feldmarschall ihre Stimmen zu geben bereit waren, mögen nun willig seiner Parole folgen. Wie steht es denn mit der Geschlossenheit der Gegner? Die Begeisterung für Marx ist keineswegs groß. Der schmähliche Pakt mit der Sozialdemokratie stößt den rechten Fentrumsflügel und die Bagerische Volkspartei vor den Kopf. Die Linkssozialisten, die bisher vor der Kandidatur Marx gewarnt hatten, werden zwar nun „Disziplin" wahren indem sie den Bund halten, aber ihr Feuer für den frommen Katholikenführer ist äußerst matt. Selbst im demokratischen Parteiausschuß sind ja „Kulturpolitische Bedenken geltend gemacht worden! Die Siegeszuversicht der Linken ist lange nicht so groß, wie man sie mimt.
Der Wahlsieg der Linken ist seinerzeit mehr aus einer Ablehnung Poincares und feiner Regierungsmethoden als aus einheitlichem politischen Willen der Gruppen heraus zu verstehen, die dann sich auf die Ministerpräsident-schaft des bisherigen Oppositionsführers und Oberbürgermeisters von Pyon geeinigt haben. Ohne die Unterstützung der Parteisozialiften war eine MehrheitÄüldung des bürgerlichen Radikalismus unmöglich. Die Bundesgenossenschaft der -Sozialisten konnte aber nur durch Vertretung einer" Reihe von Forderungen erreicht werden, die zum Teil den hinter dem bürgerlichen Radikalismus stehenden Kreisen sehr unbequem waren, zum Leil der in die Opposition gedrängten Rechten die Möglichkeit zu wirksamster Agitation boten.
Verhältnismäßig am leichtesten hat man sich in Frankreich auch in den Rechtsgruppen mit der sogenannten Schwenkung in der Außenpolitik abgefunden, die in Wirklichkeit nur eine Anpassung der Methoden an die Feitfordermsse war. Selbst in Frankreich hat man es einigermaßen satt, immer weiter Krieg }u spielen und mit Lanks und Bajonetten zu rasseln. Herriots, noch dazu geschickt auf die seelische Einstellung in Deutschland berechnete Politik, die als praktisches Endergebnis neben manchen anderen Annehmlichkeiten die Richträumung Kölns gehabt hat, und die in Osteuropa fest auf dem von Poincare fundierten Boden der Militärbündnisse steht, hat bis in die Reihen der äußersten Rechten hinein Anerkennung gefunden, nachdem auch dem Bedürfnis nach rednerischer Hetze gegen Deutschland Genüge getan war. ckRhiek
Erheblich schwieriger hat sich die Durchführung der neuen Innenpolitik herausgestellt. Die Amnestierungen waren eine Teste, die man sich gefallen ließ. Als besonders schwer zu verdauender Brocken blieben für das Kabinett die Fragen der Botschaft beim Vatikan u. die Portemonnaie-Frage übrig.