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Morvenzettung

Ful-aes Kreisblatt, Anzeiger für Rhön und Vogelsberg, Ful-a- und Haunetal

. âchc Morgmzkiding" erscheint wöchentlich k mal, (auhei Msniags), Sonntags ... . , Anzeigen: Die 7 gespaltene Millimeterzeile 0,04, auswärts NP7 Rentmmark. Die 92 mm

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Rimmer 87. Sonnerstag, den 16. April 1925. L FOrgang.

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die Bildung des fron? Wen

wtb. Paris, 15. April. feie?. Um 4 Uhr hat Kammerpräsi­dent Painleve dem Präsidenten der Republik mitgeteilf, daß er die Bildung eines Kabinetts übernehmen würde. Den Vertre­tern der Poesie erklärte Painleve, daß er nicht vor hesute abend 10 Uhr im Eli] Jee erscheinen werde, um über das Ergebnis seiner Bemühungen Bericht zu erstatten. jedenfalls werde er aber heute abend in der Lage fein, die Zusammensetzung des zukünf­tigen Ministeriums bekannt zugeben.

jn der Vorgeschichte M der Kabinettsbildung Painleves schreibt derOeuvre": Man darf keinen Tag mchr verlieren. Wie Briand selbst erklärt hat, gibt es nur einen Mann, der da- M bestimmt ist,die Regierung zu übernehmen, und das ist Pain- lene. Zahlreiche Senatoren bemühen sich seit Montag, ihm be­greiflich zu machen, daß er sich nicht weigern dürfe. Eine newe Weigerung Paiuleves würde uns zu einer Kombination zweiter Ordnung führen. Das Kartell der Linken würde sicher weiter bestehen, aber es würde keinen unbestreitbaren Führer an der Spitze der Regierung haben, und dass würde die schwere Aufgas- be nicht erleichtern, die das nächste Ministerium vorfindet. DasSournal" stellt fest, daß Briand nicht geglaubt habe, der Nationalrat der Sozialistischen Partei würde einstimmig jede Mitarbeit mit chm verweigern. Außerdem habe er mit gewis­sen Widerständen asus der Radikalen Partei rechnen müßen, was ihm die Ueberzeugung beigebracht habe, daß der Beistand gewis­ser Elemente dieser Gruppe nicht mchr solide sei. Das habe chn veranlaßt, die Bildung des Kabinetts aufzugeben. Painleve fei in den Reihen des Kartells der Linken nicht chrf die Widerstände gestoßen, die Briand entmutigt hätten. Hinter chm stünden ein­mütig Briand und die Sozialisten, die allerdings gern gesehen hätten, daß Herriot feine Demission zurückgezogen hätte.

(Durch die Kabinettsbildung Painleve erscheint unser heu­tiger zweiter ArtikelBriand" überholt. Er war iudeßen bei Eintreffen des obigen Pariser Telegrammes schon abgesetzt; wir haben aber den Satz nicht abgelegt, sondern den Artikel ge­bracht, well ar zum Verständnis der französischen Kabinettsbll- duog ungemein beiträgt. Die Red.)

Hindenburgs Kandidatur erweck in England keine Besorgnis.

roth. London, 15. April. telef. Der diplomatische Be­richterstatter desDailg Telegraph" führt aus, Hindenburg ha­be sein Pflichtbewußtsein bewiesen, als er zur Zeit des deut- fcheu Zusammenbruchs feinem Kaiser die Notwendigkeit, sich im Suteresse des Landes Mriickzuziohe», vorgehalten und trotz seiner Traditionen und Vorurteile fortgesetzten habe, unter einer sozia­listischen Regierung seinem Lande ebenso redlich zu dienen wie unter seinem königlichen Herrn. 3m Hinblick auf seine Ver- gaugeuhert habe Hindenburgs Kandidatur an und für sich in po­litischen Kreisen keine ernsten Besorgnisse hervorgerufeu.

Ser Barmat-Kutisker-Skandal.

wtb. Bsrüu, 15. April. telef. 3m Reichstags-Ausschuß zur ^Untersuchung der Kredit-Affäre Varmat-Kusisker täte

Hindenburg zu alt?

Die Gegner der Kandidatur des Generalfeldmarschalls non Hindenburg werfen ihm vor, er fei zu alt für den Posten des Reichspräsidenten. Sonst können sie ihm mit dem besten Wil­len nichts vorwerfen! Besser gesagt, mit dem schlechtesten Wil- len. Denn es wäre eine Schlechtigkeit sondergleichen, dem Rationalheros des deutschen Volkes, dessen Feldherrngenie ibn durch den Sieg bei Tannenberg Alexander dem Großen, 3u- 'ttus Taesar, Friedrich dem Großen und Napoleon 1 als heilige Funfzahl beigefellt ein wahrhafter Pentateuch ruhmvollster Helcen , unserem Hindenburg irgend etwas anderes nachzu- fagen, als das Edelste und Beste. Auch die geschworensten Geg­ner Hindenburgs persönliche Feinde hat er in deutschen Lan- ben nicht müssen zugebon, daß der große Sieger und unver­gleichliche Held ein Ehrenmann durch und durch, ein Pflicht- mensch von reinstem Wasser ist. Dieses Pflichtgefühl ließ ihn die oberste Heeresleitung übernehmen, als das Vater.and in ^ot war. Napoleonischer Ehrgeiz verleitete den bescheidenen Kriegsmann, den schlichten Soldaten wahrlich nicht dazu. Seine Soldaten, und d a s g a n ? e V o l k hingen vor zchn Fahren an Dmoenburg, als an ihrem Führer und Retter, und hätte damals ner gewagt auch nur ein abfälliges Wort über den Befreier ihm S der russischen Dampfwalze zu sagen es wäre n)m schlecht bekommen.

verlN^? amte deutsche Volk schaute mit unverrückbarer Zu- Genie w Tannenberg. Was sein strategisches

g g«n eine Welt von Feinden geleistet hat, das hat Klio

der Vorsitzende Sänger heute bei Eröffnung der ersten Sitzung nach der Osterpahse mit, daß nach Vereinbarung mit dem Land- gerichtspräsidenten am kommenden Freitag und Samstag im gro ßen Schwurgerichtssaale in öffentlicher Sitzung 3nlins Barmat vor dem Untersuchungs-Ausschuß vernommen werden soll.

Konferenzschluß der engkArbeltorpartei.

wtb. London, 15. Aprll. Die Konferenz der Unabhängigen Arbeiterpartei in Eoucester wurde gestern geschloßen. Es wur­de noch eine Entschließung angenommen, in der gegen die Rück­kehr zur Geheimdiplomalie Einspruch erhoben wird. 3n einer weiteren Entschließung wird dagegen protestiert, daß Ehamber- lain es abgelehnt hat, Ne Frage der Echtheit des Siuowjew- briefes einen unabhängigen Schiedsspruch zu unterwerfen.

Der Schuß eines französischen Postens aus eine wehrlose Frau.

wtb. Siegburg, 15. April. telef. Aus der Lohmarerstraße wurde abends in der elften Stunde die Ehefrau Voß aus Loh­mar, die sich mit ihrer Schwester und zwei jungen Leuten von Waldlen auf dem Heimweg befand, von einem französischen Po­ften angoschosseu. Der Posten hatte den Leuten aus einer Ent­fernung von etwa 50 Meter Worte zugerufeu, die jedoch keiner verstanden haben will. Nachdem die Rufe einige Male wieder­holt worden, aber unbeachtet geblieben worden waren, wurde der Schuß abgegeben, der die Frau in her Brust schwer verletzte.

Ein juristischer Neirat als Mörder.

wtb. Aschaffenburg, 15. April. telef. Heute morgen gegen 10 Uhr wurde der Direktor der Aschaffenburger Zeltstoffabrik Kommerzienrat Rauke von dem juristischen Beirat der Firma D. Paul Feeder, der gestern fristlos entlassen worden war, er­schoßen. Dr. Feeder beging nach der Tat Selbstmord.

Die Tagelöhnerssrau als lebende Fackel.

wtb. Aachen, 15. Aprll. telef. Hier begoß sich eine hier wohnhafte Tagelöhuersfraju im Verlache eines FamLiechtreites mit Petroleum und zündete sich dann an. Die mit schweren Brandwunden bedeckte und bewußttos z usaurmengebrocheno Frau wurde in das Krankenhaus gebracht.

Amundsen auf Spitzbergen.

D.B. Kopenhagen, 15. April. (Eig. Erlegt.) Bei günsti­ger Witterung und unter verhältnismäßig geringen Eisschwie- rigkeiten ist die Amundsen-Expedition mit ihren beiden Schiffen ach Spitzbergen gelandet.

mit ehernem Griffel in die Tafeln der Weltgeschichte eingegra- W Von ihm, dem Erretter von der russischen Sündsiut, gilt bas Wort Schillers, des Nationalheroches der Befreiungskriege Man wird erzählen von dem Schützen Lell, so lang die Ber­ge stehn auf ihrem Grunde". Wenn man danach fragt, wem die höchste Wütde zukammt, die das deutsche Volk zu vergeben hat, so kann die Antwort nur lauten: d e m Würdigsten. Wer aber ist der Würdigste im deutschen Reich? Kein Zwei­fel ist da möglich: Hindenburg ists! Wer persönliche Eigen­schaften besitzt, wie Hindenburg, Einfalt des Herzens, Ehrlichkeit der Ueberzeugung, Treue und unwandelbares Pflichtbewußtsein, Lauterkeit der Gesinnung, Bescheidenheit und Anspruchslosig­keit und nicht zuletzt ein g u b i g e s Ehristentum im tiefstem Herzen, beseelt von unentwegtem Gottvertranem der ist der Mann, der auf den Schild erhoben werden muß. Als einst unsere germanischen Vorfahren, die Goten in Italien burch das feige und unwürdige Verhalten ihres Königs Theo- dahad in arge Röte kamen, da erhpb Hildöbrand, der alte Waffenmeister Theodorichs des Großen seine steinerne Streit­axt und zerschmetterte die Büste jenes würdelosen letzten Ame- lungers des Nachfolgers des großen Dietrichs von Bern, die auf dem Lanzenischafte symbolisch im Volksthing einhergetragen wurde. Die Goten aber erhoben Wittichis den schlichten Mann aus bäuerlichem Geschlecht den sein Heldentum zum Grafen von Fäsulae hatte aufsteigen lassen, auf ihren Schild!--

Das Ausland, auf das der Deutsche so gern schaut in seinen

Praktiken, nennt, wie Newgobker Blätter dartun, Hindenburg den k l a r st e n Kopf und selbstlose st e n Man n. Auch heute noch, so liest man in amerikanischen Zeitungen, be­stände die Wagik seines Namens. Hindenburgs Stärke liege in seiner Unbescholtenheit und unantast baren Ehrlicheit. Die NewgorkerTimes unterstreicht ferner Hindenburgs loyales Verhalten gegenüber d e r Republik. Auch das gibt Raum zu einem Vergleich, daß die Franzosen, die den Marschall Mac Mahon, der nach bem Zusammenbruch des zweiten französischen Kaiserreichs die geschlagenen Truppen nach Paris zurückführte, ihn mit Dank und Ehrfurcht empfingen. Frankreich erachtete Mac Mahon als den würdigsten Mann und wählte den 65jährigen Marschalt zum Präsidenten der Republik. Und Hindenburg hat wahrlich Deutschland größere Dienste erwiesen, als Mac Mahon es Frankreich tat.

jft nun Hindenburg wirklich zu alt? Die Laufscheinfrage ist bei Hochzeiten berechtigt. Wenn Hans Sachs dem liebreizen­den Evchen auf dessen Frage: ,Könnt es nicht' auch ein Wit­wer sein?", entgegnet:Mein Kind, der wär für dich zu alt. Von Tristan und jsolde weiß ich ein traurig Stück. Hans Sachs war klug und wollte nichts von Herrn Markes Glück", so klingt doch selbst in diese Resignation ein leichter schmerzlicher Unterton, daß Hans Sachs sich nur bescheidet, weil Eva Pogner sich bereits den jugendlichen Ritter Walter von Stolzing zum Gatten erkürt hatte. Hans Lachs würde sonst wvhl den Kampf mit Beckmesser um Lochen ausgenommen haben, den er aus Edelsinn gegen Walter zu führen unterläßt. jn Ehesachen mag also die Laufscheinfrage Berechtigung hnben. Gerade blödsinnig ist sie aber bei geistig Schaffenden. Denn schon nach der Bibel nimmt für gewöhnlich der Mensch mit dem Alter zu an Weisheit und Verstand. Und das ist doch eine der- Haupt- bedingungen für das höchste Amt, das Amt des Reichsprä­sidenten.

Wenige Beispiele mögen genügen, daß das Alter bei gei­stig Schaffenden kein Hindernis bildet, ganz im Gegenteil. Schon 'im grauen Altertum wurden lediglich die Greise in den höchsten Bat berufen. Das Gesetz des weisen Lykurgs bestimmte, daß im Rat der Geronten in Sparta nur Männer sitzen durften, die das 60. Lebensjahr überschritten hatten. Clemenceau, um wie­der einmal einen Franzosen zu nennen, hat während des Welt­krieges im Alter von 77 jähren sein Amt, wie wir alle wißen, mit größter Energie und Schneidigkett geführt. Der dritte Kanz­ler des deutschen Kaiserreichs, Fürst Ehlodwig war 72 jähre, als er in sein schweres Amt berufen wurde, und man kann wohl sagen, er hat manches wieder gut gemacht, was Caprivi, der Zweite Kanzler, nicht zum Besten oolfbracht hatte. Und der erste Reichskanzler des neuen deutschen Kaiserreiches, der eiserne Kanzler? Fürst Bismarck war noch lange nicht senil, als er, 75 jahre alt, in den Ruhestand geschickt wurde, sehr gegen seinen Willen und wahrlich nicht zu Nutz und Frommen unserer Poli­tik. Der Alte im Sachsenwalde hat auch noch, als er erheblich alter war, als Hindenburg jetzt, der Welt gezeigt, daß kein stammelnder Greis in Friedrichsruh lebte, der wie jener Greis zu Leipzigbei der großen Wassernot" auf dem Dache sitzt, und sich nicht zu helfen weiß. Ganz im Gegenteil! Kaiser Wilhelm r. starb als Regent, 91 jahre alt. Die meisten Dichter und Denker, die das Patriarchenalter überschritten, haben gerade in ihrem hohen Alter das Beste geleistet, wie Goeche, der 82 jahre alt, seinenFaust" erst vollendete, Mommsen, der über 80 jahre alt sein bestes Werk schrieb. Kardinäle und Päpste, darunter die Hervorragendsten haben in hohem Alter ihr Amt noch so ausgefüllt, daß man gerade von diesen bejahrten Kir- chenfürsten meist nur Gutes zu berichten weiß. Und der Mar- l ^all Blücher, der 72 jähre alt, die Entscheidungsschlacht bei Waterloo gewann? Das auf ihn gemünzte Lied gilt auch auf Hindenburg:Es blühet sein Alter wie greifender Wein". Und greisender, nämlich der alte Wein ist bekanntlich der beste Wein. Nein und abermals nein, Hindenburg, der im Herbst dieses 3a^ res 78 jahre zählen wird, ist noch nicht zu alt! Und sdeshalb' ' wählen wir unseren Hindenburg am 26. April zum Reichsprä- sideute«! A

Vriand.

Aristide Briand gehört zu den in Ländern starken Minister Verbrauches typischen Wiederkehrer. Obwohl er den Versuch einer auch für französische Verhältnisse ungewöhnlich schweren Krisis vorläufig ein Ende zu machen, mit Kraftanspannung un- unverminderter Geschicklichkeit betrieb, haben sich die Schwierig ketten mustweilen eher gehäuft als vermindert, und wenigstens zeitweise schien es, als sei für den Block der Linken, überhaupt für eine unter den gegenwärtigen Verhältnißen Dauer ver­sprechende Regierung die Lage überhaupt nicht durch Briand, sondern allenfalls noch durch eine Umstimmung Painleves zu retten. Dennoch muß man sagen, daß Briand, der mehrmals Ministerpräsident und oft Minister (des Unterrichts und der 6uistiz) war, die meisten der Vorzüge hat, die einen Politiker