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Fuldaer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön und Vogelsberg, Fulda- und Haunetal
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Ammer 89.SmMas, den is. April 1925.L Sahrgang.
Bei dem ßbllenmafchinen-Mentat in Sofia 150 Zote und über 29« Verwundete.
Sie Ausrufung der Sowjet-Republik auf dem Balkan war beabsichtigt.
wtb. Sofia, 17. April, telef. Aach einer Meldung der bulgarischen Telographen-Agentur find bei dem gestrigen Höllen maschinen-Attentat in der Kathedrale von Sofia etwa 150 ‘Personen getötet, darunter Frauen und Kinder, und über 200 verwundet worden. Unter den Loten befinden sich der Polizei- Präsident von Sofia und rahlreiche hohe Offiziere und Abgeordnete. Unter den Verwundeten der Ministerpräsident und zwei andere Minister. Die Regierung hat Maßnahmen getroffen, um die Ordnung aufrecht ZU erhalten. Es wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen.
Nach einer Meldung der bulgarifchen Lelographen-Agen- tur wurden bei der Explosion in der Kathedrale Nedillia, die während der Begräbnisfeier für den ermordeten Abgeordneten Gösta gestern nachmittag um 3 Uhr erfolgte, nach den letzten Nachrichten von den anwefenden Ministern 3 leicht verletzt. Unter den Toten befinden sich außer dem Polizei-Präsidenten mehreren hohe Reserve-Offiziere und Abgeordnete. 3m Lande herrscht Ruhe. Die Oeffentlichkeit ist empört über das in einer Kirche, und noch dazu als diese von einer grotzen Menge gefüllt war, unter der besonders viele Frauen und Kinder befanden, begangen wurde.
Die Leiche des Mörders des Abgeordneten Mileff wurde gestern früh an der nämlichen Stelle ^nfgeffunden wo Mileff getötet worden war. An der Leiche wasr ein Zettel angeheftet, auf dem stand, daß die Hinrichtung auf Befehl der mazedonischen Organisation vollstreckt worden war. Der getötete Mörder ist ein bekannter Anarchist und einer der Haupt Urheber des Attentates das im Februar 1914 im Kasino von
i ' Sofia verübt worden war. 3m Kreise Aowa Sagora hat die Mâ ; os PepsoWu verheißt. Mis der Ber- nohmung der Verhafteten geht hervor, datz das Attentat auf Boris und die Kathedrale Sweta Redilia das Signal zur die Erklärung der Revolution und die Ausrufung der Sowjet- Republik auf dem Balkan sein sollte. Sofort nach der Explosion in der Kathedrale begab sich der König an die Unglücks- stätte, wo er von der versammelten Menge lebhaft begrüßt wurde. Das Werkzeug der Explosion war eine mit einem Uhr werk versehene Höllenmaschine die unter dem Dache des südlichen Teiles der Kathedrale versteckt war. Da die offiziellen Persönlichkeiten um die Bahre Sofias in der Mitte der Kirche standen, waren sie der Wirkung der Explosion viel weniger ausgesetzt, als die die in sich in der Nähe der Maschine befanden.
Aus der Provinz liegen keine weitere Meldungen vor, außer das auf dem Bochnhof von Koftonetz eine Person bei dem Versuche verhaftet wurde Explosivstoffe zu verbergen. Sonst ist alles ruhig. Die Züge verkehren regelmäßig. Das Dekret über die Verhandlungen des Belagerungszustandes wird heute veröffentlicht.
Kein Mitglied der deutschen Gesandschast in Sofia verletzt.
rotb. Berlin, telef. Aach den hier amtlich eingetroffenen Mitteilungen wurde bei dem Explosions^nglück in Sofia kein Mitglied der dortigen deutschen Gesandtschaft verletzt
Deutsche Wirtschaftssorgen.
Der deutschuatiouale Neichswirtschaftsminister Dr. Neuhaus hat im Haushaltsausschuß des Reichstags eine große programmatische Rede über die Lage der deutschen Wirtschaft gehalten und bie, ernsten Sorgen nicht verheimlicht, die jedem Beobachter bei ihrer Betrachtung erfüllen. Als Barometer gilt da unsere Handelsbilanz, die feit dem 1. 3anuar 1924 mit ... «X-11 Farben passiv ist, was zum Teil auf die Einfuhr . Konsum- und Luxuswaren, vor allem aber auf cen Rückgang unserer Ausfuhr zurückzuführen ist. Die Mög- hr^etfcn einer JbNfe sah der Minister in zwei Richtungen.
müsse unser Handelsvevtragsweson wieder ganz auf dem Grundsatz der gegenseitigen Meistbegünstigung eingestellt werden. Berhandlungsinstrument bezeichnete Dr. Neuhaus bie bevorstehende neue Zolltarifvorlage, für deren Einbringung ” âr keinen Termin angab. Auch zu der Frage, ob das Zu- standekommen des deutsch-spanischen Handelsvertrages er- "Leerte er sich nicht. Die andere Richtung, in wel- ä Abhilfe ,suchte, ist die Steigerung der deut S ^^tbewerbssahig'keit auf dem Weltmärkte durch innere datz 3pmuß jedermann fragen, wie es kommt zahlt als^d p ^'° ^^ Zweifellos geringere Löhne höhere ‘Dr ife lür ihre Produkte vielfach Ä« 3 . Dr. %*« wmd- i, einigen ünd der sozialen Lâcn ^uh'mte er die hohe der Steuern 1 ^ m als auf die Dauer untragbar, hielt aber
Erhöhung der Riltttirreatea.
rotb. Berlin, 17. April. Die Renten und Zusatzrenten der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbllebenen sowie die sonstigen MÄitär-Aenten sind ab 1. 4. 15. entsprechend der Aenderung des Wohnungsgeldszuschusses für Beamte erhöht worden. Snfolgedesjen ist an die Stelle der bisherigen Aentenerhöhung um 15 v. H. eine solche um 18 v. H. getreten Da die Ber- sorgungsämter für die Rentenzahlung Ende März 1925 nur die bisher geltende Rentenerhöhung um 15 v. H. berücksichtigen konnte, wird die Nachzahlung mit der Zahlung für den Monat Mai verbunden werden, sodaß die für Ende des Monats April zu leistende Mai-Zahlung eine Aentenerhöhung von insgesamt 21 v. H. in Betracht kommt.
Sie Entwaffnung Deutschlands.
rotb. London. Daisy Expresse meldet aus Paris, daß der Bericht Fochs soweit bekannt sei keinerlei sensationelle Be schuldigungen gegen Deutschland enthalte.
Die Beilegung des deutsch-rumänischen KonMes.
rotb. Bukarest, telef. Hier verlautet, daß voraussichtlich noch vor Ende dieses Monats eine Konferenz in Berlin zujammentreten werde, um den deutsch-rumänischen Konflikt beizulegen.
Das verunglückte englische Luftschiff.
rotb. London. Nach einer Meldung der „Dailg Nova" befindet sich das Luftschiff R. 33 von 1 Uhr nachts ungefähr 130 Meilen von Pulham. Das Luftschiff kam heute früh gegen 3 Uhr in London in Sicht.
Ein amerikanisches Luftschiff davongetrieben-
wtb. Belleville. Ein amerikanisches Luftschiff vom Rigs- cott-Egp, das sich gestern nachmittag vom Anker losgerissen hat und mit sieben Mann Besatzung davongetrieben ist, ist ohne Unfall in Black Walnut gelandet.
Politische Wochenschau.
Bei herrlichem Frühlingswetter haben wir Ostern gefeiert und uns von der Politik ausgeruht. Dann aber ließ uns der freundliche Ostwind im Stich und der feuchte Rest machte unsere Gebeine -erschauern. Es gibt auch in 'der Politik heute, die alles Heil vom Osten erwarten und am liebsten jeden Verkehr mit den -Westmächten abbrächen. Man muß vor solchen Wetterkundigen doch warnen. Nicht nur deshalb, weil die Prophe-
auch mit großem Ernst den -Unternehmern vor, daß sie auf andere Weise noch ihre Selbstkosten herabmindern könnten und sich auf die Massenfabrikation bei geringerem Einzelnutzen umstellen müßten. Ferner betonte er die Notwendigkeit, beste Qualitätsarbeit zu leisten und zu diesem Zweck der Ausbildung von Facharbeitern größte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Fürwahr, die Errungenschaft der Revolution, daß die ungelernten Arbeiter fast den gleichen Lohn erhielten wie die gelernten, hat sich als Krebsschaden an der deutschen Wirtschaft erwiesen. Dem Schrei der Industrie nach Betriebskapital konnte der Minister nur wenig Erhörung versprechen, da man die Zins- lätze in Deutschland, um das auskändische Kapital heranzuziehen, hoch liessen müsse. Für den gewerblichen Mittelstand sollen allerdings aus Mitteln der Reichsppst 30 Millionen zu einem oerbilligsten Zinsfuß verfügbar gemacht werden. Die private Spartätigkeit sei noch in ganz anderer Weise als bisher anzuregen. -— 3m ganzen ist also das Bild, das Dr. Neuhaus entworfen hat, recht düster und dazu geeignet, den bevorstehenden Kampf um die Steuerreform zu beeinflussen. Es zeigt sich, wie haltlos das Verlangen der Linken nach stärkerer Belastung der Wirtschaftsunternehmungen ist, die vielmehr ihrerseits die geplanten Steuer-Erleichterungen noch für ganz nngenügend erklären. Das Problem der Getreidezölle wurde von dem Minister nicht behandelt; auch hier ist noch ein harter Kampf zu erwarten.
zeihungen auf diesem Gebiet noch unzuverlässiger sind als sonstigen, nein, auch ganz grundsätzlich. 3e schwächer man ist desto mehr muß man vermeiden, sich auf eine einzige Chance festzulegen. Bismark wird wirklich sehr mißverstanden, wenn man als Anhänger der Ostorientierung sich auf ihn beruft. Er wollte eine Rückversicherung, aber kein Abhängigkeitsverhältnis. Ein solches entsteht aber sofort, wenn ein Kleiner einen Großen seinen einzigen Freund nennt. Unb wie sehr verkennt der Mann den Russen, der ihn für treuer, zuverlässiiger, vielleicht gar deutschfreundlicher hält als den Engländer oder den Franzosen! Die Sowjetmachthaber hassen uns, weil ihre Weltrevolution an Deutschland zerschellt ist, und die reaktionären Panslawisten sind immer Deutschfeinde gewesen. Trotzdem können gleichlaufende Interessen einmal wieder Rußland und Deutschland verbinden. Aber bis dahin werden unter alten Umständen noch eine lange Reihe von Mahren vergehen. Wer etwas anderes glaubt, hat sich entweder von den Bolschewisten blauen Dunst vormachen lassen, oder ist ein unrettbarer Phantast.
Wir können weder eine Ost- noch eine Westorientierung brauchen, müssen vielmehr zusehen, wo wir jeweils auf einen 3n» teressenkreis stoßen, der sich mit dem unsrigen deckt. Ein anderes Band zwischen fremden Völkern gibt es ja nicht. Wir wollen ebensowenig Englands Degen wie Rußlands Kolben Jein doch darf dieses stotze UnabhängigkeitsgefUhl auch nicht so weit gehen, daß wir isoliert zerbrechen. Denn diesen Endeffekt haben wir als Folge der nachbismarckschen deutschen Diplomatie — im Weltkrieg erlebt und für alle Zeiten genug davon. Es geht nicht an zu sagen: was in London und Paris geschieht ist uns schnuppe, und die Leute haben sich nicht darum zu kümmern, was bei uns passiert. Leider haben jene immer noch bie ganz gemein, ganz rohe Gewalt -über uns. Ungestraft dürfen sie es wagen, nun schon volle drei Monate die Räumung der Kölner Zone vertragswidrig zu verschleppen, ohne daß uns die "Gründe mitgeteilt werden. Unter normalen Verhältnissen wäre das längst ein uuzweiselhaster Kriegsgrund gewesen. Wir aber vechandöln über einen Friedensgarantiepakt. Ober vielmehr: mir warten jetzt ganz geduldig, was bei der französischen Regierungskrise herauskommen wird, und müssen — ohne uns „einmischen" zu wollen — doch gewiß wünschen, daß das neue Kabinett Frankreichs wieder auf dem Boden der Mäßigung und nicht auf dem Poincares und Fochs stehen werde. Dicke Tränen können wir freilich Herrn Herriot nicht nachweinen, dessen Außenpolitik mehr von der Opposition als von dem Linksblock abhängig war. Aber ein leidlich guter Wille mit schwachen Kräften ist immer noch besser als ein böser Wille mit starken Kräften. Dieser würde die französischen Zinanznöte durch eine „Diversion von außen" zu lösen suchen. Wir müssen die Gegner einer solchen Gewaltpolitik, die allmählich in allen Ländern ?u finden sind, stärken und stützen.
Wenn in Frankreich die Linke sich nicht als geschlagen bekennen will, so wird sie vielleicht noch ein wenig ermutigt durch ben Sieg der Sozialisten in Belgien, der zur Betrauung Van- derveldendes mit der Kabinettsbildung geführt hat. Wir haben gewiß keinen Grund, an diese Tatsache große Hoffnungen zu knüpfen, aber wir dürfen annehmen, daß die französische Rechte, die schon an den englischen Konservativen mehr Enttäuschungen erlebt hat als an Herrn Macdonald, die jetzige Schwenkung in Belgien mit scheelen Augen ansehen wird. 3n dieser Suuauon trifft Deutfct)lanb die Vorbereitungen zur endgültigen Wahl des ^veichsprWdenten. Der Kampf hat in den Feiertagen geruht, entbrennt aber jetzt um Jo lebhafter. Herr Marx läßt sich von Jemen Managern in wilder Hast durch ganz Deutschland treiben und hält Reden über Reden; nicht nur in den Sroß- Jtäbten, sondern bei jedem Zugaufenthalt. Wer hätte diese .Llmerikanisierung dem stillen Zentrumsführer zugetraut! Aber er verehrt ja heute so^ manches, was er früher verbrannt hat: den üiirchenfein-dlichen Sozialismus, das provokatorische „Reichs banner" und den ganzen demokratischen Rummel.
Das alles ist wohl nötig, um bie Wählerschaft vergessen zu machen, daß hier nicht ein tteberparteiucher sondern ein enra- gierter Parteiführer sich um den Reichspräsidententhron be- wirbt. Den schweren Fehler, der darin liegt, erkennen die Sozialisten und Demokraten sehr wohl. Sie beschwören deshalb in allen Tonarten ihre Anhänger, nicht den Zentrumsmann, sondern den „Republikaner" Marx zu wählen. Daß er als solcher ein sechsjähriges Kind ist, sagen sie natürlich ukyi. Der Feld Marschall von Hindenburg dagegen, der wirklich als über den Parteien stehend gelten darf, hat sich mit einem K ^en Oste raus ruf begnügt und verzichtet auf die Barnum-Metho- den. , -luch der Reichsblock, der diesmal über viel weniger Geldmittel verfügt als der Linksblock, verhält sich ziemlich still und vertraut auf die Zugkraft des Namens Hindenburg. Die Erregung der Auslandspresse über diese Kandidatur hat sich etwas müde gelaufen. Hin und wieder beginnt einer zu begreifen, daß es sich hier überhaupt nicht um eine politische Um- wälzung, sondern höchstens um ein Stimmungsjymptom handelt, das aber auch als solches nicht leicht zu deuten ist. Denn die