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9WW Morsenzeltuns Fuldaer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön und Vogelsberg, Fulda- und Haunetal

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Nummer 92.

Mittwoch, den L Avril 1925.

2. Fahrgang.

Die Mehrzahl der Rewyorker Banken für -le Auslan-skre-lle trotz -er

wtb. Berlin, 21. Aprll. telef. DieAewgork Limes" meldet, daß einige Aewgorker Bankiers, die sich mit deutschen 2«dustrioanleihen befassen, sich entschlossen hätten, diese Anleihen zeitweilig aufzuhatten, bis der Ausgang der Präsidentenwahl in Deutschland bekannt sei. Dem Blatt zufolge haben sich gestern einige Bankiers dahin geäußert, daß ein Erfolg Hindenburg das Lude der deutschen Sndustrieaulecheu am Aewgorker Markte bedeuten wurde. Me Mehrzahl der Bankiers sei je­doch durchaus geneigt, die wettere Entwicklung abzuwarten. Ls erfahre daraus daß auch dieser Hiob der gegnerischen Presse ein Lllfthieb war. Die feinnervige Hochfinanz Amerikas be­zweifelt nicht die Friedenspolitik unseres Hindenburgs, wie dies kein vernünftige, Mensch in der ganzen Welt bezweifelt! (Die Red.)

3nm Tode des früheren Reichsvost- miaisters Sr. Koesle.

wtb. Berlin, 21. Aprll. telef. DasBerkner Lageblatst^ meldet, daß Oberstaatsanwalt Linde heute vormittag zum preu­ßischen 2uftizminister boordnet worden sei, um über die Frage der abgelehuten Haftentlassung M. Hoefles Bericht zu erstatten Wie das Blatt wissen will, ist eine Untersuchung seitens des 2ustrzmiuisters oingeloitet worden, um festzustellen ob von den ht Frage kommenden Gerichtsstellea, im Falle bei Hoefle irgend­welche Fehler gemacht worden sei. 2nsbesondere soll die Frage geprüft werden, warum man einen so schwer kranken Mann bis zuletzt in Haft behalten hat. Wir weisen auf den Artikel unter gleicher Ueberschrift in der RubrikAus der Lagesglfchichte" besonders hiu. (Die Rod.)

Hindenburgs Wahlrede

Welch ein Unterschied! Die anderen Kandidaten für die Reichspräsidentschaft reiften und reisen im Lande umher, um die Wähler aufzusuchen Hindenburg bleibt in Hannover, ver­anstaltet einen Empfang. Und zu Hunderten drängen sich Ver­treter politischer Organisationen sowie Journalisten aus aller Welt um diesen Kandidaten! Daß es nicht Altersgebrechlich­keit ist, was den Feldmarsch all zu diesem Verhalten bewogen hat, ergibt sich aus der Standhaftigkeit, mit der er am selben Lage zwei Stunden lang den Vorbeimarsch der nationalen Ju« gend und der hannoverschen Bürger entgegengenommen und hinterher die Abendversammlung abgeihalten hat, die ebenfalls körperlich strapaziös gewesen ist. Rein: es wäre unter der Würde dieses Mannes gewesen, sich in öffentlichen Versamm­lungen um die Stimmen der Wählerschaft zu bewerben. Aber sich einmal den Vertretern der öffentlichen Meinung von Ange­sichts zu Angesicht zu zeigen und seine körperliche und geistige Rüstigkeit zu beweisen, das durfte auch ein Hindenburg auf sich nehmen. Er hat dabei eine Rede gehalten, in der es ablehnte, das Programm eines Parteimannes" zu geben, die aber doch ein Programm, und zwar eins höherer Art, gewesen ist. Die Gegner nörgeln bereits daran herum, daß der Feldmarfchali ein Manuskript benutzt habe, und wollen daraus schließen, er habe nur verlesen, was andere ihm aufgesetzt hätten. Das ist jedoch, wie wir bestimmt wissen, falsch. Hindenburg hat sich zwar, wie es ja alle Staatsmänner machen, sowohl für den Oster-Aufruf als auch für die Rede Entwürfe vorlesen lassen, hat sie aber tagelang sehr gründlich selbst durch- und umge­arbeitet. Es ist also durchaus sein eigener Geist und Wille, E daraus spricht. Und das Vortragen wichtiger Programm- rsden, bei denen es auf jedes Wort ankommt, ist selbst bei den ® Vo'litikern selbstverständlich. Wir erinnern nur an Dr. Luthers erste Kanzlerrede im Reichstag.

^ Ehr darf man sich nun an sehen Satz der Rede Hlndenburgs halten, die eine außerordentliche Bedeutung na-

U?m ^enpolitik hat. Die zahlreich erschienenen ausländischen Journalisten wies der Feldmarschall auf die Ent- wicklung zu einer überparteilichen Einigung hin, wie sie ihm im Aeichsblock vorzuliegen scheint, gerade dieser Umstand ^hat ihn

^ ^denken gegen seine Kandidatur zurückzustollen und dem Appell an sein Pflichtgefühl zu folgen. Drei Punkte

? ^â^heben, in denen Hindenburg noch einmal volle K achelt geschaffen hat, um die Besorgnisse vor seiner Kandida- ur m und Auslande zu zerstreuen. Erstens die Frage -der aisform.Auf den einmal gegebenen Grundlagen der Ver- fr ds Reichspräsident das Beste für das ob Da'Nit lchnt Hindenburg den Gedanken er als Vorkämpfer des Monarchismus kandidiere; er

Kan-i-alur M-enburgs.

i Eine Protestkunbgebnng in Paris gegen Lailiaux.

wtb. Paris. 21. Aprll. telef. Die Bezirksvereiuiguugen des Ratioualverbaudes der Frontkämpfer der Departements Seine et Loire und der Seine übermittelten best Presse eine Mitteilung, in der sie bekanntgeben, daß sie an alle Abgeord- neten und Senatoren einen Brief gerichtet haben in welchem sie diese anfforbern, die Diskussion mtt einer Regierung zu ver­weigern, der Laillaux augehört.

Zur Lage in Bulgarien.

wtb. Verlor, 21. April, telef. Die am Sonntag verhafteten bulgarischen Studenten gehören dem bulgarische« Kommunisteu- Klub an, der vor einigen Monaten in Berlin unter Leitung ei­nes gewissen Keeraef sowie Dr. Boitiff gegründet wurde, und hauptsächlich aus bulgarischen Studenten besteht, dem aber auch andere radikale Anschauungen huldigende Ausländer angehöreu Ls besteht der Verdacht, daß der Klub auch mtt den deutschen Kommunisten enge Verbindung hat. Der bulgarische Gesandte wurde im auswärtigen Amt über das bisherige Ergebnis der Untersuchungen und über das beschlagnahmte Material unter­richtet.

wtb. Sofia, 21. April, telef. Minkoff der als Haupt der kommunistischen Verschwörung angesehen wird, wurde in einem Feuergefecht mit Polizisten, die Um verhaften wollten, erschos­sen.

Das Todesurketl gegen Grans aufgehoben.

wtb. Hannover, 21. Aprll. Das Gericht hat das im Falle Wittig gegen Graus erkannte Todesurteil wegen Anstiftung

schwört nicht seinen Glauben an die Monarchie als die bessere Staatsform ab, aber er hätt diese Frage für absehbare Seit nicht für aktuell und will unMeifechaft nicht die Parole: Mo­narchie ober Republik. Daß sie ihm tatsächlich nicht an erster Stelle steht, hat er ja auch durch sein Verhalten nach der Re­volution bewiesen. , "

ßum zweiten weist Hindenburg den Anwurf der innerpoli­tischen Gegner zurück, daß er der Kandidat bestimmter Wirt­schaftsgruppen sei. Rücksicht auf unberechtigte Sonderinteressen würde er nicht kennen; und positiv: der Staat müsse immer das Wohl der Vollkskreise besonders im Auge haben, die am schwersten unter der Not der Seit leiden. Auch dieser Lon ist unzweifelhaft echt. Der Konservativismus der alten Offiziere mar stets antikapitalistisch und sozial eingestellt; mochten sie für die geistigen und die politischen Anspüche der Massen wenig Sinn haben, so hatten sie desto mehr Verständnis für das kör­perliche und wirtischaftliche Wolhlergchen. Es ist kein Hufall, daß Ludendorff Ratiomal-,Sozialist" geworden ist. Der britte und außenpolitisch wichtigste Punkt ist diedrohende militaristische Reaktion in Deutschland". Hier wurde Hinden­burg deutlich. Er sprach von verlogenem Geschrei und von verantwortungsloser Wählpropaganda. Demgegenüber nannte erunser aufrichtiges Streben nach friedliche? Orientierung" eine wichtige Grundlage deutscher Außenpolitik und betonte in Jebr^beatbtensroerfer Weise, daß er nichts anderes erstrebe als die Gegner seiner Kandidatur, nämlich: dem deutschen Volke in voller Souveränität und in voller Freiheit seinen Platz unter den anderen Volkern zu sichern. Wenn der Feldmarschall zu die-

I s -^ ^L Anschuldigung unserer Verantwortung für den Weltkrieg zu Fall bringen will, dann decken sich auch hierin seine Anschauungen mit denen aller deutschen Parteien. Jn einer gesonderten Aussprache mit Pressevertretern hat Hinden- bnrg dann noch gesagt, daß er in seinem Leben genug Kriegs- elènb gesehen habe, um es für die Zukunft mach Möglichkeit seinem Vaterlande zu ersparen. Darüber hinaus wird man noch feststellen dürfen, daß ihm als Heerführer natürlich noch viel mchr^ als den meisten anderen Deutschen die wirtschaftlichen und technischen Vorbedingungen eines modernen Krieges bekannt Jrnb und daß: er deshalb mit besonderer Klarheit die Folgen der ungeheuerlichen Entwaffnung Deutschlands vor Augen hat. Es ist deshalb auch in diese Worte Hindenburgskein Zweifel ?u fetzen. Mag er einPazifist wider Willen" Jein, wie man fbn auch einenRepublikaner wider Willen" nennen könnte )ebenfalls ist ein alter Feldherr von Natur Realpolitiker, der mit den gegebenen Größen zu rechnen gelernt hat. Unb fein

Verantwortungsgefühl bewahrt ihn ohne weiteres vor gefährlichen Experimenten.

Mu Morde aufgehoben und eine nochmalige Verhandlung vor dem hiesigen Schwurgericht augeordnet. 2m Falle Hannappel, in dem Stans wegen Beihilfe zum Morde zu 12 2ahren Zachi- Haus verurteilt wurde, Me Wiederaufnahme des Verfahrens abgelehnt. Live Vernfung gegen diese Ablchuung ist möglich.

BerlängerunsbesBelagemngszuflanbes in der Türkei.

wtb. Konstantinopel, 21. Aprll. telef. Me Dauer des Be- 'lagerungszustalldes sowie die dem Uuabhängigkettsgericht über- trageueu Vollmachten wurden auf 6 Monate verlängert. Das Unabhäugikeitsgericht in Angora wurde mit den gleichen Voll­machten ausgostattet um, wie dasjenige in den östlichen Vilajets- Verwaltnugen Reform einznführen und die Ernennung eines oder zweier General-Gouverneure für das gesamte östliche Anatolien in die Wege zu leiten. Me Ratioualverfamullung gcht am Mtttwoch in die Ferien.

Ein unangenehmer Zwischenfall in Warschau.

wtb. Warschau, 21..April, telef. Gestern abend kam es hier zu einem unangenehmen Zwischenfall. Liu Regierungs- auto, in dem um 6 Uhr abends Ministerpräsident Venesch in Begleitung des technischen Gesandten durch die Stadt fuhr, um einige offizielle Besuche abjuftasten, überfuhr in der belebtes Hauptstraße, als es einem Radfahrer auswoicheu wollte, eines neunjährigen Zeitungsjungen, der an der Haud seiner Mutter am Bürgersteig dahinschrttt. Der Kleine wurde auf der Stelle getötet.Wie derAobotmk" meldet, gelang es der Polizei nur mit Mühe die Ordnung aufrecht zu erhalten, da die empörtes Passanteu die Kraftwagenführer lguchen wollten und auch gegen die beiden Autoinsasse«, di sie nicht kannten, ein drohende Hcll- tuag eillnahmen.

Die Kandidatur Sindenburgs.

Wenburg über die Gegenwartsfragen.

Der Berliner Vertreter des Reuterbüros ihatte eine Unter« Tebnng mit dem Generalfeldmarschall von' Hindenburg. Das Snterview hat folgenden 2nhalt:

Frage. Wird Ew. Exzellenz bereit fein, den vorgefchriebensn Cib zu leisten, worin es heißt, daß der Präsidentbre Verfgs- jung und die Gesetze des Reiches wahren, seine Pflichten gewis­senhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde?"

^faöporf: Natürlich bin ich dazu bereit, denn im anderen Falle hatte ich gar nicht das Recht gehabt, mich als Kandidat aufjteilen zu lassen.

3r<W: Würde Lw. Exzellenz es vorzichen, den früheren Kai­ser wieder auf den Lhron zu sehen, lieber als selbst Präsident der Republik zu werden?

Antwort: Die Frage Republik oder Monarchie steht in der ceutschen Politik gegenwärtig nirgends zur offiziellen Erörter­ung. Persönliche Wünsche spielen deshalb keine Rolle.

Jrage: Jft Lw Exzellenz bereit, den vorgeschlagenen Si­cherheitspakt zu unterzeichnen, der Frankreichs und Belgiens Grenzen garantiert?

Antwort: , Die Sicherheitsfrage befindet sich gegenwärtig noch im Stadium der internationalen Erörterungen. 2ch kann mfolgedesfen durch eine eigene Stellungnahme nicht in solche Fragen eingreifen, die zunächst Sache der Regierungen sind. Selbstredend verfolge ich diese wichtige Auseinandersetzung mit besonderer Aufmerksamkeit.

Frage: oft Ew. Exzellenz der Ansicht, daß die gegenwärti- gen Grenzen im Osten zugunsten Deutschlands geändert werden müssen?

Antwort: Dieser Ansicht bin ich ebenso wie jeder Deutsche ohne Unterschied der Partei. Damit der Friede dabei nicht ge­stört wird, muß man den Verhandlungsweg einschlagen

T ^' ^^K^enz als Präsident alles, was in ferner Macht sicht, tun, daß bi militärischen Klauseln des Ver­sager Vertrages erfüllt werden.

bo^Or\ÖCI^rlQ^ V^trag ist solange für uns bin« enb, bis er durch neue Abmachungen zwischen den Vertrqgs- machten geändert wird. Zur Vertragserfüllung gehören natür­lich _aucb bie militärischen Bestimmungen.

Frage: Wird die Politik Ew. Exzellenz den früheren Fein- een Deutschlands gegenüber eine der Verständigung und der Solkervensöhnung gewidmet sein?

Antwort: Jeb habe schon in meiner Osterbotschaft an das deutsche Volk gesagt, daß ich dem inneren und äußeren Frieden bienen will.