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Hessische Morsenzeitunv Fuldaer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön und Vogelsberg, Fulda- und Haunetal

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Für die Volksgemeinschaft Für den Ständefrieden

Nummer 94.

Freitag, den 24. April 1925.

L Fahrgang.

Keine Änderung der AnleihepolM in Amerika durch Hindenburgs Wahl.

wtb. Aewgork, 23. April. feie. Staatssekretär Kellogg dementiert amtlich das Gerücht, daß die amerikanische Anleihe- politik eine Aenderung erfahren würde, wenn Hindenburg ge­wählt würde.

Staatssekretär Hagedorn vom ReichsernährungLminUerium wurde heute vom Präsidenten Loolidge empfangen. Präsident Loolidge zeigte in der Unterredung mit dem Staatssekretär gro­ßes Snteresse für die wirtschaftlichen und besonders für die land­wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland.

JerKöhepaaN des Wahlkampfes meW.

wtb. Betti«, 23. April, teief. , Der Wcchlkampf Nm die Reichspräsideutschaft dürfte heute seinen Höhepunkt errÄcht haben. Acht weniger als 53 Wahlversammlungen finden abends in Groß-Berlin statt und zwar 3 Versammlungen des Reichs- blocks, 44 weitere der Rechtsparteien, 1 des Bolksblocks, 4 de­mokratische, 16 sozialdsmcckratische und 15 Kommnnistische.

Sie Feststellung des Wahlergebnisses.

Berlin, 23. April. (Sig. jllformatious-ienst-Tttegr.) Von luftänbiger Stelle wird mitgeteilt, daß das vorläufige Ergebnis der Wahl vom 26. April bereits um 3 Uhr nachts festgestellt sein wird. Alan wird demnach spätestens bis Alontag Mittag über­sehen können, welcher von den Kandidaten gewählt ist. Der of­fizielle Amtsantritt des neuen Reichspräsidenten wird numittel- bar nach dem Vorliegen des Gesamtergebnisses erfolgen. Die Reichsregierung wird am Lage des Amtsantrittes, wie wir wei­ter hören, eine Proklamation an das Volk erlaßen.

Sie neuen deutsch-französischen Verhandlungen.

wtb. Berlin, 23. April. (Sig. Suformationsdieuft-Lelegr.) Wie wir hören, werden die am 27. April wieder beginnenden deutsch-französischen, Wirtschaftsvorhandlnngeu voraussichtlich noch bis Anfang 3uni andauern. Zur die deutsche Regierung handelt es sich in erster Linie darum, daß die deutschen Wirt- schaftsinteressen bei den zu erzielenden Abmachnugeu restlos ge­wahrt werden. Alan hat jetzt die Möglichkeit ins Auge ge­faßt, zu versuchen, einen definitiven deutsch-französischen Han­delsvertrag im Laufe deruächfieu Monate zustaudezubringen.'

Die Todesurteile in Leipzig.

Die drei -Todesurteile im Leipziger Tscheka-Prozeß haben auf bie, politischen Kreise einen starken Eindruck gemacht. Ob­wohl die, Beweisaufnahme keinen Zweifel daran ließ, -daß von vornherein gegen die Hauptschuldigen -Todesurteile gefällt wer- -den mußten, wird jetzt unmittelbar nach dem -Urteil vielfach die Frage aufgeworfen, ob es nicht dringend geboten sei, die Todes- urteile auf dem Gnadenwege in andere Strafen umzuändern.

handelt sich jetzt nicht um die grundsätzliche Frage der Staatsautorität, die im Zusammenhang mit den letzten Kommu- nistenprozessen immer wieder aufgeworfen wurde, sondern es bandelt sich in erster Linie darum, inwieweit -der Staat von der ^eWschlich-kett und der Großmut Gebrauch machen kann gegen­über den Opfern kommunistischer Berschörermethoden, geg-en- uber denjenigen verführten Siementen, die bei der vollständigen Verwirrung der RechtSbegriffe der Meinung sein sollten, ihrer politischen Aeb-erzeugung-streue folgen zu müssen.

e ^^^âengänge werden zur Zeit in den maßgebenden oi sichen Greifen und insbesondere der Reichsregierung selbst ieyr emgchgsid erörtert...Man ist der festen Ueberzeugung, daß ie o-mmunistisch^e Partei und die hinter ihr stehende Moskauer -zentrale die alleinige Verantwortung für die schweren Aus- HOreitungen zu tragen habe, die von den Angeklagten des L-eip- i'-ger Tschekaprozefses begangen worden sind. Diese Angeklag- tzn die,mjf voller Ueberlegung einen Mord -begangen haben weitere Mordtaten planen, wären aller Voraussicht nach

'^ch grundsätzlichem menschlichen Ermessen niemals dazu glommen, ihren Mitmenschen nach dem Leben zu trachten, enn sie nicht durch -ihre terroristische Untern-ehmu-njg-en hin-ein- ^üren. Man erinnert daran, daß namentlich der Haupt 3- tagte Reumann, -der den Mord an Rausch begangen hat, ftal?^0*1.®6^*'^ ^atur ist, die lediglich durch die Auf- verßö^^ ro^r Instinkte zum Mörder geworden ist. A-chnlich Ander T ^ .auch kei einem Teil der anderen Verurteilten.

s ,e9t die Gache aber bei dem zum Tode verurteilten

Fliegerunglürk in Weimar.

-w-tb. Weimar, 23. April. telef. Am Mittwoch abend ist auf dem hiesigen Fulgplatz eines der z. 3t in Weimar stationier teu Zlugzeuge der Haffner Werke, Paderborn, infolge Versagens des Motors abgestürzt. Der Pilot Zink und die Ggmuastik- Lehrer Dalberg und Andersen konnten sich Mar durch Abspriu- gen retten, erlitten aber erhebliche Vertetzuugeu. (Das Zlng- zeug wurde sehr stark beschädigt.

Kliegertob bei Rom.

wtb. Rom, 23. April, t lef. Gestern vormittag ist in der Nähe von Rom ein Zliegeroffizier beim Aufstieg tait seinem Zlugzeuge aus einer Höhe von 50 Meter abgestürzt. Sr war sofort tot.

Ein Todesurteil in Stettin.

wtb. Berlin, 23. April, telef. Vor dem Stettiner Schwur­gericht wurde gegen den Zleischergeselleu Stelzenburg verhan­delt, der unter der Anklage stand seine Zyjährige Frau fprmor­det zu hâen. Der Angeklagte bequemte sich erst, nach der Ur- teilsverkLudung zu einem Geständnis. Das Artest lautete wegen Mordes auf Lode^trafe.

Das Programm der neuen französischen Regierung.

Das von -dem neuen Ministerpräsidenten Pamlevee ent­wickelte Regierungsprogramm hat in den Berliner außenpoli­tischen Kreisen großes Suteresse erweckt. Allgemein -hat es großes Erstaunen hervorgerufen, daß die Außenpolitik in den Richtlinien des neuen Kabinetts erheblich zurückhaltender und flüchtiger behandelt wird, als dies bei der Regierungserklärung Herriots im vorigen Sahre der Fall war. Immerhin ist be­achtenswert, daß die Durchführung des Dawesgutachtens von dem neuen französischen Kabinett rückhaltlos zugofagt wird. jn den Berliner Regierungskreisen erwartet man, daß die fran­zösische Regierung darunter auch die Erfüllung der in London gegebenen Versprechungen -hinsichtlich der Räumung des Ruhr- gebietes versteht. 3n dieser Hinsicht seien die Darlegungen des neuen französischen Kabinetts nicht eindeutig und klar genug, um die in Deutschland herrschende Beunruhigung ganz zu beschwich­tigen. Was die Sicherheitsfrage betrifft, so hat der französische Ministerpräsident diesmal etwas mehr als platonische Erklärun-

Russen 5-koblewskg, der als Offizier der Roten Armee und Beauftragter der -kommunistischen Internationale nach Deutsch­land gekommen war, um eine Tscheka zu organisieren und ein Retz staatsgefährlicher Verschwörungen zu legen. Daran daß Skoblewskg niemand anders ist als der russische General Goreff kann nach Auffassung der maßgebenden Regierungskreise gar kein Zweifel bestehen. Er wird als das eigentliche Haupt die­ser kommunistischen Verschwörerorgan-isation angesehen, und für ihn würde aller Voraussicht nach eine Begnadigung nicht in 3rage kommen. im Gegenteil wird übereinstimmend und mit Nachdruck gefordert, daß das Todesurteil an Skoblewskg Go­reff unter allen -Umständen vollzogen wird.

Man kann schon jetzt voraussehen, daß die russische Soro= jetregierung alles versuchen wird, diesen Skoblerosiky freizube­kommen und ihn auf dem Ausliefernngsnerfahren nach Ruß- land hinüber zu retten. Gegenwärtig sehen drei junge deutsche Siebenten, die in Moskau vollständig unschuldig in Unter- suchun-gShaft gehalten werden, ihrer Aburteilung entgegen, ie- der, der die Methoden der russischen Bolschewisten kennt, weiß, daß die Moskauer Macht-ha-ber die drei jungen Deutschen un­barmherzig zum Tode verurteilen und hinrichten lassen werden, wenn an Gkoblewskg in Deutschland das Todesurteil vollstreckt werden sollte. Man sieht also voraus, daß hier eine außer­ordentlich schwerwiegende Verantwortung auf den deutschen Regierungsstellen ruht, die durch die Haltung der russischen Sorojefregierung in einen ernsten Gewissenskonflikt gebracht werden. Für einen großen Teil der deutschen politischen Kreise wird' hier eine Prestigefrage aufgerollt, bei der es sich unglück­licherweise um Tode ober Leben einiger jungen Menschen >han- delt. Welchen Ausgang dieser Konflickt nehmen wird, kann heute niemand wissen. Jedenfalls wird man nicht lange darauf zu warten haben, -daß in Moskau ein Todesurteil gegen die drei deutschen Stubenten gefällt werden wird, die im wahren Sinne bes Wortes als Geiseln für den politischen Staatsr erbrechet Gkoblewsky feftgelbalten werden

gen abgegeben, sodaß man in Deutschland sehr wohl an die Möglichkeit einer Verständigung glauben könnte, wenn Frank­reich nicht eine Aufgabe -darin sehen würde, Deutschland in der Frage seiner Ostgrenzen einseitig festlegen zu wollen.

Wir wir hören, wird Reichskanzler Dr. Luther in der von ihm angekünbigten Antwortnote auf einige dieser wichtigen Momente eingehen, ohne jedoch aus der sich zur Feit empfehlen­den Zurückhaltung herauszutreten. Notwendig erscheint vor allen Dingen eine klare und unzweideutige Erklärung des neuen Außenministers Briand über die Frage der Räumung des Ruhr gebiets. Me stillschweigende Ignorierung der Frage der nörd­lichen Rheinlandzone ist ebenfalls geeignet, den in Deutschland herrschenden Skeptizismus noch zu verstärken. Nach Auffas­sung -der deutschen Regierungskreise weist die französische Re­gierungserklärung außerordentlich starke Lücken auf, die schwer­lich auf dem Verhandlungswege ausgefüllt werden können, wenn nicht von vornherein eine klare und eindeutige Situation geschaf fen wird.

Die Kandidatur Hindenburgs.

Noch einmal, ist Hjn-eubnrg zu alt?

Hindenburg ist 77 ja-hre all!

Kaiser Wilhelm 1. war 73, als er 1870 ins Feld zog. Er war noch mit 90 jähren ein willensstarker -Herrscher, der zum Segen unseres -Vaterlandes die Regierung führte.

Foldmarschall -Graf Moltke war 70 jahre alt, als er dis Schlacht von Sedan gewann. Er blieb bis in das 90. Lebens­jahr Ehef bes Generalstabes der Armee.

Papst Leo 13. war noch mit über 80 jähren ein Kirchen­fürst von größter B-edeutung.

Victor Hugo war 80 jahre alt, als er noch ein großes po­litisches Drama schrieb.

Giolitti der im 80. Lebensjahre steht, ist jetzt noch italieni­scher Staatsmann.

disraeli Lord Beaconsfield war 74, als er aus dem ena- lische-n Ministerium schied. 5

jCorb Gladstone hat mit 84 jähren nochmals die Minister- präsidentschaft übernommen und schied erst mit 90 jähren aus dem englischen Staatsdienst.

Pasitsch, der jetzige serbische Ministerpräsident, ist tatsäch­lich schon 10 jahre -Ministerpräsident und auch über 80 jäh­re alt.

And Elemenceau? War er vielleicht mit 80 jähren ein Sreis. Rein, er war in seinen jähren der energischste Zeihd Deutschlands und die Seele des fränkischen Widerstandswil­lens, als -der Fusammenbruch drohte.

Nicht die Lebensjahre sind für die Leistungen eines Mannes entscheidend, Jobbern seine geistige und körperliche Zrische.

Hindenburg ist geistig und körperlich gesund und frisch. Sr- hat unverändert seinen eigenen starken Willen und wird ihn -einzusetzen verstehen zum Wohle des Volkes.

Die Ansprache Hindenburgs durch den Rundfunk.

Vom Reichsblock wird mitgeteilt, daß die Ansprache bes Generalfeldmarschalls von Hindenburg am Freitag abend durch den Rundfunk um 8 Uhr beginnen und um 8 Uhr 15 Minuten beenbet sein wird. Generalfeldmarschall von Hindenburg spricht von Hannover aus, so daß seine Ansprache in ganz Norddeutsch- lanb, mit Sicherheit wahrscheinlich aber auch im größten Teile vo-n Süddeutschland gehört werden -kann.

Ein schwerer Schlag für das Sdttfrm«.

DieKöln. Volksztg." hatte von einer in Münster beschlos­sen Erklärung berichtet, die von einembedeutenden Kreise ran Angehörigen des Zentrums -ausgehen sollte, und die sich nicht nur gegen die Kandidatur Marx, sondern überhaupt gegen bie Politik der Fentrumspartei ausspricht. Wie es in der Meldung hieß, würden zurzeit Unterschriften für diese Er- klarung noch gesammelt. Dazu machte bie Partei die Mit- teilung, daß die bisher ihr bekannt gewordenen Begleitschrei­ben der Erklärung bie Überschrift bes Freiherrn von Loe-Berg hausen tragen. Das Sentrumsblatt schreibt:Für uns ist der ball bes Herrn Loe damit hinlänglich geklärt. Er ist unter bie Gegner des Zentrums gegangen.

Weitere Demokratenvereinigungen für Hindenburg.

3m Ehiemgau ist Hindenburg der Kandidat aller Parteien, bie sich nicht dem marxistischen Snternationalismus verschrieben -haben. Einen gemeinsamen Aufruf von Aibling aus haben nicht nur die Parteien -und Gruppen des Reichsblocks unter­schrieben, sondem auch die demokratische Vereinigung und der bayerische Bauern- und Mittelstand.