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Hessische Moryenzettuns

Ful-arr Kreisblatt, Anzeiger für Rhön un- B-selsberg, Fulöa- und Haunetal

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Nummer 100. Freitag, den 1. Mai 1925. 2. Fahrgang.

I im im III ----1------------------------------------------------------------------------

Hindenburgs

der Wahl. - Schreiben von Marx an Hindenburg.

totb. Berlin, 30. April, telef. Exzellenz von Hindenburg erklärte in einem heute beim Aeichswahlleichr emgogatngenen Lchrleibeu vom 29. April, daß er bereit sei, die Wahl au?tinef)- men.

wtb. Berlin, 30. April. telef. Reichskanzler a. D. Marx hat von Sigwajriugen aus an Getzeralfeldmarschall von Hinden­burg ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt:Datz deutsche VM hat Exzellenz zum Reichspräsidenten gewählt. Es ent­spricht dem Geiste echter Demokratie, daß nunmehr jeder, der sich zu ihr bekennt, zur Entscheidung der verfassungsmäßigen Mehrheit des Volkes stcht. Darum ist es mir ein Bedürfnis, Exzellenz meinen aufrichtigsten Wunsch und die Hoffnung aus- zusprecheu, daß unter Shrer Präsidentschaft das deutsche Volk seiue innere Ruhe und seineu äußeren Frieden findest möge, wo­nach unser aller Streben geht. Möge es unserestr deutschen Bâe vergönnt sein, auf dem eingeschlagenen Wege der inter­nationalen Verständigung in Stieben und Wohlfahrt recht bald wieder die Stellung in der Welt eirywnehmen, auf die es Dank seiner Zähigkeiten und seiner Leistungen Anspruch hat. Mit der Versicherung meiner besondeiren Hochachtung bin ich Exzellenz ergebener gez. Marx, Reichskanzler a. D.

Löbe war nicht bei Hindenburg.

wtb. Bersin, 30. April. telef. Zu der Meldung eines Ber­liner Blattes, daß Roichstagspräsident Löbe gestern in Hanno­ver gewesen sei, um mit Hindenburg über das Programm der Vereidigung im Reichstage zu sprochchr, wird von zuständiger Seite erklärt, daß diese Reise nicht sialttgefnuden hat. Die er­sten Vereinbarungen über die Zormalitäten der Vereidigung im Reichstag und den Amtsantritt des neuen ^Reichspräsidenten wurden zwischen Luther und Hindenburg getroffen. Nähere Liv zelheiten werdest mit Staatssekretär Meißner vereinbart. Das erste Zusammentreffen des neuen Reichspräsidenten mit dem Aeichstagspräsidenlen wird erst nach dem Lintreffeu Hinden­burgs in Berlin siattsinden. (DieMetdung unter der Rubrik Aus der Lagesgeschichte"; Loebe bei Hindenburg, hebt sich demnach durch obiges Telegramm auf. Die Red.

Sonstige Berichte der Auslands- divlomatie Deutschlands.

Berlin, 30. April. (Eigener Sufojrmationsdienst-Lelogr. Diedeutschen diplomatischen Vertreter im Auslande haben, wie wir soeben erfahren, dem Auswärtigen Amt ausführlich über die Wirkuugou des Wahlsieges des Gen elralfeldmarfchalls von Hindenburg im Ausland berichtet. 3n allen Berichten kommt zum Ausdruck, daß eine grundlegende Aenderung der deutschen Außenpolitck, insbesondere hinsichtlich der Erfüllung des Da­wesabkommens nirgends befürchtet wixd. 2m Hinblick auf diese Tatsache sei von irgendwelcher ernsthaft^ Beunruhigung nichts zu beobachten.

. Die Rede des

Reichskanzler Dr. Luther hat in feiner Rede vor dem Deuffchen 2nduistrie- und Handelstag das Schweigen gebrochen Ibas seit mehr als zwei Monaten auf der ganzen außenpoli­tischen Lage gelastet hatte. Nachdem die diplomatische Er­örterungen der Sicherheits- und Räumungsfrage zum Stillstand gekommen sind, hat die deutsche Regierung den Wunsch, die Diskussion möglichst schnell wieder in Fluß zu bringen, Dr. Luther hat den gegenwärtigen Augenblick wahrgenommon, um im Hinblick auf die Wahl des Generalfeldmarschall Hwdeüburg zum Reichspräsidenten vor aller Welt zu demonstrieren, daß die bisherige Regierungspolitik in Deutschland unverändert fort* geführt werden soll. . Der Kanzler betonte dieses Prinzip in bem Satz:Eine Politik der Klarheit und der Gewißheit muß vom Gesetz der Kontinuität beherrscht sein und kann nicht willkürlich ihre Richtung ändern". Großen Eindruck hat es auf die politischen Kreise gemacht, was der Kanzler über das Räumungsproblem ausgeführt hat. Danach wird die noch im­mer völlig unklare Haltung der alliierten Regierungen hin­sichtlich der Räumung der nördlichen Rheinlandzone von deut­scher Seite nicht nur als ein schweres Unrecht, sondern auch als mn Umstand der höchsten Unsicherheit betrachtet. Wenn der Kanzler nach mehr als drei Monaten des Aufschubs der -Räu­mung der nördlichen Rheinlandzone jetzt eine substantielle Be­gründung für die Nichträumung fordert, so kündigt er damit mnen iplomatischen Schritt an, den die Reichsaregierung inner w der nächsten acht Tage zu unternehmen gedenkt.

Auffallend kurz hat sich der Reichskanzler über die Sicher- Kx I ausgesprochen. Er beschränkte sich darauf, mit Nachdruck zu betonen, daß sich der Standpunkt der Reichsre-

An Erwartung der Ententenote.

Berlin, 30. April. (Eig. Suformationsdienst). Wie wir erfahren, erwartet man im Berüner Auswärtigen Amt bis Mitte nächster Woche die angeküudigte Mitteilung der Bot­schafterkonferenz über die Abrüstustgsfrage. Der deutsche Bot­schafter in Paris, Dr. von Hoesch, hat der Reichsregieruug mit- geteUt, daß die Abrüstungsfrage voraussichtlich noch zu schr leb­haften diplomatischen Erörterungen führen werde. Der franzö­sische Außenminister habe während der Unterredung, die er mit ihm hatte, eingehend über die MLütärkontrollfrage gesprochen.

Das Eicherheitsproblem.

wtb. London, 30. April, telef. Der diplomatische Bericht­erstatter des Dailg Telegraph teilt mit: Der französische Bot­schafter, der gestern die angekündigte Unterredung mit Lham- berlam hatte, habe keinen Entwurf der französischen Antwort auf die deutschen Licherheitsverträge aus Paris mitgebracht. Lbechowenig habe er Lhamberlain irgendeine Andeutung darü­ber gemacht, daß Briand einen baldigen Besuch in London be­absichtige. Sowohl das deutsche Abrüfiungs- als auch das Si- cherheitsproblem würden zurzeit noch nicht als so reif angesehen, daß diese beiden Probleme in einer persönlichen Zusammenkunft der Minister oder in einer Kouferepz geklärt werden könnten. Die Hauptsorge des französischen Kabinetts sei augenblicklich die Zinanzfrage.

England und die Rede Dr. Luthers.

wtd. Loudon, 30. ^rtr. -Mest-AAe Mvrgelwtarier- sentlicheu die gestrige Rede des deutschen Reichskanzlers. Der Berliner Korrespondent derDailg News" hebt hervor, daß in dieser Erklärung durch das Programm des Reichskanzlers Hin deuburgs eigene Politik bekannt gegeben werde. Hindenburgs Zustimmung zu der jetzigen deutschenPolitik stelle einen neuen Triumph für Stresemann dar, gegen den die extremen Natio­nalisten wegn seiner Unentbehrlichkeit besonders erbittert seien.

Der Wortlaut der Kanzlerrede.

3m PlenarsitzungÄsaal des Reichswirtschaftsrates Berlin trat wie bereits in gestriger Nummer derHef. Morgenzeitung" telegraphisch gemeldet, die 55. Vollversammlung des Deutschen 2ndustrie- und Handelstages zusammen.

Reichskanzler Dr. Luther führte folgendes aus:

Der Deutsche öndustrie- und Handelstag verkörpert in sich die gesamten amtlichen Vertretungen -der deutschen Wirtschaft^ soweit sie nicht Landwirtschaft oder Handwerk ist. Gerade an dieser Stelle über die Bedeutung der Wirtschaft für das ge­samte Löben unseres Volkes mich zu äußern und Gedanken, die mir für die weitere wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands

Reichskanzlers.

gierung in dieser Zrage nicht im mindesten geändert habe. Wir glauben zu wissen, daß diese Zurückhaltung des Kanzlers mit ber allgemeinen außenpolitischen Situation in Zusammenhang gebracht werden muß. Nachdem die alliierten Regierungen vor­läufig die Sicherheitsfrage in den Hintergrund gestellt haben, würde es die Lage der deutschen Regierung außerordentlich schwächen, wenn jetzt gerade von deutscher Seite der Versuch gemacht würde, die Diskussion vorzeitig wieder in Gang bringen ?u wollen. Solange die alliierten Regierungen sich noch nicht zu den deutschen Anregungen geäußert haben und ihrerseits auf bem Standpunkt verharren, daß Deutschland seinen Eintritt in den Völkerbund vollziehen müsse, ehe die offiziellen Ver­handlungen über einen Sicherheitspakt beginnen können, muß sich die deutsche Regierung solange abwartend verhalten, bis bie alliierten Regierungen ihren bisherigen Standpunkt geän- bert hüben. Man glaubt daher in den Kreisen des Auswärtigen Zimtes nicht, daß vor ,dem Spätsommer überhaupt ernsthafte Sicherhettsverhandlungen in Zluß gebracht werdcft können. Die Möglichkeit früherer Verhandlungen wäre nur dann gegeben, wenn die englische Diplomatie wieder die 3nbuftrTe ergreifen Unb auf die französische Regierung einen entsprechenden Einfluß ausüben sollte. 3m gegenwärtigen Augenblick ist es von beson- berer Wichtigkeit, darauf hinzuweisen, daß die Erklärungen des Reichskanzlers unmittelbar nach seiner Besprechung mit dem neuen Reich sprgsid enten von Hindenburg abgegeben worden finb. Diese Tatsache läßt darauf schließen, daß der neue Reichs Präsident sich mit den politischen Richtlinien des gegenwärtigen Reichskabinetts vollkommen einverstanden erklärt hat. Es kommt daher den Erklärungen Dr. Luthers dem Auslande gegenüber auch eine gewisse demonstrative Bedeutung bei.

von besonderer Bedeutung zu sein scheinen, Ausdruck zu geben, ist mir sehr erwünscht. Dabei möchte ich von vornherein einem 2rrtum entgegentreten, der sich in manchen Kreisen verbreitet hat, als ob die Wirtschaft nur einen Teil der Kräfte umfasse, die die Werte erzeugen.

Deutschlands Wirtschaft ist für mich die Zusammenfas­sung aller Unternehmer und Arbeiter, die dem deutschen Vol ke die Grundlage seines Lebens verschaffen. Deshalb ist es verkehrt, einen Gegensatz zwischen VÄrtschaft und Sozial- politik zu konstruieren.

Ohne fortgesetzte Entwicklung der sozialen Gedanken ist eine Fortsetzung der Wirtschaft überhaupt nicht möglich. Hier in allen Punkten das Richtige zu treffen, ist sicherlich eine der schwersten Aufgaben.

Die Reichsregierung befindet sich der Wirtschaft gegenüber zurzeit in der Lage, daß sie den einzelnen Wirtschaftlern oft mehr als hemmende und fördernde Kraft erscheint, denn als un­terstützende. Das liege in der Natur der Sache; denn in der Wirtschaft enthalten sich die Kräfte der einzelnen, die die Wirt­schaftsgüter erzeugen, während durch das politische Leben, an dessen Spitze die Reichsregierung steht, die sonstigen Voraus­setzungen des Zusammenlebens der Menschen verwirklicht wer­den. Ohne staatliche Sicherheit und soziale Fürsorge, ohne Kul­turpflege ist ein Zusammenleben der Menschen nicht möglich.

-Er ist nicht zu verkennen, und ich darf dies hier mit Befrie­digung und Dank aussprechen, daß seit den chaotischen Zustän­den der letzten Monate des Sahres 1923 Ungeheures gelei­stet worden ist, daß sich in der gesamten Wirtschaft auf der Grundlage der stabilen Wahrung und der durch das Sachver­ständigengutachten gebotenen Regelung ein wesentlicher Auf­bau vollzogen hat.

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Für die innere Betätigung stehen im Vordergründe die Fra­gen ber Kapitalsbildung der Stärkung des Snuenmarktes und da mit der Stärkung der Konsumkraft aller Schichten der Bevöl­kerung, insbesondere auch der für die 3nbuftrie als Abnehme­rin so wichtigen Landwirtschaft, deren immer stärkere 3nten* sioierung für die deutsche Gesamtwirtschaft ja von größter Be­deutung ist.

Die Wirtschaft muß nach den ungesunden Zeiten der 3nfla* tion den Weg zu einer sparsamen und doch jeden technischen Fortschritt ausnutzenden Führung der Geschäfte zurückfinden, wobei der Grundsatz wieder Geltung gewinnen muß, daß es sich bei den Kalkulationen um Pfennigbeträge handelt. Die Not­wendigkeit, auf die Verbraucher Rücksicht zu nehmen, bedeutet nicht nur Stärkung der Kaufkraft, sondern der Angelpunkt dieser Frage ist die Ermöglichung der Bildung von Sparkapital

Eine weitere große Sorge der Wirtschaft und der Reichs­regierung ist

die Frage der künftigen Gestaltung der Handelsbeziehungen zum Ausland

2m Zusammenhang damit steyt die Zollvorlage, die die Zoll­sätze neu regeln soll, im Mittelpunkt des önteresses. Die Reichs Legierung beabsichtigt, in den nächsten Tagen sich über die end­gültige Gestaltung der Zollvorlage schlüssig zu werden und will ihr möglichstes tun, damit Reichstag und Reichsrat die Zoll- vorlage, nach der unser Writschaftsl. mit Recht so lange schon verlangt, möglichst schnell verabschieden. Dabei wäre ich be* sonders dankbar, wenn all die schwierigen Fragen, die zu re­geln sind, recht nüchtern vom Standpunkt der realen Tatsachen und vom Standpunkt der Belange aller Schichten der Wirt­schaft betrachtet und beurteilt werden. Die Dinge sind so schwie rig, daß nur bei dieser Art der Behandlung einer Lösung* hergekommen werden kann. Weder mit vorgefaßten Meinun­gen, noch ausgehend vom einseitigen 2ntevessenstandpnnkt, weder mit bokrinärer Einstellung, noch mit abstrakten Deduktionen kommen wir hier weiter. Wir müssen'versuchen, einen Mit­telweg zu finden, der einen gesunden Ausgleich aller Ansprüche gewährleistet. Die ist um so notwendiger, als unsere gesamte Außenhandelspolitik beherrscht sein muß von der Notwendig­keit der Erzielung eines Exportüberschusses. Dieser Export­überschuß ist nur zu erreichen durch Stärkung der inländischen Produktion und Erleichterung des Warenaustausches unter den Völkern der Erde.

Nun lassen Sie mich noch ein Wort zur

Währungsfrage

sagen. Gerade in den letzten Tagen sind wiederum Gerüchte verbreitet worden, die das Gespenst einer neuen Inflation an die Wand malen.

Derartige Machenschaften, sei es zu welchem Zweck auch' immer, sind verbrecherisch und für die ganze Nation von unge­heurem Schaden.

Die deutsche WÜHrmig, unsere Reichsmark, ist dank den Maßnahmen der Reichsbank vollkommen gesichert. Die Reichs bank hat es in der Hand, den Wert der Mark stabil zu halten und wird es tun.