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Hessische

Moryenzettung

Mièaer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön und Boselsberg, Ful-a und Haunetal

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Nummer 102.

Sonntag, den 1 Mai 1925.

59. (2.) yahrgans.

BemMendt außerordeMliche MM im Reichstag.

Berlin, 2. Mar. (Sig. Fnformationsdrenst.-Telegr.) Nach- dem die Sentrumsfvaktiom an die Reichsregierung eine Inter­pellation über die außenpolitische Lage gerichtet hat, wird sich, tetr wir hören, Außenminister Dr. Stresemamn bereit erklären, in der kommenden Woche, wahrscheinlich am Donnerstag, den 7. Mai, Erklärungen über die außenpolitische Lage abzugeben. 'Der Minister hatte am Donnerstag eine Unterredung mit dem Reichskanzler Dr. Luther, der zu Zeit wegen der Erkrankung Dr. Stresemanns sich sehr eingehend um den Stand der außen­politischen Situation bekümmert.

Retbunssloses Zusammenarbeiten in der englisch-deutschen Politik.

Berlin, 2. Mai. (Sig. Susormationsdienst.-Eelegr.) Wie wir hören, hat der deutsche Botschafter in London, Dr. Scham er dem Berliner Auswärtigen Amt über die Eindrücke der Wahl Hindenburgs in England berichtet. Danach wäre damit zu rech- üen, daß das außenpolitische Zusammenarbeiten zwischen dem Reiche und der englischen Regierung Valdwiu-Ehamberlain wei terhin reibungslos fortgeführt werden kann. Die englische Ae- 'gierung sehe ihrerseits gar keine Veranlassung, Deutschland ge­genüber wegen der Wahl Hindenburgs irgend welche Konse­quenzen zu ziehen.

WlederannWrung zwischen der deutsch. Bolksvartet und Zentrum.

Berlin, 2. Mai. (Sig. SnformationMenst.-Erlrgr.) Aus parlamentarischen Kr.eisen erfahren wir, daß zwischen der Deut­schen Volkspartei und dem Zentrum eine gewisse Wiederan­näherung erfolgt ist, die dazu geführt hat, daß das Zentrum innerhalb der Reichsregierung mit der Deutschen Volkspartei weiter arbeiten wird und daß wegen der preußischen Aegier- Nugsfrage vorläufig noch unverbindliche Besprechungen ge­führt werden sollen. Das Zentrum ist jedenfalls auf die ver­söhnliche Haltung der volksparteilichen Führer rückhaltlos ein- gegangeu.

Französischer Protest gegen die deutschen Sachlieserungen.

wb. Paris, 2. Mai. telef. Der durch seine Tätigkeit im Sachverständigenausjchuß zur Vorbereitung des Dawesplaues bekannte Vorsitzende der Handelskammer in Lille, Alfred Des- ramps, hat an den Ministerpräsidenten Painleve einen Protest 'gegen das durch die Londoner Konferenz vorgesehene Sachliefer- hngsprogramm gerichtet. Me Handelskammer von Lille sei der Ansicht, daß die vorgesehenen Artikel der Sachlieserungen die deutsche Arbeit begünstigen und es der deutschen Sndustrie er­laube, auf Kosten der französischen Sndustrie zu arbeiten. Wenn die Lieferung von Sndustrieprodukten entwickelt werde, werde zweifelsohne der französische Staat zum Teil entschädigt werden. Aber auf der anderen Seite werde er mit einem Minderertrag än Steuern rechnen müssen, ohne in Betracht zu ziehen, daß die Verlangsammung der industriellen Tätigkeit in Frankreich Ar­beitslosigkeit herbeiführen weirde. Aus diesem Grunde fordere die Handelskammer von Lille, daß die von Deutschland zu for­

Dis Rede des Reichsfinanzministers.

grosse Etatsrede, die Reichsfin anzminister Dr. von Schlieben vor dem Reichstag gehalten hat, und die wie gestern im erHels.-Morgenâg." widergaben, hat in den politischen Kreisen das denkbar größte Auffehen hervorgerufen. Man ist außeiordentlich enttäuscht über die mangelhaften Ergebnisse der bisherigen Steuerpolitik, die vielleicht gerade wegen ihrer bru­talen Harten, mit der sie auf das wirtschaftliche Leben drückte keineswegs so ertragreich war, wie vielfach angenommen wor- den ist. Man fragt sich, ob es den >v.atsachen entspricht, daß für das Fahr 1925 sogar noch ein Fehlbetrag von 300 Millionen Mark ergeben werde. Dies würde außerordentlich schlechte Aussichten für die nächsten Sabre eröffnen; denn mit I ^wve 1926 beginnen die Barzahlungen aus dein Dawes- Mn, die bereits im Fahre 1928 die Höhe von 1,23 Milliarden 'Erreichen, ön den parlamentarischen Kreisen ist man utzerordentlich beunruhigt über den vom Reichsfinanzminister

Reichsfinanzen. Man fordert daher den

<Or' ?W ^"^' ^'rh mit seiner ganzen Persöii- 'toeite^ der Bedarf des Reiches noch ran denken wollet Regierung könne nicht da- ^ erklärt man, nach den jetzigen Steuer-

dernden Fudustrieprodukte kontingentiert werden und daß Be­stellungen in Deutschland nur nach vorhergegangener Verstän­digung mit den interessierten Wirtschaftsverbänden in Frank­reich erfolgen.

Freie Fahrt für die Angehörigen der Verunglückten im polnischen Korridor.

wtb. Berlin, 2. Mai. telef. Wie den Blättern mitgeleilt wird, gewährt die Reichsbahn den Angehörigen der im polnischen Korridor verunglückten Personen freie Fahrt zur Unfallstelle nach gehöriger Legitimation. (Siehe auch den ArtikelDas Eisenbahnunglück im polnischen Korridor. Me Red).

Opfer des Meeres.

rob. Halifax, 2. Mai. telef. 3n den letzten achtzehn Stun­den hat der auf dem Atlantischen Ozean herrschende Sturm be­trächtliche Menschenopfer gefordert. 3n Höhe der Küste von Reu-Schottland sind eine Reihe von Schiffen gesunken oder auf Grund geraten. Notsignale, die in der letzten Nacht an ver­schiedenen Punkten der Küste aufgefangen wurden, stammen von dem DampferElackmann", der heute vormittag in den Hafen eingelaufen ist, und der berichtete, daß er mit dem Schooner Lad d'Or" zusammengestoßen sei. Die Frau des Kapitäns und vier Mann der Besatzung desLap d'Or" find bei dem Zu­sammenstoß ertrunken.

__Sie MlMtMN.

Ruhiger Verlauf im Reich und im Ausland.

Esten, L Mai. (Ruhrgebiet.) Die Arbeiterschaft des Ruhrbergbaus hat verhältnismäßig wenig an der Maifeier teil genommen. Nur in den östlichen und -nördlichen Randgebieten wie am linken Niederrheinnfer war die Beteiligung etwas stärker. 3m Bergrevier Hamm feierten 63,45 Prozent der Gesamtbelegschaft, im Revier Lünen 31 Prozent, in Dortmund 1 51, Dortmund 2 26, im Duisburger Revier 22, im Krefelder 26 Prozent. 3n den drei Bergbaurevieren des Bezirks Essen betrug die Beteiligung noch nicht 18 Prozent. Fn den übrigen Revieren ist die Belegschaft nur mit den sonst üblichen Aus­fällen an Kranken usw. eingefahren. Die -Gesamtbeteiligung an der Maifeier betrug im Ruhrbergbau heute 13,92 Prozent gegenüber 27,84 Prozent im vorigen Fähre.

Darmstadt, 1. Mai. Wessen.) Der 1. Mai wurde hier mit Arbeitsruhe in den meisten Betrieben gefeiert. Um 10 Ubr fand ein Demonstrationszug der Sozialdemokratischen Partei Und der Gewerkschaften statt, an dem sich schätzungsweise 1OOOO Personen beteiligten. Auf dem Marktplatz sprach Landtags- abgeordneter Leuschner. 3u Störungen oder sonstigen Zwi­schenfällen ist es nicht gekommen.

Zürich, 1. Mai. (Schweiz.) Der 1. Mai wurde in der gesamten Schweiz ohne Zwischenfälle gefeiert, ön den großen Städten fanden Umzüge statt, an denen sich Tausende von Ar­beitern beteiligten. Bemerkenswert ist, daß in diesem Fahre zum ersten Mal der Nachmittag für die Schulen schulfrei er­klärt wurde.

Wien, 1. Mai. (Oesterreich.) Vom Wetter begünstigt verlief nach den bis zum Abend vorliegenden Meldungen die Maifeier in ganz Oesterreich ohne nennenswerten Zwischenfall.

forderungen vielleicht schon im nächsten Fahre abermals mit einem Steuerprogramm hervorzutreten. Weder die deutsche Wirtschaft noch das deutsche Volk halte eine derartige steuer­liche Ueberiastung aus. Die Wirtschaft sei im wahren Sinne des Wortes durch die bisherigen Steuerlasten ausgepumpt, und noch schlimmer ergehe es dem kleineren Besitz und den Ge­werbetreibenden.

Allerdings wird hervor gehoben, daß der Bericht des ReichsfinanzminiDers absichtlich etwa zu schwarz gefärbt sei. Die Reichsregierung habe aber das größte önterejfe daran, daß sich die Parteien über die Finanzlage dos Reiches keiner Täuschung hingäben. Man habe vielfach, und dies sei nament­lich bei den Ländern der Fall, einen Optimismus beobachtet, der 'm keiner Weise berechtigt sei. Wenn man eine ernste finanzielle Krise verhüten wolle, so werde es unbedingt notwendig sein, den Etat so unverändert zu verabschieden, wie ihn die Re­gierung aufgestellt habe, nüd auch den Finanzausgleich mit den Ländern jetzt zu verabschieden, ohne daß Aussicht bestände, daß später die Länder mit irgendwelchen Nachforderungen kommen könnten.

Warschau, 1. Mai. (Warschau.) Der heutige L Mai brachte wieder einige Zusammenstöße mit Kommunisten, die den Umzug der Sozialisten stören wollten. Doch unterblieben die sonst üblichen heftigen Kämpfe mit dem Gebrauch von Schuß­waffen.

Paris, 1. Mai. (Frankreich.) Der 1. Mai ist in Paris und, soweit darüber bereits Meldungen vorliegen, auch in der französischen Provinz ruhig und ohne nennenswerte Zwischen­fälle verlaufen. Oeffentliche Umzüge waren aus Anlaß des blutigen Zusammenstoßes, zu den es in der vergangenen Woche zwischen kommunistischen und nationaiistischen Verbänden ge­kommen war, untersagt worden, und ein Massenaufgebot von Polizei und Republikanischer Garde sorgte für die strikte Sune Haltung der erlaßenen Vorschriften. Am Nachmittag fanden zahlreiche von den Gewerkschaften einberufene Versammlung statt. Die Arbeitsruhe hielt sich in sehr mäßigen Grenzen. Insbesondere in den öffentlichen Betrieben war die Beteiligung an der Maifeier sehr gering, lediglich die Chauffeure der Taxi- autos hatten die Arbeit niedergelegt. Dagegen war der Tram­bahn, Autoomnibus- und Untergrundbahnvebkehr normal. Ein -großer Teil der industriellen Werke hatte um Zwischenfälle zu verhindern, ähnlich wie in früheren Fahren die Betriebe ge­schlossen.

Brüsiel, 1. Mai. (Belgien.) ön allen größeren Städten wurde der 1. Mai von den Arbeitern trotz Sturm und Regen durch Umzüge gefeiert. Bisher sind keinerlei Zwischenfälle be­kannt geworden.

Mcüland, 1. Mai. (Stalien.) Der 1. Mai ist in italien ruhig verlaufen. Ernste Zwischenfälle werden nicht gemeldet. Die überwiegende Mehrheit der Arbeiterschaft hat sich wie gewohnt in die Betriebe begeben, ön den Ziatwerken von -Tuâ-beschräâe-sich-die Bobeitsenthaltnng auf etwa 25 Pro­zent der Arbeiterschaft. Sn Rom und Mailand waren alle Geschäfte geöffnet und alle Fabriken in Betrieb. Der Straßen bahn- und Autoverkehr erfuhr nicht die geringste Einschrän­kung. Die Beihörden sorgten für einen umfassenden Ordnungs­dienst. ön Triest hat dagegen die Mehrheit der Werftarbeiter den 1. Mai durch Arbeitsruhe gefeiert. Auch in Neapel feierte eine kleine Minderheit.

London, 1. Mai. (London.) Der traditonelle Umzug vom 1. Mai fand heute in größter Ruhe statt. Er bewegte sich in der Richtung nach dem Hgde-Park, woran sich etwa 10 000 Personen beteiligten. Zahlreiche Kinder wurden mitgeführt, zum Teil sogar im Kinderwagen. Die Manifestanten trugen 500 rote Fahnen und sozialistische Fnschriften sowie die Bil­der von Karl Marx un!d Lenin mit sich. Es wurden zahl­reiche Reden gehalten, auch deutsche, französische und belgische Redner ergriffen das Wort. Es ist nirgends zu Zwischenfällen gekommen.

Tokio, 1. Mai. (Japan.) Die Demonstration der japa­nischen Arbeiter am 1. Mai verliefen ohne Zwischenfall. Es beteiligten sich in Tokio 30 000, in Osaka 20 000 Werktätige.

Das Eisenbahnunglück im volnischen Korridor.

Die Eisenbahnkatastrophe, die sich im polnischen Korridor abgespielt hat, findet in Berlin nicht nur die menschliche Anteil­nahme an dem furchtbaren Schicksal der Verunglückten, sondern sie^ hat auch in den politischen Kreisen die größte Aufmerksam­keit hervorgerufen. Man ist der Ueberzeugung, daß dieser Vorfall auch politWe Folgen wird nach sich ziehen müssen. Gerade der polnische Korridor, der deutsches Gebiet von ei­nander trennt und den Verkehrsweg an der deutschen Ostgrenze jählings unterbricht; stellt eines der Probleme dar, die die deut­sche Regierung 'bei der Regelung der Sicherheilsfrage in den Vordergrund gestellt hat. Deutfchland hat auf den polnischen Korridor niemals offiziell verzichtet und denkt auch nicht daran, freiwillig darauf Verzicht zu leisten. Vielmehr fordert die deutsche Regierung mit ernstem Nachdruck die Berichtigung der Ostgrenze und sie verlangt in erster Linie die Beseitigung des Wahnsinns mit dem polnischen Korridor, der nur den einzigen Öweck hat, den deutschen Verkehr im Osten systematisch zu un­terbrechen, und ihn einer polnischen Kontrolle zu unterziehen Es bedarf gar keiner Erwähnung, daß das Unglück nur durch 'bte Tatsache der Auseinanderreißung des deutschen Zugverkehrs 'im polnischen Korridor entstehen konnte. Man weiß, wie schwer es ist, im internationalen Verkehrsleben die Verbindungen aufrecht zu erhalten und Störungen zu verhüten. Wenn aber, wie dies im polnischen Korridor der Fall ist, sogar grundver­schiedenes Eisenbahnmaterial zusammenseworfen werden muß, um einen Verkehr notdürftig aufrecht zu erhalten, so ist dies ein ganz unhaltbarer Zustand.

Die polnische Regierung -hat sich nicht beeilt, alle Fragen des Unglücks aufzuklären. Von Danzig aus gab die polnische Staatsbahndirektion eine Mitteilung aus, wonach ein verbre-