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Hessische

Morsenzeitung

Aul-aer Kressblatt, Anzeiger für Rhön und Vogels-erg, Fulda- und Haunetal

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»Ammer 115. Dienstag, den 19. Mai 1925. 59. (2.) Jahrgang.

Sie Noten der Botschafterkonferenz

die Entwaffnungsfrage Ende dieser Woche in Aussicht.

Berlin, 18. Mai. (Sig. Sirformatiousdienst.-Lelegr.) Wie wir hören, rechnet man in den Kreisen der Reichsrogierung trotz der widersprechenden Meldungen ans London und aus Paris noch immer damit, daß die Mitteilungen der Botschaslerlcon- ferenz über die Entwaffnungsfrage spätestens bis Ende dieser Woche in Berlin überreicht sein werden. Nach den neuesten in Berlin vorliegenden Nachrichten hat es im übrigen den Anschein als habe sich der englische Standpunkt durchgesetzt, wonach der Weg der Verhandlungslungsmöglichkoiteu mit Deutschland un­ter allen Umständenoffen gehalten werden müsse. Sobald die Mitteilungen der Botschafter-Konferenz in Berlin vorüegen wer­den, beabsichtigt Reichskanzler Dr. Luther auf inoffiziellem We ge den Verhandlungswillen Deutschlands nochmals zu betonen.

Die deutsche Sstgrenzenfrage.

wtb. Berlin, 18. Mai, telef. Ausländische Zeitungen brin­gen Mitteilungen, wonach die deutsche Regierung kürzlich den alliirten Rogieruttg zu verstehen gegeben haben soll, daß sie im Rahmen der Sichert) eitsverhandlungen zu einer Garantierung der deutschen Ostgrenzen bereit sei, falls dabei der Anschluß Oe­sterreichs an Deutschland zugelassen werde.

Das WEB. erfährt hierzu von zuständiger Stelle, daß diese Meldungen völlig aus der Luft gegriffen sind. Es ist höchst auf­fallend, daß sich gewiße ausländische Zeitungen immer wieder in Kombinationen ergehen, die sich lauf eine Aenderung und Erwei­terung der deutschen Anregungen in der Licherheitsfrage beste­hen. Seit langem hat nicht die deutsche Regierung, Sondern haben die allüerten Regierungen das Wort. Meldungen der dc^^neten Art liegt allem Anschein nach nichts anderes zu­grunde, als die Absicht den deutschen Standpunkt zu fosr-Lch- tigeu und Verwirrung in den Gang der Verhandlungen zu bringen.

Kinbenburgs Teilnahme an der Rheinlandfeter.

Berlin, 18. Mai. (Sig. Snformationsdienst.-Eelegr.) Von zuständiger Stelle erfahren wir, daß für die geplante Reise des Reichspräfidenten von Hindenburg nach Düsseldorf, die für den 18. 2 uni vorgesehen ist, sehr -eingehende Vorbereitungen getrof­fen werden. Der Reichspräsident beabsichtigt, etwa eine Woche im Rheinland zu bleiben. St wird möglicherweise auch noch an­dere rheinische Städte besuchen.

Das Problem der deutschen Schutzpolizei.

Berlin, 18. Mai. (Sig. Snformationsdienst.-Eelegr.) Bei der Behandlung der neuerlichen Lntwaffnungsforderungen der AMerten spielt die deutsche Schutzpolizei eine wesentliche Rolle. Mr wir von unterrichteter Seite erfahren, wollen die citierten Regierungen trotz der bei früheren Gelegenheiten vorgebrachten

deutschen Einwendungen auf ihen Forderungen bestehen, die deut sche Schutzpolizei zu reorganisieren. Dadurch wird die Lage der deutschen Regierung außerordentlich erschwert; denn man äst deutscherseits hinsichtlich der Organisation der Schutzpolizei bis an die Grenze des Möglichen gegangen. Weitere Um Organisa­tionen erscheinen ganz undenklich, nachdem die Polizei ausschließ lich den Landesregierungen unterstellt ist. Die einzelnen Lan­desregierungen sind jedoch ihrerseits garnicht in der Lage, die Mittel für die ungeheuren Kosten aufzubringen, welche die Auf­lösung des bisherigen Polizeisgstems erfordern wurde.

44 Tote, und 25 Schwerverletzte auf Zeche Dorstfeld.

wtb. Berlin, 18. Mai. telef. Das Grubensicherheitsamt im Handelsministeriwm teilt dem Amtlichen Preußischen Presie- dienst über das Zechenunglück von Dorstfeld weiter folgendes mit:Die Zahl der Toten beträgt 44 wovon 43 geborgen sind, die Zahl der Verletzten ist 25, davon drei schwer und 22 leicht verletzt. Der Ausgangspunkt der Explosion liegt mit größter Wahrscheinlichkeit im Sprengstoffmagaziu, wo rund 1080 kg. Sprengstoff lagerten. Die Explosion betraf dann die in der Nä­he gelegenen Strecken, ferner hauptsächlich die ersten Steigab- teilungen, wo die Fortpflanzung der Explosion durch Gesteiu- staubstreuuug auf gehalten wurde. Der Unfallausfchuß und die Grubensichehreilskommissios sind heute morgen mit Vertretern der Behörden eingefahrev. Die Untersuchung ist im Gauge und erstreckt sich hauptsächlich auf die Ursache der Entzündung der Sprengstoffe im Sprengstofflager. Der Leiter des Grubensi- cherheitsamtes ist am Sonntag an die Uugliicksstelle abgereist, der Oberberghauptmann reift heute ab. Die Beerdigung der Opfer findet wahrscheinlich am Mittwoch statt.

Zwischenfall beim Roten Sronfkämpfertag in Mannheim.

wtb. Manicheim, 18. Mai. telef. Trotz des Verbotes der Aheinlawdkommiffion, einen Umzug zu veranstalten, marschierten in den gestrigen Aachmittagsstunden etwa 500 Personen des Roten Frontkämpferbundes von Mannheim nach Ludwigshafen um sich in geschlossenem Zuge nach der im Stadtpark stattfinden­den genehmigten Versammlung zu begeben. Polizeibeamte for derten die Auflösung des Zuges, der jedoch nicht Folge geleistet wurde. 2m Verlaufe der Verhandlungen wurden die Poli­zeibeamte seitens der Zugteilnehmer sowohl mit Zahneustaugen als auch mit anderen Waffen angegriffen. Hierbei wurde ein Polizerbeamter vorletzt. Erst der inzwischen herbeigeeilten Ver stärkung gelang es, den Zug zu zerstreuen.

AuAnvoWche Krise?

Von unserem Berliner Mitarbeiter wird uns vom 17. Mai geschrieben:

Die Gerüchte über angebliche Rücktrittsabsichten des eng­lischen Außenministers Ehamberlai-n haben in den Berliner Regierungskreisen außerordentlich großes Aufsehen hervorge- rufen. Trotzdem man -aus den Mitteilungen der englischen Re gierung entnehmen kann, daß es sich hierbei zunächst nur um bloße Gerüchte handelt, legt man diesen Verlautbarungen die denkbar größte Bedeutung bei. Seit zwei -Tagen weiß man, daß zwischen England und -Frankreich -neue Meinungsverschiedenhei­ten auf getreten sind, die auf die bevorstehenden Entscheidungen in der Entwaffnungsfrage von -größter Wirkung sein werden. Wenn nämlich -die -französische Regierung darauf bestehen sollte, die Räumung der nördlichen Rheinlandzone bis zu der Erfül­lung der an Deutschland zu stellenden Forderungen aufzuschi-e-ben, so ist es sehr wahrscheinlich, daß die englische Regierung die ganze Entwaffnungsfrage nochmals aufrollen wird. Die Mei- n-u-ngsverschiedenheiten die noch Mischen Paris und London be­stehen, -beziehn sich nach -den vorliegenden Meldungen hauptsäch­lich auf die Form der Deutschland auszuerlegenden Bedingungen. Die -englische Regierung wünscht nämlich, daß die von franzö­sischer Seite vorgeschlagenen Forderungen erheblich revidiert werden. Auf der anderen Seite verschärft sich die Haltung der französischen Regierung von Tag zu -Tag. Frankreich soll sogar neuerdings entschlossen sein, die deutschen Sicherheitsvor­schläge dilatorisch zu behandeln und sich nicht eher auf Ver­handlungen ein zulassen, als bis England Frankreich gegenüber in der Entwaffnungs- und Räumungsfrage völlig nachgegeben hat. Von halbamtlicher französischer Seite wird weiter gemel­det, daß der französische Antwortentwurf auf die deutschen Si­che rheitsvorschläge, der sämtlichen alliierten Regierungen zur Begutachtung zugegangen ist, eine sehr erschöpfende Behand­lung des -Sichebheitsproblems enthalte. 2n Berlin vermutet man, daß die französische Antwort durch die -Verhandlungen mit Polen und der -Tschechoslowakei über die Frage der Ostgren­zen außerordentlich stark beeinflußt worden ist. Man nimmt auch an, daß die Botschafterkonferenz nicht allein wegen -der Meinungsoerschied-enheiten in der Entwaffnungsfrage, sondern auch wegen anderer schwerwiegender Gegensätze zwischen Eng­land und Frankreich vertagt werden mußte. 2nsbesondere han­delt es sich dabei um den von England eingenommenen Stand­punkt, daß es sich nur um einen Fünf-Mächtopakt handeln Kön ne, nicht aber um eine gleichzeitige Einbeziehung der Oststaaten. Die englische Regierung hat bisher den Standpunkt Deutsch­lands geteilt, wo-nach über den Osten -gesondert Verhandlungen geführt werben müßten und die deutsche Regierung gezwunge- sei, eine vorherige Revision der Ostgrenzen zu verlangen.

2n den Kreisen des Auswärtigen -Amtes beurteilt man die Lage gegenwärtig ernster als zuvor. Wenn die Gerüchte über emen bevorstehenden, Rücktritt des englischen Außenministers Ehamberlein richtig sein sollten, so würde -dadurch eine weitere erhebliche Verzögerung der außenpolitischen Entscheidungen ein- treten. , Man könnte überhaupt nicht absehn, wann es zu einer Bereinigung des gegenwärtigen Konflikts kommen wird. 2m übrigen nimmt man aber, in Berlin an, daß Ehamberlain -blei­ben wird und durch seine ^Rücktrittsdrohungen -lediglich den Oweck verfolgt, sowohl auf Frankreich als auch auf einen Teil her öffentlichen Meinung Englands einen Druck auszuüben.

Vor wichtigen

Der Reichstag wird vor Pfingsten nicht nur ein umfangrei­ches Arbeitsprogramm zu erledigen -haben, sondern auch in erster Linie in wichtige politische Erörterungen eintreten, von deren Ergebnis für -die Regierung Luther sehr viel abhängen wird.Die seit Beendigung der Reichspräsidentenwahl ge­festigte Position des R-eichskabiuetts soll jetzt so konsolidiert werden, daß nicht nur die dringenden außenpolitischen Aufgaben, sondern auch die Durchführung des wirtsch-aftspolitisch-e-n Pro­gramms ohne Zwischenfälle vor sich gehen kann. Der Versuch er Deutschen Volksparte!, das Zentrum und die Demokraten ur ne Regierung Luther zu gewinnen, ist zwar nicht ganz ge- ungen, aber es steht schon jetzt fest, daß die zu lösenden innen- und außenpolitischen Probleme weder an der Haltung des Zen­trums noch an der der Demokraten scheitern werden.

Mit großer Spannung erwartet man, wie sich die Deutsch- nationalen bei der bevorstehenden großen außenpolitischen Aus­sprache verhalten werden. Die deutschnation-alen Führer ge­ben aber schon jetzt zu erkennen, daß sie die Haltung der Reichs ugierung im -allgemeinen billigen und daß ihre durchaus not- / wendige Kritik keinesfalls den Ekarakter einer Opposition ge­gen bie Außenpolitik des Kabinetts Luther an-nehmen werde.

deutsch nationalen Kreisen spricht man die Erwartung aus, daß man deutscherseits jetzt gegenüber der alliierten V-erzöger- un-gspol-M hinsichtlich her Räumung der nördlichen Rheiuland- ro-ne eine energische Frontstellung einnehmen müsse. Man mer- / Reichsregierung ausfordern, in der nachdrücklichsten Wei- oorzug-ehen, um den alliierten Regierungen den Ernst der Lage

zu machen. Die optimistischen A-uffassu-ng-eu, -die noch im-

Entscheidungen.

m-er im Auswärtigen Amte über die außenpolitische Situation vorherrschen, könne man im deutschnationalen Lager durchaus nicht teilen.

2n zwischen gehen die Bemühungen, die -Demokraten zur Unterstützung des Aufw-ertungskompromisses -der Regierungs­parteien zu gewinnen, noch weiter. Da ein Seil der Deutsch- nationalen den Kompromiß nicht.annehmen zu können glaubt, ist es zur Zeit -noch s-chr fraglich, ob eine Mehrheit für -den neuen Entwurf zu -erzielen sein wird, wenn die Demokraten dagegen stimmen -sollten. Auffallenderweise haben sich die de­mokratischen Führer bis jetzt noch nicht bereit erklärt, an den gemeinsamen Verhandlungen über den neuen Aufwertungsent- w-urf teilzunehm-en, sodaß die Gefahr besteht, daß der Entwurf noch langwierigen Verhandlungen im Ausschuß unterworfen sein wird.

Die Mitteilung der Reichsregierung, wonach die Zollvor­lage noch nicht -endgültig fertiggestellt sei und noch immer ab­schließende Beratungen stattfinden, findet in den parlamentari- fcben Kreisen wenig Glauben. Man ist vielmehr der Ueber­zeugung, daß die kleine Zollvorlage bereits längstsristig vorliegt und daß die Regierung erst d-ieparlame-ntarische Lage sondieren will, ehe sie mit ihren Zollgesetzen -hervortreteu will. 2-n den Kreisen des Zentrums und der Deutschen Volkspartei ist man der Auffassung, daß die Zollvorla-ge abermals vertagt werden muß, wenn sich herausstellen -sollte, daß die Opposition zu stark ist, um eine glatte Annahme zu ermöglichen. Trotzdem werde bie Regierung an ihrem Projekt festhalten und darauf bestehen, daß die Vorlage noch vor der neuen Ernte angenommen wird.

Zur Eröffnung der Sahrtaufenbausstellung in Köln.

- ^^ baden bereits in den vorgehenden Nummern über die ^ahrtausendfeier des Rheinländer berichtet, (fi^e auch heuti­ge Beilage). Heute bringen wir die Reden in ausführlicher Wiedergabe.

...' 1E Mai. Ein Sommerfest von seltener Pracht -ist über dem Heiligen Köln aufgegangen, von dessen Türmen und Hausern die Sahnen -lustig im Winde flattern. Eine fast un­übersehbare Menschenmenge wälzt sich über die Rheinbrücke nach Lem Meinpfad, wo heute in der großen Halle die Aus- telhing der Rheinlande feierlichst eröffnet wird. Bis auf den -letz ten Platz ist die Halle gefüllt und überfüllt, als die Gäste, ha- i unter die Vertreter der Reichsregierung und der preußischen ötaatsregierung, der Regierungen von Bagern, Baden isw emtreffeu Richard Strauß fesselndes Präludium, vom städfi- schen Orchester unter Abendrots Leitung meisterhaft voraetra- h. - Aden a ue r das Wort zu seiner Begrüßungsrede, in der ^' âusfuhrte Strom auf, Strom ab, in den Städten und

m ^ ^blen Waldgebieten, im brausenden Lärm der V' .. II lieblichen Seitentälern unseres Stromes, überall 2ahrtausendf-eierl Nur wer die Stürme miterlebt hat, eie in een letzten 2aHrsg über das rheinische Land dahingegan- gen Ihr, nur wer gefühlt hat, wie die Erde untr uns, unsere Heimaterde, bebte, und der -empfunden hat, was es heißt, um Heimat, Volkstum und Vaterland zittern zu müssen, nur der kann ganz ermessen und verstehen, was die Sahrtausendjahr­feier uns Rheinländern ist, wie sie uns aus dem innersten -dem tiefsten Herzen, kommt. Diese Feier seelischer Vertiefung und