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Hessische Morgenzeitung

Fuldaer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön und Vogelsberg, Fulda- und Haunetal

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Mimet 117. Sonaerstag, den 21. Mai ISA. Zs. (2.) Zahrgang.

LdamberlM bevorMende SMunmahme zur Stresemam-Rede.

Berlin, 20. Alai. (©g. 2nformationsdie«st.-lLekLgr.) Wie wir aus Kreisen des Auswärtige» Amtes erfahren, erwartet man m Berlin, daß der englische Außenminister iLhamberlain in den nächsten Lagen eine Rede halten wird, die eine Stellung­nahme zu den Erklärungen des deutschen Außenministers Dr. Stresemann enthalte« soll. Dagegen ist es sehr unsicher, ob der französische Außenminister Briand auf die Rede Stresemanns ?u antworten gedenkt. Die französische Regierung behält sich nach wie vor sehr zurückhaltend, nachdem sie bereits in der Li- cherheitsjrage eine Antwortnote auf das deutsche Memorandum ausgearbeitet hat.

Der sozialdemokratische Mißtrauens- antrag abgelehnt.

wtb. Berlin, 20. Mai. telef. Der sozialdemokratische Miß- trauensantrag gegen das Kabinett Lucher wurde im Reichstage heute mit 214 gegen 129 Stimmen, bei 25 Stimmenthaltungen, abgelehnt

Seßler über die Abrüstung Deutschlands.

Berlin, 20. Mar. (Lig. Snformatiousdienst.-Lelegr. Wie wir erfahren, wird Reichswchrminister Dr. Geßler bei der dem­nächst stattfindenden Beratung des Reichswehr-Etats im Reichs tag eine große Rede halten in der er auf den Stand der Entwaff »nug Deutschlands eingehen wird. Die in Aussicht genommenen Ltklärungen des Sümijters werden insofern von großer Bedeu­tung sein, als beabsichtigt ist, auf die Beschuldigungen einzuge­hen, wonach Deutschland geheime Rüstungen inszeniert habe. Da die Linke zum Reichswehr-Etat ebenfalls Erklärungen abgebe« will, wird es zu einer Auseinandersetzung kommen, deren Ber­kaus für die bevorstehenden außenpolitischen Verhandlungen von Wichtigkeit sein wird.

Verschärfung der schwierigen wirtchaftlichen Lage SeutWands.

Berlin, 20. Mai. (©g. Snformationsdienst.-Lelegr.) Die Absatzkrise in der deutschen Wirtschaft wird sich nach Auffas­sung maßgebender industrieller Kreise in den nächsten Monaten voraussichtlich noch weiter verschärfen. Da auch die Kredit­schwierigkeiten eine erhebliche Erschwerung der wirtschaftlichen

Sie Bedeutung der außenpolitischen Debatte.

Die große außenpolitische Rede, die Minister Dr. Strese­mann im Reichstag gehalten hat und die sich daran anschließen­den Erörterungen der politischen Parteien bilden den Auftakt zu ben bevorstehenden außenpolitischen Verhandlungen. Die Bedeutung der Erklärungen Dr. Stresemanns darf daher kei­neswegs unterschätzt werden. Wenn in der deutschen Oeffent- lichkeit der Eindruck entstanden ist, als habe der Minister wenig Neues gesagt, so ist dies auf eine ganz irrtümliche Beurteilung der Situation zurückzuführen. Es konnte nicht die Aufgabe des Ministers sein, völlig neue Gesichtspunkte in die Debatte zu werfen, nachdem die außenpolitische Lage nunmehr schon seit Monaten festgefahren ist. Auf Grund der -tatsächlichen Infor­mationen, die bei der Reichsregierung vorliegen, kann sogar festgestellt werden, daß ein ernster Rückschlag eingetreten ist, den man nur auf die Weise beseitigen kann, daß die deutsche lRe- gierung in ihren diplomatischen Aktionen und in 'ihren offiziellen Darlegungen genau an den Punkt anknüpft, wo der Faden

Fu sion mit den alliierten Regierungen abgerissen war. er Mmister hat ein sehr sorgfältig ausgeatbeitetes Expose vorge ragen, für das selbstverständlich das ganze Reichskabinett

'^^^"'ortunig trägt. Er hat darüber hinaus den denkbar groß en Wert darauf gelegt, bei der Formulierung des deutschen Standpunktes zede mißverständliche Deutung auszuschließen. Der rjolg dieser Diplomatie dürfte zweifellos darin bestehen, daß W Herbeiführung neuer Verhandlungen keine langwierigen x^?^u^rfttzungen erforderlich sein werden. Die deutsche

Ä dem Standpunkt aus, daß zur Herbeiführung ei- eine Zustandes der Verständigung, und Entspannung

'der elementarsten Lebensrechte Deutsch- Außenm' nötig ist. Wie notwendig es war, daß der sesenwärtigen Augenblick auf dieses Moment 'aus ^r Tatsache hervor, daß von MfnimosfJ schwerwiegende Forderungen in der Ent- wird sich morden sind. Die Reichsregierung aus der alarmierenden Ankündigungen absolut nicht sonders nachdru^?^. Minister Dr. Stresemann hat be- } âltch darauf hingewil^en, daß sich die deutsche

Lage darstellen, haben sich führende WirtschaftÄcrerse au die Reichsregierung gewandt, tim über wirklich wirksame Maßnah­men zur Unterstützung der indnstriellen Wirtschaftsnnterneh- mungen zu beraten. Wie wir hören, hat der Reichswirtschafts- millister zugesagt, in einer der nächsten Kabinettssitznug eine sorgfältige Prüfung der wirtschaftlichen Lage durch die Reichs- regierung anzuregen.

Das Zentrum u. die Regierung Luther.

Berlin, 20. Mai. (©g. Snformationsdienst.-Lelogr.) Aus parlamentarischen Kreisen erfahren wir, daß die Reichstagsfrak- tion des Zentrums nicht beabsichtigt, ihre Beziehungen zur Re­gierung Lucher einer Revision zu unterziehen, solange die Rechts Parteien nicht in Preußen eine Lösung der Aegierungsfrage er­möglicht haben. Da die Deutsche Volkspartei dem Zentrum offiziell angeboten hat, in der Reichsregierung ein weiteres Mi­nisterium mit einem seiner Vertrauensleute zu besetzen, will das Zentrum gegebenenfalls neue Verhandlungen mit der Deutschen Volkspartei führen, ohne sich aber vorher zu binden. Der rech­te Zeutrumsflügel sicht schon seit mchr als acht Lagen in stän­diger Fühlung mit der Volkspartei und den Deutschuatioualen.

Jie Abrüstungsnote an Jeutschland.

wtb. London, 20. Mai. telef.Reuter" erfährt, daß die Berichte über ernstliche sachliche Schwierigkeiten zwischen Frank reich a. Großbritannica klüglich der Abrüstuugsuote au Deutsch land unrichtig sei, die Angelegenheit werde vielmehr hauptsäch­lich wegen der Art des Verfahrens etwas verzögert. Eine Ab­schrift der Rote ist a« die Reparations-Kommission gesandt. Eine irgendwelche etwa eintretewde weitere Verzögerung köuue nur durch die Feststellung des Wortlauts der Rote verursacht werden.

Aus dem Wrtetaussümß der Sozialdemokratie.

wtb. Berlin, 20. Mai. telef. Der sozialdemokratische Par- teiausschuß hat, lt.Vorwärts" heute vormittag eine Entschließ uug angenommen, in der die sozialdemokratische Partei der klei­nen Zolltarifvorlage der Reichsregierung schärfsten Kampf an­sagt, da die Zölle der Mehrheit des Vockes, bestehend aus Lohn- und Gehaltsempfängern größte« Schaden brächte. Der

Regierung absolut nicht in einer Zwangslage befindet, und daß sie sich chre volle Handlungsfreiheit bewahren wird. Deutsch­land war von vornherein bereit, auf dem Wege sachlicher Aus­einandersetzungen alle Konfliktstoffe in der Entwaffnungsfrage aus der Welt zu schaffen. An dieser Bereitschaft -des deutschen Kabinetts hat sich inzwischen nichts geändert. Wenn jetzt eine Verschärfung der Lage eintritt, so wird man deutscherseits die Verantwortung hierfür den alliierten Regierungen zuschveiben können, die es verabsäumt haben, vechtzeiftg auf das deutsche Verhandlungsangebot einzugöhen. Mam hat in den Kreisen der Reichsregierung im Zusammenhang mit der außenpolitischen Debatte im Reichstag die F^a-ge aufgeworfen, ob es zweckmäßig lein wird, den deutschen Berhandlungswillem von neuem zu be­kunden. Von vornherein hat jedoch kein Zweifel daran be­standen, daß absolut kein Grund besteht, der die Reichsregierung veranlassen könnte, mit irgendwelchen neuen Angeboten an die alliierten Regierungen heranzutreten. Dies gilt nicht nur in der Entwaffnungsfrage, sondern auch hinsichtlich des Sicherheits Problems. Da die Gegenseite bisher noch nicht auf die deutschen Vorschläge^ geantwortet hat, kann die Reichsregierung von sich aus nicht die Initiative ergreifen wollen, um neue Berhandlungs grundlagen zu schaffen. Es würde zweifellos eine außerordent­liche Schwächung der Position der Reichsregierung bedeuten, wenn man abermals mit neuen Anregungen hervortreten würde, nachdem die ersten Vorschläge unbeachtet geblieben sind. Die Gegenseite konnte dann immer neue Konzessionen von Deutsch­land fordern, was einen unmöglichen Zustand herausbilden wür­de, zumal die Reichsregierung in ihrem ersten Memorandum bis an die Grenze des Möglichen gegangen ist. Die Rede, die der Außenminister gehalten hat, bildet immerhin ein ^ganzes Pro­gramm und enthält sogar eine wesentliche Neuorientierung der deutschen Außenpolitik, die eine Reihe neuer Gesichtspunkte aufzuweisen hat. Selbst, wenn man betont, daß der außenpoli­tische Kurs der alte bleibt, so darf trotzdem nicht verkannt wer­den, wie wichtig es für die Reichsregierung ist, in außenpoli- tischer Hinsicht auch bestimmte Fortschritte zu erzielen.

Parteiansschuß beschloß ferner den diesjährigen Parteitag zum 15. September nach Heidelberg zu berufen.

Dorsbrand in den Niederlanden.

wtb. Amsterdam, 20. Mai. telef. Ou Verbindung mit der plötzlich ausgebrochenen großen Hitze sind in den Drentschev Mooren bei Emmen in der Provinz Dreuche ausgedehnte Lorf- brände entstanden. Dabei sind verschiedene Häuser und Gehrte abgebrannt. Die Bewohner konnten sich aber noch rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Acht Personen in Wen vom Blitz getötet.

wtb. Rom, 20. Mai. telef. Bei dem Gewittersturm, der gestern über ganz 2talien hiuweggegaugen ist, sind etwa acht Personen nach den jetzt eingelanfenen Meldungen durch Blitz­schlag getötet worden.

Sie große politische Aussprache im Reichstag.

Von unserem parlamentarischen Mitarbeiter wird uns aus Berlin vom 19. Mai geschrieben:

Die politische Aussprache im Reichstage wurde heute durch eine einstündige Rede des sozialdemokratischen Abgeordneten Dr. Breitscheid eröffnet. Der Redner sprach, wie gewöhnlich mit viel Stimmaufwand und großem Selbstbewußtsein. Seine Rede war hinsichtlich der inneren Politik auf den Grundton ge­stimmt: Republik oder Monarchie. Natürlich war durch dieses Lhema die Bezugnahme auf die Person des neuen Reichspräsi­denten von Hindenburg gegeben. Wer nun geglaubt hatte, Herr Breitscheid würde in dieser Richtung scharfe Lone an- schlagen, der befand sich im Irrtum. Wenn er auch anfänglich von einem Uebergaugsstadium zur Monarchie sprach, wobei natürlich ziemlich scharfe Seitenhiebe gegen die Deutschuatio- nalen fielen, Jo liefen doch seine weiteren Ausführungen schließ­lich auf nichts anderes als ein Vertrauensvotum für den Reichs Präsidenten hinaus. Zur auswärtigen Politik übergehend schnitt Breitscheid, was gestern der Außenminister vermieden hatte, das heikle Thema Elsaß-Lothringen an, natürlich im Sinne der Verzichtleistung, wenn auch mit dem Ausdruck des Bedauerns über den Verlust. 2n der brennenden Frage der Räumung des Ruhrgebiets und des nördlichen Rheinlands unterschieden sich die Forderungen des sozialdemokratischen Redners kaum von denen des Außenministers. Ebenso bewegte sich sein energischer Ruf nach gleichberechtigung in der europäischen Völkerfamilie im Sinne der Politik der Re,gierung wie der Mehrheit des Hauses. Hingegen dürfte sein Verlangen nach möglichst schnel­len Eintritt Deutschlands in den Völkerbund kaum die Zustim- mung der maßgebenden politischen Stellen finden. Die sodann folgende Rede des deutschnationalen Abgeordneten Graf Westarp war auf einen stark pefsimistischen Lon-gestimmt, indem er unter lebhafter Zustimmung der Rechtsparteien im einzelnen barlegte, daß in der politischen Behandlung Deutschlands von Seiten der Westmächte keine Rede von -einem Geiste der Ver­söhnung und der Gleichberechtigung sei. bn s-chr wirkungsvoller Weise schilderte Graf Westarp den politischen und militärischen Druck, unter dem Deutschland durch die Besetzung des Ruhr­gebiets, der Kölner Zone und durch die Waffenkonttolle stehe, und kam unter dem lebhaften Bravo feiner Freunde zu dem Ur­teil, daß das, was wir von England in dieser Beziehung im le^ ten 2ahre erlebt haben, nicht das Verhalten eines Gentlemans sei. Die gestrigen Aeußerungen Stresemanns, daß Deutschland nicht gewillt sei, die Grenzen im Osten anzuerkennen, fand die volle Zustimmung des Grafen Westarp, wie denn überhaupt ein Gegensatz zwischen beiden Politikern, wie man in manchen Krei- jen von der Rede des doutfchnationalen Abgeordnet-en erwartet hatte, nicht in die Erscheinung trat. Der Zentrumsabgeordnete Dr. Kaas unterstrich mit l-eidenschaftlichen Worten die Erbitte­rung der rheinischen Bevölkerung über die Nichtin-nehaltung der vertraglich festgesetzten Räumungsfristen. Viel bemerkt wurde feine Erklärung, worin er dem Kabinett Luther die Mitarbeit

Centrums, wenn auch in etwas verklausolierter Form in Jusjicbt stellte. Besondere Beachtung fand seine Aeußerung, < seine Partei auf das feste Manneswort Hindenburgs ver-

^es dem neuen Präsidenten leichter -gelingen würde w Anschauungen der ihm Nahestehenden über das Einst und eht zii versöhnen. Aehnliche Gedankengänge über die Wahl Hindenburgs kamen auch in den Ausführungen bes volkspartei- licben Abgeordneten Freiherr von Rheinbaben zum Ausdruck, der von der Wahl des Reichspräsidenten eine Einigung und Zusammenfast-ung unseres Volkes zur Erzielung von Gleichbe­rechtigung und Freiheit erwartete.