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Samstag, den B. Rm 1925.

59. M MrgMg.

Ammer 118.

eine »WA Sntem-lalim kr SIMmmnâe

Berlin, 22. Mai. (Sig. Fusormationsdienst.-Lelegr.) Von maßgebender diplomatischer Seite erfahren wir, daß den Lr- Klärungen des Außenministers Dr. Stresemann über die Räu­mung des Ruhrgebietes eine wichtige Fnterpretatio» gegeben werden soll. Danach würde die Reichsregierung die weitere Durchführung des Dawesplanes und der Londoner Abmachungen als gefährdet bezeichnen, wenn die vereinbarte Frist zur Räu­mung des Ruhr- und Sarcktionsg-bietes von den Besatzungs- Mächten nicht innegehalten würde. Die Reichsregierung wird Gelegenheit nehmen, auf diplomatischem Wege diese Fnterpreta- tiou den Alliierten zur Kenntnis zu bringen.

Rußland und die Slrsfemann-Rede.

Berlin, 22. Mai. (Sig. Fnformationsdienst.-Eetegr.) 3n den Kreisen der Berliner sowjetrussischen Botschaft wird erklärt, daß die Ausführungen des deutschen Außenministers Dr. Stre­semann über die Beziehungen zu Rußland in Moskau einen gu­ten Sinbruck hervorgerufen hätten. Die Moskauer Regierung fei in der Beurteilung der künftigen Entwicklung der Bezieh­ungen zwischen den beiden Ländern durchaus optimiftifch. Deutsch land sei die einzige Macht, die seit den letzten fünf Fahren Ruß­land gegenüber eine legale Haltung einnehme.

Jas Zusammengehen der Regierungsparteien.

Berlin, 22. Mai. (Sig. Fnsormakonsdisnst.-Eelegr.) Wie wir aus parlamentarischen Kreisen erfahren, werden die hinter der Regierung Lucher flehenden Parteien, einschließlich des Zentrums, der Bayerischen Volkspartei und der Wirtschafts- partei nunmehr Zusammengehen. Dadurch ist die Annahme der neuen Steuervorlage gesichert. Nachdem in der Aufwertungs­frage ein Kompromiß zwischen den Regierungsparteien erzielt worden ist, werden nunmehr Verhandlungen über die Schutzzoll- fragen eingeleitet werden, um auch in diesem Zalle die Annahme der Regierungsvorlagen durch den Reichstag zu sichern.

Jie Note über den Sicherheitspan.

wtb. London, 22. Mai. telef. Reuter erfährt, daß die Ve- ratunegn des britischen Kabinetts über den französischen Nolen­entwurf an Deutschlandüber den Sicherheitspakt ergeben habe, daß gewisse Seile noch nicht geklärt seien. England habe von Paris nähere Einzelheiten verlangt, die diese Seile der Note, die zu Mißverständnissen Anlaß geben könnten, erläutern soll. Die britische Regierung habe sich nicht auf eine Aktionslinie fest gelegt, sondern nur nach der Bedeutung einiger Seile des Schrift

Aach der politischen Aussprache.

Die politische Aussprache im Reichstag ist beendet. So­wohl der Außenminister Dr. Stresemann als auch das gesamte Reichskabinett können mit dem Verlauf der Debatte zufrieden sein, denn es hat sich herausgestellt, daß eine feste Mehrheit hinter der Regierung, steht. Der größte Erfolg des Kabinetts Luther besteht darin, daß es gelungen ist, die innenolitischen Auseinandersetzungen auf ein bestimmtes Maß zu reduzieren und und in der Außenpolitik die Zustimmung aller Parteien, mit Ausnahme der Radikalen zu finden. Darüber hinaus kann auch die in letzter Zeit etwas bedrängte Position des Außenministers dr. Stresemann als gefestigt gelten. Die Wirkungen, die die Erklärungen Dr. Stresemanns und der Parteiführer im Aus- lanbe Heroorgerufen haben, sind im gegenwärtigen Augenblick noch nicht zu übersehen. Nach Auffassung der maßgebenden Berliner außenpolitischen Kreise läßt sich aber schon jetzt über­sehen-, daß die energische Betonung des deutschen Standpunktes und insbesondere die warnende Sprache des Außenministers Dr. Stresemann einen starken Einfluß auf die Haltung der alliierteen Regierungen ausgeübt hat. _ Es ist sicher kein Zufall, daß die Botschafterkonferenz ihre Sitzung abermals vertagen mußte, beun zweifellos wird von englischer Seite der Versuch unter­nommen, die Spannung mit Deutschland nicht auf die Spitze zu treiben. 2m Verlaufe der Debatte haben die Führer der Rechts Parteien Manch hartes Wort gegenüber England ausgesprochen, oer beste Haltung man in Deutschland wiederholt ernsten A-n- ..-uschung haben mußte. Der Reichsregierung waren ^ öie sich mit der Haltung Snglanbs beschäf- ßenmiâ^ peinlich, aber trotzdem hat weder der Au- Veranlass»,, "b ^ ^^ â Beauftragter bes Reichskabinetts Haltung?, genommen, dazu Stellung zu nehmen. Was die in den Kre"n a\S gegenüber Deutschland anbetrifft, so hat man .wartet dak v ^.Berliner Auswärtigen Amtes niemals er- l'c britische Regierung und insbesondere Außen­

stückes gefragt. (Siehe auch unter RubrikAns der Eagesge- schichle". D. Ned.)

Amundsens Mlarstug angetreten.

wtb. Stockholm, 22. Mai. telef.Dagens Mghter" meldet von derKingsbag" die Polarflieger haben gestern nachmittag um 5,15 Uhr ihren Slug zum Nordpol angetreten. Zuerst star­tete Amundsens Maschine von der MaschineElsworts" gefolgt.

7 Minuten nach dem Start waren beide Ziugzeuge auf dem Wege nach dem Nordpol, bei Kapp Mitra verschwunden. Die Fahrt ging, trotz der großen Lasten, die beide Flugzeuge tragen, vom Eise sehr glatt von statten.

Bei einen Auto-Unglück 15 Arbeiter schwer verletzt.

-wtb. Berlin, 22. Mai. telef. Heute früh fuhr ein Lastauto mit Arbeitern besetzt, die nach Gatow zu Rohrverlegungsarbei­ten fuhren, auf der Lhaustee nach Eladow gegen einen Baum. Fünfzehn Arbeiter wurden schwer verletzt. Weitere Einzelhei­ten stehen noch aus.

Ueber Borb gefallen und im Mein ertrunken-

wtb. Mannheim, 22. Mai. telef. on der Nacht zum 21. Mai ist im Hafen in Rheinan ein ISjcihriger Schiffsheizer ans Norath beim Wasjerschöpfen über Bord gefallen und ertrunken. Die Leiche konnte am nächsten Morgen geborgen werden.

Churchill, 6er siamesische Zwilling. Ein Kavitel englischer Zolldebatten.

(Von unserem Londoner Korrespondenten wird uns aus London im Mai geschrieben:

Angesichts der im Deutschen Reichstag demnächst zu .er­wartenden lebhaften Zolldebatten dürfte folgendes Stimmungs­bild unseres London-er Korrespondenten besondere Aktualität besitzen:

Vinston Ehurchill, der siamesische Zwilling! So nannte ihn kürzlich Snowden in einem scharfen Gegenangriff im Oberhause, weil er sowohl Freihändler, wie Schutzzöllner sei. Die ehrwür­digen Mitglieder des Hauses des Lords können sich seit Beginn des Budgetkampfes überhaupt nicht mehr über langweilige Sitzungen beklagen, denn nicht allein wird der Kampf mit un­gewöhnlich scharfen Waffen geführt, es kommt auch nur zu häufig zu stürmischen Szenen, in denen die Sheets und Gegen­

minister Ehamberlain sich dazu berufen fühlen -würden, für Deutschland eine Lanze zu brechen. Man weiß sogar in Berlin daß das englische Kabinett Baldwin den französischen Forde­rungen gegenüber ziemlich weitgehendes Sntgegenkommen ge­zeigt hat und sich mit einem schroffen Vorgehen gegen Deutsch­land teilweise einverstanden erklärt. Erotzdem verkennt man aber in Berlin nicht die Bestrebungen der britischen Regierung eine Verschärfung der außenpolitischen Lage zu vermeiden und alle Wege der Verhandl-ungLmvglichkeiten mit Deutschland of­fen zu -lassen. Aus diesem Grunde erscheint der Reichsregierung die scharfe Kritik -deutscher Parlamentarier an der Haltung der englischen Regierung -einigermaßen übertrieben. Fu -den Fra- -gen -der inneren Politik sieht Reichskanzler Luther den kommen den Auseinanderf-etzun gen mit Ruhe und Gelassenheit entgegen. Die Opposition hat keineswegs Formen -angenommen, die der Reichsregierung das Arbeiten erschweren könnten. R-achdem die inoffiziellen Bemühungen führender volksparteilicher Kreise die parlamentarische Basis des Kabinetts Luther zu erweitern, nicht zum Erfolg geführt haben, gibt sich die Reichsregierung damit zufrieden, das lebenswichtige Problem der neuen Steuern, der Auf-wertungsfrage und der Schutzzölle mit Hilfe der hinter ihr stehenden Parteien unter Dach und Fach bringen zu können. W-enn diese Aufgaben erledigt sind, hofft das Reichs-Kabinett die zur -Zeit noch bestehenben innenpolitischen Spannungen we­sentlich mildern zu können, indem neue Versuche unternommen werden sollen, die noch außerhalb der Regierung stehenden Gruppen an den Aufgaben des Wiederaufbaues aktiv zu be­teiligen. Man hofft sogar, daß es möglich sein wird, in den 3ragen der sozialen Gesetzgebung Schritte zu -unternehmen, um domit einen gewissen Ausgleich für die Härten des Fin-anzpro- gramms schaffen zu können. Ruf jeden Fall ist an der Stabili­tät der gegenwärtigen innenpolitischen' und parlamentarischen Kostellation absolut nicht zu zweifeln.

Sheets beider Parteien durch die weite Halle klingen, nach Zurückziehen" geschrieben wird,Schande",Hinsetzen , und andere Rufe erdröhnen, bis der Redner glücklich -niedorgebrUllt ist. Freilich bereiten solche Auftritte vielen der aktiven Sete nehmen, jüngeren wie älteren, einen ganz besonderen Genuß. Aber die beiden feinblichen Gegner sind im bittersten Ernst, und derjenige, der unterliegt, gelobt sich sofort innerlich, sowie den Parteigenossen in vertraulichem Gespräch im Klub, zu gegebe­ner Zeit sich bitter zu rächen. Er hält dann schon eine Reihe von ironischen Glossen in Bereitschaft, die er an frühere vom Gegner nicht zu -leugnende Auslafsungen knüpft. Und Chur­chill besitzt ja schon durch seine Vergangenheit reichliche Blößen! Früher war für solche Staatsmänner der Ausdrucktrimmet1 beliebt, den man am besten mit ,>Wett-erfahue" übersetzen könnte.

Unlängst war wieder so ein munterer Nachmittag. Der ewig junge Kanzler war in vorzüglicher Launewenigstens äußerlich. Er übertraf sich selbst in kühner Auslegung früherer Tatsachen. Sir Archibald Sinclair sprach vor ihm und der Kapitän Wedd- wood Benn sekundierte. Wenn der erstere das Auge eines Redners auf sich gezogen hat, sodaß dieser seinen Namen nennt, freut sich das ganze Haus. D-enn bas ist der eigenartige Un­terschied von anderen Parlamenten, daß es einen gewissen Sportfinn dokumentiert und Freunde wie 2^inde bei witzigen und humorvollen, wie glänzenden rhetorischen Leistungen diesen mit objektivem Genusse folgen, ganz abgesehen davon, wie sie sich später des 2nhalt^weg-en verhalten. Also Sir Archibald sagte zunächst ganz sachlich, er habe dem Kanzler zwei -fragen zu stellen: wie ließen sich die vorgeschl-agenen^ Zölle, die wohl in Erudition unb Geschichte alsEhurchill-Zöli-e" überliefert werden mögen, mit der Verpflichtung- des Premierministers im Dezember vereigigsn, haß es sich in dieser Session um keinen Schutzzoll außer der Pubustrieschutzmethode handeln werde? Und wenn sie Ausfuhrzölle sein sollten, warum griffe man denn nicht lieber gleich zu Verbrauchssteuern? Er erwarte freilich keine Antwort, er kenne des Kanzler unb erinnere sich, daß er, wenn er keine Antwort geben könne,funkeln" -werde. -Heute Abend werde Ehurchill bas Haus mit dem Feuerwerk seiner Witze blenden und seine Anhänger mit seiner reichen Rhetorik Fluß amüsieren. Sie würden sich überden neuen -Eriumph für den Kanzler" wie die konservative Presse zu schreiben- pflegt freuend heimwärts ziehen. Aber wenn sie am nächsten Mor­gen aufwachten, würben sie aus ihren Wahlkreisen erbitterte Briefe mit unbequemen Erkundignnge-n finden. Alle Libera­len, -einschließlich Llogd -George, der mit -unverhehltem Vergnü­gen zugehört hatte, waren entzückt. Die Debatte konnte ja gut werden. Kapitän -erinnerte daran, daß sich Mc. Kenna wie Bonar Law verpflichtet hätten, die Zölle -nach dem Kriege auf- hören zu lassen: Der Kanzler solle dem Hause sagen, wie er noch im Fahre 1923 über diese Zölle -gedacht habe! unb der Redner zitierte eine charakteristische Rolle aus einer Rede Ehurchills:2-e-de-r E-ngländer sollte das Recht haben, ohne Sin» schränknng des Staates nach seinem eigenen guten Belieben zu kaufen, was er immer wünschen mag, und an welchem Orte es auch sei.

Ehurchill erhob sich. Er begann mit einem kühnen Kom- mentar zu der von Sir Archibald angeführten Verpflichtung Baldwins. Sie sei ganz richtig wie bergegeben. Aber es war niemals beabsichtigt, die volle Freiheit des Kanzlers darin zu be­schränken, daß er in jedem Fahre Zölle vorschlagen kann, die -den notwendigen Einnahmen-Dienst zum bona fibe Zweck -haben" Das war -nichts anderes als ein Widerruf der Verpflichtung des Kanzlers, denn Ehurchill fordert den Automobil-Zoll als Aus­fuhrzoll und er kann denselben Anspruch für fast jeden anderen denkbaren Zoll -erheben, der nicht von Ascife-A-bgabe begi-ei- -tet ist. Die Schutzzöllner freuten sich und die Opposition war starr. Ehurchill berichtete dann über -den Ursprung der Mc. Kenna-Zölle, aber es vergaß, daß sie nur für den Krieg bestimmt waren, daß Bonar Law sich verpflichtet hat, sie bei Kriegsende zu widerrufen. Er verstieg sich dann zur Behauptung, er sei -ei­ner der Minister gewesen, welch-e die Zölle vorgeschlagen hät­ten. Niemals -habe er -sie bekämpft, er habe ihr Wiedervuf 1922 verurteilt und stehe jetzt für die Aufhebung des Widerrufs! Und mit dem Brustton der Ueberzeugung erklärte er, Snowdens Hervorrufen der Kontroverse sei Eeil einer Machiavellistischen Verschwörung, die Liberalen von den Konservativen zu tren­nen, -um sie dann einzeln zu schlagen. ,Moder Moltke -noch Ludendorff haben jemals ein so verschlagenes Manöver ge­plant!"

Ehurchill hatte sich noch nicht auf seinen Platz gesetzt, als Snowden schon am Lisch des Hauses stand. -Er hielt bas ge­drängt volle Haus in Spannung. Kurz vorher bei der Gold- währungsdeba-tte -hatte er von Ehurchill eine Niederlage erlitten, u. es war von seinen erst. Worten ab klar, daß er Revanche neh­men und ebenso scharfe Segen hiebe schlagen wollte. Ehurchills bricht über bas Entstehen der Mc. K-onna-Zölle einegro­teske Verdrehung der historischen Entfachen. Die Zölle seien damals im Kriege unter Kriegsverhältnissen geschlossen worden. Fch -kann wohl verstehen, -daß der Kanzler außerstande ist, zu