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Ful-aer Keeisblatt, Anzeiger für Rhön uns Vogelsberg, Ful-a und Haunetal

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Nummer m. Samstag, den M Mai 1925. 59. (2.) Jahrgang.

GruKhfßtzlèOe BerhanblUKSsbereMüft

Ser Seutschnatlonalen über die Negierungsfrage in Preußen.

Berlin, 29. Mai. (Sig. Informationsdienst.-Telegr.) Wie wir hören, ist die deutschnationale preußische Landtagssraktion grundsätzlich bereit, über die Regelung der Aegierungsfrage zu verhandeln. Von deutschnationaler Seite besteht man jedoch darauf, daß nicht nur die rein sachlichen, sondern auch die per­sonellen Fragen sehr eingehend gelöst werden müßten, ehe man ernsthaft an eine Beteiligung der Deutschnationalen au der preu ßischen Regierung denken könne. Soviel bis jetzt feststeht, würden die Deutschnatioualen niemals eine Regierung unter­stützen, in der Braun Ministerpräsident und Severing Innenmi­nister ist. Aach deutschnationaler Auffassung müsse überhaupt erst die Stage geprüft werden, c^ die Sozialdemokratie ernst­haft bereit wäre, ihren bisherigen Einfluß auf Preußen zugun­sten einer allgemeinen Lösung preiszugeben. Die Deutsche Volks Partei hat ihre Verhandlungsbereitschaft schon früher erklärt, sodaß nach den Pfingstfeiertagen mit dem Zustandekommen ein­gehender Besprechungen über die preußische Rogierungsfrage gerechnet werden kann. Man nimmt an, daß der von seiner Aomreise zurürkgekchrte Zentrumssührer Reichskanzler a. D. Marx bei diesen Verhandlungen eine entscheidende Rolle spie­len wird.

Ein deutsches Memorandum in der Abrustungsfrage.

Berlin, 29. Mai. (Erg. Inform atiousdienst.-Telegr.) Von unterrichteter Seite erfahren wir, daß die Reichsregierung über die Stage einer internationalen Regelung der Abrüstungen ein Memorandum ausarbeiten will, das eine Reche deutscher Vor­schläge enthält. Moses Memorandum würde cpenjo wie die deutschen Vorschläge über die Sicherheitsfrage, die ebenfalls in einem Memorandum festgelegt worden waren, zur Förderung der VerhaMungsmöglichkeiten erheblich beitragen können.

Verkehrsstreik in Berlin ausgebrochen.

wtb. Berlin, 29. Mai. telef. Heute vormittag ist die ge­samte Angestelltenschaft der Autoomnibusgesellschaft in den Streik getreten, sodaß der gesamte Autobusverkohr vollkom­men stillliegt. Bei der Straßenbahn sind Verhandlungen noch im Gange. Die Hochbahn verkehrt zurzeit noch.

Die Rede des Aeichswehrminiflers.

Reichsw ehrminister Dr. Geßler hat im Reichstag die an anderer Stelle gebrachte Rede die mit Spannung erwartet war, über die deutsche Reichswehrpolitik gehalten, die nicht nur als Antwort auf die sozialdemokratischen Angriffe, sondern auch im Hinblick auf die in Aussicht stehenden Entwaffnung«- forderuugen der alliierten Regierungen von größter Tragweite sein wird. Es hat einiges Erstaunen hervorgerufen, daß der Minister sich mit der denkbar größten Offenheit über die deut­schen Militärfragen ausließ. Wenn man erwartet hatte, Dr. Geßler werde sich ängstlich an gewisse politische Bedenken hal­ten, Jo wurde man gerade durch die Offenheit, mit der Dr. Sejjler auch über die kompliziertesten und delikatesten Dinge sprach, überrascht. Der Minister sprach davon, daß die Aeichs- wchr den Zweck und die Aufgabe hat, einen Schch für die deutschen Grenzen darzustellen. Dieses 'Moment kann selbst­verständlich auch nicht auf Grund des Versailler Zbiedensver- rages von den alliierten Regierungen irgendwie bestritten wer- en. Den Kernpunkt der Erklärungen Dr. Geßlers bildeten seine Ausführungen über die Militärkontrolle, über die Au- rustung und über die Sicherheitsfrage. Hier streifte Dr. Geß­ler so eingehend die gegenwärtigen Probleme der Außenpolitik, haß man 'm ersten Augenblick schon erkennen 'konnte, wie sorg- laitlg diese Ministerrede vom gesamten Reichskabinett vorbe- -reitet worden ist. In den Regierungskreisen verhehlt man auch èaß es dem Reichskanzler und dem Außnmi- ollkam, angesichts der gegenwärtigen Atmosphäre â aller Offenheit die Abrüstungs- und Ent- zu streifen.

krafe SeWungen war, sich mit der Sozialdemo- mnerpolitücb°^^ ?u ^^^, hat seine Rede auch wesentliche ungen auf ^^ Gindruck, den seine Erklär- daß bei der « âtstagsparteien gemacht hat, war so stark, munisten und cE- /"^ân Debatte, mit Ausnahme der Kom- o Sozialdemokraten von allen Parteien eine einmü­

Kindenburg-Furcht bei den Slowaken.

wtb. Wien, 29. Mai. telef. Die Vorführung des Films vom Einzug Hindenburgs in Berlin ist in der Tschechoslowakei verboten worden.

Verschobener Zrontsoldatentag in München.

wtb. München, 29. Mai. telef. Der für Pfingsten ange­sagte Frontsoldatentag ist aus eisenbahnverkehrstechnischen Gründen auf den Herbst verschoben worden.

Selgotands Abbröckelung normal.

wtb. Helgoland, 29. Mai. telef. Wie wir von zuständiger Seite erfahren, halten sich die Abbröckelungen der Insel durch aus im Rahmen der anderen Jahre und gqlben zu irgendwelchen Befürchtungen keine Veranlassung. Daß außergewöhnliche Ab­sperrungen auf dem Oberland vorgenommen werden mußten, wie von einigen Zeitungen berichtet wurde, trifft nicht zu.

SranzSsiswer Druck auf bie Mainzer Schützen.

wtb. Mainz, 29. Mai. telef. Die französische Vesatzuugs- behörde hat verfügt, daß die seither von der Mainzer Schützen- gesellschaft veranstalteten regelmäßigen Schießübungen als mili- tärische Hebungen im Sinne des Art. 1 der Verordnung Ar. 295 der Rheinlandkommission anzusehen sind und bis auf wei­teres unterbleiben müssen.

Rachklänge zur Leparatistenherrschajl.

wtb. Koblenz 29. Mai. telef. Das hiesige Schwurgericht verurteilte einen gewissen Schuerg der s. Zt. in Trabeu-Lrar- bach den Weiuhäwdler Rübel der die Separatisten zum Abzug aus der Stadt bewegen sollte, erschossen hatte, zu sechs Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Der Journalist Hans Lindner erhielt wegen Anstiftung hierzu elf Sahre Zuchthaus und zehn Jahre Ehrverlust.

tige Vertraulensdemonstration für die Reichswehr veranstaltet wurde.

Die Darlegungen Dr. Geßlers über die konsequente Frie- benspotifik Deutschlands dürfte übrigens auch auf das Aus­land sehr starke Wirkungen ansüben. Die Bedeutung liegt ge­rade darin, daß seit den letzten Monaten kein Mitglied der Reichsregierung in so entschiedener Weise den ernsten Frie­denswillen und die Bereitschaft Deutschlands zu internationalen Sicherhe i t sve rt gen und Abmachungen über die Abrüstungs­frage zum Ausdruck gebracht hat wie der deutsche Reichswehr- minister. Aus diesem Grunde ist es auch verständlich, daß die Mehrheitsparteien dem Minister wahre Ovationen darbrach­ten, als er seine eindrucksvolle Rede beendet hatte.

Was den innenpolitischen Kern der Ministerrede betrifft, so ist festzustellen, daß die Reichsregierung entschlossen ist, an der bisherigen Reichswehrpolitik festzuhalten. Die Linke verlangt eine starke Beschränkung des Reichswehretats, was nach Auf­fassung der Reichsregierung bedeuten würde, daß die Eruppe durch ernsthafte Vernachlässigung schwer zu leiden hätten. Da­durch werde die Staatssicherheit aufs schwerste gefährdet, denn eine unzufriedene Truppe bietet absolut keinen Schutz für die Verfassung und den Staat. Am auffallendsten wären aber die Versicherungen des Ministers, daß die republikanische Staats­form von der Reichswehr geschützt werde, ohne jede Rücksicht­nahme auf politische Strömungen. Die Reichswehr soll nach den Absichten des Ministers vollkommen frei von jeder Partei- politik bleiben und lediglich ihren militärischen Aufgaben nach­kommen. Der Minister hat sich übrigens nicht gescheut, der Linken gewisse Zugeständnisse zu machen, indem er sich gegen die Soldatenspielerei gewisser unreifer Jugendlicher Elemente in den politischen Verbänden wandte. Seine Rede wird allgemein von Regierung und Parteien als das größte politische Ereignis an­gesehen, das man im deutschen Parlament seit der Annahme der 'Londoner Vereinbarungen erlebt hat.

Weitere fünf Todesurteile in Sofia.

wtb. Sofia, 29. Mai. telef. Der König hat 5 weitere To­desurteile des Kriegsgerichts gegn kommunistische Verschwörer bestätigt. Es handelt sich nm Petroff, Turrdoff, Augeloff, Thonoff und Sedloff, von denen die drei letztgenannten flüchtig sind.

Kandels-MKenschau.

Reue Verstauung der Börse. Ultimoschwierigkerteu. Weitere Geldnot. Die Wendung im Stinnes-Konzern.

Erneute Klagen der Industrie.

Von unserem Berliner Handelsmitarbeiter:

In schrofstem Gegensatz zur Pfingstfreudigkeit der Natur ist die Entwicklung der allgemeineren und namentlich der wirt­schaftlichen Verhältnisse leider andauernd derartig, daß von ei­ner Feiertagsstimmung keine Rede sein kann und auch die Hoff­nung auf baldige Besserung der Zeiten immer mehr schwinden muß. Zieht man die Haltung der Börse in Betracht, so ist in der letzten Maiwoche sogar -eine neue sogar ganz beträchtliche Verschlechterung der Stimmung eingetreten, die in weiteren großen Kursrückgängen Ausdruck findet, deren Maß alles bis­her dagewesene noch übersteigt. Hatte man angenommen, daß nach den nunmehr schon monatelang andauernden Kursrück­gängen der Tiefstand endlich erreicht Jein könnte, so haben die letzten Tage zur schweren allgemeinen Enttäuschung neues und größeres Effektenrngebot an den Markt gebracht, das bei dem fortgesetzten völligen Mangel an Käufern wieder nur zu weichen­den Kursen Unterkommen finden konnte. Es läßt sich auch diesesmal nicht vörkennen, daß hierbei auch rein spekulative Ab gaben den Kursdruck wesentlich verschlimmert haben, zumal auch bie Stützungstätigkeit der großen Banken, von der immer wie­der die Rede ist, sich abermals so gut ibie gänzlich vermissen ließ. Es kommt hinzu, daß die schon seit längerem gefürchteten Ultimoschwierigkeiten sich gerade in den letzten Tagen in einem die Befürchtungen noch übersteigenden Maße geltend machten. Das gilt in erster Linie wieder von der Entwicklung der Geld­verhältnisse, die sich auch an der Börse weiter zuspitzten und auch im Bankgewerbe die Beschaffung der für den diesesmal wegen des Pfingstsestes um zwei Tage verfrühten Illtimozahltag -erforderlichen Gelder vielfach sehr erschwerten oder sogar un­möglich machten. Da gleichzeitig mit dem fortgesetzten scharfen Kursrückgang die Entwertung der Sicherheitsunterlagen neue und größere Fortschritte gemacht hat, so wurde eine Auffüllung diel er Depots nötig, die unter den obwaltenden Umständen nicht immer gelingen konnte. Die Folge hiervon waren wieder­holte Zwangsverkäufe für Rechnung kleinerer und auch mitt­lerer Bankkommissionsfirmen und die -ohnehin auf den Null­punkt gesunkene Aufnahmefähigkeit der Märkte weiter erschöp- ten. Wenngleich tatsächliche Zahlungseinstellungen von Belang bis jetzt nicht bekanntgeworden sind, so waren aber desto mehr Gerüchte über nicht ganz freiwillige Liquidierungen selbst älterer Bankhäuser und dergleichen mehr in Umlauf, die zwar un­bestätigt blieben, aber die herrschende Nervosität trotzdem merklich verschärften. In Betracht kommt hierbei ferner, daß auch im Warenhandel die Verhältnisse andauernd sehr viel zu wünschen übrig lassen und daß auch hier die Gefahr von neuen unliebsamen Zwsschenfällen fortbesteht. Ein besonderes Ereignis bildet das nunmehr offizielle Zugeständnis von per- lonlichen Differenzen in dem großen Stinnes-Konzern, die durch den dustritt von Dr. Edmond Stinnes aus der vom Vater übernommenen Firma offen zutage getreten sind, nachdem schon vor längerer Zeil an der Börse derartige Gerüchte in Umlauf gewesen waren, aber bisher stets in Abrede gestellt worden sind. Die Befürchtung, daß auf diese Weise die in dem großen Stinn-es-Konzerii seitens des verstorbenen Hugo Stines mit un­gewöhnlicher Zähigkeit und Zielsicherheit in der Inflationszeit zusammen getragenen umfangreichen und in ihrer Art grundvèr- ichiedenen Aktienpakete zur Aufteilung oder wenn auch nur tkuwÄse sogar wieder an den Markt gebracht werden könnten, hat die Stimmung der Börse neuerdings gleichfalls sehr beuu- ruhigt, zumal sich im Augenblick garnicht absehen läßt, in wel- cber d^eife die Unterbringung eines derartigen Angebotes überhaupt zu ermöglichen wäre. Tatsächlich wollte man bereits in diesen Tagen wiederholt Effektenverkäufe für Rechnung des ausgeschiedenen Stinnessohnes beobachten, die in der Haupt- lacbe zur Beschaffung von Geldmitteln erfolgt sein sollen, die eine verlustreiche Beteiligung dieses Dr. Edmond Stinnes an einem berliner Filmunternehmen erforderlich macht. Vetrof- jen wurden von diesen Verkäufen -natürlich hauptsächlich die so­genannten Stinneswerte, wie Deutsch-Luxemburger Bergwerks und Hütten A.-G., Gelsenkirchener Bergwerks A.-G., Bochu- mer^Gußstahl, Schuckert Elektrizität und Siemens Halske. Daß im Anschluß an den infolgedessen besonders großen Rückgang