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Hessische

Morgenzeitung

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Ful-aer Kretsblatt, Anzeiger für Rhön und Vogelsberg, Ful-a und Haunetal

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Nummer 125.

Sonntag, den 31. Mai 1925.

59. (2.) Jahrgang.

Arbeiter für Mwarz-weiß-ret als Herzenslache

Berlin, 30. Mai. (Sig. FuformationsdiLnst.-Lelegr.) 3n Berlin fand im Kriegervereinshaus eine Kundgebung statt, die von -er Vereinigung nationalgeftnuter Arbeiterführer eiuberu- feu worden war und ein Volksbegehr auf Wiedereinführung der alten fchwarzweißroken Fahne als amtliche Reichsflagge vorbo- reiten sollte. 3m gut besuchten Saal hielt der politische Leiter der Vereinigung, Emil Unger, eine Rede, die in die Forderung nach Wiedereinführung der alten Aeichsflagge ausklang. Schwarzwolßrot sei keine Parterf ahue, und der Kampf für sie keine Parteifrage, sondern Herzenssache des deutschen Volkes. Auch KompromißSchwarzweißrot mit der Goesch" müsse aufs entschiedenste abgelchut werden. Gerade die Ausländsdeutschen verlangten stürmisch die alten Farben zurück. Außer Unger sprachen noch: Kloth, Witte (Hamburg), Bleg (Bremen), Herbst (Hannover) und Dörr (Halle). Miötärmärsche lösten die Vor­trage ab. Die Versammlung sang stehend das Deutschlandlied und stimmte durch Arnchochhebeu den For-erungeu der Redner bei.

Weitere Erklärungen Nr. Eeßlers nach Pfingsten.

Berlin, 30. Mai. (Erg. Suformatlousdienst.-Telegr.) Wie wir höre», wird bei der nach der Pfingstpause stattfindenden Ver abschiodllng des Reichswehr-Etats die unveränderte Annahme *#« Etatsforderungen erfolgen. Diejenigen Anträge, die eine Herabsetzung der Kosten für die Ausrüstung und Bmvaffuung der Gruppe verlangen, haben keinerlei Aussicht, eine Mehrheit zu finden. Die Opposition gegen den Reichswehr-Etat wird sich lediglich auf die Sozial-emvkvatie und Kommunisten beschränken.

Unveränderte Annahme des ReWwehr-Gats bevorstehend.

Berlin, 30. Mai. (Eig. Snformationsdienst.-Telegr.) Wie wir ans parlamentarischen Kreisen erfahren, besteht die Absicht, nach Pfingsten die Debatte über die Reichswehrpolitik im Reichstag fortzuführen. Man hält es für wahrscheinlich, daß Reichswehrminister Dr. Geßler weitere Erklärungen über die Entwafsnungsfrage abgeben wird, wenn bis dahin die Rote der alliierten Regierungen au Deutschland vorliegen sollte.

Pfingstbetrachtung.

Mach dem Matthäus-Evangelium (3, 11) erklärt Iohannes der Täufer: ,^ch laufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker dem' ich, der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen".

3m zweiten Kapitel der Apostelgeschichte wird die Aus­gießung des Heiligen Geistes folgendermaßen geschildert:Unb es geschah schnell ein Brausen vom Himmel als eines gewalti­gen Windes, und erfüllte das ganze Haus, da sie (die Apostel) saßen. Und man sah an ihnen die Hungen verteilt, als wären sie feurig. Und es setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen; und wurden alle voll des Heiligen Geistes". Auf alten Kirchen- bildern, die diese Ausgießung des Heiligen Geistes darstellen, sieht man immer Flammen gemalt die sich gleich feurigen Hungen vom Himmel auf die Scheitel der Sänger Sesu herabsanken.

Gleich feurigen Hungen senkte sich jubelnd auch die ganze Wonne der Pfingstzeit auf unser Gemüt. Denn Pfingsten ist das Fest des Swings, ist das Fest des Geistes! Frühlingslied, ^eitgejang des Geistes, sie gehören immer zusammen.

È in diesem Sahre zu Pfingsten die Matur ihre volle Pracht und Herrlichkeit entfaltet hat und uns die warme Sonne, die Lieder der Vögel, der Duft der Wälder und der Blumen ten Farben in der Matur zuzurufen scheinen: Hinaus in Lüald und Ham, Feld und Flur! wird jedes empfindsame Gemüt J u - Huchzen und Frohlocken des Dichters einstimmen: 9 , kleines Frühlingslied, kling hinaus ins reitet

«,?! '"»erstem Herzen kommende Frühlings- und Pfingst- «è «â - w-r w°II° |k Ota. urtei l? X5 ^âchos, das einem Ghristm nicht gezieme, ver lebrt Der Schöpfer des Pfingstfestes selbst hat es uns ge- inlpm ^an ?^^ ?u erfreuen, er, der wie kein anderer Derqänal^ ^'afur i" lesen verstand. Seine un° «-r°innig^ ^ic Bergpredigt zeugen von sei- oll die nns câbetiachtnng. Die Lilien auf dem Felde und deren bunten Blumen, das liebliche Gezwitscher der

des teuWen Boltes.

Ci« neuer Schritt des Völkerbundes.

Berlin, 30. Mai. (Gig. Suformationsdienst.-Telegr.) Wie wir aus außenpolitischen Kreisen erfahren, steht in den nächsten Tagen ein neuer Schritt des Generalsekretärs -es Völkerbun­des bei der Reichsregierung bevor. Es ist angekLndigt wor­den, daß der Völkerbundsral auf seiner nächsten im 3uni stalt- findenden Tagung nâe Erklärungen -. Reichsregierung über die Frage des Eintritts Deutschlands wünscht. Es steht fest, daß vor dem Herbst dieses Sahres eine Entscheidung über ein etwaiges Fulaffungsgesuch nicht fallen wird. Die Haltung der Reichsre- gierung zur Völkerbundsfrage hat sich in keiner Weise geändert.

Sie Lase in Spanisch-Marotte.

wtb. Paris, 30. Mai. telef. Havas berichtet aus Tanger, die spanischen FUeger verfolgen in der Westzone die Rifabteiluu gen, die den Versuch machten, in die spanischen Stellungen ein- zudringen. Bei den Audjeras haben die Abtelluugeu von Eor- titi und D'AmerQv-Daoud schwere Verluste ettttten.

Keine semeinsaM Aktion der Franzosen in Marokko.

wtb. Paris, 30. Mai. lelef. Havas berichtet aus Fez: Hier glaubt mau, eutgegra gewissen Gerüchten, zu wissen, daß eine ge­meinsame Aktion der 3 französischen Gruppen zur Heil nicht ein- geleitet Hk. General Solombat und Oberst Tanbain sind in Fez eingetrosfen, wo sie mit General Dongau eine Konferenz haben werden.

Ein neues Verkehrsunglück in Italien.

wtb. Rom, 30. Mai. telef. Auf der Linie VologueVig- nola ereignete sich gestern abend wieder ein Eisenbahnunfall. Die gleiche Maschine, die an dieser Stelle schon einmal vor eU nem Monat entgleist war, sprang auch gestern abend wieder aus den Schienen. Dieses Mal wurde jedoch der Maschinist und der Heizer schwerverletzt und sind heute früh im Spital gestorben.

Sie Krise in der EiKerhettsfrase.

23on unserem Berliner Mitarbeiter wird uns aus Ber­lin 30. Mai geschrieben:

Bogel, den Landmann, der hinter dem Pfluge geht und den Sä­mann, der guten Samen in die Erde streut, wußte er als wun­derbare Schriftzüge zu deuten, die Gates Schöpferhand in die Jatur eingegraben hat. Wer so Pfingsten als ein Fest des Üruh -ngs zu feiern versteht, dem bringt es nicht nur freudige und frohe Stunden, sondern auch Belebung und Bereicherung des inneren Menschen.

^der Pfingsten ist mehr als bloß ein Fest des Frühlings. Es E Fest des Geistes, mögen auch Spötter und Hweifler die Achseln zucken und für sich den , Ruhm" in Anspruch nehmen wollen, Goistesheroen unserer aufgeklärten Heit zu sein. Sol­che Spötter hat es schon immer gegeben.Sie sind voll süßen Weiner! urteilen die Weltklugen schon über die ersten Träger des neuen Geistes. Dem Prediger auf dem Oelberge, der tiefer Jab, wurde schon die Herrlichkeit der Natur zu einem Sinnbild des Geistes. Die PfingsterzLhlung von der Wunderkraft des Geistes, des Wortes und de^ Verstandes, ist zugleich auch ein Kunden jener Geisteskraft, die in uns gefesselt und gebunden liegt, die wir lösen und entkerkern müssen.

Mag es uns auch in diesen trüben Heiten oft scheinen, als ob der Kampf in der Matur- und Geistesweit einem Kampfe aller gegen alle gleiche und wir von einem wirklichen Pfingsten

entfernt seien, so ist doch unverkennbar, daß diesen schlechten Heitläuften zum Trotz noch immer in unserem Volke ""endlich viel lebt von dem, was einst dem deutschen Wesen Thre gab, und noch einen Geistes- und Völkerfrühlung erhof­fen läßt. Durch unser Volk gcht nicht nur bas Seufzen und Sichsehnen und Sichängstigen aller Kreatur, sondern auch bas Sehnen nach unserer geistigen Wiedergeburt., nach Rettung der alten Heiligtümer des Geistes- und Gemütslebens unseres deut­schen Volkes. Wenn aus Pfingsten der Geist dieser Gedanken weht, dann bereitet uns nicht nur die Natur in ihrer Früh- lingsberrlicbkeit, sondern auch der Pfingstgeist ein liebliches, fröhliches Pfingsten!

Aus London und Paris liegen Meldungen vor, die sich sehr pessimistisch über den Stand der englisch-französischen Unter­handlungen in der Sicherheitsfrage aussprechen. Der Entwurf der französischen Antwort, der von Briand der englischen Regierung übermittelt wurde, soll vom Londoner Kabinett in seinen Hauptpunkten abgelehnt worden sein. Die englische Regierung hat, Pressemeldungen zufolge, eine Reihe von Punk ten ausgestellt, die jede Festlegung der Ostgrenzen im Sicher­heitpakt ausschließen, und die ein Beteiligung Englands an ei­ner militärischen Einkreisungspolitik gegen Deutschland ab­lehnen.

Sn den Kreisen der Reichsregierung beurteilt man die aus London vorliegenden Nachrichten außerordentlich zurückhaltend. Man begrüßt es zwar, daß die englische Regierung den Stand­punkt Deutschlands in der Frage der Ostgrenzen teilt und sich gewissen französischen Plänen auf Wiederherstellung des eng­lisch-französischen Militärbündnisses widersetzt, aber man zwei­felt ernsthaft daran, daß bei der Schärfe der vorhandenen Mei- nungsoerschiedenhoiten in absehbarer Heit überhaupt eine Lös­ung der Sicherheitsfrage in Betracht kommen kann.

Die Reichsregierung hat keine Veranlassung, in die Aus­einandersetzungen zwischen England und Frankreich einzugreifen. Sie wird die denkbar größte Zurückhaltung bewahren, um nicht die öfters von Deutschland begangenen Fehler zu wiederholen, die geschlossene Front der Alliierten durch ungeschickte diploma­tische Aktionen wieder herzuftellen.

Sn der Entwaffnungsfrage soll jetzt die endgültige Einignng zwischen England und Frankreich erzielt worden sein. Die Reichsregierung wird daher voraussichtlich in Auseinandersetz- ungen über diese Angelegenheit verwickelt werden, ohne daß da­bei die Sicherheitsfrage in den Bereich der Verhandlungen ein- bezogsn wird. Dieses Moment mag vielleicht im ersten Augen­blick zu einer Verschärfung der Situation führen, aber man würbe es deutscherseits begrüßen, wenn der französischen Negier uizg in der Entwaffnungs- und Räumungsfrage davon absehen muß, auf Deutschland einen Druck auszuüben, um es zur An­erkennung der französischen Sicherheitsforderungen zu veran­lassen. , Wen es gelingt, die Sicherheitsfrage zurückzustellen, bis eine Einigung über die Entwaffnung erzielt worden ist, so würde die deutsche Diplomatie wesentlich günstiger auf die Entwicklung der Sicherheitsverhandlungen einwirken können. Die zur Heit noch bestehenden Gefahren liegen darin, daß Frankreich daraus bestehen könnte, vor einer Lösung vor einer Lösung des Si­cherheitsproblems jedes Hugeständnis in der Räumungs- und Entwaffnungsfrage abzulehnen. Englische Blätter wollen wis­sen, daß am 9. 3uni in Genf auf einer Husammenkunft zwischen Ehamberlain, Benesch und Briand ein Kompromiß herbeige­führt werden solle. Wenn es zutrifft, daß der tschechische Au­ßenminister in die Erörterungen über die Sicherheitsfrage ein­greift, dann würde eine völlig neue Wendung zu erwarten sein denn Dr. Benesch hat wiederholt als Vermittler zwischen den alltterten Regierungen gewirkt und Lösungen durchgesetzt, -ie den Futeressen Deutschlands absolut nicht entsprochen haben. Man wurde es daher in Berlin nicht gerne sehen, wenn Benesch m Genf Gelegenheit erhalten sollte, die englisch-französische Front in der Sicherheitsfrage wieder herzustellen.

Das Echilkjal Amundsens.

Fridtjof Nansen, der zu kurzem Aufenthalt in Berlin ein- getroffen ist, um in seiner Eigenschaft als Präsident der inter­nationalen Studiengesellschaft zur Erforschung der Arktis auf bem Luftwege mit den Mitgliedern der deutschen Sektion der Gesellschaft zu konferieren, hat sich einem Mitarbeiter derB. H. a.M." gegenüber über bas mutmaßliche Schicksal der Polar expedction Amundsen zuversichtlich geäußert. Er erklärte, Amundsen habe die Absicht gehabt, den Pol wirklich zu er­reichen. Es sei unmöglich vom Flugzeug aus den jeweiligen Ort an dem man sich befinde, genau festzustellen. Amundsen habe er sich in der Nähe des Pols zu befinden chaubte. Die Sonnenbeachtungen, die bann zur Feststellung der Ortes notwendig gewesen seien, hätten wenigstens 12 Stunden S sogar mehr. Wenn Amundsen auf

festgestellt habe, wo er sich befinde, werde er das erlassen und den Pol zu erreichen trachten. Die Dauer der Wanderung über das Eis hänge davon ab, wie weil er vom Pol gelondet fei. Erreicht er dann den Pol selbst, so werc e er auch dort eine Reihe von Beobachtungen und Mes- lungeu vornehmen, was wiederum einige Tage dauern könne. Dann komme noch der Rückmarsch zum Flugzeug und der Flug zum Ausgangshafen. Man könne also vorläufig noch völlig unbesorgt sein. Nansen gab der bestimmten Ueberzeugung Jnsbruck, daß Amundsen wieder zurllckkehren werde.