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Hessische

orgenzeituns

Ful-aes Kreisblatt- Anzeigsr für Rhön uns MßMhrrs, Fulda- und Haunetal

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Rammer in Ditastsg, den 9. Ami 1925. 59. (2.) Mraang.

DlplemaMe San-lungen -er Reichsregierung wegen der Entwaffnungsnote.

Berlin, 8. 3tmi, (Lis.-2nformatronsdieust.) telef. Wie wir erfahren, find die deutschen Botschafter in London, tzmd Paris angewiesen worden, bei der englischen und der sfranzö- pschen Regierung eine Reihe von Erläuterungen zu der Lnt- wasfumrgsnote âzuhole« und die etwa vorhandenen Diskus­sionsmöglichkeilen mit ideu Alliierten nachzuprüfeu. Diese diplo­matischen Aktionen würden namentlich nach den Genfer Be- sprschnugen zwischen dem englischen Außenminister Lhamber- iain und dem französischen Minister Briand in ein entscheidendes Stadium eintreton. 2m übrigen wird die Reichsregierung die ailnerten Außeumüüster wissen lassen, daß man deutscherseits ei­ne schr genaue Nachprüfung des Memorandums in der Lntwaff uuugsfrage Mr notwendig hält, ehe eine endgAtige Stellungnah­me über Annahme oder Ablehnung der Forderungen erfolgen könne.

Befprechtmgrn mit den Parteifükrem des Reichstages.

Berlin, 8. Sinn. (Elg.-2nformalionsdieuft.) telef. Die in­formatorische Aussprache, die zwischen dem Lieichskanzler «nd den Parteiführern über die alliierte Entwaffnungsnote statt- faud, führte zu dem wichtigen Ergebnis, daß die Regierungs­parteien von den Entschlüssen der Reichsregierung ständig unter richtet werde« und gleichzeitig Gelegenheit erhalten, auf die Entscheidungen maßgebenden Einfluß auszuüben, wie wir erfah­ren, hat Reichskanzler Dr. Luther den Parteiführern erklärt, daß die RÄchsregiorung gegenwärtig noch nicht in der Lage sei, eine erschöpfende Stellungnahme zu den alliierten Forderungen bekannt zu geben. Es ist daher unter Umständen damit zu rech- »^en, daß der für Mittwoch, den 10. ««gekündigte Zusammen­tritt des Auswärtigeu Ausschusses des Reichstages verschoben werden. 3m übrigen soll die Besprechung zwischen dem Kanz­ler und den Parteien einen sehr bewegten Verlauf genommen haben, da namentlich die deutschnationalen Vertreter auf bal­dige Bekanntgabe des Regierungsstandpunktes drängten.

M französische Sicherhrilsnote.

Berlin, 8. 2um, sEig.-Snsormationsdienst.) telef. Von maßgebender Seite wird bestätigt, daß der französische Außen­minister Briand dem deutschen Botschafter davon unterrichtet hat, daß die Ueberreichung der französischen Antwortnote auf die deutschen Sicherheitsvorschläge in den nächsten Lagen er­folgen wird. Die französische 'Note werde sich in ihrer neuer­lichen Fassung hauptsächlich aus den Eintritt Deutschlands in Öen Völkerbund sowie auf die Frage des Dnrchmarschrechtes beziehen. Ueber die Ostgrenzen wird sich Frankreich nur ganz kurz und nebensächlich äußern. Die französische Regierung halte ernsthaft Verhandlungen über die Sicherheitsfrage für möglich, wenn Deutschland die wichtigsten französischen Forderungen an-

Langwierige Entwaffnungsberatungen in Berlin

Die Berliner Reg!ierungskreise machen schon, jetzt .darauf aufmerksam, -daß die Beantwortun-g der alliierten Note erst nach langwierigen Vorberatun-gen mit den zuständigen Ressort­stellen erfolgen kann. Wie wir erfahren, werden die deutschen Stelten nunmehr an die.interalliierte MisitärkontroMommission Herautreten, um mit ihr über die Klarstellung einer Reche von Bedingungen des alliierten Memorandums zu verhandeln. 2-n erster Litzie handelt es sich dabei um die künftige -Organisation der deutschen Staatspolizei, sowie um die DurchfUhru-ng der ge­forderten Umstellung in den industriellen Betrieben. Auch über die zu erlassenden Gesetze und Berorduunge-n ihm sichtlich des Verbotes der Einstellung von Zeitfreiwilligen in der Reichs- we.hr u. her -angeblichen militärischen Ausbildung von uational-en- ^ciVanden wird noch eingehender verhandelt werden müssen. 2n i ei Polizei-frage müssen die Länderregieru-ngen gehört wer­den, da b-.e Organisation der Schützpo-lize-f nicht Sache des Reiches ist. Man kann zurzeit noch garnicht vovaussehen, bis zu welchem Zeitpunkt -d-ie deutscy-e Antwortnote überreicht wer­den kann. Mit großer Wahrscheinlichkeit -ibird frühestond Ende 2uni mit der deutschen Antwort zu rechnen sein, denn neben den schwierigen technischen Borarbe-iten spielen -auch die n-eben- her laufenden diplomatischen Schritte, die -nunmehr oon Deutsch- ^nd eingeleitet werden, eine sehr große Rolle. Reichskanzler- Dr. Luther und Außenminister Dr. Stresemaim haben seit der Ueberreichung der alliierten Note mehrfach unter Hinzuziehung bes Re ich swehrmi niste rs Dr. Geßler und -des Ehefs der Heeres­leitung, General von Seeckt, mit -einander konferiert. Es kann festgestellt .werden, -daß zwischen den beiden leitenden Staats­männern des Reichskabinetts und 'bem Rei ch swehrmitz! sie r in m völlige Uebereinstimmung hinsichtlich der Beurteilung der alliier ten Entwaffnungsnote besteht. Von großer B-edeutu-ng ist die

erkennt, und bereit sein werde, auf dieser Grundlage zu ver­handeln.

M 5. und letzte Echleifenfahrt des deutschen Rundfluges.

wtb. Bersin, 8. 2nni. telef. Heute gegen 4 Uhr früh stie­gen zu der 5 und letzten Schleifenfahrt des deutschen Rundflugos 57 Flugzeuge auf. Das Flugzeug 639 (Bäumer) das als 16. startete und bereits als erstes Breslau erreicht hatte, landete heute nachmittag 12,51 Uhr als erstes Flugzeug wieder in Ber- ku. Bäumer hat somit für 1034 Kilometer einschließlich her Zwischenlandungen 8 Stunden 8 Minuten gebraucht.

Drei Personen beim Rudern ertrunken.

wtb. Berlin, 8. 2uni. telef. Auf dem Lehmtzsee bei Oranienburg kenterte, wie dieB.-Ztg" meldet, gestern Aach­mittag ein mit 4 Personen besetztes Ruderboot. Ein Matrose, der den ins Wasser Gefallenen sofort nachspraug, konnte nur eine Dame retten. Die anderen 3 2nsassen dar ^Bootes er­tranken.

Vom LuftschiffLos Angeles".

wtb. Aewgork, 7. 2uni. telef. (Zuukspruch.) Das Luft­schiffLos Angeles", das auf dem Fluge nach Minuestra be­griffen war, hatte über Eloveland gestern einen Maschinendefekt der es zur Rückkehr nach Wraxest zwang.

Nor von Seeckts Rültteitt?

Es besieht politischen Kreisen kein Zweifel darüber, daß General von Seeckt von seinem Posten zurücktreten würde, falls die Regierung die Forderung der Entente nach Wiederherstel­lung des alten Zustandes annehmen sollte. Denn General von Seeckt hat seinerzeit die Stellung des Ehefs der Heeresleitung nur angenommen, weil ihm die Möglichkeit der einheitlichen Leitung gegeben wurde. Bei dieser Sachlage wird um die Per­son des Generals Seeckt wahrscheinlich ein sehr harter Kampf sowohl außenpolitischer wie innerpolitischer Natur entstehen, so­bald die Regierung ernsthaft mit Verhandlungen über die Rote beginnt.

Der Reichskanzler hat Vertreter der hinter der Regie - rung stehenden Fraktionen empfangen, um mit ihnen neben den politischen Fragen und dem Swhalt der Note auch die Frage der parlamentarischen Behandlung der Entwaffnungsnote zu bespre­chen.

Datsache, daß schon jetzt Verei-nbarungen getroffen worden sind, wonach der Außenminister und öer Reichswehrminister ge­meinsam dem deutschen Parlament -gegenüber d-ie Verantwor­tung jür die nunmehr zu treffenden Entscheidungen auf Jico neh­men werden, damit Reichskanzler Dr. Luther in jeder Hinpcht geheckt ist. Wenn von parlamentarischer Seite darauf hinge- wiesen wird, daß bei der gegenwärtigen Zusammensetzung des ^ve.cyskabinetts Meinungsverschiedenheiten auttauchen könnten so erscheinen derartige Erwäg-ungen angesichts des Ernstes der gegenwärtigen Sitzungen nach Auffassung der Berliner Re­gierungsstelle absolut abwegig gewiß wirb die Möglichkeit eintreten können, daß die .deutschnationalen Mitglieder des Reichskabinetts in mancher Hinsicht zu einer schärferen Beur­teilung der außenpolitischen Lage neigen werden, aber es steht außer Zweifel, daß die entscheidenden 2nstanzen in diesem Falle Reichskanzler Dr. Luther, Außenminister Dr. Strese- mann und Rei-chswehrminister Dr. Geßler den Ausschlag ge­ben werden. Bei der Natur der Sache werden sich dann ldiv deutschnationalen Kabinettsmitgli-eder den Auffassungen dieser zuständign und verantwortlichen drei Staatsmänner anschlie- ßen müssen.

Ein sehr schwieriges Moment tritt allerdings hinsichtlich der Gestaltung der parlamentarischen Konstellation ein. Es muß damit gerechnet werden, daß die deutschnationale Reichstags­fraktion einen starken Druck auf das Reichskabinett ausüben wird, und daß sich daraus eine Komplikation der inneiipoliti- schen Lage des Kabin-etts Luther-Stresemann ergeben kann. Aus diesem Grunde wirlb die Reichsregierung ihr -Hauptaugen­merk darauf richten müssen, im -engsten Einvernehmen mit den hinter der Regierung stehenden Röichstagsparteien vorzngehen.

Die englische Presse zur Kontrolluote.

London, 6. 2uni. DieDimes" schreiben in einem Kom­mentar zu der Abrüstungsnote der Alliierten an Deutschland: Während die Note die wirkliche Gefahr hervorhebt, die aus der Laxheit entsteht, mit der Deutschland die militärischen Klau­seln des Vertrages durchführt, versucht sie die politischen Um­stände vollständig in Rechnung zu ziehen. Die Note stellt an die gegenwärtige Regierung keine Forderungen, die man gerech­terweise als übertriebene oder unvernünftige bezeichnen könnte. Sie ist fernerhin kein -isolierter Akt. Es scheint schließlich doch als ob die Note in einem verhältnismäßig günstigen Augenblick fertiggestellt und überreicht wurde und sie hat daher besonders Bedeutung als ein integrales Element in dem allgemeinen Frie­den bildenden Prozeß erhalten, der jetzt ein Stadium erreicht hat, !das zu Hoffnungen berechtigt.

Der westliche Garantie-pakt eröffnete eine weite Perspektive friedlicher Zusammenarbeit zwischen den Mächten, die sich noch vor kurzem bekriegten. Gewisse Dinge müssen noch aus dem Wege geräumt werden E.ns dieser Dinge ist der klare Beweis daß Deutschland sich Verfehlungen" in bezug auf die militäri­schen Klauseln des Vertrages zuschulden kommen läßt. Es sollte tatsächlich nicht schwer für die deutsche Regierung sein, die Forderungen durch zuführe-n, die in der letzten Note -der Alliierten enthalten sind. Es wird für uns sicherlich nicht schwie­rig sein, Köln zu räumen, wenn dies tatsächlich geschehen ist. Die Abrüftungsfrage ist der Hauptpunkt der ganzen Angelegen­heit. Der Londoner DaÜg Delegraph meist auf die großen Konzessionen hin, die notwendigerweise wegen der inneren Lage in Deutschland gemacht werden mußten, und schreibt, es müsse auf zwei wesentliche Punkte hingedeutet werden, der die Rote enthält. Der erste ist, daß dieVerfehlungen", auf die die Rote hinweist, bestimmt nicht solcher Art sind, daß die alliierten Regierungen die als unbedeutend ansehen könnten. Zweitens ist die Rote so gemäßigt gehalten, wie es für ein Dokument möglich ist, in dem einer verantwortlichen Regierung Vorhal­tungen dieser Art gemacht werden.

Manchester Guardian" schreibt zur Note der Alliierten, der gesunde Menschenverstand hätte die Alliierten veranlassen müssen, keine Bomben in die friedlichen Verhandlungen über die S.^-erheitspakte zu schleudern.

Ist Lage in Marokko in nord- afrikanischer Beurteilung.

(Von unserem orientalischen Korrespondenten).

Alexandrien, Ende Mai 1925.

Durch die letzten kriegerischen Ereignisse ist Marokko, èfeses novdafrikanische Schutzgebiet der Europäer, wieder in den Vordergrund des lallgemeinen politischen 2nteresses getreten. Erst vor einigen Monaten hatten die Spatzier in Markko, des­sen äußerster nordwestlicher kleiner Dell eine spanische Kolonie ist, wiederholt mit diuem außergewöhnlich fehtigen Aufstand der Eingeborenen ^u tun; nun bereiten diese Afrikaner, die soge­nannten Rifleute oder Kabglen, auch den Franzosen, denen der weitaus größte Deil Marokkos gehört, reichlich große militäri­sche Schwierigkeiten und politische Besorgnisse. Die spanische Regierung des Diktators Primo de Rivera erlitt.damals l-rach langwierigen Kriegen, die die größten Opfer spanischerseits verlangten, eine endgültige Niederlage, die -auch das offizielle Ende der Spanier in Marokko bedeutete. Nur an einem schma­len Küstenlande ihres marokkanischen Schutzgebietes -fahren ge, genwärtig die Spatzier fort, sich uominell und vielleicht auch nicht einmal dauernd zu behaupten; das ganze übrige Land befindet sich -in den Händen der Rifleute unter Führung des bekannten Abd el Krim.

Dieser vielgenannte Mann steht auch an der Spitze der -ge­genwärtigen antifranzösischen Bewegung in Marokko. Er­strebt er doch die Befreiung auchdes französischen Marokko von der fremden Herrschaft und die Wiederherstellung der Un­abhängigkeit und der Selbständigkeit Marokkos in seinen natio­nalen und geographischen Grenzen. Abd el Krim ist die Seele der Bewegung. Er ist, im europäischen Sinne des Wortes, ein gebildeter Mann, der sein Volk und sein Land gründlich kennt. Nachdem er also das spanische Marokko von der Fremdherrschaft befreit hat, scheint er fest entschlossen zu sein, seine Machts und seinen Einfluß auch auf das Aachbargobiet von Französisch-Marokko auszudehnen. Das Zentrum feiner Kriegsvorbereitungen und militärischen Kräfte ist das Riffge­biet, ein wildes unumgängliches Sebirgsland. Die militärische Lüacht Llbd el Krims besteht aus kabglifchen Freiheitsscha- ren. Die Kabglen sind eine von uralten Zeiten her dort an­sässige mit Arabern stark vermische berberischle Rasse, hami- tinoer Abstammung, sehr tapferen und kriegerischen Eharakters. Oft nehmen sogar ihre Frauen an den Kriegen gegen die Frem­den teil.