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Nummer 131 Mittwoch, den 10. Zum ISA 59. (1) Zahrgang.
Re RMèpmteten für ein prMWes Ministerium Dr. Sermes.
Berlin, 9. Suni. (Sig. 2nforniationsdiensl.-Celegr.) 3n den parlamentarischen Kreisen des preußischen Landtages verlautet, daß die Rechtsparteien bereit seien, eine Lösung der preußischen Aegierungssrage zu unterstützen, wenn der Feutrumsabgeordne- te Dr. Hermes zum Ministerpräsidenten gewählt werden sollte. Gegen Dr. Hermes werden jedoch von demokratischer und so- paldemokratischer Seite starke Bedenken erhoben. Die Sozialdemokratie lehnt Hermes als den preußischen Ministerpräsidenten ab. Auch Stegerwaid, der neuerdings als Anwärter auf die preußische Ministerpräsideutsrhaft genannt wurde, stößt bei der Linken aus starken Widerstand.
Beratungen der NrlchslagSfratilonen wegen der EntwaMungsaote.
Bersin, 9. Onni. (Sig. 2nformationsdienst.-Celegr.) 3m Reichstag versammeln sich am Dienstag alle Fraktionen, um rüder politischen Lage Stellung zu nehmen. Wie wir hören, werden die hinter der Regierung stehenden Parteien eine neuerliche Rückfrage mit dem Reichskanzler Dr. Lucher herbeiführen, um die Stage zu klären, bis zu welchem Feitpuukt die Reichsregier- ung den ‘Parteiführern gegenüber eine genaue Stellungnahme über Annahme oder Ablehnung der alliierten Eutwassnungsnote bekanntgeben soll.
Keine Abschwächung der Stellung von Seelttè.
Berlin, 9. 3uni. (Sig. Susormationsdienst.-Lelegr.) Wie tt>ir hören, stellt sich das Reichswehrmiuisterium auf den Standpunkt, daß die von den alliierten Regierungen geforderte Beseitigung des Postens des Oberfehlshabers in der Reichswehr für Deutschland nicht annehmbar ist. Die jetzige Stellung des Chefs der Heeresleitung, General von Seecks dürfe unter keinen Umständen eine Abschwächung erfahren. Alle Gerüchte über Rücktrittsabsichteu des Generals von Seecks entbehren jeder Grundlage, da von deutscher Seite über die Frage des Oberbefehls kaum Konzessionen gemacht werden können und volle Ue- bereinftimmung zwischen der Reichsregieruug und dem General bestehn.
Nortrüge Luthers und Stresemanns bei Hindenburg.
wtb. Berlin, 9. 3uni. teles. Der Reichspräsident hat heute vormittag den Reichskanzler Lucher lund den Reichswirtschafts- minister Neuhaus zum Vortrag über Wirtschafts- und Han
Die Genfer Besprechungen.
Die Fusamme-nkun-ft zwischen Chamberlain und Briand in Genf sieht man in den deutschen außenpolitischen Kr-ei-seu- mit großem Sntereffe entgegen. Es steht zweifellos f-e-st, daß sich die beiden Staatsmänner über die Lösung der Sicherheitsfrage, sowie über Modasitäten eines Eintritts Deutschlands in den Völkerbund unterhalten werden. W-eun auch kaum a-nzuuehme-n ist, daß Briand -und iShamberlain in -Genf zu positiven B-era- tu-ngsergebniffön gelangen werden, so hält man es doch für mindestens sehr wahrfchl., daß ein Konf-ere-nzprojekt über die 5i- -cherheitsfr-a-g-e zur -Erörterupg gelangt. Die englische Regierung -hat zwar erst kürzlich mit teilen lassen, daß die Einberufung einer Sicherheitskonferenz gegenwärtig wegen der ganz ungeklärten vage noch -nicht ins Auge gefaßt werden könne. Diese Mitteilung bedeutet selb st verständlich nur eine Warnung an die fr-an fojijche Regierung, die den Fweck hate, Frankreich -zu einer Aenderung ihrer Haltung in der Sicherheitsfrage zu veranlassen, Aamit die Voraussetzung für eine Sicherheitskonferenz geschaffn werden könnte. 3n den diplomatischen Kreisen verlautet, i-nzw-ischen eine wesentliche Annäherung zwischen den -engli- lch-en und -der französischen Regierung erfolgt sei, und man der Zusammenkunft der alliierten Staatsmänner größte e E-ung beilegen müssen.
der Genfer 3ujammenkunft zum positiven Ergebnis in bie A o/v'^ffagpführen, so würde für die deutsche Regierung die Antreten, möglichst bald in Anknüpfung an Reaieri * Enterungen zu Verhandlungen mit den alliierten Briand fangen. Bleibt aber die Konferenz zwischen ^e läiiacrö pi ^^ârrl-ain ergebnislos, so muß man sich auf -ei- Ung ^ud möglicherweise sogar auf eine -ernste Stock Wandlungen gefaßt machen.
delspolitiksfragen empfangen. Später hat der Ackchspräsident ei nen Vortrag des Aeichsaußemuinifiers Stresemann über die außenpolitischen Angelegenheiten entgegengenommen.
Sblizatorischè Einsührms des deutschen Sprachunterrichts in Bulgarien.
wtb. Sofia, 9. 3nni. telef. Das bulgarische Kultusministerium hat die obligatorische Eiuführuug des deutschen Sprachunterrichts beschlossen.
Sovlibge über die Weltbefrieduns.
wtb. Aewgork, 9. 2um. teles. Präsident Coolidge betonte in einer Rede, die er gelegentlich der Hundertjahrfeier der nor wegischen Einwanderung in Minnspolis hielt, daß Amerika mit feinen verschiedenen Bevölkerungselemeuteu in schwerer Prüfungsstunde seine nationale Einheit bewiesen und ein alle Rassen umsassende geistige Verbundenheit gezeigt habe. Wenn der Einfluß in ernster Feit an ein hohes 3beal zu binden. Warum sollen wir uicht hoffen dürfen, daß derselbe Einfluß schließ- sich die Männer und Frauen auf dem ganzen Erdball erreichen wird? Wenn Brüderlichkeit und Fusmumeuarbeit auf diesem Kontinent mit so verschiedenen Völkern möglich ist, warum mcht auch in der ganzen Welt? Dies ist kein neuer Gedanke, aber ein sehr fesselnder. 3d) glaube fest, daß er mehr ist als ein Hirngespinst. 3d) fühle, daß er verwirklicht werden Kanu und bin über zeugt, daß unsere nationale Entwicklung etwas mithelfen kann, die Menschheit einem solchen Fiele eutgegeuzuführeu.
Amerika lehnt eine Luftschiffexpedition für Amundsen ab.
wtb. Washington, 9. 2um. telef. Der Mariwesekretär teil mit, daß die Bitte des norwegischen Vereins für Luftfahrt, die „Los Angelos" oder die „Shenandoah" zur Aufsuchung der Amundsenexedition auszusendeu, abgelehnt wurde. Der Marine sekretär erklärte, die Ansicht des Marine-departements habe sich nicht geändert, daß ein solches Unternehmen untunlich und ein nutzloses Bemühen sei.
Ein Drama in Berlin.
wtb. Berlin, 9. 3nni. telef. Der „V. F." zufolge hat sich die 18jährige Schneiderin Hildegard Schulz, nur mit einem Hemd und 3umper bekleidet, aus dem 4. Stockwerk auf die Straße gestürzt, wo sie tot liegen blieb. Sie hatte sich aus Schwermut das Leben genommen. Als ihre, fett einem 3ahr in der Charite
Mit der nunmehr bevorstehenden Ueber reichung der französischen Note über die deutschen Licherheitsvorschläge wird die Sicherheitsfrage in den Vordergrund treten , sodaß die alliierten Entwaffnun-gsforderu-üg-en im allgemeinen nur noch als diplomatisches Druckmittel eine Rolle spielen werden. Daß unter solchen Umständen nicht mit einer baldigen Räumung der Kölner Fo-ne gerechnet werden kann, ist in den Berliner außenpolitischen Kreisen von vornherein klar, zumal schon die technische Durchführung der alliierten Ent-waff-n-ungsfordeMngen tön gere Feit in Anspruch nehmen wird. Deutscherseits w-ird man vor allen Dingen klarftellen^müffen, ob die Räumung der -nördlichen Rheinla-ndzo-n-e sofort nach dem Fustan^dekomm-en einer Einigung zwischen Deutschland und den Alliierten oder erst nach vollständiger Durchführung der Entwaffnungsforderung eintreten soll. Würde der -letztere Fall zutreffen so könnte man kaum damit rechnen, daß die Kölner Zone noch vor Ablauf dieses Sahres geräumt wird.
Die Re-ichsr-egieru-ng -wird selbstverständlich auf den Standpunkt verharren, daß die Ränmung der nördlichen Rheinland- Zone unverzüglich zu erfolgen habe. Solange jedoch der Konflikt in der En-twaffnu-ngsfrage besteht, ist, der Crf-olg einer solchen Aktion -des deutschen Kabinetts in Frage gestellt. Für die weitere Behandlung der alliierten Note wird -jedoch in erster Linie der Umstand maßgebend sein, inwieweit die alliierten Regierungen es ihrerseits für erforderlich halten werden, die durch die fleberreichung der Note eingetretene Snannung zu mildern. Wenn nicht im letzten Augenblick auch von alliierter Seite ein Weg der Verhandlungen gewiesen wird, kann der Sall eintreten, daß die deutsche Regierung sich genötigt sieht, die alliierten Entivasfunugssorderungen abzulchnen und so die weiteren Konsegueuzen der Angelegenheit abzuwarten.
krank liegende Mutter von dem Selbstmord der Cochter erfuhr, erlitt sie einen Herzschlag und starb.
9 Lote bei einem Eisenbahnunglück in Australien.
wtb. Lgdneg, 9. 3uni. telef. Sin schweres Eisenbahnunglück ereignete sich wie aus Brisbane gemeldet wird in der Aä- he von Sgmpie, bei dem 9 Personen getötet, und 40 verletzt wurden.
Der Frieden unter den Konfessionen und die Neichsprâsibententvchl.
„Die Religion ist das letzte Fiel, wohin alle unsere Gedanken gehen müssen". Diesen Ausspruch hat ein Deutscher, Friedrich Gottlieb Kloppstock, getan. 3m Streben nach diesem letzten Fiel, so schreibt Senatspräsident a. D. Robert Schölder in der „Casseler Post" hat sich Deutschland, wie kein anderes Land, in -inneren Kämpfen, in Reformation und Gegenreformation, aufgerieben. Das Schlußergebnis war die Teilung des deutschen Volkes in einen evangelischen und einen katholischen Seil. Aus -ihm ergibt sich für beide Konfessionen die Pflicht zur größten gegenseitigen Duldung und Achtung, und diese gegensei- tige Duldung und Achtung ist -auch geübt, bis der Kulturkampf kam mit Gesetzen, die das religiöse Empfinden -der Katholiken auf das tiefste verletzen mußten. Nunmehr ballet sich das g-e- Jamte katholische Vock zu einer geschlossenen Front zusammen. 3n den Parlamenten verließen die katholischen Abgeordneten -ihre Fraktionen. Sie traten von rechts und links zu einer neuen Partei -der Mitte, des Fentr-ums, zusammen, und -das Fen- trum zeichnete sich als „das stehende Heer -des katholischen Volkes". Ls folgten die Absonderungen auf sozialem und ge- sellschaftlich-em Gebiet. Schließlich ertönte auch der Ruf: „Für Katholiken nur katholische Literatur."
Der Papst hat den Kulturkampf am 23. Mai 1887 in feierlicher Allokution für beendet erklärt. Aber der katholische Volksteil hat weitergekämpft, bis der Fentrumsführer Dr. Lieber a-usru-fen konnte: „Es -ist eine Freude, als Katholik in Deutschland zu -leben", und auch der Fentrumsführer Sulius Bachem zu dem Ergebnis gehommen war: „Die deutschen Katholiken haben vor den Katholiken anderer Länder auf verschiedenen Gebieten manches voraus". Dann begann die Wie- derannährung. Die katholische Feitschrift „Das Hochland" schrieb: „Was uns heute bewegt, ist ein einziger großer Prozeß des bewußt erstrebten Wiederanschluffes an das zeihgenössische nationale Leben", und der katholische Domprobst Dr. Dittrich äußerte sich dahin: „Die Fortsetzung der religiösen Kämpfe, ihre Uebertragung auf das politische, soziale und gesellschaftliche Leben muß zum Unheil unseres Volkes ausschlagen. Wir haben Jo viele Gebiete, auf denen wir zum Heil des Vaterlandes miteinander arbeiten können. Sun wir -das". Nachdem dann auch der evangelische Cheologieprofessor Harnack in einer Festrede ausgeführt hatte: „Nach Abbruch aller Streitigkeiten wird jede Kirche eine Verinnerlichung erhalten, die wieder zu gemeinsamen Arbeiten, -in dem gemeinsamen Garten Gottes füh ren wird", tönten vom nächsten Katholikentag in Düsseldorf vom Sahre 1908 zurück die Worte: „Der Sag kann garnicht mehr fern fein, an dem die große deutsche Nation sich vereinigt im treuen Dienst 2esu Christi, -unseres Herrn. 3n -dieser Hinsicht bieten wir deutschen Katholiken unseren christlichen Mitbrüderu die Friedenshand."
3n diese Friedensjstimmung fielen hinein zwei Ereignisse, die an sich höchst betrübender Art, -doch geeignet waren, den Wieder Zusammenschluß der Konfessionen zu beschleunigen. 3m 3n- nern war -erstarkt die Sozialdemokratie, eine Partei, die hinsicht lieh ihrer Stellung zur katholischen wie zur evangelischen Kirche charakterisiert wird durch die eine Catsache: Von den 110 im Fahre 1912 gewählten, sozialdemokratischen Reichstag-sabgeord- -n-eten haben sich zur katholischen oder evangelischen Kirche nur 26, zum Fude-ntum 5 -bekannt, haben 69 sich als „religionslos" -oder .ckonfessi-ouslo-s", 8 als freireligiös“ bezeichnet, haben schließlich 2 sich geweigert, über ihr Religionsvechältnis eine Angabe zu machen (vgl. Kürschners Handbuch S. 44). Die 69 waren beinahe ausnahmslos aus der katholischen oder -evangelischen Kirche, unter der Aufforderung zur Nachfolge, ausgetreten. Einer von ihnen hat seinem Austritt mit den Worten „Katholisch getauft" -noch eine besondere Bedeutung gegeben. Gleichzeitig hatten sich draußen ländergier-ige und neidische Nachbarn gesammelt. Deutschland wurde zum Kampf gezwungen gegen eine erdrückende -Uebermacht -und gegen die Macht der Lüge. 3n Frage kam und in Frage kommt noch heute der Fortbestand oder der politische, -wirtschaftliche und moralische Untergang des deutschen Volkes, des katholischen wie des evangelischen Vviksteils.