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Hessische

Morsenzettung

Ful-aee KeElatt, Anzeiger für Rhön und Bogelsberg, Fulda- und Haunetal

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Nummer 142

Siknstag, den 23. Suni 1925.

59. (2.) Zohrsang.

Eine EMSkung der deutschen Reichsregierung in der Bölterbundfrage

Berlin, 22. 2uni. (Sig. infonnationsLeufi.-Lelegr.) Wie wir von maßgebender außenpolitischer Leite erfahren, wird die Reichsregierung spätestens in zehn bis zwölf Lagen eine neue Er Klärung über die Stellungnahme Deutschlands zu der Frage seines Eintritts in den Völkerbund abgeben. Diese Erklärung wird zu der Forderung der französischen Note, daß Deutschland seinen Eintritt vollziehen müsse, ehe ein Licherheitspakt abgeschlossen wird, den Standpunkt der Reichsregierung eindeutig Kuudgebeu. Deutschland wird dabei auf seiner Forderung beharren, daß vor­her über den Artikel 16 der Vötkerbundssatzung eingehende Ber Handlungen fiattfinden, durch welche die Frage des Durchmarsch­rechtes durch das Reichsgebiet vollkommen geklärt wird.

Besprechungen Dr. Stresemanns mit Margerte.

Bersin, 22. 2uui. (Sig. 2uformatwnsdienst.-Lel^r.) Wie wir erfahren, hatte der Außenmiuster Dr. Stresemann in den letz ten Lagen eingehende Besprechungen mit dem französischen Bot­schafter in Berlin, de Margerie. Der Minister kündigte an, daß die deutsche Regierung wegen zahlreicher Unklarheiten der fran­zösischen Sicherheitsnote Rückfragen nach Paris richten werde, um in den wichtigsten Punkten volle Klarheit zu schaffen. Stre­semann bezeichnete dem Botschafter bereits die Widersprüche, die sich aus der Darstellung der Schiedsgerichtsfrage in der französischen Note ergeben. 2n den nächsten Lagen werden wei­tere Besprechungen zwischen Dr. Stresemann und dem franzö­sischen Botschafter fiattfinden, der für Ende der Woche Ziach Paris berufen worden ist.

Der Kampf um die Echutzzollvorlase.

Bersin, 22. 3nni. (Lig. Lnformationsdrenst.-Lelegr.) Die Fraktionsbesprechullgen über die Schutzzollfrage werden kaum vor Mittwoch zu einem endgültigen Ergebnis kommen. Wie wir hören, haben sich die Deutschnationalen mit der Deutschen Volks Partei bereits über die Grundzüge der Regierungsvorlage ver­ständigt und auch die Frage der landwirtschaftlichen Minimalzölle geklärt. Das Zentrum stellt nach wie vor den landwirtschaftli­chen Minimalzöllen nachdrücklichste Bedenken entgegen. Reichs- ernährungsminister Graf Kanitz hat am Freitag den Führern der Regierungsparteien mitgeteilt, daß er zurücktreten werde, wenn die landwitschaftlichen Lchutzzoilfordernngen keine Mehrheit im Reichstag finden.

Hindenburg und der Sohanniterorden.

wtb. Berlin, 22. 2uni. telef. Die Meldung eines hiesigen Blattes, daß Reichspräsident von Hindenburg beabsichtigt an

Essaa

Die Frage des Durchmarschrechtes

Leit Freitag sind die deutschen diplomatischen Vertreter in London, Paris und Rom angewiesen worden, eine Reihe von Rückfragen an die alliierten Regierungen bezüglich der franzö­sischen Licherheitsnote zustellen. Wie wir erfahren, hat sich das Berliner Auswärtige Amt unverzüglich veranlaßt gesehen, die Frage des Durchmarschrechtes, die in der französischen Rote überhaupt nicht berührt worden ist, offiziell anzuschneiden und die Besorgnisse Deutschlands wegen der angeblichen Genfer Vereinbarungen zwischen Lhamberlain und Briand zum Aus­druck zu bringen. Hochinteressant ist die Tatsache, daß die französische Rote drei Stellen enthält, in denen man bei aufmerk famen Studium das Durchma rschproblem angedeutet sieht.

Erstens soll Deutschland bei seinem Eintritt in den-lker- bunb alle Verpflichtungen, welche die Völkerbundssatzung den Aitg-liedern auferlegt, übernehmen. Run weiß man aber, daß .Artikel 16 so ausgelegt wird, daß das Reich als Bölkerbunds- macht den Truppen der anderen Völkerbundsmitglieder im Kriegsfälle den Durchmarsch gestatten müsse.

Zweitens spricht die französische Rote von einem Zwangs- roeijen Vorgehen bei Verletzung der Verträge. Dieses zwangs­weise Vorgehen schließt offensichtlich den Durchzug französischer Puppen durch deutsches Gebiet als sogenannte Strafakten in sich.

Drittens würde Frankreich als Garant seiner Meinung "ach, falls Deutschland einen Schiedsspruch nicht korrekt be- èas Recht haben, der angeblich von Deutschland geschä- lgten Partei militärisch beizustehen.

Würde die deutsche Regierung unbedenklich den Gedanken- .i iigen der französischen Rote folgen, so würde sie sich damit farh en Gefahren aussetzen; denn dann würde Frankreich in drei

n^t ^" Rechtsgrundsatz des freien Durchzugsrechtes bed^s futsches Gebiet für sich in Anspruch nehmen können. Es vars durchaus keiner Warnungen der Moskauer Regierung

der am 24. Suni stattfindenden Tagung des 2ohamsiterordens teilzunchmen, wird von zuständiger Leite für unrichtig erklärt.

Zur chinesischen Kundgebung in Paris.

wtb. Paris, 22. 2uni. telef. Wie dasOovre" von einem Sekretär der chinesischen Gesandtschaft erfahren haben wül, führt man die Manifestation, die sich gestern vor der chin^iscyen Ge­sandtschaft in Paris abspielte, daraus zurück, daß die Pariser Poliezibehörde auf Ersuchen des chinesischen Gesandten eine pro revolutionäre chinesische Versammlung, die am Sonntag vor acht Lagen fiattfinden sollte, verboten hat.

Amundsens Flugzeug eingeholt.

wtb. Berlin, 22. Suni. telef. DerV. Z." zufolge ist das Flugzeug Nr. 25 mit dem Amundsen und seine Bereiter die Rückreise antraten, und das sie in der Franksinbaz verankern mußten, nunmehr nach der Kingsbag geholt wo es gestern ange­kommen ist.

Fliegertod bei Bonn.

wtb. Bonn, 22. 2 uni. telef. Bei einem Flugversuch geriet am Samstag ein französisches Flugzeug in die Hochspannungslei­tung der elektrischen Bahn Boun-Liegburg und stürmte dabei ab. Beide Flugzenginsasien sind wenige Stunden nach dem Unfall gestorben.

Prozesse in Bulgarien.

wtb. Sofia, 22. 2nni. telef. Die Mitglieder der Verschwö­rer-Organisation von iamboli Lhristoff Seorgieff und Outscha- roff sind vom Kriegsgericht zum Lode durch den Strang verur­teilt worden. 2m Koufiskationsprozeß gegen die Witwe des ehemaligen Miniostrpräsidenten Stambuliuski beantragte der Staatsanwalt die Beschlagnahme des gesamten von Stambulinski hinterlassenen Vermögens in Höhe von zwei Millionen Schwei­zer Franken und 7,5 Millionen Lewa oder insgesamt 61,5 Mll- lionen Lewa. Bou den Beklagten erschienen vor Gericht nur die Witwe Stambulinskis sowie die Frau und Lochter seines Schwagers Bojatschiew.

Flutwellen in Aensüdwales.

ivtb. Lidneg, 22. 2uni. telef. Eine ungeheure Flutwelle hat in Aeusüdwales verschiedene Ortschaften an der Küste gefährdet und großen Schaden angerichtet.

an die Berliner Regierung, um die Gefahren eines solchen Zu­standes sofort zu übersehen. Aus Moskau liegen immer neue Reguierungskundgebungen vor, in denen zum Ausdruck gebracht wird, daß man Deutschland als einen geheimen Gegner betrach­ten werde, sobald es unter den vorbezeichneten Bedingungen einen Licherheitspakt mit den Westmächten eingeht. Rußland würde dann im Kriegsfälle für sich ebenfalls das Recht bean- fpluchen, in Deutschland einzumarschieren, das seiner Meinung nach sonst für den strategischen Aufmarsch der Truppen der Westmächte freigegeben wäre. Wenn erst einmal derartige politische Verwicklungen eintreten, dann wird Deutschland un­eingeschränkt den kämpfenden Parteien als Kriegsschauplatz dienen, ohne daß es mit feinem Hunderttausendmannheer in der Cage wäre, sich dagegen zu verteidigen. siöEyozjaTim.qst

Das sind die ernsten Momente, welche die Reichsregierung veranlassen werden, namentlich in der Völkerbundsfrage eine sehr eindeutig formulierte Erklärung abzugeben. Deutschland glaubt erst dann in den Völkerbund eintreten zu können, wenn Artikel 16 der Völkerbundssatzung endlich eine so klare Aus- le^ung findet, daß keine Völkerbundsmacht ohne ausdrückliche Genehmigung Deutschlands für sich das Recht in Anspruch neh­men darf, auch nur eine Handbreit deutschen Bodens zum kriege rischen Aufmarsch für seine Truppen zu verwenden. Man kann schon jetzt voraussehen, wie sich die Entscheidungen der Reichs- regierung, die wahrscheinlich noch in diesem Monat oder späte­stens Anfang iuli fallen werden, in der Durch marsch frage ge­stalten werden. irgendwelche Zugeständnisse wird die deutsche Regierung nicht machen können; denn alle Parteien, von den Deutschnationalen bis zu den Kommunisten, sind sich diesmal darüber einig, welche Sicherheiten Deutschland fordern muß, um nicht als ganz unbeteiligte Macht in einen bewaffneten Konflikt zwischen den Westmächten und Rußland hineingezogen zu wer­den

EKwaez-tStiß-rei von Saarbrülten bis Köln.

Saarbrücken, 20. iuni. Als Auftakt zur Tausendjahrfeier im Saargebiet prangen Saarbrücken, und selbstverständlich auch die anderen Ortschaften des Saargebiets, im Fahnenschmuck. Tausende von Fahnen und abertausende von kleinen Fähnchen und Wimpeln flattern an den Häusern. Kein deutsches Haus ist ohne Schmuck. Girlanden in allen Farben und aus Tannen­grün zieren die Straßen, Brücken und Häuser. Die Autos, Fuhr werke, Fahrräder, alles ist mit Fähnchen geschmückt. Schwarz­weiß-rot überwiegt, trotz des Verbotes, der Regierungskommis­sion, die das Flaggen in den alten deutschen Reichsfarben unter­sagte. Ein Urteil der Saarbrücker Strafkammer entschied noch gestern, daß das Verbot der Regierungskommission ungesetz­lich ist und daß nach der Auslegung der Gesetze und des Friedens Vertrages von Versailles die Fahnen Schwarz-weiß-rot als im Saargebiet noch zu recht bestehend und durch kein Gesetz abge- Jrbafft worden feien. Das mit großer Spannung erwartete Ur­teil, hatte denn auch feine Wirkung, immer und immer wieder werden schwarzweißrote Fahnen aus den System gehängt. Ein überwältigendes Bild, wie man es hier noch nicht gesehen hat. Noch in letzter Stunde hat die Regierungskommission ein neues Verbot erlassen, das allen Regierungsbeamten untersagt, die Dienstgebäude und die Dienstwohnungen zu beflaggen oder zu illuminieren. Auch das Verbot, daß die staatlichen Forsten kein Grün zur Beschmückung der Häuser obgeben dürfen, mutet ei­gentümlich an. So wurde denn das -Tannengrün und das Ei­chenlaub aus den städtischen Wäldern geholt. Auch mit diesem Verbot konnte die Regierungskommission der Tausendjahrfeier im Saargebiet keinen Abbruch tun. Diese Begeisterung muß es jedem sagen, daß es keine Macht der Welt erreichen wird, bas Saargebiet vom Rhein und vom deutschen Boden zu trennen!

Kölns deutscher Lreueschwur.

Köln, 20. 3uni. Die Stadt Köln beging heute nachmittag ihre Rheinische Tausendjahrfeier mit einem Festakt in der gro­ßen Messehalle. Die offiziellen Vertreter des Reiches, der Länder, der Provinz m der Parlamente nahmen daran als Gäste teil. ihnen hatten sich-Laufende andere angeschlossen, so daß die große Halle und ihre Lmporen bis auf den letzten Platz gefüllt waren. Studentische Korporationen in Wichs mit ihren Fah­nen gaben der Veranstaltung ein farbenfrohes Bild. Das Prä­ludium von -Strauß unter Leitung des Kölner Generalmusikdi­rektors Professor Abendroth leitete den Weiheakt ein. 2n fei­ner Festrede gab der Leiter des Kölner Schiller-GMinafiums, Oberstudiendirektor Dr. Maier, einen weitausgelegten Ueber- blick über die vergangenen tausend iahr-e rheinischer und deut­scher Geschichte und die politischen und kulturellen Zissammen- Hänge des Rheinlandes mit dem übrigen Deutschen Reich.

Das Finale über Schillers OdeAn die Freunde" aus der neunten Symphonie Beethovens mit Cläre Dut, Ruth Arndt, Waldemar Henke und Michael Gitowskg als Solisten beschloß den Festakt.

Abends fand dann in Gürzenich das Festmahl statt. Ober­bürgermeister Dr. Adenauer begrüßte die Vertreter der Reichs und Staatsregierung, der -Länder, der Povinz, die Vetreter des Provinziallandtages und die Vertreter der Religionsgesell- schaften. Die Versammlung sang darauf stehend das Deutsch­landlied. Der Reichsminister für die besetzten Gebiete Frenckeir entbot darauf im Namen des verhinderten Reichskanzlers Dr. Luther dessen Grüße und Glückwünsche zur iahrtausendfeier. Er gab dem Wunsche Ausdruck, daß das heutige Bekenntnis zum Deutschtum überall in der Welt gehört und gewürdigt werden mochte. Der Bund zwischen dem Reich und dem Rheinland werde nie vergehen. Ferner sprachen noch Kultusminister Becker Re i chsarbeitsm imster Braun, der Vizepräsident des Reichstages Dr. Bell und der württembergische Senatspräsident Dr. Hieber.

Tausendjahrfeier in München.

München, 20. iuni. Die Tausendjahrfeier des Rheinlan­des wurde in "München am Freitag abend auf dem Königsplatz begangen, an dessen Südseite, -rechts und links der Freitreppe zur Staatsgalerie, Flammen auf drei Füßen zum nächtlichen Him­mel loderten. Minist-erpräsidestt Dr. Held ergriff das Wort zu einer oft von Beifall und -«Zustimmung unterbrochenen Ansprache die ausklang in die Wacht am Rhein. Aach dem Riederlän- dschen Dankgebet und dem Deutschen Liede zogen die Ltuden- ten wieder in geschlossenem Zuge ab. Der Ministerpräsident hatte manch deutliches und unerschrockenes Wort gesprochen. Am meisten zündeten die Sätze: Frankreichs Rheingelüste feiern wieder einmal in einer dem Kulturstand Europas hohnsprechen­den Form alte Orgien, in immer neuer Art treten sie an die OeffenUichkeit, bald mit Gewalt ihr Ziel heischend, bald in einem verschlagenen politischen Spiel, das auch vor der Fälschung der