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Hessische

Morgenzeituns

Linzpipreis 10 Goldpfg.

Ful-aer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön un- Vogelsberg, Fulda- und Haunetal

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Nummer 146 Eamötag, den 27. Sunt 1925. __________59, M Nahrganv.

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Stitt rWWs MerdetWM'Wsebet an SeuNcklant.

Berlin, 26. Juni. (Sig, 3nJormationsblenst.-Telcgr.) Der Berliner Korrespowdont de sSd)o de Paris' bringt eine dar- mieretide Sensationsmeldung, in der bielhauptet wird, dass die russische Sowjetregicning an Deutschland mit einem Lichecherts- angebot herangetreien sei, dessen Ziveck es wäre, einen Sicher - beifspakt mit den Wostmächteu überMsig zu machen. Die Low sctregivning wollte die Verpflichtung irbeniehrnen, irgendwelche Abnlachnngen mit Frankreich, die eine Spitze gegen Deutschland enthalte» könnten, abzn lehnen. Sie würde, wenn notwendig, die Westgrensen Deutschlands am Schein mit den russischen Kruppen garantieren. Weiterhin biete Moskau seine Dienste an, um ans Polen einen Druck anspniben, damit es Deutschland gegenüber eine Abänderung seiner Grenzen zngestehe. Der deutsche Bot­schafter in Moskau, Graf Vrockdorf-Aantzau, habe dk Annah­me des russischen Vorschlages aufs wärmste empfohlen.

Ss ist klar, dass diese französische Lendenzmeldung den Zweck verfolgt, die aussenpolitische Cage ernsthaft zn beunruhigen und die Verhandlungen über einen Sicherheitspakt zu stören. Dent- scherseits kann nur mitMeilt werden, baß derartige Vorschläge Russlands niemals an Deutschland ergangen sind.

Das gesamte ReiKskabineN bei der Besprechung der Minisierprüsibentru.

Berlin, 26. Luni. (Sig. Sufornrationsdienst.-Lolegr.) Wie wir hören, wird das gesamte Nelchskabiuett an der Besprechung mit den Ministerpräsidenten d>er Länder leilnehmen, nm die Mei nung der Slesamtregiierung zum Ausdruck zu bringen. Die Führ ung der Verhaudlrmge» dürfte, wenn nicht in letzter Stunde an­ders deponiert wird, in Händen des Reichspräsidenten von Hin­denburg liegen. Da die Sntioaffn uitgsf ragen in den Hintergrund getreten sind, bilden der Sicherheitspakt und die Völkerbunds- frage den Hauptgegenftand der Erörterungen. Am Schluss der Tagung wird ivahrscheiniich ein zusamMensafsender Beschluss ge­faßt werden, in welchem die Aufsast img der Konferenz dargelegt wird.

Gefestigte Lage des Kabinetts Luther.

Berlin, 26. Suaj. (Sig. Lnformattonsdienst.-Telegr.) Von massgebender parlamentarischer Seite erfahren wir, daß die Position des Amchskabinetts Luther-Stresemann absolut ge­festigt ist und daß die Koirfliktsstoffe wogbn der Zollvorlago in ih rcr innenpolitischen Tragweite erheblich überschätzt werde. Selbst wenn bei der Verabschiedung der Zollvorlage Schwierigkeiten auftreten sollten, so bestehe kein Grund zu der Befürchtung, daß eine Kabinettskrise ausbrechen wird. Die Djeutschnationalen sollen nach den Mitteilungen parlamentarischer Kreise absolut |

Die wichtige Rede Chamberlains.

Die große Rede des englischen Ausßenminister Chamber- tai» über die Sicherheitsfrage hat in den Berliner politischen Kreisen großes Aufsehen hervorgerufen. Man erblickt in den Darlegungen der englischen Regierung den ersten Versuch, die Situation zu klären und die Voraussetzungen für eine erfolg- versprechende Diskussion des ganzen Fragenkomplexes zu schaf­fen. Ausfallend ist, daß die Srk lärmigen Chamberlains weniger an die öffentliche Meinung in Sn glaub als an die Regierungen in Deutschland und in Frankreich gerichtet waren. Ss ist daher vorauszusehen, daß man jetzt in Berlin und in Paris auf die Ausführungen Chamberlains eingehen muß. Hochinteressant ist die Auslegung, die Chamberlain hinsichtlich der Anwendbar­keit des Artikels 16 der Völkerbundssatzungen gibt. Diese Auslegung wäre, falls sie zur Tatsache würde, für Deutschland annehmbar und könnte sogar die Voraussetzung für den Sin- tritt Deutschlands in- den Völkerbund schaffen. Chamberlain betonte, daß sich Artikel 16 gegen denAngreifer" richte. Wenn in einem deutsch>-pâischen Konflikt Deutschlands alsAn­greifer" auftrete, dann bestehe die Verpflichtung!, Polen zu Hilfe zu kommen, fei Polen dagegen her unprovozierte Angreifer Deutschlands, so würden Snglanb jund Frankrhich gegenüber Polen nicht die geringste VerpfUrlztmlg haben, auch nicht auf Grund anderer Verträge, sondern es trete wieder die Wirk­samkeit des Artikels 16, und zwar diesmal zugunsten des an­gegriffenen Deutschlands ein, da Deutschland von diesem ^Ar­tikel Kraft seiner Mitgliedschaft im Völkerbund Gebrauch ma­chen könne. Diese Mußerung Chamberlains ist von so großer Bedeutung, daß sie namentlich in Berlin . noch sehr eingehend geprüft werden wird. On den deutschen Regierungskreifen er­innert man nämlich daran, daß die Reichsregierung seinerzeit vom Völkerbund eine Interpretation des Artikels 16 verlangt bat, ein Bemühen, das insofern 'erfolglos geblieben ist, als der

entschlossen sein, in der Regierung zu verbleiben und die Außen­politik des Kabinetts in vollem Umfange zu unterstützen. Schon aus diesem Gruirde seien alle Gerüchte über die Gefahr einer 2iegiernngskrise hinfällig.

Vierzig Menschen bei einem Tbenterbrand in Amerika umgekommen.

wtb. Kansas-Litg, 26. Snni. telef. Gestern abend ist hier während der Vorstellung in einem Kino und Varietetheater Zen er ansgebrochen, das eine furchtbare Sxplojion zur Folge hatte, die wiederum den Zusammensturz der Bühne bewirkte. Der Verlust vieler Menschenleben ist zu beklagen. Nach der vor­läufigen amtlichen Schätzung wurden 30 40 Menschen getötet. Zu dein Brandung lück wird noch gemeldet, daß nach der Sx­plojion Flammen ans dem Dach heransschtnge», die das Gebäude alsbald einhüllten. Die Folterwehr und freiwillige Helfer ret­teten zahlreillze Menschen. Sin Mann wurde einige Stunden nach der Katastrophe noch lebend ans den Trümmern geborgen. Das Gebäude das 20 Läden und ein großes Mehllager enthielt, wurde vollkommen zerstört. Ss ist noch ganz ungewiß, wie viele Leichen unter den Trümmern begraben sind. Bei den Rettungs arbeiten wurde ein Feuerwehrmann getötet und zwei verletzt.

wib. Neivgork, 26. Juni. telef. Die schon gemeldete Thea­ter-Katastrophe in Kansas-Litg ist, wie weiter berichtet wird, durch eine Sxplojion in einem Laden unter dem Theater verur­sacht worden. Die Decken und die Galerien des Zuschauerrau- mes stürzten ein. Die umherliegenden Trümmer verursachten unter den, zu den Aushängen drängenden Zuschauern eine furcht bau Panik. Ueber die Z«i> Xi Ops.r liegen ^ .^«ue ge­nauen Eingaben vor.

Einverständnis mit den Richtlinien Maldonalds.

S» der Aussprache über den Garantiepakt erklärte zu­nächst Llogd George: Das deutsche Angebot bezüglich der West grenze ist so wertvoll, daß es unbedingt zum Gegenstand eines internationalen Dokuments gemacht werden muß. Aber es darf nicht her leiseste Zweifel bleiben, was S ri glaub tatsächlich garantiert und was nicht. Die westliche Verpflichtung sei prak- tisch von der östlichen nicht trennbar. Bezüglich des Westens, müßten so vitale Fragen wie folgende dem Schiedsverfahren überwiesen werden: die Streitfrage bezüglich der Räumung dös besetzten Gebietes, insbesondere auch der Saar sowie der Ver­waltung des Rheinlandes. Dabei müsse klargestellt werden, daß der englische Einfluß auf den Schiedsspruch sichergestellt ist. Um­gekehrt dürfte der Pakt keinerlei Handhabe für isolierte Akti­onen Frankreichs bieten. Alle Schiedsgerichte und Pakte seien

Völkerbund nur unbefriedigende 'Erläuterungen geben konnte. Chamberlains Interpretation ist aber für Deutschland annehm­bar. 'Es fragt sich nun, ob sich die englische Regierung und das englische Parlament den Standpunkt Chamberlains endgültig zu eigen machen, damit in späterer Zukunft nicht etwa der Falk eiiitritt, daß man sich deutscherseits auf derartige 'Erklärungen beruft, die Gegenseite sie aber wieder vergessen hat. Wie man erfährt, wird wahrscheinlich Reichskanzler Dr. Luther persön­lich in den nächsten Tagen in einer Rede auf die Erklärungen Chamberlains antworten. Nachdem die engt ichs Regierung ihren Ltaödpunkt dargelegt hat, muß man allerdings erst noch eine weitere Stellungnahme1 der französischen Regierung, und zwar zur Interpretation des Artikels 16 äbwarten, ehe man deutscherseits in bi« Erörterungen eingreifen kann. Man setzt aber in Berlm voraus, daß die wesentlichsten Stellen der eng­lischen Erklärungen auch für Frankreich vollkommen neu sind und dort entsprechende Wirkungen Hervorrufen werden. Lehr wichtig wäre für Deutschland die Frage wie sich Frankreich zu der Interpretation Chamberlains hinsichtlich des Artikels 16 verhält. Die französische Regierung befindet sich zweifellos in einer sehr peinlichen Lage; denn sie kann gegen -Chamber­lains -Standpunkt weder in juristischer noch in moralischer Hin­sicht auch nur das geringste eimveuden. Man wird daher da­mit rechnen müssen, daß die französische Regierung ausweicht und überhaupt nicht auf die Erörterungen eingeht. Dann wür­de es aber Aufgabe der deutschen Diplomatie sein, sofort ein- zugreifen' und die Diskussion über den Artikel 16 wieder in Fluß zu bringen, zumal bei dieser Gelegenheit die Frage des Dunchmarschrechtes endgültig geklärt werden kann. Sn den Berliner außenpolitischen Kreisen muß man übrigens feststellen, daß die Klärung der außenpolitischen Situation jetzt von Tag zu Tag Fortschritte macht.

wertlos, wenn nicht die Streitfragen aus dem Friedensverlrage, dem Schiedsverfahren zugänglich wären. Die französische Forde­rung, daß der Pakt eine Klausel enthalten müsse, die eine Aenderung des Friedensvertrags beschränke, die eine unan­nehmbar, da he der klaren ZMcherung der bekannten Mantel- note zum Friebeirsvertrag wideisprechL.

Macdonald faßte feine Kritik in folgenden Forderungen zusammen:

1. Keine Macht darf in Europa vorherrschen.

2. Keine Allianzpolitik mehr, sondern gegenseitige Ver­ständigung einschließlich Deutschlands.

3. Keine erniedrigende Niederhaltung einer einzelnen Nation.

4. Nationale Politik und keine Parteipolitik in der Au­ßenpolitik zwecks Erreichung der Sicherheit durch die Methode der Schiödsversahron und Abrüstung.

Diese vier Punkte wurden von Chamberlain in seiner Erwiderung angenommen.

Sm Einzelnen erklärte Chamberlain noch:

Die beabsichtigte Regelung schafft keine neuen Rechte, ins- besondere kein Durchzugsrecht. Auf die präzise Frage Macdo­nalds, wie sich die Lage Englands gestalten würde, wenn Frank­reich von Deutschland das Durchmarschrecht fordere, Deutsch­land den Durchmarsch nicht gestatte und dann Krieg ausbreche, erwiderte Chamberlain, daß bei einer unabwendbaren Kriegs­gefahr der Völkerbund die Angelegenheit in Erwägung ziehen würde. Erst wenn der Völkerbund zu dem Ergebnis komme, daß die versöhnlichen Mittel erschöpft und erfolglos geblieben sind und wenn er daraufhin alle Mitglieder der Nation aufge­fordert habe, dem benachbarten Lande seden Beistand, dem An-

ELUÜber. zu gewähr, erst bann kann die Frage eines Durchzugsrechts durch fremdes Gebiet aufgeworfen werden. Nach Ailsicht der britischen Negierung habe -nie­mand das Necht, durch das Gebiet eines anderen Landes zu marschieren, ausgenommen unter den im Völkerbund festgesetzten Bedingungen oder im Falle einer Aufforderung des Völkerbundes selbst. Weder der Pakt noch die Französischen Ostberträge ändern diese Rechtslage. Sm Fall eines russisch-polnischen Krieges insbesondere ist England so ungebunden wie bisher. Der formale Ausspruch auf eine Re­vision des Friedensvertrags bleibt unberührt, ist jedoch zurzeit unmöglich und muß durch gegenseitige freie Vereinbarung gesche Heu. Wenn die Militürkontrolle auf den Völkerbund überge­gangen ist, dann steht diesem auch die Ueberwachung der recht­zeitigen Räumung der besetzten Gebiete zu. Ebenso siegt die Saarfrage dem Völkerbund ob und ein Widerstand Frankreichs ist undenkbar, denn dies bedeutet Krieg gegen den Völkerbund.

Ln Erwiderung auf eine Bemerkung Cloyb Georges über bie Kölner Frage erklärte Chamberlain, er hoffe, daß Köln binnen einigen Monaten geräumt werde. Er wisse, daß es bei gutem Millen auf beiden Seiten geräumt werden könne. Wenn ein Fweifel darüber entstehe, ob die Entwaffnungsbestimmun­gen erfüllt seien, von dem Augenblicke an, wo die Militär- kontrolle in Deutschland zurückgezogen ist swas der Fall sein wird, wenn die Bestimmungen erfüllt sind, die England die Räu­mung Kölns ermöglichen), dann bestimme der Vertrag, daß die Abrüstung Deutschlands unter die Aufsicht des Völkerbundes gestellt werden solle. Es fei dann Lache des Völkervundes, zu entscheiden, ob die Bedingungen erfüllt sind oder nicht.

M*

Die Opposition ist trotz des rhetorischen Erfolges Cham­berlains von feinen Argumenten nicht überzeugt. Als das Hauptereignis des gestrigen Tages wird vielfach die Rede Cloyb Seorg.es bezeichnet. Leine Zurückhaltung und sein offenbar be­absichtigter Verzicht auf oratorische Triumphe kann vielleicht als ein Beweis dafür angesehen werden, daß er weilergehende po­litische Pläne hat. Er wird denn auch in weiten Kreisen als der kommende Ministerpräsident bezeichnet. Die Regierung so hört man vielfach, würde das Budget nicht überleben.

Die Politik der Woche.

Von unserem Berliner Mitarbeiter'wird uns von 26. Sun, geschrieben:

Die französische Licherheitsnote traf gerade in einem geeig­neten Augenblick ein, der für die Erörterung der Entwaffnungs und Licherheitsfrage besonders günstig geschaffen war. Nach­dem die alliierten Entwaffnungsnote für die Neichsregierung ei­ne überaus peinliche Situation geschaffen hatte, die namentlich in Bezug auf die Erörterungen des deutschen Licherheitspaktes vom 9. Februar recht kritische Aeußerungen seitens der par­lamentarischen Parteien über sich ergehen lassen mußte, konnte die Aufmerksamkeit der politischen Kreise wenigstens vorüber­gehend von der Entwaffnungsnote abgelenkt werden. Da man sich inzwischen daran gewöhnt hat, Entwaffnungsproblem und Sicherheitspakt in engsten Zusammenhang zu bringen, war ohn« weiteres die Möglichkeit gegeben, deutscherseits die erforder­lichen diplomatischen Schritte einzuleiten, um die Möglichkeiteo