Heftifche
Linzplpreis 10 Solbpfg.
Morsemettuns
Ml-aer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön und Vogelsberg, Ful-a un- Haunetal
nf. «.„tr.to, Moraenzeitung" erscheint wöchentlich 6 mal, (außer Montags), Sonntags ? im M». B-ruyspreise: Durch die Post bezogen monatlich 1.50 Rentenm, Lusschlichüch P°stl!°bUhren, Bei Zustellung durch unsere Träger monâh 1.75 Rentenmark.
Anzeigen: Die 7 gespaltene MiMmeterzeile 0.04, auswärts 8,87 Rentemnail. Die 82 mm
«ür bi» Vottsaemeinilbaft — Rüt den Ständefrieden breite Millimeter R°N°m°z-il- total 0,30, auswärts 0,40 Kentenmarf. Bei Wiederholung
Vie ^»U»gvmeiIl|UJUH »ur VCH wunvu^swt Rabatt, Postschecklonlo Frankfurt a.M. 28012. Fulda, Kanalpratz- 44. Fernsprecher 1'13.
Nummer US
r Mittwoch, den 1. Suli ISA.
<**-***-=———!**——-—*=*-——*—*■
59. (2.) Mrgang.
Die Derberrttung des deutschen Berhandlungsungebotes an Frankreich.
Berlin, 36. 3uni. (Sig. SnformatronMsnst-Telegr.; Wie lMr Höven, wird die Vorbereitung des von der Reichsr Gierung beabsichtigten VerhandtungsEgebot an Frankreich noch mehrere Lage in Anspruch nehmen, sodaß eventuell mit einer Berzö» geruvg des beabsichtigten diplomatischen Schrittes in Paris gerechnet werden muß. Die Regierungsstellen teilen mit, daß in den nächsten Lagen noch keine Entscheidung über die Zorm des deutschen Angebotes fallen werde.
Energischer Zollkrieg geg. Polen
Berlin, 29. 3unL (Sig. SufvnnationMenst-Lelegr.) Die polnische Regierung hat bis zum gegenwärtigen Augenblick noch keine offiziellen Maßnahmen griffen, die als Beginn eines deutsch-polnischen Zollkrieges ansgefaßt wevdon könnten. Wie wir hören, ist die Reichs regier ung selbstverständlich entschlossen, mit energischen GegemuMnahmen zu airtworten falls Polen wirtschaftliche Druckmittel gegen Deutschland anwenden sollte.
Sie Sozialbemskralle mb die deutWe AußenvvliNk.
Berlin, 29. Gum. (Sig. L^ormationsdienft-Letegris Aus fozialdeni akratischen Kreisen erfährt man, daß die Sozialdemokratie bioRegieruug Luther in den außenpolitischen Tragen mcht unterstützen will. Das Reichskabineü müsse seine außenpolitischen Aufgaben mit Hilfe der hinter ihm fixenden Parteien zu lösen betrachte«, da es die Sozialdemokratie als Oppositionspartei keineswegs als chre Pflicht erachte, der Regierung Luther aus chreu Verlegenheiten herauskommeu zu helfen. 3m übrigen bedauere die sozialdemokratische Reichstagsfraktion die Unentschlossenheit des Reichskabinetts in der Trage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund. Durch diese Unentschios senheit werde sich die außenpolitische Situation Deutschlands im mer schwieriger gestalten.
Re Weiser Reise des österreichischen Außenminister.
Berlin, 29. Onni. (Sig. Suformationsdienft-Telegr.) Die Latsache, daß der österreichische Außenminister Dr. Mataja sich zu Besprechungen mit der französischen Regierung nach Paris begeben hat, hat in den deutschen politischen Kreisen große Ve- unruhigung hervorgerufen. Wie wir hören, soll der österreichische Außenminister auch die Absicht haben, auf seiner Rückreise der Reichsregierung einen Besuch abzustatten. Es Uff aber sehr fraglich, ob er diese Absicht ausführen wird, nachdem er bereits mit der französischen Regierung verhandelt hat und in
Die Räumung der Kölner Zone.
Wie wir von maßgebender unterrichteter Seite erfahren, ist vor kurzer Zeit in einer noch unverbindlichen Aussprache zwischen den deutschen diplomatischen Vertretungen und den alliierten Besatzungsmächten die Trage der Räumung der nördlichen Rheinlandzone kurz angeschnitten worden. Danach steht zu erwarten, daß die englische Regierung ihren Einfluß aufbieten wird, um die Räumung der Kölner Zone mit einer Beschteu «igung vornehmen zu können. Die englische öffentliche Meinung geht sogar dahin-, daß die Räumung Kölns iMbedingt mit der des Ruhrgebiets zusammen bis zum 16. August erfolgen müsse. Da die Reichsregierung offiziell nicht über die neuerlichen Absichten der alliierten Regierungen hinsicyllich der nördlichen Rheinlandzone unterrichtet worden ist, sondern nur auf die letzte alliierte Mitteilung über die Entwafsnungsfrage ange- wiefen ist, wonach die Räumung der nördlichen Rheinlandzone eist nach der Erfüllung der neuen Entwoffnungsforderungen folgen soll, muß erst abgewartet werden, ob die engujax Re- gu’iuug wirklich die Absicht hat, den anderen Bes atz ungsniächten die gleichzeitige Räumung Kölns mit der des Ruhrgebiets vorzuschlagen.
,. ^e deutsche Regierung wird ihrerseits alles aufbieten, um '0a möglichst sofortige Räumung der Kölner Zone zu erreichen.
o lte von englischer Seite kein Vermitliungsvorschlag erfolgen, jo wird die Reichsregierung von sich aus einen entsprechenden oilQlag an die alliierten Regierungen richten, um zum minde sten die gleichzeitige Räumung der Kölner Zone, mit der des Ruhrgebiets zu erzielen. Eine solche Zusage würde dabei garnicht einmal ein großes Zugeständnis an Deutschland bedeuten, oa nach deutscher Auffassung die nördliche Rheinlandzone bereits am 15. Sanuar hätte geräumt sein müssen.
Deutschland eine stark mißtrauische Aufnahme gewärtigen muß. Merkwürdigerweise haben die Unfreundlichkeiten des neuen österreichischen Kabinetts gegenüber der Awschlußfrage bisher noch nicht zu einer Lrübung der deutsch-österreichischen Bezieh nagen geführt.
WM Kampf bis zum letzten Mann.
wtb. London, 30. 3uni. telef. Reuter meldet aus Peking Setter al Zenggushiang hat in einem über ganz Ehiua verbreiteten Rundtelegramm erklärt, er sei bereit, einen Krieg der Ber geltung gegen die Zeinde Lhinas zu führen, obgleich weder seine Lrnppen noch deren Ausrüstung so gut seien, wie diejenigen der Teinde. Er wolle kämpfen bis sein letzter Mann gefallen sei. (Siehe hierzu auch den heutigen 3. Artikel. D. Red.)
Botschafter Empfange beim Reichspräsidenten.
Berlin, 29. 3uni. Der Reichspräsident hat heute vormittag 11.30 Ahr den neu ernannten außerordentlichen und bevollmäch tigten Botschafter der Bereinigten Staaten Don Amerika, Hr. Schurmann, zur Entgegennahme sein. Begiaubigungsschrei- bens unB des Abberufungsschreibeus des bisherigen außerordentlichen und bevollmächtigte» Botschafters der Vereinigten Staaten, Herrn Hougthon, empfangen. Botschafter Schurmann hielt hierbei folgende Ansprache an den Herrn Reichspräsidenten: . / „
.Eure Exzellenz! Der bisherige außerordentliche und bevollmächtigte Botschafter der Bereinigten Staaten von Amerika Herr Elanson B. Houghton ist auf einen anderen Posten versetzt worden und außerstande, sein Abberufungsschreiben per sönlich zu überreichen. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat mich daher beauftragt, dasselbe Eurer Exzellenz einzuhändigen. Gleichzeitig habe ich die Ehre, Eurer Exzellenz mein Beglaubigungsschreiben als außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter bei der Regierung Eurer Exzellenz zu übergeben. Es ist der
Wunsch meiner Regierung in dem vollsten Maße gegenseitige Zreundschaft zwischen unseren beiden Ländern zu pflegen.
Persönlich von herzlichen 'Empfindungen beseelt, die in gemeinsamem Leben und gemeinsamem Studium ihren Anfang nahmen und durch fortgesetzte gesellschaftliche Beziehungen genährt worden sind, wird es mir eine besondere Senugtuung sein, die Snstruktionen meiner Regierung auszuführen. Sch bitte angelegentlich, daß die Regierung Eurer Exzellenz mir Vertrauen und Zusammenarbeit gewähren möchte, wie sie meinem Amtsvorgänger in so reichem
Paris, 29. 3uni. Der Befehl zur Räumung des Ruhrgebietes ist Sonnabend erteilt worden. Am Quai d'Orsay wurde heute hierzu bemerkt, daß diese Räumung des Ruhrgebietes selbstverständlich nur mit Vorsicht und streng systematisch durch- geführt werden könnte. Augenblicklich sei man mit der Räumung verschiedener Proviant- und Waffenlager beschäftigt. Danach würden weitere Räumungsmaßnahmen befohlen werden.
An den zuständigen deutchen Stellen ist von einem Beginn der deutschen Räumungsmaßnahmen bisher noch nichts bekannt. Es wird aber immerhin für möglich gehalten, daß mit einer allmählichen Räumung der Proviant- und Waffenlager in einigen Städten des Ruhrgebietes der Anfang gemacht worden ist. Man darf also voraussetzen, daß die heutige französische Regierung zum mindesten eine Verminderung der Ruhrbesatzung ernstlich ins Auge gefaßt hat. Die vollständige Räu- mungist bekanntlich nicht im Londoner Protokoll vorgesehen, wohl aber während der Verhandlungen der Londoner Konferenz von allen Beteiligten als bindende Verpflichtung angesehen worden. Wenn trotzdem das Mißtrauen in Deutschland nicht zu beseitigen ist, so hat sich die französische Regierung dies selbst zuzuschreiben. Mir sind zu oft betrogen worden, um nicht an französische Versprechungen, und seien sie noch so verbrieft, erst zu glauben, wenn sie ausgeführt worden sind. Das hindert jedoch nicht, daß wir die restlose Zurückziehung der französischen 'Truppen und Zivilbehörden nicht nur aus dem gesamten Ruhrgebiet, sondern auch aus dem sogenannten Einbruchsgebiet, den Brückenköpfen von Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort für eine selbstverständliche Pflicht der Trauzosen halten, ohne deren Er füllung der Dawes-Plan nicht durchgeführt werden kann, und auch nicht bindendes Recht bleibt.
' Maße und mit so glücklichem Erfolg gewährt worden sind. Als dann werden wir zusammen das Wiedererstehen der alten Beziehungen herzlicher Zreundschaft zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Vock fördern, die in der Vergangenheit in so hervorragender Weise zum Zrieden und zum Wohle der Menschheit beigetragen haben. Wiewohl sich die Welt heute im Zriedenszustande befindet, genießt sie nicht die Zrüchte des Strebens. Die Gespenster der Zurcht und des Mißtrauens gehen unter den Rationen um und stehen ihrem besten Streben nach wirtschaftlicher, sozialer und moralischer Wiederherstellung entgegen. Wenngleich es die Politik Amerikas ist, an der Lö Jung europäischer Tragen nicht teilzunehmen, und wenngleich es mir daher nicht anstehen würde, hinsichtlich des Wertes der politischen Aktion, die jetzt erwogen wird, eine Meinung zu bekunden, so ist es mir doch verstattet, es für ein glückliches Omen für den Trieben und die Gesundheit der Welt zu begrüßen, daß Deutschland eine neue Anwendung der vitalen Grundsätze der Verständigung und des gegenseitigen Vertrauen« vorgeschlagen hat. Mit tiefer Bewunderung für das, was Deutschland in der Vergangenheit für die Zivilisation beigetragen hat und mit festem Glauben an die Zähigkeit des deutschen Volkes, seine derzeitigen Schwierigkeiten zu überwinden, habe ich die Ehre, Eurer Exzellenz die besten Wünsche des Präsidenten und der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika für das Wohl und das Gedeihen Deutschlands zu übermitteln".
Der Reichspräsie^llt erwiderte mit folgenden Worten:
,zHerr Botschafter! Sch freue mich, aus den Händen Eurer Exzellenz zugleich mit dem Abbe rufungsschreiben Shres verehrten Herrn Amtsvorgängers das Beglaubigungsschreiben entgegenzunehmen, durch das der Präsident der Vereinigten Staa ten von Amerika Sie beim Deutschen Reich als außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter beglaubigt.
ZUr die freundlichen Worte, die Sie soeben an mich gerichtet haben, spreche ich meinen aufrichtigen Dank aus. Sch habe daraus mit großer Genugtuung entnommen, daß Shre hohe Rs gierung den Wunsch hegt, auch fernerhin die zwischen dem Deut sehen Reich und den Vereinigten Staaten von Amerika bestehende wechselteitige Zreundschaft in weitestgehendem Maße zu pflegen. Seien Sie versichert, verehrter Herr Botschafter, daß ich and die Reichrregierung eingedenk der zahlreichen Zreund- schaftsbeweise, die Deutschland in den letzten schweren Sahren von ihrem Lande empfangen hat, von den nämlichen Bestrebungen geleitet sind, wie Shre Regierung; wir werden tun, was in unseren Kräften steht, um Shnen die Erfüllung der mit Shrem verantwortungsreichen Amt verbundenen Aufgaben zu erleichtern. Reben den ausgedehnten wirtschaftüchen Beziehungen die Deutschland und die Vereinigten Staaten von Amerika wechselseitig verbinden, sind unsere beiden Länder von jeher durch starke geistige Bande verbunden. Sch zweifle nicht, daß Sie als ehemaliger Student dreier deutscher Universitäten, als Gelehrter von Weltruf und als langjähriger Präsident der berühmten Eornell-Universität, die uns schon einmal in Shrem Herrn Amtsvorgänger Andrew D Wiche einen hervorragenden Vertreter des Landes gegeben hat, gerade für die amerikanisch-deutschen kulturellen und geistigen Beziehungen volles Verständnis besitzen werden. Eurer Exzellenz Hinweis auf das unbefriedete Europa und Shre sympathische Würdigung der neu en Schritte, die die Reichsregierung unternommen hat, um eine gegenseitige und aufrichtige Verständigung herbeizuführen, beweisen, daß Sie, Herr Botschafter, warmherziges Verständnis für die politische Angelegenheiten und die ehrlichen auf einen wirklichen Zrieden gerichteten Absichten des deutschen Volkes besitzen. Zür die guten Wünsche der Herrn Präsidenten und der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika die Sie mir gütigst übermittelt haben, spreche ich Shnen meinen verbindlichsten Dank aus. 3m Namen des Deutschen Reiches heiße ich Sie, Herr Botschafter, herzlich willkommen".
’M*
Berlin, 29. 3uni. Der Herr Reichspräsident hat heute mittag 12.30 den neuernannten österreichischen außerordentli- ben Gesandten und bevollmächtigten Minister Dr. Zrank zur Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens empfangen. Gesandter Dr. Orank hielt hierbei folgende Ansprache:
»-Herr Reichrpräsrdentl Das Schreiben des Herrn Bundes Präsidenten der Republik Oesterreich, das ich Shnen zu überreichen beauftragt bin, und das ich Sie bitte entgegen nehmen zu wollen, beglaubigt mich bei der deutschen Regierung als außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister Oesterreichs und enthält den Ausdruck der Gefühle und Wünsche, die der Herr Bundespräsident und mit ihm das ganze Volk der Person Eurer Exzellenz und dem Deutschen Reiche entgegenbringt. Mit staunender Bewunderung verfolgen wir in der Oeffentlichkeit die ungeheuren und erfolgverheißenden Anstreng ungen des deutschen Volkes, durch rastlose Arbeit wettzumachen was ihm ein schlimmes Geschick an Schwerem aufgebürdet hat. Die ungebrochene Lebenskraft des deutschen Volkes, die sich hierin äußert, ist uns Trost in unserm eigenen Ungemach und Ansporn für die Aufgaben, welche die Gegenwart uns stellt.