___ Hessische Morvenzertung
Ml-aer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön und Vogelsberg, Fulda- und Haunetal
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Nummer 153
Dienstag, den 7. Juli 1925.
59. (Ls Mrgang.
Statt Menwechst! eine verWIWe AuispmKe der »iniftet.
^krfitt, 6. Juli. (€ig. Informationsdienst. ^Lekegr.) Aus Kreisen des Auswärtigen Amtes erfahren wir, daß die Reichs- rcgierung in der Rote, die Mitte des Monats an Frankreich abgefaudt werden soll, darauf Hinweise» wird, daß es für eine Verständigung Mischen Deutschland und den Alliierten unter allen Umständen ratsamer sei, anstelle des Notenwechsels eine mündliche Aussprache der Minister herbeizuftchven. Die schriftliche Erörterung der schwebenden Fragen mache sich außerordevt sich störend geltend, La nicht nur Kostbare Zeit verbraucht, sondern auch ständig eine gespannte Atmosphäre durch die geschaffen wird. Deutschland wünsche daher zu mündlichen Verhandlungen zu Kommen.
Sie Überlastung des Reichstags.
Berlin, 6. Juli. (Sig. Snformaiiousdieust.-Telegr.) Die Ansichten der Aerchstagsparteien über die Aussichten, die dringendsten gesetzgeberischen Aufgaben noch vor dem angesetzten Termin der Zerienpause zu bewältigen, gehen vorlänfig noch weit auseinander. Die Deutschnationalen rechnen unter allen Umständen damit, daß die dritte Lesung des Etats so beschleunigt wird, daß es noch möglich ist, das Zollgesetz zu verabschieden. Sie haben deshalb bei den Regierungsparteien angeregt, die Reden bei der dritten Ltaislssung möglichst einzuschränken. Das Zentrum teilt diesen Optimismus nicht in ferner Gesamtheit, obwohl einflußreiche Kreise der Wirtschaft und des Handels ebenfalls auf rasche Erledigung der Zollvorlage dringen.
- Sie WWoÄltiw miber Tschechoslowakei abgebrochen.
Berlin, 6. Juli. (Sig. Fnsormationsdierist.-LeleZr.) Die Arbeiten der deutsch-tschechischen Kommission über ein Pachtabkommen der Tschechoslowakei von Hasengelände in Hamburg und Stettin sind, wie wir zuverlässig hören, abgebrochen worden, da man zu einer Einigung nicht gelangen konnte. Die Ham burger und Stettiner Verwaltung hat die tschechischen Forderungen ablehnen müssen, da das beanspruchte Gelände, das die Tschechoslowakei erwerben will, einen zu ausgedehnten Komplex umfaßt. Die deutschen Unterhändler sahen wegen der Un- »achgibigkeit der tschechischen Forderungen keine Möglichkeit zur Fortführung der Verhandlungen. Man osreiubarte die Wiederaufnahme der Besprechungen für den September.
Nor deutsch-französischen Verhandlungen.
Su Berlin Kegen zuverlässige Mitteilungen vor, denen zu- französische Regierung zu direkten Verhandlunge:! u ^ öicherheitsfrage bereit sein soll. Die
‘°? Verhondtungsangebot an 'Frankreich hâ' M daher mit ^cschleunigung abgesaudt werden, da Ostdeutscher e.ts damit rechnet, daß es bereits Anfang oder Mâ August zu dentsch- rauzosischen Srötferuttgen kommt. Ver August wäre an sich schon ein ziemlich später Verhandlungstermin, denn der Völkerbund will im September wieder zu Beratungen zusammsntreten. Bis dahin soll sich Deutschland über die Frage seines Beitritts schlüssig geworden sein. Aach Auffassung der diplomatischen Kreise würde eine solche deutsch-französische Konferenz absolut nur vorbereitenden Tha- rakter haben können, denn ein so weittragendes Problem wie die Sicherheitsfrage läßt sich erst nach sehr langwierigen Verhandlungen regeln. Es würde also ganz falsch sein, anzunehmen daß unmittelbar nach den deutsch-französischen Erörterungen schon eine allgemeine Konferenz unter Einschluß Englands, Jta» wns einberufen worden könnte. Deutschland und Frankreich "Ersuchen, dem Ziele näher zu kom. u. die Hauptlimen ?:nb"iT&n’ a'U^ ^"EN sie eine Einigung herbeiführen zu können
n 1 zufälliges Zusammentreffen, daß die in Llus- sdeutsch-französische Konferenz wenigstens von ^Em Zeitpunkt vorbereitet wird, an wel- Sankt^n^'^^^E ber endgültigen Räumung des Ruhr- nud muna haben^ mird. Wird die Rä'n- Konferen- ^ 'o ^-^'' ^"un wäre für die deutsch-französische Seile km nfE,^ Atmosphäre geschaffen und beide stehenden Strotc^ ^" VorhaMungen Versuchen, die noch be- Verhandluu ""^'3 ?u klären. Das Ergebnis solcher £^ «US der ter der Sache er- ober E'stEE deutsch-französischen Annäherung oder Spannen,« Eiterns - mit einer verschärften '9 i jdien den beiden Ländern enden. Zur Zeit läßt
Keine Vollstreckung des Moskauer Todesurteils.
Berlin, 6. Juli. (Sig. Snformationsdieust.-Telegr.) Auf die Schritte hin, die die Reichsregierung unternommen hat, um eine Vollstreckung der gegenüber den deutschen Studenten in Moskau ausgesprochenen Todesurteile zu verhindern, scheint die Lswfetregierung sofort eingelenkt zu haben. Jedenfalls liegen in Berlin bestimmt lautende Nachrichten vor, wonach die Vollstreckung des Urteils unterbleiben wird.
Kronprinz Rupprecht Ehrendoktor in Erlangen.
wtb. Erlangen, 4. Juli. telef. Die philosophische Fakultät der Universität Erlangen hat dem ehemaligen Kronprinzen Rrupprecht von Bayern, der bei den Lubiiänmsseierlichkeiten des ehemaligen 19. bayerischen Snfanterierogiments in Erlangen weilte die Würde eines Dr. der Philosophie h. c. verliehen.
41 rote bis jetzt geborgen beim Elmtui lM§ Kl oyaujes.
wtb. Boston, 6. Juli. telef. Aus den .ammern des zu- fammengestirrztsu Picknick Klnbgebäudes sind bis jetzt 41 Leichen geborgen worden. Hierunter befand sich auch ein Polizei- Jnfpektor. der in dem Klub anscheinend nach polizeilich gesuchten Personen gefahndet hatte. 200 Rettungsmannschaften fetzten die Suche nach weiteren Verunglückten fort. Es hatten 200 Klubmitglieder in dem fünfstöckigen Gebäude das Unabhängig- keitsfest gefeiert. Sämtliche 200 Personen sind verletzt worden.
Egphus in der 2lm.
wtb. Kranichfeld a. d. Jim, 6. Juli. telef. Hier sind 25 Personen an Typhus erkrankt. Vas Baden in der Jim wurde verboten.
Polnisch-deutscher WèrLschastskrieg
Von- unserem Berliner Vertreter wird uns unterm 6. Juli geschrieben:
Ueber die Vorgeschichte und den gegenwärtigen Stand des deutsch-polnischen WivGchastskrieges erfahren wir, daß der von Polen angestrebte Zustand eines nur vorläufigen Wirtschaftsabkommens für Deutschland durchaus Unbefriedigend ist. Polen hat die deutsche Einfuhr durch außerordentlich hohe Schutz-
sich absolut nicht sagen, ob die Aussichten dieser Verhandlungen günstig oder ungünstig sind. Ss haben bereits wiederholte diplomatische Vorbesprechungen zwischen deutscher und französisch. Seite statt gefunden, aber man ist von einer Gurung noch soweit entfernt, daß es verfrüht wäre, etwas schon jetzt Erwägungen über die Tragweite der deutsch-französischen Ver- han dlunge n anzustellen.
Dr. Stresemann hat, wie aus dem Verlaufe der letzten Auseinandersetzungen der parlamentarischen Kreise zweifelfrei hervor gegangen ist, volle Bewegungsfreiheit, sodaß er in der Lage sein wird, im Falle direkter Erörterungen der französischen Regierung positive Vorschläge zu unterbreiten. Nachdem sich das Reichskabinett jetzt mit ihm solidarisch erklärt hat, würden den Schritten des deutschen Außenministers auch keine innenpolitischen Hemmungen mehr entgegenstehon. iWeun in der übernächsten Woche nach der Absendung der deutschen ote eine Aussprache im Reichstag zustande kommt, so wird bis dahin schon langst eine vollständige Klärung der parlamentarischen Situation herbei geführt sein. Der Reichskanzler hat die Führer der Regierungsparteien nachdrücklichst darauf hm- gewiesen, daß es jetzt keinen Streit mehr über die außonpoli- tische Lage geben dürfe, zumal die Situation viel zu weit gediehen sei, um derartige, die deutsche Stellung .schädigende Er- örterungen zuzulasien. Es bleibt daher auch vorläufig noch eine müßige Frage, ob der Reichstag nun dem Außenminister als solchem oder dem Gesamtkabinett nach Beendigung dieser Aus spräche ein Vertrauensvotum erteilen wird. Auf jeden Fall muß das Reichskabinett voll aktiv fein. wenn es sich mit der französischen Regierung an den Verhandlungstisch sehen will. Darüber bestehen and) in den Kreisen der Regierungsparteien keine Zweifel mehr, sodaß auf der Grundlage der volkspartei- licyen Richtlinien schon jetzt eingehende Besprechungen zwischen den parlamentarischen Führern statt finden, deren Aufgabe es ist, für die Regierung eine gejuperte parlamentarische Grundlage zu schaffen.
Zölle, die in den meisten Fällen prohibitiv wirken, fast vollständig erdrosselt. Diese Zölle sind in der letzten Zeit noch erhöht worden, sodaß tatsächlich ein großer Teil der deutschen Waren von der polnischen Einfuhr ausgeschlossen ist. Würden wir ein Provisorium mit Meistbegünstigung abschließen, dann würde Polen, mit seinen sämtlichen Erzeugnissen entweder fast vollkommen freie Einfuhr nach Deutschland Haven und nur wenige Erzeugnisse würden in kontingentierter Menge hereinkommen. Umgekehrt aber würde Deutschland nur in sehr geringem Maße in der Lage sein, seine Waren nach Polen herein zu bringen.
Trotz dieser Sachlage hat Deutschland bei den Verhand- lunngen stets das größte Entgegenkommen gezeigt. Die deutsche Regierung hat sich bereit erklärt, zunächst 60.000 Ton. Kohlen aus Oberschlesien hereinzunehmen, dann chr Angebot auf 100.000 Tonnen erhöht — Polen forderte 350.000 Tonnen, was schon für die deutsche Wirtschaft ein ganz außerordentliches Opfer bedeutet. Das deutsche Entgegenkommen zeigte sich auch darin, daß der Kohlenkommissar erklärte, daß die nach den Genfer Vereinbarungen bis zum 15. Juni hereinzunehmenden Kohlen aus Ostobsrschlesien auf den ganzen Monat verteilt werden dürften. Außerdem hat die Reichsregierung die Forderung fallen lassen, gleichzeitig mit den Wirtschaftsoerhandlungen eine befriedigende Lösung der Liquidationsfrage u. auch der Niederlasfungsfrage, die unzweifelhaft eine wirtschaftliche Frage ist, finden zu können
Trotzdem hat die polnische Regierung mitten in diese Verhandlungen hinein, ohne.eine AntwoN auf die deutschen Angebote zu geben, eine Verordn, erlassen, die für die wichtigst, deutschen- Erzeugnisse Einfuhrverbote bedeuten. Das ist eine wirkliche Wirtschaftskriegsmaßnahme, und die deutsche Regierung ist gezwungen gewesen. Gegenmaßnahmen, zu ergreifen, die nach Ltuffassung der sachverständigen Stellen durchaus wirksam sein und heute in Kraft treten werden. Die deutsche Regierung war dazu gezwungen, nachdem Polen die Verschiebung der in Kraftsetzung seiner Maßnahmen ausdrücklich abgelehnt hatte. Die deutsche Regierung ha-t auch damit noch keineswegs alle Türen zu Verhandlungen zugeschlagen, sondern sie wartet das Ergebnis der Ueberlegungen der polnischen Regierung ruhig ab, deren Antwort heute erfolgen soll. Die deutschen Zugeständnisse gehen sehr weit gegenüber den Forderungen Polens, das sich fast zu keinerlei Gegengaben bereit erklärt hat. Namentlich sind auch Zusagen über die freie Einfuhr von Vieh und Fleisch gemacht worden, trotzdem es nicht möglich ist, in ganz kurzer Zeit gleichzeitig auch noch über ein unbedingt erforderliches Veterinärabkommen zu verhandeln und ein solches zum Abschluß zu bringen. Der Weg zu weiteren ^Verhandlungen aber wird erst dann wieder frei sein, wenn Polen seine Wirtschaftskriegsmaßnahmen vorher aufhebt.
Wenn sich die deutsche Reichsregierung überhaupt nur mit den Gedanken eines Priviforiums beschäftigte — für sie ist nur ein langfristiger Handelsvertrag mit Meistbegünstigung von Wert — so ließ sie sich dabei von der Erwägung leiten, dadurch einen Wirtschaftskrieg zu vermeiden. Es fleht fest, daß ein Wirtschaftskrieg Polen ganz außerordentlich schwer treffen wird, aber es läßt sich auch nicht leugnen, daß ein Teil der deutschen Wirtschaft, namentlich derjenige, der fast ausschließlich auf den Export nach Polen eingestellt -ist, schwere Wunden erleiden würde. Ganz abgesehen aber davon ist ein Wirtschafts krieg niemals zu nehmen, weil doch einmal der Zeitpunkt kommen muß, wo er seinem Ende zugeführt werden muß.
Die Volkszählung im Deutschen Reiche.
ivb. Berlin, 4. Juli. Nach den Zusammenstellungen des Statistischen Reichsamtes über die von den Gemeinden und statistischen Landesämtern ermittelten vorläufigen Ergebnisse der Volkszählung vom 16. Juni beträgt die Bevölkerung des Deutschen Reiches ohne Saargebiet 62% Millionen. Rechnet man auch noch das Saargebiet, in dem wegen feiner vorübergehenden Lostrennung von der deutschen Verwaltung nicht gezählt werden konnte, mit -seinen rund 750 000 Einwohnern' hinzu, so beziffert sich die Gesamtbevölkerung des Deutschen Reiches auf 73% Millionen Einwohner. Das ist etwa die gleiche Bevölk-erun-gszahl wie sie das Deutsche Reiche früheren Umfangs bereits Ende 1906 aufzuweisen hatte. Bei Ausbruch des Weltkrieges zählte das Deutsche Reich bereits 68 Millionen Einwohner. Für das Reich innerhalb seiner heutigen Grenzen jedoch ohne Saargebiet, hat sich nach der Zählung vom 16. Juni gegenüber der Zählung vom 8. Oktober 1919 ei ne Bevölkerung um rund 3.3 Millionen oder 5. 6. v. H. ergeben. Jm vorhergehenden Zählungszeitraum 1910 bis 1919 be trug infolge der Kriegsverluste die Zunahme der Bevölkerung im heutigen Reichsgebiet lediglich 1.4 Millionen oder 2.4 v. H. Gegenüber der letzten Borkriegszählung am 1. Dezember 1910 hat sonach die Zählung vom 16. Juni 1925 eine Zunahme