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Hessische

Morgenzettung

Liurelpreis 10 Goldpfg.

Fuldaer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön unö Vogelsberg, Ful-a und Haunetal

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Für die Volksgemeinschaft Für den Ständefrieden

Nummer 156

Freitag, den io. Full 1W.

59. (2.) Fahrgang.

Erst pelltische Nerhandlunsen und dann Wirstchastsverhanblungen mit Frankreich.

Berlin, 9. SM. (Sig. SvformatüMsbi-ettst.-Telegr.) Die Aussetzung der deutsch-ftanzösischeu Wirtschastsoerhandlungou bis Mitte September wird in den Kreisen der deutschen Diplo­matie lebhaft begrüßt. Man erklärt, daß e s besser sein werbe wenn zuerst die zwischen Deutschland und Frankreich schweben­den politischen Fragen bereinigt sind. Erst dann werde es mög­lich sein, auch die wirtschaftlichen Probleme zu lösen, deren Klärung angesichts der politischen Gegensätze Mischen den beiden Ländern immer wieder scheitern mußte. Da die deutsch-fran­zösischen Verhandlungen über den Licherheitspakt bereits im August stattfmdeu dürften, sei es sehr wohl möglich, daß es im September gelingen könne, den deutsch-französischen Handels­vertrag abzuschließen.

Amnestie nicht vor dem Herbst.

Berlin, 9. Suli. (Sig. Snsormatiow-Idienst.-Lelogr.) Die Annahme, daß die Verkündung der AmneMe noch zum 1L Au- gust dem Verfassnugstage, möglich sein würde, scheint sich mcht zu bestätigen. Wie wir aus Kreisen des Reichsjustizmin isterrmn s hören, ist mit der Verkündung der Reichsamnestie vor dem Herbst nicht mehr zu rechnen. Der wesentliche Grund dafür ist darin zu suchen, daß anläßlich der kürzlichen Besprechungen Mi- scheu der Aeichsregiernng und den Ministerpräsidenten der Länder die Beratungen über den Licherheitspakt derart ausge­dehnt wurden, daß die Amnestiefrage völlig in den Hintergrund gedrängt wurde. Ende dieses Monats finden erneute Bespre­chungen zwischen der Reichsregierung und den Ministerpräsi­denten best Länder statt, deren wesentlichster Beratungspunkt die Antwort auf die Lntwaffnungsuote sein dürfte. Bei dieser Gelegenheit sollen, wie wir hören, die étpfiw<6m»n~» so«» tk Reichgamuestic soweit gefördert werden, daß der Aufstellung der Gesetzentwürfe nichts mehr im Wege steht. Das Parla­ment dürfte sich also erst nach den Ferien mit der Amnestiefrage befassen. St erscheint nicht ausgeschlossen, daß die angekLndigte Amnestie der Länder dann zu gleicher Zeit mit der Reichsamue- stie verkündet wird.

Ein unbrauchbares Angebot Polens zum Zollkrieg.

Berlin, 9. SM. (Sig. Snformatronsdienst.-Telegr.) Die neue polnische Rote, in der die polnische Regierung Dentschland

Die innenpolitische Lage.

Nach den Erklärungen des Reichskanzlers Dr. Luther im , Auswärtigen Ausschuß des Reichstages ist in der parlamen­tarischen Situation eine wesentliche Entspannung ein getreten. Die Regierungsiuehrheit stellt sich nunmehr geschlossen auf den Standpunkt, daß die Erörterung der Sicheilheitsfrage solange zuruckgestellt werden kann, bis die Reichsregierung auch wirk- 'lich m der Lage ist, dem Parlament erschöpfende Auskünfte über den Regierungsstandpunkt sowie über die Absichten des Kabinetts zu erteilen. Das Zentrum zeigt auch weiterhin in seiner Haltung, daß es ihm darauf ankommt, für den Augen­blick eine Regierungskrise zu vermeiden, für die spätere Zu­kunft aber eine andere parlamentarische Konstellation zu schaf­fen, die für die Wiederherstellung der Politik der Mitte ge­eigneter erscheint als die jetzige Koalition Luther, die den ent- schsidenden Einfluß auf die Rechtsparteien gelegt 'hat. Ueber die Vorgänge innerhalb des Zentrums werden in den parla­mentarischen Kreisen die wildesten Gerüchte verbreitet. Man will wissen, daß Dr. Marx als Führer des Zentrums die Par­tei nur solange bei der Regierung, Luther halten werde, bis der t Konflikt zwischen den Deutschnationalen und dem Außeumi- | nister Dr. Stresemann offen zum Ausbruch gelangt. Dr. Luther habe Marx vergeblich für die Regierung gewinnen wollen und chm einen Ministepsitz angeboten, den er jedoch ausgeschlagen habe. Diese Umstände ließen darauf hindeuten, daß Marx ^MP rechne, später wieder in führender Stellung Kn einem Gannett der Mitte zu wirken, wenn sich das Kabinett Lucher nicht als dauerhaft erweisen sollte. Zwischen Marx und Dr.' Eyer beständen ziemlich gespannte Beziehungen, die der Kauz- er r$w noch nicht habe abmildern können. Sn den demo- i f5rsl chyen Kreisen scheint man neuerdings ernsthaft bestrebt zu e'u ^l6 ,^^anNäherung an die Deutsche Volkspartei zu s ziehen. Einige Parlamentarier der Stresemannschen Rich- I ung zaven sich in letzter Zeit wiederholt auf Besprechungen mit der demokratischen Führern eingelassen, sodaß diese Be- I Übungen nicht ganz ohne Wirkung bleiben dürften. Die ; voiitschniaKMalâl denken aber nicht dchau diese Entwick- 9 ^" .Ordern, sonders, sie verharren auf dem Standpunkt, , auch weiterhin im Reichskabinett zu verbleiben und die bisher - 9Ctoonnee Position festzuhalten. Ls kann durchaus keine

eine Reihe von wirtschaftlichen Zugeständnissen machen will, um die Wiederaufnahme der Verhandlungen zu erzielen, ist nach Auffassung der maßgebenden Regierungskreise völlig unzuläng­lich. Die Aeichsregiernng beabsichtigt, Ende dieser Woche eine Antwortnote nach Warschau zu schicken. Vocher wird jedoch die Reichsregierung Gelegenheit nehmen, mit den deutschen Wirtschaftskreifen, die am Haudelsverkehr mit Polen intes- siert sind, eingehende Erörterungen zu pflegen. Die Gefahr ei­nes Wirtschaftskrieges Mische« Deutschland und Polen kann aber im gegenwärtigen Stadium als gemildert angesehen werden.

Folgen des beutschvoln. Zollkrieges.

wtb. Danzig, 9. Suli. telef. Infolge der Verschärfung des deutsch-polnischen Zollkrieges hat sich der Aufsichtsrat der Dan­ziger Suternationaleu Messe A. G. entschlossen, die Danziger Suternationale MMe, die vom 6. bis 9. August stattfiudeu soll­te, um einige Wochen auf die Lage vom 24. bis 27. September zu verlegen. Auch der Danziger landwirtschaftliche Maschinen- markt findet vom 24. bis 27. September statt. Ferner die Kol lektiv-Ausstellung des Bundes deutscher Gebrauchsgraphiker die zu einer größeren Abteilungmoderne Reklame" ausge- baut werden soll. Die Danziger Volkskraft-Ausstellung für Turnen unb Sport wird durch die Mess-everleguug nicht berührt. Sie findet vom 26. Suli bis 9. August statt.

_________-tim Tsössttvtoil in M^â^ __

Berlin, 9. SM. (Sig. Suformationsdieust.-Telsgr.) Wie wir hören, ist bereits ein Meinungsaustausch zwischen der deut­schen Regierung und der russischen Lowjetriegierung über das Moskauer Todesurteil gegen die deutschen Studeuteu im Gau­ge. Nachdem die Vollstreckung der Todesurteile nach den Zu- sicheruugc« der Sowjetregieruug nicht mehr in Frage kommt, ge Heu die Bemühungen der Reichsregierung dahin, die Frelleis- sung der Verurteilten zu erlangen. Die Sowjetregiernng zeigt jetzt offen die Absicht, ein Austauschverfahren zwischen dem in Deutschland zum Tode verurteilten russischen Staatsbürger, Lkolewski und den verurteilten deutschen Studenten mit der Reichsregierung abzuschließen.

Rede davon sein, daß die deutschnationale Reichstagsfraktiou Reigung verspüre, wieder in die Opposition zurückzugehen. Die gegenwärtige Fraktionsführung unter dem Grafen Westarp hat sogar seit dem letzten Wochen erfolgreiche Anstrengungen ge­macht, um in engster Fühlungnahme mit dem Reichskanzler Dr. Luther zu bleiben, der wiederholt zugunsten der Deutschnatio­nalen intervenierte, um die Gefahren ernster Gegensätze unter den Regierungsparteien zu verhüten. Neben den außenpoli­tischen Fragen spielt auch die innere Politik bei den gegenwär­tigen parlamentarischen Auseinandersetzungen eine außeror­dentlich große Rolle. Sm Edwerstäuduis mit der Deutschen Volkspartei hat Ne Regienmg Luther einen gemäßigten Rechtskurs «mgefchtagen, den das Zentrum sogar bis zu einem gewissen Grade milzumachen bereit ist. Dieser gemäßigte Rechtskurs hat zwar zu einer gewissen Verfchänfung der -par­lamentarischen Gegensätzebeigetrafen, aber die von der Linken angekündigten schweren innenpolitischen Kämpfe sind ausge­blieben. Da namentlich in den Verfassungssragen von Seiten der Regierung die denkbar größte Zurückhaltung geübt wird, konnte der Block der Weimarer Verfassungsparteien keinen ^ulaß finden, einen grundsätzlichen Kampf mit geschlossenen Fronten gegen die Regierung zu eröffnen. Vielmehr haben sich die Auseinandersetzungen bisher nur auf die Zollvorlagen und auf die Auswertungsfrage beschränkt, ohne daß es nötig ge- roefen wäre, den Meinungsstreit auf die Regierung zu konzen­trieren. Bei allen Auseinandersetzungen der Parteien konnte das Reichskabinett immer im Hintergrund bleiben und seine Neutralität sowohl der Linken als auch der Rechten gegenüber bewahren, viese Zurückhaltung des Reichskabinetis hat sich besonders im Präfidentschaftswahlkampf bemerkbar gemacht, bei dem sich tatsächlich ein Block der Rechten und eine Koali­tion der Weimarer Parteien gegenüber stand. Die Linke ist zwar bemüht, den Weimarer Block in seinen Grundl. zu erhalten aber es ist ihr bisher nicht gelungen, ihn gegen die Regierung ausspielen zu können. Für die Regierung Luther hat sich aus diesen Erfahrungen die Schlußfolgerung ergeben, daß das Reichskabinett seinen überparteilichen Eharakter wahren muß, wenn es nicht Gefahr laufen will, in eine Krise verwickelt zu werden.

Re Karbt wieder frei.

wtb. Recklinghausen, 9. Suli. telef. Aach einer von der französischen Besatzung bei der hiesigen Behörde eillgegaugene» Nachricht sind die Schießübungen in der Hardt El 4. 7. abge­brochen worden und werden nicht wieder ausgenommen, sodaß die Hardt von Ausflügler» in ihrem ganzen Umfange wieder jederzeit betreten werden kann.

Polens politisches Abkommen mit der Lschecho-Llowakei.

wt>b. Moskau, 9. 3uli. telef. Die Russische Tetegrapheu- Ageutur Sstwostija will wissen, daß im August große Manöver der polnischen Armee in Wochgnien abgehalten werden würden, an denen Generalstabsvertreter ans England, Frankreich, der Tschechoslowakei, Rumänien und den Randstaaten teüuehweu werden. Gleichzettig soll em poetisches Abkommen zwischen der Tschechoslowakei und Polen geschlossen werden, in dem die Rolle der Vertragspartner im Fall eines Krieges gegen eine dritte Macht, insbesondere gegen Deutschland und die Sowjet­union festgelegt werden soll. 2m Fall eines Krieges des einen Vertragspartner gegen Deutschland, trete der andere Vertrags Partner automatisch auf die Seite seines Verbündeten in den Krieg ein.

RMsblmlvräsident Schacht in der Walz.

-----wv-Tywvwrgpywjvuj~V7 ^rnrn <4Hruj^iaa/ vcr''uTnruc j tiuA .-k v ^ Schachts in der Pfalz fand gestern auf Einsadung der Handels­kammer Ludwigshafen eine Besprechung statt, an der Vertre­ter aus Kreisen der Snduftrie, des Handels und des Gewerbes teilnahmLn. Der Präsident der Ludwigshafener Handelskam­mer, Geheimrat von Wagner, wies in feiner Begrüßungsan­sprache auf die Not der Pfalz hin, die noch heute stark unter den Nachwirkungen der Separat.'stsnzcit leide. Mit Bezug auf die ungerechtfertigten Vorwürfe, Sie der Reichsbank darüber gemacht worden seien, daß sie die gewünschter Kredite nicht ge­währe, sagte der Redner, daß die Kreditsuchenden durch die endlosen Verhandlungen des Barrnatausschusses und zuletzt des Hoefleauchchustes irre geworden seien über die Verwendung vieler Millionen, insbesondere auch darüber, daß nie zu erfah­ren gewesen wäre, was aus den für die Pfalz bestimmten zwei Millionen Mark geworden sei. Zum Schluß bat der Redner den Reichsbaukpräsidenten, die Kreditgewährung besondere Rücksicht auf die Nöte der Pfalz nehmen zu lassen.

Dr. Schacht führte in seiner anschließenden Rede un.er an­derem folgendes aus, eins sei ihm aus der Zeit seiner Arbeit der Stabilisierung der Währung besonders lebendig geblieben, nämlich: die Rückwirkung, die die Stabilisierung auf das po­litische Verhalten der Bewohner der besetzten Gebiete gehabt habe. ön der Schreckensmonaten Ende des 2ahre 1923 und Anfang des 2ahres 1924 drohte im besetzten Gebiet alles aus den Fugen zu gehen. Mit Schrecken denkt er noch an die da­maligen Verhandlungen in Köln über die Errichtung einer rhei­nisch-westfälischen Notenbank. Um wenigstens die Wirtschaft über Wasser halten zu können, versuchte man, eine -Währn ngs- bank aufzubauen.

Zur Separatistenbewegung sagte Schacht, die Leiden der Pfalz seien den verantwortlichen Stellen in Berlin sehr zu Her zen gegangen. Als eine sehr glückliche Fügung betrachte er die damalige Währungsstabilisierung, die auch den Separatismus geschlagen habe. Wegen des der Reichsbank gemachten Vor-, wurfes, daß zuviele Kredite an die Wirtschaft gegeben wurde», äußerte Schacht, daß dies damals sein mußte, denn die Wirt­schaft mußte erst wieder in Gang gebracht werden. Die unge­heuren Mengen von Arbeitslosen mußten verschwinden, der Industrie mußten Betriebskredite zur Verfügung gestellt wer­den. Ueber ein bestimmtes Kontingent konnte, nachdem dies geschehen war, nicht hinaus gegangen werden.

Weiter führte der Reichsbankpräsident aus, die Rot der Pfalz sei vielleicht noch größer als die Rot- in der sich Deutsch land überhaupt befinde. Deshalb sei sich die Reichsbank bei ihren Maßnahmen der exponierten Lage, in der sich die Pfalz befinde, wohl bewußt. Die chemische 2ndustrie sei einer der Punkte, wo unsere ^Hoffnungen eiiisetzen müssen, denn die che­mische Industrie wer-de berufen sein, das zum Teil zurückzubrin- gen, was nach dem Kriege verloren gegangen sei. Eine Stei­gerung der Produktionsfähigkeit der Landwirtschaft sei auch im tintereffe der Industrie gelegen. Die chemische Industrie habe in der Produktionssteigerung eine hervorragende Auf­gabe. Dr. Schacht kam dann auf die engen Beziehungen der Pfalz zu Elsaß-Lothringen und dem Saargebiet zu sprechen und sagte, daß es Aufgabe der Pfalz sein müßte, alle nur mögli­chen kulturellen Beziehungen -insbesondere mit den Deutschen des Saargebietes and des Elsaß zu pflegen.