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Hessische

Morgenzeltung

Lilyptpreis 10 Goldpfg.

Fuldaer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön und Vogelsberg, Fulda und Haunetal

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Nummer 172

Mittwoch den 29. Mi 1925.

59. (2.) Mrgang.

HrudeNburss Boise und) SüddeutschlLud-

Berlin, 28. 3u!i. (Sig. Informationsdienst. ^Lelegr.) Wie wir hören, wird sich Reichspräsident von Hindenburg im Ver­laufe des nächsten Monats nach München begeben, wo anläßlich feines Befnches große Feierlichkeiten und Empfänge stattfinden sollen. Vorläufig ist geplant, diese Reise bereits am Abend des 11. August anrutreten, doch steht Mr Feit noch kein endgültiger

Termin fest. 2n den Berliner politischen Kreisen nimmt man an, daß der RÄchspräsident anläßlich seiner Anwesenheit in München auch politische Besprechungen mit der bagerischen Regierung haben wird.

Boston der Nânmmgsserhanblungen wegen Köln.

Berlin, 28. 2uli. (Sig. Informationsdienst.-Telegr.f Wie wir hören, haben die Erörterungen über die Räumung der nörd lichen Rheinlanbzone praktisch bereits begonnen. Die alliierten Regierungen haben sich auf den Standpunkt gestellt, daß in dem Augenblick die Räumung erfolgen könne, wenn die Entwaff- nngsfrage im Zusammenhang mit der letzten alliierten Note als erledigt gelten kann. Die Reichsregierung hat nunmehr, wie bereits im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages mitgeteilt wurde, eine Louderkommission eingesetzt, die bereits mit dem Beauftragten der interalliierten Militärkontrollkommission verhandelt.

Solle llebereiniüaummg zwischen Luther und Stresemann.

Berlin, 28. 3uli. (Sig. Luformations-ieust.-Telegr.) 3m Reichstag und auch in der französischen Oefsentlichkeit ist nach Beendigmlg der außenpolitischen Debatte im Reichstag der Eindruck entstanden, daß Reichskanzler Dr. Luther die Fragen des Sicherheilspaktes wesentlich anders beurteile als der Außen minister Dr. Stresemann, dessen Erklärungen in einigen Punk­ten von denen des Reichskanzlers sehr verschieden gewesen seien. Beispielsweise wurde behauptet, der Kanzler vertrete die schär­fere Richtung in Deutschland im Gegensatz zu dem Außeumini- fter, der auf Seiten der gemäßigteren Kreise stehe. Wie wir auf Grund authentischer Informationen mitteilen können, sind diese Vermutungen gänzlich abwegig. Es lag eine bestimmte Absicht darin, die Ausführungen des Kanzlers von denen des

ES

Der WMMM Siegt in der AbrüstungStrage

Die ^diplomatische Situation, die nach der Deberreichung der deutschen Antwortnote an Frankreich und der sofort ein- Ül. Kein eu Debatte über die deutschen Forderungen in der Si= cherheitsfrage in ein ganz neues Stadium eingetreten ist, läßt )irb «i-lmmehr viel klarer übersehen-, als man sich zuerst in den deutschen Rogierungâeifen versprochen hat. 3m ersten Mo­ment schien es, als wolle die französische Regierung die sehr deutlich erkennbaren deutschen Vorbehalte überhaupt ignorie­ren und auf möglichst schnellem Wege den Weg direkter Ver­handlungen beschreiten. Dieses Bild hat sich aber in dem Au­genblick geändert, wo der deutsche Reichskanzler in öffeu-- cher Reichstagsrode die Frage der Abrüstung angeschnitten und betont hat, daß Deutschland, das allein den Abrüstungsforder- ungen nachgekommen sei, auf den Bestimmungen des Versailler Vertrages bestehe wonach die Abrüstung allgemein durchgeführt werden müsse. Damit ist der natürliche Zusammenhang zwischen der Sicherheitsfrage und dem Abrüstungsproblem 'hebgestellt worden. Allerdings zeigt sich jetzt, daß die französische Dip-lo- watie die deutsche Abrüstungsforderung mit schärfster Ableh- zurückweist und durch die offiziösen Presseorgane die Fra- ^ ^^it, wie Deutschland eigentlich zu dieser Forderung kom- ^ daß die Reichsregiernng sich jedoch auf die klaren unb ttil-eutigen Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages berufen kann, scheint man französifcherseits völlig zu übersehen, -slan ust über den Widerspruch des Ouai d'Orsag allerdings überralscht, da man deutscherseits von vornherein: damit gerechnet hatte, daß Frankreich den deutschen Llbrüstu-ngsfor- ver ungen ablehnend gegenüber stehen.würde. Es wird daher die Aufgabe der deutschen Diplomatie sein, die französische Re­gierung an den Gedanken zu gewöhnen, daß ein Sicherheits- pakt nur-dann für Deutschland einen Sinn haben würde, wenn das Abrustuugsprobtem verwirklicht wird und die den enropäi- fchen Frieden störenden Rüstungen gewisser Länder endlich ein* man n Rer^' E * ^ Mt gesagt werden, daß ma in Berlin nicht daran denkt, in der Abrüstungsfrage einen ^xuckzug anzutreten.

Ä** *«<>« »i« Sttlhm^ L^, Aas *, laus ,m gegenwärtigen Stadium der Dinge von einer Erörter-

Außenministers völlig zu trennen und chnen eine andere Nuan­cierung zu geben. 3n Wirklichkeit besteht zwischen den beiden Staatsmännern in der Beurteilung der Sicherheitsfrage volle Uebereinstimmung.

Amerikas Meresse an der deutschen Zlustechnik.

Berlin, 28. 3uli. (Sig. Snformationsdienst.-Eelegr.s Die in Deutschland wellenden Vertreter des amerikanischen Flug­wesens beabsichtigen, wie wir hören, in den nächsten Tagen ei­nen Flug nach Dessau zu unternehmen, um die dortigen Lunker­flugzeug-Werke zu besichtigen. Da die Vereinigten Staaten für die nächste Zeit eine völlige Neuorganisation des amerikani­schen Flugzeugbaues projektieren, besteht bei chnen ein wesent­liches Interesse an der Organisation der hervorragendsten deut­schen Flugzeugwerke, deren technischer Aufbau von Amerika für außerordentlich mustergültig gehalten wird.

3um englischen Vergarbetterstreik.

wtb. London, 28. 3 ult. telef. Zu der heute mittag statt- findeuden Besprechung Baldwins mit den Grubenbesitzern, der man hier mit der größten Spannung entgegensiehl, verlautet, daß die Regierung voraussichtlich für die Dauer der wieder- aufzunohm enden Verhandlungen zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern den Grubenbesitzern eine einstweilige finanzielle Beihilfe zur Fortführung der Betriebe gewähren wird. Das Guthaben des von den Bergarbeitern boykottierten Untersuch­ungsausschusses soll heute veröffentlicht worden.

Die Lage in Marokko.

wtb. Paris, 28. 3uli. telef.Havas" meldet aus Fez: Zahlreiche Stämme im westlichen Teile von Marokko sind kam- pfesmüde. Sie wünschen die Feindseligkeiten zu beenden. Die Stämme der Dscheballahs, die von Abd el Krim aufgefordert worden seien, Truppen an die französische Front zu entsenden, zeigten wenig Begeisterung und seien über die Erklärung Ab­el Krims beunruhigt. Die Stämme in unmittelbarer Umgebung Abd el Krims scheinen gleichfalls kampfmüde zu fein, weil chre Hoffnung auf baldige europäische Hllfe bisher nicht erfüllt wor

ung der Abrüstungsfrage nichts wissen will. Der englische Premierminister Baldwin hat dem deutschen Reichskanzer Dr. Luther in seiner in Wiremiugham gehaltenen Rede ge­antwortet.3br seid zu schnell mit Euren Abrüstungswün- schenl Erlst muß der Sicherheitspakt geschlossen werden, dann kann man auch an Abrüstung denken". Die englische Regier­ung will demnach den deutschen Reichskanzler auf eine spätere Zeit vertrösten und der Berliner Regierung nahelegen, zuerst den Sicherheitspakt abzu,schließen, in dem guten Vertrauen darauf, daß die alliierten Mächte dann nachträglich bereit sein werden^ auf die deutschen Forderungen einzugehen. Sehr ver­trauenerweckend erscheint der BerlinerDiplomatie diese engli­sche Taktik nicht, aber man wird deutscherseits die Frage auf- werfen ,welche Garantien man der deutschen Regierung geben will, daß das Abrüstungsversprechen in der ähnlichen Weise ein gelost wird wie die Räumung des Ruhrgebietes, die auch erst ein Lahr nach dem Abschluß des Londoner Abkommens zur Durchfuh rung gietamgt e.

Ln diesem Zusammenhang muß auch auf die Stellungnahme Lil amerikanischen Regierung verwiesen werden, die den eng­lischen Standpuickt in der nachdrücklichsten Weise zu unterstützen scheint. Präsident Eoolidge soll erklärt haben, daß die Mächte zur Zeit noch nicht in der Lage seien, an einer Abrüst- uugskonferen.z in Washington teilzunehmeu, zumal noch keine Aussichten dafür bbstehe, daß Deutschland den Sicherheitspakt ermöglichen 'werde. Bis zum Llbfchluß des Sicherheitspaktes müßten die Mächte ihre gegenwärtigen Streitkräfte aufrecht erhalten. Demnach find die Aussichten für eine Abrüstungs- Konferenz in Washington zur Zeit entschieden ungünstig. Die deutsche Oefsentlichkeit darf sich aber und das ist die absolut feststehende ^ileiuung der deutschen Reichsregiernng durch solche Tatsachen keineswegs davon absrhrecken lassen, auf dem einmal eingenommenen Standpunkt zu verharren. Berlin mirb trotz allem an seiner Forderung auf allgemeine Abrüstung beste- ben, auch wenn vorübergehend eine Situation geschaffen wird, die einem völligen Stillstand -er Erörterrmgen gleichkommt.

-en sei. Wegen der bei dem Angriff auf den französischen Po­sten erlittenen schweren Verluste, sollen Rifführer Anweisun­gen erhalten, nur dann anzngreifeu, wenn der Erfolg sicher sei.

Ruhiger Zustand in Lhina.

wtb. Hongkong, 28. Lull, telef. Die FreiwilUgen, die we­gen der bedrohlichen Lage für geraume Zeit einberufen waren, wurden gestern abend teilweise entlassen, da die Erregung nach- gelasien hat.

Sandel u. Industrie in Spanien.

Der bekauute spanische Maler Zuloaga, der jetzt in den Ver einigten Staaten weilt und die Dollavkömge und -prinzessiunen auf die Leinwand bannt, malte, kurz bevor -er seine Reise nach Amerika antrat, das Porträt des nicht weniger veKannten Ree­ders u. Multimillionärs aus Bilbao, Ramon- de las Sota. Der Künstler verlangte für seine Arbeit die Summe non 50 000 Pe­seten und war nicht wenig erstaunt, als ihm der Kunde einen Scheck überreichte, der auf 1OOOOO Peseten ausgestellt war. .Als Zuloaga daraufhin den Kunstfreund um Rat bat, wie er dieses Selb am besten gewinnbringend anlegen könnte, bekam er die Gegenfrage zu hören, ob er nicht in seinem Heimatdorfe ein Landhaus hätte.La, da s besäße er".Run wohl", antwortete ihm der große Geschäftsmann bann sollte er in seinem Garten ein recht tiefes Loch graben und das Geld in der Srbe verstecken, da dies so, wie die Geschahe heute lägen, die einzige Möglichkeit sei, sich- vor Berlusten zu tchützeir.---

Diese Meinung des spau-ischen Krösus spiegelt -zwar etwas kraß, aber doch nicht unrichtig die allgemeine Lage in Handel und Lndnstrie -auf der -Lberjschen Halbi-nsel wider, und diese ungünstige Situation wird um so schmerzlicher empfunden, als. Spanien, das auf dem Weltmärkte schon seit langen Lahren als gar sehr bescheidenes Veilchen neben den anderen exportieren­den Rationen -dagestanden hatte, während des Weltkrieges mit einem Schlage in eine der ersten Stelle gerückt mar. Aus der Aachbarrepublik kamen Riesenaufträge, die es in der Textil­industrie zum Beispiel notwendig machten, daß Tag und Nacht ohne -Unterbrechung gearbeitet wurde. Die Gelder flossen in ungeheuren Mengen in die Kassen; die Käufer fragten -weder nach dem Preise noch- nach der Güte der Waren, und wenn es etwas gab, woran sie sich stießen, waren es nur die langen Lie­ferungsfristen, die durch das zum großen Teil unzeitgemäße Ma schinenmaterial -bedingt waren. Die kolossalen Verdienste der Fabrikanten brachten es mit sich, daß auch die Löhne und Ge­hälter stiegen, und im allgemeinen hatte jeder Besucher der spanischen Großstädte den Eindruck, sich, wenn auch nicht ge­radezu in reichen, so doch in Gemeinwesen in wohlgeordneten Verhältnissen zu- befinden. Auch im Echi'ffahrtswesen, «das schon seit Lahrh-underten darniederlag, machte sich bas Fehlen der ausländischen Konkurrenz während der Kriegsjahre außer­ordentlich günstig bemerkbar. Selbst die unbebentenbjten Ree- ber, die nur über ein paar alte Kästen verfügten, wurden über Nacht, ohne recht selbst zu wissen wie, zu Millionären. Mit einem Wort, alles, was sich im Lande auf Handel und Lndnstrie bezog, entfaltete sich zu einer ungeahnten und bis dahin unbe­kannten Blüte.

Kaum war jedoch der Krieg zu Ende, wurde dies alles an­ders. Mit den meisten Firmen ging es schneller abwärts, als sie hoch gekommen waren. Die Fabriken barsten die ausländi- kben Märkte, die sie ohne jegliche Mühe erlangt hatten, im Handumdrehen wieder ein, Md selbst auf dem spanischen Markte können sie sich heute nur unter dem Schutze sehr hoher Ein­fuhrzölle mit Mühe behaupten. Die Fabriken und Werkstät­ten arbeiten entweder nur halbe Tage oder haben sich gezwun­gen gesehen, viele ihrer Arbeiter zu entlassen. Obwohl dadurch die nationale Produktion auf ein Minimum herabgesunken ist, sind die Geschäfte trotzdem mit im Lande hergestellten Waren überfüllt, ba die Konsumenten, auf welche die Krisis ebenfalls ihre Schatten geworfen ihat, notgedrungen nicht mehr so kauf­lustig sind wie in den 'voraufgegangenenfetten Lahren". 3n ben großen Städten sind die Liquidationen und Riesenoerkäuse zu Schleuderpreisen an her Tagesordnung und die natürliche Folge ist, daß diejenigen Fabrikanten, welche noch soglück­lich" sind, Verkäufe zu tätigen, niemals wissen, ob Jie auch zu ihrem Gelde kommen. Nicht -besser steht es mit einigen Ausnahmen selbstverständlich mit den Schiffahrtsgesellschaf­ten, die rasch aus ihrer so schnell und ohne Anstrengung errun­genen Position wieder verdrängt worden sind. Sie müssen es sich gefallen lassen, daß die ausländi-s-che Konkurrenz ihnen die -besten Geschäfte wegschnappt unb haben mit dem Brocken vor­lieb au nehmen, bie von der anderen Tische abfallen.

Worin ist nun der Grund zu der Tatsache zu suchen, daß Spanien trotz der günstigen Borbedingungen, die durch die be-